Pumpspeicherkraftwerk Mayrhofen

Das VERBUND-Kraftwerk Mayrhofen ist ein Speicherkraftwerk und in der Gemeinde Mayrhofen in Tirol gelegen. Es wurde von 1965 bis 1971 erbaut.

Technische Beschreibung

Im Krafthaus Mayrhofen sind 6 Maschinensätze mit horizontaler Welle und einer Engpassleistung von zusammen 355.000 kW installiert. Ein Maschinensatz besteht aus Generator und 2-düsiger Doppel-Peltonturbine. Der erzeugte Strom wird über ein 220-kV-Kabel zur Freiluftschaltanlage Mayrhofen abgeführt.
Alle Anlagen der Zemm-Ziller-Speicherkraftwerke sind automatisiert und werden von der Zentralwarte Zillertal in Mayrhofen aus überwacht und fernbedient.

Speicher Stillupp

Das Stauziel des Speichers Stillupp mit einem Nutzinhalt von 6,6 Mio. m3 liegt auf 1.120 m Seehöhe. Als Abschlussbauwerk wurde der Staudamm Eberlaste mit einer Kronenlänge von 480 m errichtet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1977
Typ:  Speicherkraft
Region: Österreich, Tirol
Gewässer: Ziller
Leistung: 355 MW
Jahreserzeugung: 700.457,1 MWh
Turbinen: Pelton (6)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Kraftwerke Roßhag und Mayrhofen wurden von 1965 bis 1971 errichtet und 1977 erweitert. Das Kraftwerk Häusling wurde zwischen 1974 und 1987 gebaut. Zusammenbilden sie die Speicherkraftwerke Zemm-Ziller – die leistungsstärkste Kraftwerksgruppe Österreichs. 

 

Architektur: Konrad Aufhammer

Planungsstab der Tauernkraftwerke AG: Kurt Rienößl, Heimo Stäuble, Richard Widmann, Johann Heinrich.

Bauleitung: Josef Schlosser

Ausführung: Arbeitsgemeinschaft aus den Bauunternehmungen Union-Baugesellschaft, G. Hinteregger & Söhne Bauges.m.b.H., Eduard Ast & Co, Baumeister Gebhard Hinteregger, Alfred Kunz & Co, Innerebner & Mayer, Neue Reformbau Ges.m.b.H.

Die Gebäude sind in Stahlbeton ausgeführt, wobei für die Schalung Stahltafeln verwendet wurden. Die schalreinen Sichtbeton-Oberflächen der aufgehenden Wände sind gestrichen oder mit vorgehängten, blau beschichteten Leichtmetallwänden verkleidet. Die Fensterkonstruktionen bestehen aus Leichtmetallrahmen mit Isolierglas. Die Flachdächer sind als Warmdach-Konstruktionen mit Bekiesung und Innenentwässerung ausgeführt. Der Tiefbauteil des Krafthauses wurde analog der Anzahl der Maschinensätze durch Bewegungsfugen in sechs Baublöcke unterteilt. Die Konstruktion der Maschinenhalle besteht aus Stahlbetonfertigteilen. Schlanke Stahlbetonpfeiler, deren Zwischenräume ausgefacht sind, stützen die Kranbahn. In der Zone oberhalb des Kranbahn-Niveaus tragen Betonsäulen Fertigteilbinder, auf denen Kassettenplatten verlegt sind. Die Hallendecke wurde als flach profilierte Aluminium-Akustikdecke ausgeführt. Der seitliche Abschluss des Daches wird ebenfalls aus Fertigteilplatten gebildet. Boden und Wände der Maschinenhalle sind mit Klinkerplatten belegt. Im westlichen Bereich des Maschinenhauses sind die Außenwände mit Durisolplatten verkleidet (Durisol ist ein mineralisiertes, hydraulisch gebundenes Holzhackgut).

Die Deckenkonstruktionen der Anbauten der Maschinenhalle sind in Ortbeton ausgeführt. Beim Betriebsgebäude sind an den beiden Längsseiten Leichtmetallwände vorgehängt, die zweiarmige Treppe wurde nach dem System "Kenngott" als wandfreie, selbsttragende Zweibolzen-Treppe konstruiert.

Die sechs Maschinensätze in der Maschinenhalle bestehen aus je einem Drehstrom-Synchrongenerator und einer Doppel-Pelton-Turbine mit horizontaler Welle. Die fünf aus dem Jahr 1968 stammenden Turbinen wurden von J. M. Voith erzeugt, die sechste Turbine aus dem Jahr 1976 von der Maschinenfabrik Andritz. Ihre Nennleistung beträgt je 57.500 kW, zusammen 345.000 kW. Die von Elin erzeugten Generatoren besitzen eine Nennleistung von je 65.000 kVA. Die Die beiden Hallenkräne der Maschinenhalle wurden von der Firma Simmering-Graz-Pauker Wien AG (SGP Wien) hergestellt. Sie sind für eine Last von je 90/15/3 t konzipiert und können gekuppelt werden.

In der Kugelschieberhalle befinden sich zwölf Kugelschieber der Maschinenfabrik Andritz aus dem Jahr 1965, von denen je zwei einem Maschinensatz zugeordnet sind. Der Hallenkran für 30 t Traglast wurde von der Firma Waagner-Biró erzeugt.

Der im Kraftwerk erzeugte Strom wird über ein unterirdisch verlegtes 220 kV-Ölkabel zur Freiluft-Schaltanlage Mayrhofen geleitet.

Das 1,5 km südlich der Ortschaft Mayrhofen gelegene Krafthaus des Speicherkraftwerks Mayrhofen bildet den Mittelpunkt der Kraftwerksgruppe Zemm-Ziller.
 
Die Kraftwerksanlage umfasst das Krafthaus mit nördlich anschließendem Ausgleichsbecken, das östlich gelegene Betriebsgebäude und den Garagenbau im Süden. Die zugehörige Freiluft-Schaltanlage liegt etwa 500 m vom Kraftwerk entfernt am Ufer des Zemmbachs.
 
Das Krafthaus besteht aus der Maschinenhalle, der bergseitig vorgelagerten Kugelschieber-Halle, in welche die Rohre der Triebwasserleitung münden, und den nordseitig anschließenden Nischen für die Transformatoren. Die lang gestreckten, flach gedeckten Baukörper sind niedrig gehalten, wobei horizontale Gliederungselemente, schlanke Stahlbeton-Konstruktionen und großflächige Verglasungen den Gesamteindruck bestimmen. Die Fassadenverkleidungen bestehen aus vorgehängten, blau beschichteten Leichtmetallelementen.

Die Maschinenhalle erstreckt sich über einen Grundriss von 121 / 12,3 m, sie ist 12,7 m hoch und überragt die nördlich und südlich anschließenden Baukörper. Zwischen Kranbahn und Deckenanschluss gelegene Fensterbänder sorgen für die Belichtung der Halle, deren westliche Stirnfront zur Gänze verglast ist. Unter einem an der Nordfassade angebrachten Vordach reihen sich die neun offenen Nischen mit den Transformatoren. Sie bilden zusammen mit dem Ausgleichsbecken die charakteristische Hauptansicht des Kraftwerks. Die Erschließung der Maschinenhalle erfolgt durch ein zwischen Werkstätten- und Transformatorentrakt situiertes Falttor. Der Raum der Maschinenhalle wird etwa bis zur halben Höhe von den sechs Maschinensätzen eingenommen.

Östlich schließt an das Krafthaus ein zweigeschoßiger Trakt mit verglaster Stirnfront an, der die Zentralwerkstätte und Magazine aufnimmt. Ein an den Werkstättentrakt angefügter Zubau für Sozial- und Sanitärräume übernimmt die Fassadengliederung der älteren Gebäude.

Das dreigeschoßige Betriebsgebäude mit Erweiterungsbauten besitzt ebenfalls horizontale Fensterbänder. Im Betriebsgebäude ist im ersten Obergeschoß die zentrale Schaltwarte für das Zillertal untergebracht, ebenerdig befindet sich eine 25 kV-Schaltanlage.

Das Ausgleichsbecken hat eine Grundfläche von etwa 12.000 m² und dient zum Auffangen der großen Betriebswassermenge beim Anfahren aller Maschinensätze. Vor der Einmündung des Wassers in den Stillupp-Bach ist ein Regulierweh angeordnet.

Die Umgebung des Kraftwerks wurde gärtnerisch gestaltet. Im Grünbereich nördlich des Betriebsgebäudes befindet sich die Bronzeplastik "gezügelte Kraft" des Bildhauers Albin Moroder aus dem Jahr 1971: Ein Pferd, vor einen zweirädrigen Wagen gespannt, wird vom Wagenlenker gezügelt.

Das Krafthaus Mayrhofen ist ein bedeutendes Werk des Architekten Konrad Aufhammer. Der lang gezogene, niedrige Krafthaustrakt scheint über dem Unterwasserbecken zu schweben, die Masse des Baukörpers wird an der Unterwasser-Seite durch die Transformatoren-Nischen, die durch schlanke Betonwände getrennt werden, aufgelöst.

Aufhammer legte besonderen Wert auf die Einbindung der Bauwerke in die Landschaft.

Von der Zentralwarte Zillertal im Kraftwerk Mayrhofen werden die Speicherkraftwerke Zemm-Ziller und die Speicherkraftwerke Gerlos überwacht und gesteuert. Die Kraftwerksgruppe Roßhag, Häusling und Mayrhofen gehört zu den leistungsfähigsten Speicherkraftwerksgruppen Österreichs.

Querschnitte:

VERBUND-Kraftwerk Mayrhofen Querschnitt Krafthaus
Kraftwerk Mayrhofen: Querschnitt Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Mayrhofen Querschnitt Speicher Stillupp
Kraftwerk Mayrhofen: Querschnitt Staudamm Eberlaste (Speicher Stillupp)