Laufkraftwerk Kellerberg

Das VERBUND-Kraftwerk Kellerberg ist ein Laufkraftwerk an der Drau und östlich der Ortschaft Kellerberg in Kärnten gelegen.

Technische Beschreibung

Das Kraftwerk Kellerberg wurde von 1983 bis 1985 unter Mitfinanzierung der KELAG erbaut. Die drei Kraftwerke Paternion, Kellerberg und Villach wurden als Kraftwerkskette "Obere Drau" nach dem Konzept eines Pfeilerkraftwerkes errichtet. Bei diesem kommen je zwei Maschinensätze und drei Wehrfelder zum Einsatz und auch die maschinelle Ausstattung ist ident. Zwei vertikale Kaplan-Turbinen erzeugen im jährlichen Durchschnitt rund 93 GWh Strom. Das Kraftwerk verfügt seit September 2016 über eine Fischaufstiegshilfe.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1985
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Drau
Leistung: 25 MW
Jahreserzeugung: 93.193 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Die drei Kraftwerke Paternion, Kellerberg und Villach wurden als Kraftwerkskette "Obere Drau" von der Österreichischen Draukraftwerke AG (ÖDK) errichtet, wobei für alle drei Standorte das gleiche Konzept, nämlich das eines Pfeilerkraftwerkes mit zwei Maschinensätzen und drei Wehrfeldern zum Einsatz kam. Auch die gesamte maschinelle Ausstattung bis zu den Wehrschützen und den Portalkränen deckt sich bei den Werken. Für die architektonische Gestaltung zeichnet Horst Brudermann, der damalige "Hausarchitekt" der ÖDK verantwortlich.

Kellerberg wurde nach Villach als zweites Kraftwerk ausgeführt. Nach dem der Aufsichtsrat der ÖDK im Jänner 1983 den Baubeschluss fasste, erfolgte am 6. April die Auftragserteilung und ein Monat darauf bereits der Baubeginn. Das gesamte Werk wurde in einer einzigen rechtsufrigen Baugrube am Ende einer Drauschleife errichtet. Für die Triebwasserzufuhr musste vor der Drauumleitung ein Durchstich hergestellt werden, wobei Kellerberg keine eigene Wehranlage am Beginn des Durchstichs erhielt, was die Anlage vom Draukraftwerk Rosegg-St. Jakob unterscheidet.

Nach der Erschließung der Baustelle musste die geplante Baugrube mittels einer 590 m langen Schmalwand an drei Seiten abgedichtet werden. Obwohl die Einbindetiefe bis zu 18 m betrug, reichte die Dichtungswirkung für die sehr wasserdurchlässige Moräne am Talgrund nicht aus, was die Installation von Absenkbrunnen notwendig machte.

Am 1. August 1983 begannen die Betonierarbeiten, ein Jahr darauf die Hauptmontage der Maschineneinrichtung. Durch den Aufstau der Drau mussten im Oberwasserbereich ab Dezember 1984 Dämme als Hochwasserschutz aufgeschüttet werden. Nach der Fertigstellung des Durchstichs erfolgte am 1. Mai 1985 die Umleitung der Drau in das neue Bett. In der ehemaligen Kellerberger Drauschleife wurden naturnahe gestaltete Weiher und Gerinne, sowie ein Naherholungsgebiet und eine Fischaufstiegs-Hilfe angelegt. Der erste Teilstau am 1. Juni verlief erfolgreich, gleichzeitig wurde die Unterwasser-Eintiefung ausgeführt. Am 1. September feierte man mit dem Andrehen der Maschine 2 die erstmalige Energie-Einspeisung des Kraftwerks Kellerberg in das Kärntner Stromnetz.

Der erste Vollstau gelang am 1. November 1985, und mit der Inbetriebnahme der Maschine 1 am 1. März 1986 ging das Werk offiziell in Betrieb.
 
Architektur: Horst Brudermann
Planung: Planungsstab der Österreichischen Draukraftwerke AG (ÖDK).
Ausführung: Arge (Mayreder, Keil, List u. Co., Graz. Illbau, Spittal/Drau)
 
Das Kraftwerk Kellerberg liegt an der Oberen Drau etwa 1,5 km östlich der Ortschaft Kellerberg, zwischen dem flussaufwärts gelegenen Kraftwerk Paternion und dem flussabwärts folgenden Kraftwerk Villach und wird vom nördlichen Ufer erschlossen.

Die Kraftwerke Villach, Kellerberg und Paternion sind nach demselben Konzept mit jeweils zwei Maschinenpfeilern und drei zwischen den Maschinenpfeilern und den Uferpfeilern liegenden Wehrverschlüssen errichtet.

Villach, Kellerberg, Paternion:

Die beiden Maschinenpfeiler sind jeweils 20 m breit und insgesamt 64 m lang. Bei einer Höhe von etwa 30 m ragen sie im Unterwasser durchschnittlich 13,4 bis 14 m über dem Wasserspiegel auf. Die Flachdächer sind in die Kraftwerksbrücke integriert und enthalten je einen zweigeteilten, verschiebbaren Montagedeckel. Die aus schalrein belassenem Beton bestehenden, glatten Flächen der Pfeilermauern sind an der Unterwasser-Seite schräg geneigt. 

Unterhalb des Bodenniveaus der Kraftwerksbrücke führt an der Unterwasser-Seite ein Verbindungsgang über die gesamte Länge des Kraftwerks und erschließt Maschinenpfeiler und Nebenräume. Die Außenseiten sind als glatte Sichtbetonflächen belassen, die Fensterflächen wurden dem tragenden Gerüst aus Betonpfeilern vorgeblendet und bilden dadurch eine kontinuierliche Belichtungsfläche, die Aussicht auf die unterwasserseitige Landschaft gewährt. 

Die großformatigen Fassadenöffnungen sind im Bereich der Maschinenpfeiler quadratisch und erstrecken sich über die ganze Raumhöhe, im Bereich der Wehrfelder sind sie rechteckig. Die Fassadenöffnungen sind jeweils in querrechteckige, verglaste Felder unterteilt. Ein umfangreiches Bepflanzungskonzept umfasst Pflanztröge mit Sträuchern und Kletterpflanzen an den Pfeilern und den uferseitigen Gebäuden, die Begrünung von Flachdächern und eine Grünraumplanung für die Umgebung. 

Im Inneren der Maschinenpfeiler erweitert sich der Verbindungsgang zu einer Plattform, auf der die Steuerschränke für die Wehrverschlüsse angeordnet sind. Die Erdgeschoß-Ebenen der beiden Maschinenräume sind über symmetrisch angelegte, einarmige Stiegenabgänge von der Plattform des Verbindungsganges und von der Brücke der Rechenreinigungs-Maschine im Oberwasser-Bereich zugänglich. Die Betonmauern sind in den Innenräumen hellgrau beschichtet, neben den Fensterflächen des Verbindungsganges sorgt je ein kleines, hochrechteckiges Fenster an den Pfeilerwangen für Tageslicht. Im Zentrum der Betondecke befindet sich über den Maschinensätzen ein großer Montagedeckel. Der Maschinenraum-Kran ist mittels Untergurt-Zug an zwei Metallschienen an der Decke aufgehängt. Die zylindrischen Generatoren-Abdeckungen sind auf Bodenniveau des Erdgeschoßes angeordnet und von einem Geländer umgeben. 

Über eine zweiarmige Stiege erfolgt der Abstieg zu den unteren Geschoßen mit Zugängen zu Generatoren und Turbinen, wobei sich Blockleitstände, Turbinenregler und Hauptumspanner im ersten Untergeschoß, eine 20 kV-Schaltanlage im zweiten Untergeschoß, sowie Lüftungs- und Druckluft-Zentrale im dritten Untergeschoß befinden.

Die drei je 16 m breiten Wehröffnungen sind mit beweglichen Wehrverschlüssen mit einer Verschlusshöhe von 11 m ausgestattet. Die Werksbrücke mit Portalkran besitzt einen öffentlich zugänglichen Übergang, der durch ein Gitter vom Kraftwerksbereich mit der Kranbühne abgetrennt ist. 

Das Farbkonzept sieht für Metallteile und technische Ausstattung wie Geländer, Gitter, Stahlträger, Rechenreinigungs-Maschine und Portalkran ein mattes Grün vor. Die Fenster- und Torrahmen des Verbindungsganges und der Einfahrt an der Unterwasser-Seite sind bei jedem der drei Kraftwerke in einer anderen Farbe gehalten - die Farben wirken dadurch als Unterscheidungsmerkmal der Werke.

Beim Kraftwerk Kellerberg wurde für die Beschichtung der Fenster- und Torrahmen ein gelber Farbton gewählt.

Am nördlichen Ufer befindet sich in Fortführung der Kraftwerksachse der Werkstätten- und Bürotrakt, der nahezu spiegelbildlich identisch mit jenem des Kraftwerks Paternion ausgeführt ist. Sein Dach wird von der Kraftwerksbrücke gebildet, Zwei Betonpfeiler teilen die Unterwasseransicht in eine schmale, hochrechteckige und zwei quadratische Öffnungen, deren Ausfachungen aus querrechteckigen Glasfeldern in rot beschichteten Stahlrahmen besteht. Eine der beiden quadratischen Ausfachungen ist als Fixverglasung mit zwei öffenbaren Feldern, die zweite als vierteiliges Falttor ausgebildet. Die Werkstätte erhält auch durch zwei querrechteckige Fenster an der Oberwasser-Seite Tageslicht.

An die Fahrbahn der Rechenreinigungs-Maschine anschließend befindet sich gegen das südliche Ufer eine ummauerte und abgedeckte Lagergrube für die Dammtafeln.

Im 9,8 km langen Stauraum der Kellerberger Drauschleife sind die Stauweiher mit naturnah gestalteten Gerinnen verbunden. Im Mittelteil der Drauschleife befindet sich ein Naherholungsgebiet mit Badeteich und eine Fischaufstiegshilfe.
 
Das Pfeilerkraftwerk Kellerberg wurde in Trockenbauweise ausgeführt, die Gründung erfolgte auf dolomitischem Kalk in einer Talflanke am rechten Drauufer. Die Baugrube wurde auf drei Seiten abgedichtet. Es kamen ein bis zu 4 m hoher, mit Folie abgedichteter Umschließungsdamm aus geschüttetem Kies, eine 18 m tief eingebundene Schmalwand und Absenkbrunnen zum Einsatz. Für die Unterkonstruktionen und die Hochbauten der Pfeiler wurde Stahlbeton verwendet, in den aus Gefällebeton bestehenden Flachdächern der Maschinenpfeiler sind Montagedeckel aus Stahlblech integriert. Der große Montagedeckel über den Maschinensätzen besteht aus zwei Teilen, die mittels Schienen verschoben werden können; die Stiegenläufe sind aus Beton hergestellt, die Fensterrahmen bestehen aus beschichtetem Aluminium, Türen und Tore besitzen beschichtete Stahlrahmen oder sind aus Stahlblech angefertigt, für die Verglasungen wurden Isoliergläser verwendet. Die Wände im Foyerbereich wurden verputzt und weiß gestrichen. Die Decken sind teilweise als Sichtbeton belassen, in den Personal- und Büroräumen verputzt. Der Boden in den Maschinenpfeilern, im Verbindungsgang und auf den Treppenstufen ist mit quadratischen, rötlich-braunen Klinkerplatten belegt, in den Untergeschoßen mit Linoleum-Fliesen, in den Werkstätten mit Holzstöckelpflaster. Gänge, Stiegen und Brücken sind mit beschichteten Stahlrohrgeländern ausgestattet.

Insgesamt wurden mit Hilfe von 32.000 m² Schalungen 41.000 m³ Beton verarbeitet, die mit 1.800 t Baustahl bewehrt wurden.
 
Turbinen und Generatoren:
Zwei vertikale Kaplan-Turbinen, hergestellt 1985 von J. M. Voith, St. Pölten, sind direkt mit Dreiphasen-Synchrongeneratoren von ELIN aus Weiz gekuppelt. Die vierflügeligen Turbinen mit einem Durchmesser von 4,8 m erzeugen eine Leistung von je 13.416 kW, was eine Jahreserzeugung des Kraftwerks von insgesamt 93 GWh ergibt.

Wehranlage:
Drei je 16 m breite Wehrfelder wurden mit 7,75 m hohen Drucksegmenten mit 3,05 m hohen Aufsatzklappen von Waagner-Biró, Wien, verschlossen. Jeder Segmentkörper ist als biegesteifer, grün gestrichener Stahl-Hohlkasten ausgebildet und wiegt zusammen mit der Klappe 645 t. Die Segmenthebung erfolgt durch Zugzylinder mittels ölhydraulischem Antrieb, die hierfür notwendigen Hydraulikaggregate befinden sich in den benachbarten Maschinenpfeiler. Gesteuert werden die Segmente und die Klappen von der Zentralwarte Drau in Feistritz-Ludmannsdorf aus, im Falle des Versagens eines Hydraulikaggregats kann die Steuerung über das benachbarte Aggregat erfolgen.

Hubwerke:
Ein Portalkran des Vorarlberger Herstellers Künz bestreicht die gesamte Anlage auf einer Länge von 140 m und besitzt zwei Haupthubwerke zu je 40 t sowie zwei Hilfshubwerke zu je 5 t. Das Eigengewicht beträgt 100 t, die maximale Hubhöhe 35 m. In den Maschinenhallen ermöglichen Einträger-Deckenlaufkräne mit Untergurt-Elektrozügen vom Hersteller Mannesmann-Demag aus Salzburg die Manipulation von Lasten bis zu 3,2 t bei einer Hubhöhe von maximal 24 m.

Rechenreinigung:
Die Rechenreinigungsanlage wurde von Künz aus Hard in Vorarlberg geliefert. Sie verfrachtet mit einer Putzharkenbreite von 3,3 m das Putzgut in 12 m³ große mobile Container. Diese werden anschließend in zwei 30 m³-Rechengutcontainer entleert, wo das Material bis zum Abtransport durch Drittfirmen zwischengelagert wird.
 

Querschnitte des Kraftwerks:

Querschnitt Krafthaus VERBUND-Kraftwerk Kellerberg
Querschnitt: Kraftwerk Kellerberg Krafthaus
Querschnitt Wehrfeld VERBUND-Kraftwerk Kellerberg
Querschnitt Kraftwerk Kellerberg : Wehranlage