Pumpspeicherkraftwerk Malta Oberstufe

Das VERBUND-Kraftwerk Malta Oberstufe ist ein Pumpspeicherkraftwerk und in der Ortschaft Brandstatt in der Gemeinde Malta in Kärnten gelegen. Es wurde von 1974 bis 1977 unter Mitfinanzierung der Kelag und der Energie AG erbaut.

Technische Beschreibung

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1979
Typ:  Pumpspeicherkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Malta
Leistung: 120 MW
Jahreserzeugung: 37.870,1 MWh
Turbinen: Francis (2)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die ersten Planungen für die energietechnische Ausnutzung der Gewässer am oberen Ende des sehr niederschlagsreichen Maltatales gehen in die 1930er-Jahre zurück, doch erst 1957 entschloss sich die Österreichische Draukraftwerke AG (ÖDK) zum Bau der dreistufigen Malta-Kraftwerke. Diese bestehen aus einer Oberstufe mit Speicher Kölnbrein und Krafthaus Galgenbichl, dem Speicher Galgenbichl der Hauptstufe im oberen Maltatal zwischen dem Gamskarnock und dem Lausnock, dem Krafthaus Hauptstufe in Rottau bei Kolbnitz im Mölltal sowie der Unterstufe mit einem Ausleitungskanal im Mölltal und dem Krafthaus Möllbrücke im Drautal.

Finanziell war die ÖDK so kurz nach ihrer Gründung jedoch nicht in der Lage, die Kraftwerke Reißeck, Kreuzeck und Malta gleichzeitig zu errichten. Aus diesem Grund musste man bis zur Fertigstellung der Reißeck-Kreuzeck-Werke 1961 warten, um mit den Detailplanungen zu beginnen. 1965 wurden die Projekte Malta-Oberstufe und Malta-Hauptstufe wasserrechtlich bewilligt.

Die Bauarbeiten am Krafthaus Galgenbichl begannen erst nach dem Beginn der Arbeiten an der Kölnbreinsperre und dem Speicher Galgenbichl. Im April 1974 wurde nach der Auftragserteilung das Baulager erweitert und mit der Einrichtung der Baustelle begonnen. Für den Bau konnten Anlagen und Geräte der benachbarten Sperrenbaustelle Galgenbichl mitgenutzt werden.

Die Aushubarbeiten starteten am östlichen Teil des Krafthauses, wobei aus Termingründen im Winter 1974/75 durchgearbeitet werden musste. Eine große Herausforderung stellte auch die Absicherung der 40 m hohen Felswand an der Westseite des Krafthauses dar, an die Teile des Gebäudes direkt angebaut wurden.
Der Auftrag für die Lieferung und Vorbereitung der 800 t Rippentorstahl für die Bewehrungen wurde an eine eigene Firma ausgelagert, um durch Parallelarbeiten Zeit zu gewinnen. Am 1. September 1975 konnte trotz vorangegangener wetterbedingter Verzögerungen mit der Montage der Maschine I begonnen werden, die Montage der zweiten Maschine folgte 1976.

Das Krafthaus wurde mit 1. September 1976 an die ÖDK übergeben. Die abschließenden Arbeiten an der Anlage dauerten noch bis zum Frühjahr des darauf folgenden Jahres an.

Architektur: Konrad Aufhammer.

Planung Mitarbeit: Josef Schlosser, Hans Heinrich, Peter Schnelle, Planungsstab der Tauernkraftwerke AG (TKW).

Ausführung: Arge (Negrelli, Strabag, Hamberger, Oberranzmeyer)

Das Kraftwerk Malta-Oberstufe setzt sich aus dem Speicher Kölnbrein und dem Krafthaus Galgenbichl zusammen. Das Krafthaus liegt im Maltatal unterhalb des Speichers Galgenbichl in einem schmalen Talabschnitt am Fuße der Galgenbichlsperre. Die Zufahrt zum Krafthaus erfolgt über eine Abzweigung der mautpflichtigen Malta-Hochalm-Straße.

Das Krafthaus besteht aus der Nord-Süd-ausgerichteten, 45/15 m großen Maschinenhalle im Zentrum und dem an eine 40 m hohe Felswand angebauten Werkstätten- und Garagentrakt im Westen. Es verfügt außer dem Erdgeschoß noch über vier Ober- und vier Untergeschoße. Das Bauwerk stellt von außen einen schlichten, rechteckigen Block mit begrüntem Flachdach dar, der nur im oberen Bereich durch schmale Fensterbänder und vorgehängte Beton-Elemente an den dem Berg abgewandten Seiten ausgestaltet wurde.

Im Inneren weist die Halle kaum erkennbare Gliederungen auf. Die Decke wird durch Unterzüge zwischen den Fertigteilen rhythmisiert, und vier schmale Fensterbänder an der Ostseite zwischen Kranbahn und Decke sorgen für eine sehr spärliche natürliche Belichtung, die nicht zuletzt auf die extremen klimatischen Bedingungen und die dadurch erforderliche Lawinensicherheit der bergseitigen Fassaden zurückzuführen ist.
Die Werkstätte an der Talseite des Bauwerks besitzt im Gegensatz dazu eine komplett verglaste Außenwand mit Stegen zwischen den Scheiben und zusätzlich Oberlichten.

An der Westseite der Maschinenhalle stehen im Erdgeschoß die Transformatoren, darüber befindet sich die 110 kV-Innenraum-Schaltanlage, welche aus erwähnten klimatischen Gründen nicht als Freiluft-Schalanlage ausgeführt werden konnte.

Im Norden der Anlage liegen die Garagen und Magazine des Werks sowie die Schützenkammer für die Unterwasser-Leitung zum Speicher Galgenbichl und der Zugangsstollen zur Schieberkammer für den Grundablass. 

Die Bauwerke des Jahrespumpenspeicherkraftwerks Malta-Oberstufe sind durchwegs geschalte Stahlbetonbauten.
Die Wände in den Kavernen sind teilweise Naturfels, teilweise mit Spritzbeton gesichert, teilweise mit Betonsteinen vermauert.

Das Krafthaus ist ein Stahlbeton-Bau aus B225-Beton mit Wänden aus geschaltem Ortbeton und einer Fertigteil-Decke mit Unterzügen. Die Innenwände wurden mit grauen Kunststoffpaneelen verkleidet, die Holzmaserungsabdrücke auf Ortbeton imitieren. Die Flachdächer sind durchwegs begrünt. Außen ist die Maschinenhalle im Attikabereich mit Beton-Fertigteilen verkleidet, die vier horizontale Lichtbänder umschließen.

Der oberirdische Teil wurde fugenlos errichtet, der 46 m lange Tiefbauteil erhielt eine Bewegungsfuge in der Mitte des Baukörpers.

Die Maschinenhalle wurde mit terrakotta-farbenen rechteckigen Keramikfliesen im Läuferverband verlegt, in den Werkstätten im Erdgeschoß findet sich ein dunkler Fliesenboden.

Da das Objekt durch seine Lage im Talkessel in den Wintermonaten lawinengefährdet ist, wurden alle Fassadenbereiche für die Aufnahme erhöhter Belastungen durch Druck- und Sogkräfte ausgelegt.

Turbinen und Generatoren:
Die beiden 70.000 kVA-Motorgeneratoren des Erzeugers BBC befinden sich im Erdgeschoß und ersten Untergeschoß, darunter liegen die durch eine vertikale Welle verbundenen 62.800 kW-Pumpturbinen des schweizer Herstellers Charmilles S.A. aus Genf. Die Besonderheit hierbei ist die Ausführung der Maschinen als Isogyre-Pumpturbinen, wodurch durch die Verbindung von Pumpe und Turbine in einem Gehäuse eine deutlich geringere Bauhöhe als bei herkömmlichen Pumpturbinen ermöglicht wird. Die Maschinensätze können mit zwei unterschiedlichen Geschwindigkeiten betrieben werden, um so auf verschiedene Wasserstände des Kölnbreinspeichers reagieren zu können. Aus diesem Grund verfügen die Motor-Generatoren auch über doppelte Wicklungen. Diese Anlage war der Prototyp einer kombinierten Pumpen-Turbinenmaschine in dieser Größenordnung.

Transformatoren:
Zwei 70 MVA-Hauptumspanner von ELIN aus Weiz transformieren die erzeugte Energie von 8,8 kV auf 110 kV. Die Verbindung zwischen Transformator und Freileitung bildet eine 110 kV-Innenraum-Schaltanlage von der Österreichischen Brown Boveri Werke-AG.

Hubwerke:
Ein Hallenkran von Künz bestreicht die Maschinenhalle verfügt über drei Hubwerke mit 170, 40 und 5 t. Im Deckenbereich der Werkstätte befindet sich ein Laufkran von Künz mit einem 10 t-Hubwerk.

Querschnitt:

VERBUND-Speicherkraftwerk Malta Oberstufe Querschnitt Krafthaus Galgenbichl
Kraftwerk Malta: Querschnitt Krafthaus Galgenbichl