Laufkraftwerk Leoben

Das VERBUND-Kraftwerk Leoben ist ein Laufkraftwerk an der Mur und am Nordrand der Stadt Leoben in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das 1905 in Betrieb genommene „Krempl-Kraftwerk" wurde von 2003 bis 2005 durch ein modernes leistungsstärkeres, aber auch umweltfreundlicheres Laufkraftwerk ersetzt. Im linksufrig angeordneten, modern gestalteten Krafthaus sind zwei Maschinensätze, bestehend aus je einer um 5 Grad geneigten Kaplan-Schachtturbine und einem direkt gekoppelten Drehstrom-Synchrongenerator, eingebaut. So werden jährlich rund 43 GWh Strom erzeugt. Das Kraftwerk Leoben ist außerdem mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 2005
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 10 MW
Jahreserzeugung: 43.058 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen: ja

Weitere Informationen zu Geschichte, Bau und Technik

1904/05 ließ Ludwig Krempl ein Murkraftwerk in Leoben errichten, das 1995 von der Steirischen Elektrizitätswerke AG (STEWEAG) übernommen wurde. Da das Wasserrecht für dieses Kraftwerk im Jahr 2000 abgelaufen wäre, erhielt die STEWEAG 1998 die wasserrechtliche Bewilligung für den Neubau eines Flusskraftwerks. Nachdem die Wasserkraftwerke der STEWEAG 2001/02 an die die VERBUND Hydro Power AG (VHP) gegangen waren, fand noch im selben Jahr ein Verfahren zur Prüfung verschiedener Projektvarianten statt: Die Löschung des Wasserrechts mit dem Rückbau der bestehenden Anlage hätte € 2,9 Mio. Kosten verursacht, die Sanierung des alten Kraftwerks spezifische Kosten von etwa € 1.000 je MWh, dagegen der Neubau € 680 je MWh.

Aus wirtschaftlichen Überlegungen entschied sich die VHP für einen Neubau. Die Planungen starteten im Jänner 2003, wobei die Projektleitung bei der VHP lag. Die architektonische Gestaltung wurde von Franz Eitzinger aus Graz unter der Mitarbeit von Gerhard Schweitzer vorgenommen. Mittels eines Modellversuchs, der am Institut für Wasserbau der Technischen Universität Graz ausgeführt wurde, entwickelte man die hydraulische Planung. Für die ökologische Begleitplanung mit Anlage eines Fischaufstiegs und Neugestaltung der Murufer konnte das Büro Freiwasser aus Wien gewonnen werden. Außerdem begleitete ein Planungs- und Baubeirat mit AnrainerInnen und VertreterInnen der Stadt, der Wirtschaft, des Freizeit- und Fischereibereiches die Konzipierung und die Durchführung des Projektes. Bauherrin der Verbindungsbrücke flussabwärts des Kraftwerks war die Stadtgemeinde Leoben.

Die alte Kraftwerksanlage wurde 2003 abgebrochen und der alte Wehrkanal verfüllt. Im April 2004 begann man mit dem Neubau, für den eine Baugrube am rechten Ufer der Mur errichtet wurde. Im Oberwasserbereich wurde das Flussbett eingetieft und dadurch der Stauraum um einen Meter erhöht. Im Oktober 2005 konnten die Haupt-Bauarbeiten abgeschlossen werden, im Juni 2006 folgte die Inbetriebnahme. Auf der Baustelle waren während der 32-monatigen Bauzeit durchschnittlich 40 Personen, zu Spitzenzeiten bis zu 70 Personen beschäftigt.

Architektur Kraftwerk und Verbindungsbrücke: Franz Eitzinger (Graz) unter Mitarbeit von Gerhard Schweitzer

Projektleitung: Verbund-Austrian Hydro Power (Graz/Peggau/Villach)

externe Planung: Modellversuch-Hydraulik: Technische Universität Graz, Hydrogeologie: Geoteam, Gleisdorf,

Geologie: Verbundplan, Salzburg, Landschaftsplanung: Büro Freiwasser (Wien), Bauphysik: DI Tomberger, Graz,

Geotechnik: DI Prodinger, Graz, Vermessung: Geodata, Leoben.

techn. Planung Verbindungsbrücke: Kurt Kratzer, Graz, unter Mitarbeit von DI Ehall

Ausführende Firmen: Bauarbeiten: Steiner Bau, St. Paul, Stahlwasserbau: Urbas, Völkermarkt, Stahlbau und

Schlosserarbeiten: Morocutti, Graz, Stahlbau Verbindungsbrücke: Prodinger, Stadl a. d. Mur

Das Mur-Kraftwerk liegt am Nordrand der Stadt Leoben im nördlichen Teil der Murschlinge, etwa 20 m östlich der Wehranlage des abgebrochenen Kraftwerks von Ludwig Krempl.

Vom nördlichen Ufer erfolgt über die Südbahnstraße die Zufahrt zum Krafthaus.

Das Kraftwerk besteht aus dem am linken, nördlichen Murufer situierten Krafthaus mit Betriebsgebäude und der nach einem Trennpfeiler bis zum rechten, südlichen Ufer anschließenden Wehranlage.

Krafthaus:
Das annähernd Nord-Süd orientierte Krafthaus ist auf einem rechteckigen Grundriss von etwa 21/20 m errichtet und 13 m hoch. Über einem geschlossenen, hohen Sockel aus glattem Sichtbeton sind an beiden Längsseiten und zueinander in der Höhe versetzt schmale Fensterbänder mit horizontalen Lichtschutz-Lamellen angeordnet, darüber folgt an der zum Oberwasser gerichteten Längsseite eine geschlossene Wandverkleidung aus hellgrauen, horizontalen Blechpaneelen. Das Dach ist in einem Segmentbogen geschwungen und gegen die Unterwasser-Seite geneigt. Ein Leitmotiv der Gestaltung war der Einsatz von Schrägen, die sich aus dem Winkel von 71,6° ergeben, mit dem sich die Rechenanlage gegen den Fluss neigt. Diese Schrägen wurden bei den Dachstützen, den Belichtungsfeldern und den Außenwand-Verkleidungen aufgenommen. So durchbrechen Schrägen aus dunkelblauen Blechlamellen die Oberflächenhaut an den Stirnseiten, an der südlichen Stirnseite ist zusätzlich ein schräges Fensterband angeordnet ist. Auch die Auskragung des Daches an der Unterwasserseite wird durch geneigte, zarte Rundstützen getragen.

Die 20,50 m lange, 19,30 m breite und 10,7 bis 12,5 m hohe Maschinenhalle wird über ein vierteiliges Falttor und eine angeschlossene Tür an der nördlichen Stirnseite des Krafthauses erschlossen. Die aus glatten Sichtbeton-Wänden gebildete Raumhülle wird in ihrem oberen Bereich von Stahlstützen abgelöst, die in die sichtbar belassenen Stahlbinder mit Seilspannungen des Daches übergehen. Im südöstlichen Bereich der Halle ist ein großflächig verglaster Kubus mit dem Leitstand eingebaut. Auf seiner Decke befindet sich ein Groblagerplatz, der vom Bodenniveau der Maschinenhalle über eine Treppe erreichbar ist. Eine weitere, zweiläufige Stiegenanlage führt von der Maschinenhalle in die Untergeschoße zu den beiden Maschinensätzen. Oberwasserseitig schließt an die Maschinenhalle ein Werkstatt-Raum an, der mit querrechteckigen Fenstern zur Halle hin geöffnet ist.

Der Unterwasser-Seite des Krafthauses sind die beiden Transformatoren-Nischen aus Sichtbeton vorgelagert, die mit einer Schutzumhausung aus Metallgeflecht umgeben sind. Zwischen ihnen ist ein vertikaler Streifen aus rotem Lamellenblech angeordnet.

Betriebsgebäude:
An der nördlichen Stirnseite des Krafthauses schließt der niedrigere Trakt des Betriebsgebäudes an, das ebenfalls den Neigungswinkel von 71,6° für die Gestaltung aufgreift. Sein Obergeschoß kragt an der Unterwasser-Seite über das Sockelgeschoß aus und ist mit einer zum Unterwasser geneigten Wand abgeschlossen. An der Unterwasser-Seite sind die Außenwände mit dunkelgrauen Metalltafeln verkleidet, deren Teilungen der Neigung der Wandschräge folgen, und ein Fensterband öffnet sich über die gesamte Breite des Obergeschoßes, das über einen Stiegenaufgang von außen erreicht werden kann. Oberwasserseitig sind in die Sichtbetonmauern drei querrechteckige Fensteröffnungen eingelassen. Ein segmentbogenförmiges, von zarten, schrägen Rundstützen getragenes Dach schließt den Bau nach oben ab. Im Sockelgeschoß befinden sich Vorraum und Lager, im Obergeschoß Dienst- und Sozialräume. Beide Geschoße des Betriebstraktes können direkt von der Maschinenhalle betreten werden, in das Obergeschoß führt ein Stiegenaufgang.

Wehranlage und Kraftwerksbrücke:
Die beiden südlich an das Krafthaus anschließenden Wehrfelder sind je 14,5 m breit und besitzen im Unterwasser abgeschrägte Pfeiler mit lang gestreckten Pfeilerfüßen. Unterwasserseitig dienen die Wehrpfeiler gleichzeitig als Träger einer etwa 100 m langen und 3,5 m breiten Brücke mit Rad- und Fußweg: Schräge, aus den Ausläufern der Wehrpfeiler hochgeführte Scheiben tragen winkelförmige Podeste, zwischen denen die Fachwerkskonstruktion der Brücke aus dunkelblau beschichteten Stahlrohren eingehängt wurden. In die Füllungen des Geländers sind Beleuchtungskörper eingebaut.

Die schrägen Wände und die geschwungenen Dächer der Informations-Stände bei der Brücke beidseitig der Mur nehmen die Formen der Kraftwerksarchitektur auf.

Am nördlichen Ufer wurde ein 390 m langes Umgehungsgewässer als Fischaufstiegshilfe eingerichtet.

Der Stauraum mit einer Länge von 2,2 km besitzt ein Stauziel von 533,60 m. Die Unterwassereintiefung beträgt maximal 3,5 m bei einer Eintiefungslänge von 2,2 km. Am linken Stauraumufer wurde auf einer Länge von 1,2 km eine 4 m breite Vorschüttung zur Aufnahme von Entwässerungskanälen und der Energieableitungskabel vom Krafthaus zum Umspannwerk errichtet. Im Rahmen des Kraftwerksbaues wurden die Murufer neu gestaltet: Am linken Murufer zwischen dem Krafthaus und der Waasenbrücke wurde ein Radweg mit Anbindung an den Radweg über die Mur errichtet, Ausbuchtungen und Biotope angelegt und Böschungsflächen mit Grobschlichtung aus Wasserbausteinen gesichert.

Krafthaus:
Der Unterbau und ein Teil des Krafthaus-Hochbaues bestehen aus Ortbeton. Darüber sind mit Blechpaneelen verkleidete Stahlstützen angeordnet. Die Schutzumhausung der Transformatoren und die äußere Verkleidung des Leitstandes bestehen aus Streckmetall, die Geländer sind aus verzinkten Flacheisen und Rundrohren hergestellt. Der Boden der Maschinenhalle besteht aus Asphalt, im Leitstandbereich ist ein Linoleumbelag verlegt.

Wehranlage und Brücke:
Auch die Wehranlage ist in Ortbeton hergestellt. Die Brücke besitzt Scheiben und Podeste aus Beton, Fachwerkskonstruktion aus Stahlrohren, eine Fahrbahn aus Gussasphalt auf Stahlplatten und ein Geländer aus Nirostarohren mit Füllungen aus verzinktem Streckmetall

 

Krafthaus:

Der Maschinenraum enthält zwei Kaplan-Pit-Turbinen, die vom Firmenkonsortium VA TECH HYDRO - Escher-Wyss in Ravensburg erzeugt wurden und zusammen 9,9 MW Leistung erbringen. Die Generatoren stammen von der Firma Arthur van Kaick (AVK).
Der Hallenkran der Firma Kone Cranes besitzt zwei Hubwerke mit 35 und zwei Tonnen Traglast.
Rechenanlage und Unterwasser-Dammbalken-Versetzeinrichtung wurden von der Firma URBAS Stahl- und Anlagenbau, Völkermarkt erzeugt.
Im Oberwasserbereich des Krafthauses ist eine Rechen-Reinigungsanlage situiert. Im Unterwasserbereich wurde eine Dammbalken-Versetzeinrichtung eingebaut.

Wehranlage:
Die zwei Segmentschützen mit hydraulischem Antrieb wurden von der Firma Urbas aus Völkermarkt geliefert.

Die Leistung der Anlage, die das Krempl-Werk ersetzt, wurde von 2,4 MW auf 9,9 MW und das Regelarbeitsvermögen von 17 GWh auf 50 GWh erhöht. Die Erhöhung des Arbeitsvermögens entspricht einem Jahresbedarf von etwa 7.300 Haushalten. Für Leoben bedeutet dies, dass mehr als die Hälfte der 13.700 Haushalte der Stadt mit Strom aus Wasserkraft versorgt werden kann.

Das Kraftwerk Leoben ist unbesetzt und wird von der Warte in Pernegg gesteuert.

 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Leoben Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Leoben Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Leoben Querschnitt Wehr
Querschnitt: Kraftwerk Leoben Wehr