Laufkraftwerk Kreuzbergmaut

Das Gemeinschafts-Kraftwerk Kreuzbergmaut ist ein Laufkraftwerk an der Salzach und an der mittleren Salzach bei Pfarrwerfen in Salzburg gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Kreuzbergmaut wurde von 1993 bis 1995 erbaut und war die Basis für den Ausbau des Bereichs "Mittlere Salzach" zwischen Schwarzach und Werfen. Zwei horizontale Kaplan-Rohrturbinen erzeugen im jährlichen Durchschnitt etwa 80 GWh Strom. Das Kraftwerk Kreuzbergmaut ist außerdem mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH, Salzburg AG
Betreiber: Salzburg AG
Inbetriebnahme: 1996
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Salzburg

Gewässer

Salzach
Leistung: 18 MW
Jahreserzeugung: 80.000 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Die Basis für den Ausbau des Bereichs "Mittlere Salzach" zwischen Schwarzach und Werfen wurde in den 1970er-Jahren gelegt, als man mehrere Varianten erstellte und prüfte. Das Spektrum reichte vom sechsstufigen Ausbau mit einem Ausleitungs-Kraftwerk als unterster Stufe mit einer Wehranlage bei Werfen und einem Krafthaus bei Golling bis zum Einstufenprojekt zwischen Schwarzach und Golling. Erste rechtliche Grundlagen schuf ein 1977 geschlossener Kooperationsvertrag zwischen der Tauernkraftwerke AG (TKW) und der Salzburger AG für Elektrizitätswirtschaft (SAFE), der die Aufteilung von Kosten und Leistungen bei der Errichtung von "Gemeinschaftskraftwerken" festlegen sollte. Die Planung und Ausführung der Bauten oblag der Planungsabteilung der TKW mit ihrem Hausarchitekten Konrad Aufhammer, der spätere Betrieb der SAFE. Die Baukosten sowie die Eigentumsrechte wurden an beide Firmen zu gleichen Teilen vergeben.
1981 erfolgte die Genehmigung für einen sechsstufigen Ausbau durch Beschlüsse der Aufsichtsräte beider Gesellschaften. Alle Kraftwerke sollten mit drei Wehrfeldern mit Segmentschützen und aufgesetzten Klappen sowie je zwei horizontalen Kaplan-Rohrturbinen mit Drehstromgenerator ausgestattet werden. 

Bereits im Vorfeld der Planung gab es eine breite Diskussion über die nicht genutzten Gestaltungsmöglichkeiten von Kraftwerken an der Salzach, speziell der damals in Bau befindlichen Werke Bischofshofen und Urreiting. Als der öffentliche Druck auf die Verantwortlichen immer größer geworden war, setzte der damalige Landeshauptmann Wilfried Haslauer 1984 eine Konsulententeam ein, dem auch der Architekt Gerhard Garstenauer angehörte. Nachdem das Kraftwerk St. Johann noch nach den Plänen von Konrad Aufhammer errichtet worden war, lieferte Garstenauer 1990 gemeinsam mit seinem Partner Gerhard Cziharz Pläne für das Werk Kreuzbergmaut, das an einer Engstelle nördlich von Bischofshofen errichtet werden sollte. SAFE und TKW beschlossen schließlich, das Werk etwa 700 m flussabwärts neben der Kläranlage Salzach-Pongau zu errichten.

In der letzten Jännerwoche 1993 begann man mit der Einrichtung der Baustelle und mit dem Humusabtrag. Rechtsufrig wurde ein Umleitungsgerinne für die Salzach ausgebaggert und die Abdichtung der Baugrube mittels Längsschlitzwänden und Schmalwänden ausgeführt. Ende April erfolgte die Umleitung der Salzach in das Umleitungsgerinne, danach folgte der Aushub von etwa 104.000 m³ Erdmaterial für die Baugrube. Als Vorsichtsmaßnahme gegen den Seitendruck in Fließrichtung wurden 145 vorgespannte Anker in den Boden getrieben, die ab 26. Juli 1993 im Zuge der Betonierarbeiten an der Wehranlage und am Krafthaus mit den einzelnen Blöcken vergossen wurden. Zur selben Zeit erfolgten die Eintiefungs-Baggerungen im Unterwasser-Bereich und im Oberwasser Dammschüttungen und Ufersicherungen. Der oberhalb der Baustelle in die Salzach einmündende Fritzbach wurde etwa 500 m flussabwärts in das Unterwasser umgeleitet und als Fischpass ausgebaut.

Nach Abschluss der Betonierarbeiten an der Wehranlage im März 1994 folgte die Montage der stahlwasserbaulichen Teile durch die Firma Künz. Die Arbeiten am Krafthaus dauerten noch bis Dezember des Jahres an. Ende September 1994 konnte die Baugrube geflutet und somit die Salzach wieder in ihr altes Bett zurückgeleitet werden. Im Jänner 1995 begannen die Montagearbeiten an den beiden Rohrturbinen und ab April an den beiden Generatoren. Zwischen März und Mai erfolgte der erste Aufstau und mit den Inbetriebnahmen der beiden Maschinen Ende Juni und Mitte Oktober konnten der maschinen- und elektrotechnische Ausbau abgeschlossen werden. Die letzten Uferbau-Maßnahmen wurden im Dezember 1995 beendet.
 
Architektur: Gerhard Garstenauer & Gerhard Cziharz, Salzburg.

Planung: Planungsabteilung der Tauernkraftwerke AG (TKW) unter Architekt Konrad Aufhammer. 

Landschaftsgestaltung: Albert Ennemoser. Ökologie: Inst. für Ökologie Salzburg. Bauleitung: Harald Tafatsch.

Ausführung: ARGE Mittlere Salzach (Federführung Baufirma Hinteregger, Alpine, Ast & Co., Neue Reformbau, Hofman & Maculan, WS-Bau)
 
Das Kraftwerk Kreuzbergmaut liegt an der Mittleren Salzach zwischen dem Oberlieger-Kraftwerk Bischofshofen und dem Unterlieger-Kraftwerk Werfen-Pfarrwerfen, unmittelbar südlich der Einmündung des Fritzbachs in die Salzach. Die Zufahrt erfolgt vom rechten Flussufer über von der Bundesstraße B 99 abzweigende Zubringer.

Das Kraftwerk ist senkrecht zur Flussachse situiert und besteht aus dem am rechten Ufer anschließenden Krafthaus und der bis zum linken Ufer reichenden Wehranlage. Der Baukörper von Krafthaus und Nebengebäude wurde über einer Fläche von etwa 43/39 m errichtet und ragt im Durchschnitt etwa 13,30 m über dem Spiegel des Unterwassers auf. Die niedrige Bauweise wurde durch den horizontalen Einbau der Maschinensätze ermöglicht. Es setzt sich aus zwei über rechteckigem Grundriss errichteten, mit den Längsseiten aneinander gebauten Trakten zusammen, die in der Höhe leicht gestaffelt sind. Der höhere Haupttrakt enthält die Maschinenhalle, der längere, niedrigere Nebentrakt ist zweigeschoßig ausgeführt. Gegen das Unterwasser ist seine Fassadenfläche schräg geneigt und mit Natursteinen in der Art eines Bruchstein-Mauerwerks verkleidet. In die schräge Fläche sind fünf Öffnungen mit Stichbogenabschluss geschnitten. Die am rechten Ufer situierten beiden Öffnungen dienen als Zufahrten zur Garage und zum Montageplatz. Die anderen drei Öffnungen sind mit einem fassadenbündigen Gitter versehen. Ein segmentbogenförmiges Dach schließt das Krafthaus nach oben ab. Über vier Abzugsrohre, deren gekrümmte Enden über die Dachfläche ragen, erfolgt die Lüftung der Maschinen-Transformatoren. Das Innere des Krafthauses wird über ein vierteiliges Falttor mit integrierter Gehtür erschlossen. Ein zweites Tor der gleichen Bauart führt in die Garage.

Die Anordnung der Räume und die Innengestaltung ist bei den Kraftwerken Bischofshofen, Urreiting, St. Veit, St. Johann, und ebenso jene des Kraftwerks Kreuzbergmaut im Wesentlichen gleich gelöst und bei St. Veit lediglich gespiegelt ausgeführt. Vom Einfahrtstor gelangt man in die Maschinenhalle mit dem direkt hinter der Einfahrt situierten Montageplatz. Der Raum der Halle ist vollkommen leer, da die beiden horizontal eingebauten Rohrturbinen zur Gänze unter dem Bodenniveau situiert sind. In der Bodenfläche sind die Abstiegsschächte zu den Maschinensätzen angeordnet. Als Träger für die Bahn des Hallenkrans dienen Betonbinder, an deren Unterseite Leuchtstoff-Röhren angebracht sind. Oberwasser- und unterwasserseitig der Maschinenhalle ist jeweils ein zweiarmiger Stiegenlauf angeordnet. Zwei Stahltore in der unterwasserseitigen Längswand der Halle erschließen die Räume der beiden Haupttransformatoren. Der anschließende Leitstand ist von der Maschinenhalle durch einen Raumteiler aus Glas und Aluminium getrennt. Im Obergeschoß befinden sich unter Anderem eine 30 kV-Schaltanlage und oberwasserseitig an die Wehranlage anschließend der Hydraulik-Raum für die Steuerung der Wehrfelder. In den Untergeschoßen sind die Maschinensätze, die hydraulischen Turbinenregler, die Eigenbedarfs-Transformatoren, der Fernwirkraum und andere technische Einrichtungen situiert.

Im Unterschied zu den anderen Kraftwerken wird die Decke der Halle des Krafthauses von Kreuzbergmaut durch ein segmentbogenförmiges Dach aus Trapezblech gebildet, in dem sich vier Lichtbänder und zwei Rauchabzugskuppeln befinden. Da die unterwasserseitige Fassade flach geneigt ist, mussten die Personalräume, die bei den anderen Kraftwerken unterwasserseitig im Obergeschoß zu finden sind, im Erdgeschoß zwischen der Kraftwerkseinfahrt und der Garage situiert werden. Der Aufenthaltsraum wird von hochrechteckigen Fenstern in den Wangen der Einfahrt belichtet.

Die Wehranlage ist 36 m lang und besitzt drei jeweils 10 m breite Felder mit einer Stauwandhöhe von 10 m. Die 39,20 m langen und 3 m breiten Wehrpfeiler sind oberwasserseitig abgerundet, unterwasserseitig abgestuft und stumpf endend. Die Ufer sind im Bereich des Kraftwerks mit standortgemäßen Hölzern bepflanzt. Im etwa 2,7 km langen Stauraum die etwa 12 Hektar große "Ökofläche Kreuzbergfeld" mit einem etwa 1,5 km langen Begleitbach für die Fischwanderung, einem Amphibien-Laichgewässer und Seichtwasserzonen mit Kiesbänken.
 
Die Gründung der Kraftwerke an der mittleren Salzach erfolgte jeweils auf einem dicht gelagerten Kies-Sand-Boden in Trockenbauweise in einer großen Baugrube für Krafthaus und Wehranlage neben dem umgeleiteten Flussbett. Krafthaus und Wehranlage wurden aus Stahlbeton errichtet, die Decke des Krafthauses ist aus geschwungenen Trapezblechen hergestellt. Die horizontal geschalten Stahlbeton-Mauern der Maschinenhalle sind an den Längsseiten grau gestrichen. Die Türen bestehen aus Stahlblech, die Fenster besitzen Aluminiumrahmen und Isolierverglasung. Als Bodenbelag kamen rötliche Klinkerplatten zum Einsatz. Schmalere Klinkerplatten verkleiden die Stirnwände bis auf eine Höhe von etwa 2,50 m. In der Werkstätte wurde Stäbchenparkett verlegt. Die Stiegen sind mit Terrazzobelag und einem Metallrohr-Geländer ausgestattet.

Die Kraftwerksbrücke ist teils asphaltiert, teils mit Betonwerksteinen gepflastert und besitzt ein Geländer mit Vierkant-Stahlstäben.
 
Turbinen und Generatoren:
Zwei horizontal eingebaute Kaplan-Rohrturbinen vom deutschen Hersteller NOELL weisen bei einer Rohfallhöhe von 10,2 m eine Leistung von je 9.310 kW auf. Die vierflügeligen Laufräder mit einem Durchmesser von 3,65 m besitzen ein Schluckvermögen von 100 m³/sec. Asea Brown Boveri (ABB) lieferte die beiden Rohrturbinengeneratoren mit eine Nennleistung von 10.500 kVA. Die Kühlung der Generatoren erfolgt über einen geschlossenen Kreislauf, der mit Salzach-Wasser rückgekühlt wird. Die Steuerung der Maschinen lieferte die ELIN Union, die Fernsteuerung erfolgt vom Lastverteiler der Salzburg AG in der Stadt Salzburg aus.

Transformatoren:
Zwei 10.500 kVA-Maschinentransformatoren von Asea Brown Boveri (ABB) spannen die erzeugte Energie auf 30.000 V hoch. Die Ableitung erfolgt über zwei parallele 30 kV-Kabelstrecken zum Umspannwerk Pongau der Salzburg AG. Zusätzlich verfügt das Werk über zwei 400 kVA-Eigenbedarfstrafos von der Elektro-Bau AG Linz (EBG).

Wehranlage:
Zur Steuerung der dreifeldrigen Wehranlage lieferte Künz geschweißte Drucksegmente in Kastenbauweise mit aufgesetzten Stauklappen. Bei einer lichten Weite von 10 m ermöglichen die Schützen eine Gesamt-Stauhöhe von 10,0 m. Der Antrieb erfolgt ölhydraulisch über paarweise seitlich angeordnete Zugzylinder bei den Segmenten und je einem mittig angeordneten Druckzylinder bei den Aufsatzklappen. Eine Rexroth-Wehrhydraulik sorgt für die hydraulische Steuerung, die elektrische Steuerung lieferte die VA Tech (SAT).

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran Baujahr 1994 von der Vorarlberger Firma Künz bestrichen. Er verfügt über Hubwerke zu 80 t und 16 t. Die Garage wurde mit einer 6 t-Decken-Laufkatze mit Elektrozug von Konecranes ausgestattet. Zum Versetzen der Rolldammbalken der Wehranlage und der Dammbalken für die Turbinenausläufe befindet sich unterwasserseitig eine Montagemöglichkeit für einen Seilkran, an der Oberwasser-Seite kommt ein fahrbares Dammbalken-Setzgerät der Firma Künz zum Einsatz. Die drei Portalgleit-Dammbalken und zwei Portalroll-Dammbalken der Turbineneinläufe werden mit einem mobilen Bockkran der Firma Ing. Voith aus Traun versetzt werden, von dem ein Exemplar für alle Kraftwerke an der mittleren Salzach zur Verfügung steht.

Rechenreinigung:
Die Firma Pühler lieferte die Rechenreinigungsanlage, bestehend aus einem manuell zu steuerndem Putzwagen mit Putzharke. Das Treibgut wird in einem neben der Anlage befindlichen Container befördert und entsorgt.