Laufkraftwerk Ottensheim-Wilhering

Das VERBUND-Kraftwerk Ottensheim-Wilhering ist ein Laufkraftwerk an der Donau und in der Gemeinde Wilhering in Oberösterreich gelegen.

Technische Beschreibung

Beim Kraftwerk Ottensheim-Wilhering, errichtet von 1970 bis 1974 unter Mitfinanzierung der Energie AG Oberösterreich und der Salzburg AG, wurden erstmals in einem österreichischen Donaukraftwerk Kaplan-Rohrturbinen mit horizontaler Welle anstatt der bis dahin verwendeten Kaplan-Turbinen mit vertikaler Welle, eingebaut. Diese Anordnung der Maschinensätze ermöglicht eine niedrigere Bauweise und bessere Einbindung der Kraftwerksgebäude in die umgebende Landschaft. Im rechtsufrig situierten Krafthaus sind neun Maschinensätze, bestehend aus je einer Kaplan-Rohrturbine und je einem direkt gekoppelten Drehstromgenerator, eingebaut. Im Stauraum des Kraftwerkes wurden neue Biotope errichtet. Die zusätzlichen Habitate in Form von naturnah gestalteten und standortgerecht bepflanzten Kraftwerksteichen tragen wesentlich zur Artenvielfalt und Biodiversität bei. 

Europas längste Fischwanderhilfe

Beim Kraftwerk Ottensheim-Wilhering befindet sich Europas längste Fischwanderhilfe, die im Zuge des Projektes Projekt LIFE+ Netzwerk Donau errichtet wurde.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1975
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Oberösterreich
Gewässer: Donau
Leistung: 179 MW
Jahreserzeugung: 1.153.163,3 MWh
Turbinen: Kaplan (9)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Erste theoretische Planungen für eine Donaustufe unmittelbar westlich von Linz gehen auf das Jahr 1910 zurück. Der Schweizer Ingenieur Oskar Höhn entwickelte 1924 das Kraftwerksprojekt für Ybbs-Persenbeug, in welchem auch weitere Ausbaustufen erwähnt werden, jedoch aufgrund der wirtschaftlichen Depression wurde keines der Projekte verwirklicht.

Im "Generalplan der Alpen-Elektrowerke A.G. für die österreichische Donau" aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wird zwischen Aschach und Mauthausen eine Stufe "Puchenau" mit einer Rohfallhöhe von 9 m und einem Rückstaubereich von 24 km erwähnt.

Nach der Gründung der Österreichischen Donaukraftwerke AG (DoKW) im August 1947 wurde der weitere Ausbau der Donau forciert. Die Planer sahen vor, nach Ybbs-Persenbeug (Hauptbau erbaut ab 1954) ein Kraftwerk nach dem anderen unter Verwendung der selben Baustelleneinrichtungen zu errichten. Ottensheim-Wilhering sollte als Nachfolge-Baustelle von Wallsee-Mitterkirchen, welches im März 1968 in Betrieb ging, erbaut werden. Bei den Vorplanungen kam es allerdings zu Verzögerungen, da der schwedische Turbinenhersteller NOHAB zuerst eine klassische Konstruktion mit vertikal eingebauten Kaplan-Turbinen vorschlug. Nach langen Überlegungen und Modellversuchen entschied man sich, für diesen Standort erstmals Kaplan-Rohrturbinen mit horizontaler Welle zu verwenden, was Kosteneinsparungen sowohl bei den Schalungen als auch bei den Betonvolumina mit sich brachte. Umplanungen gab es auch bezüglich des Standortes: die im Donau-Rahmenplan von 1954 vorgesehene Errichtung in Nassbauweise in der bestehenden Strommitte hätte umfangreiche Abdämm-Maßnahmen und Baugrubenwechsel notwendig gemacht. Durch die Abänderung in ein Buchtenkraftwerk am Südufer konnten diese Aufwendungen entfallen. Auch die Finanzierung war zum damaligen Zeitpunkt noch unklar, doch mit der Zusage der österreichischen Bundesregierung, den Bau mit einem Zuschuss von 560 Mio. Schilling zu fördern, konnte letztendlich am 3. Juli 1969 der Baubeschluss gefasst werden.

Die Aufschließungsarbeiten der Baustelle fanden in den Wintermonaten 1969/1970 statt, am 1. März 1970 wurde mit den eigentlichen Bauarbeiten begonnen. 
Mit der Inbetriebnahme der linken Schleuse konnte am 24. Oktober 1972 gleichzeitig die Donauabriegelung vorgenommen werden, die Fertigstellung der rechten Schleuse folgte zehn Tage später. Da man aus wirtschaftlichen Gründen die Flutung der gesamten Anlage zum selben Zeitpunkt, also ohne Zwischendämmungen, durchführen wollte, war es notwendig, die Einlauf- und Saugrohre der neun Rohrturbinen, an denen noch länger gearbeitet werden musste, durch Dammbalken abzudichten. Zu diesem Zweck wurden Dammbalken gleicher Dimension von anderen Donaukraftwerken, die zum damaligen Zeitpunkt bereits fertiggestellt waren, entliehen.

Am 1. März 1973 wurde mit der Maschine 9 der erste Maschinensatz unter Teilstau in Betrieb genommen, am 25. September folgte der erste Vollstau. Der letzte Maschinensatz nahm am 6. März 1974 seinen Betrieb auf und die offizielle Eröffnung konnte am 2. Mai des Jahres begangen werden.

Unmittelbar danach zeigten sich jedoch große Schall- und Erschütterungsprobleme in den Betriebsräumen über den Rohrturbinen, was eine Sanierung in Form von speziell gedämmten Böden und Innenschalen in den Büros notwendig machte. 1989 bis 1990 erfolgte der Zubau einer mechanischen Werkstätte, nachdem die alte Einrichtung aus Mangel an Tageslicht gewerberechtlich nicht mehr genehmigt wurde.
 
Planung: Helmut Hitzginger, Hans Hinterleitner, Planungsstab der Donaukraftwerke AG (DoKW) unter Baudirektor Franz Neiger.

Ausführung: ARGE (Porr, Hofmann & Maculan, u.a.)
 
Das Donaukraftwerk Ottensheim-Wilhering liegt in einem Donaudurchstich westlich der einander gegenüberliegenden Gemeinden Ottensheim am Nord- und Wilhering am Südufer. Die Zufahrt erfolgt vom Südufer aus über eine Abzweigung der B129 über die Ortschaft Fall.

Krafthaus, fünf-feldrige Wehranlage und Doppelschleuse bilden - wie bei allen Donaukraftwerken - einen geschlossenen Riegel, ergänzt durch eine Freiluft-Schaltanlage und ein Werkstättengebäude am Südufer.

Das Krafthaus und die Betriebsräumlichkeiten konnten trotz Niedrigbauweise im selben Gebäude untergebracht werden. Eine durchgehende Fensterreihe im oberen Bereich der Unterwasser-Fassade markiert das Betriebsgeschoß, am Südende kragen die Schalt- und die Relaiswarte aus. Der untere Teil der gesamten Fassade ist durch eine begrünte Böschung verdeckt.

Die 155/12 m große Maschinenhalle zeigt am deutlichsten bereits die Handschrift von Helmut Hitzginger, die sich bei seinen Folge-Kraftwerken noch klarer herausbilden sollte: eine sehr großzügig dimensionierte Maschinenhalle, die jedoch nur spärlich natürliches Licht über paarweise angeordnete Oberwasserfenster erhält, erstreckt sich über das ganze Krafthaus. Parallel dazu sind unterwasserseitig im obersten Geschoß die Betriebsräume und die Warte angeordnet. Eine südseitig angeordnete, erhöhte Montageplattform ermöglicht die Manipulation von großen Maschinenteilen, die direkt angeschlossene Schweisswerkstätte die Reparaturarbeiten. Die ebenfalls hier angeordnete mechanische Werkstätte musste 1989 aufgrund von mangelnden Tageslichtöffnungen in einen Neubau neben dem Oberwasser übersiedelt werden.

Die beiden Kranbahnen sind überdimensioniert ausgeführt und tragen die beiden Belichtungsschienen mit Neonröhren. Darüber tragen Stahlbetonbalken die Dachkonstruktion, unterbrochen durch zehn Montageöffnungen - neun über den Maschinensätzen und eine über dem Montageplatz. Die einzige Raumgliederung auf Maschinenhallenniveau erfolgt durch die oberwasserseitig angeordneten neun Regler-Einhausungen. Diese werden optisch durch einen hellblauen Streifen, der südseitig in die Brüstung der Montageplattform übergeht, verbunden. Bei den Oberflächen dominiert weiß und crème-farben gestrichener Sichtbeton, der nur durch einen grauen Streifen unterhalb der Kranbahn durchbrochen wird. Die grauen Deckenbalken werden durch die dunkelblau gestrichenen Stahl-Montageöffnungen rhythmisiert. Die nördliche Stirnseite erfuhr - wie bei allen Hitzginger-Bauten - eine besondere Gestaltung. In dieser Anlage ist es noch bescheiden als Schriftzug "Ottensheim Wilhering" mit darunter schematisiertem Donauverlauf in schwarzem Blech ausgeführt. Über der Anlage steht ein 125 t-Portalkran, der Krafthaus, Wehranlage und Schleusen bestreicht. Parallel zu den beiden Kranbahnen führt eine befahrbare Werksbrücke, die auch für Radfahrer freigegeben ist.

Die Schaltwarte kragt aus der Unterwasser-Fassade des Krafthauses aus und verfügt über großflächige Fenster sowie eine künstliche Belichtung über Deckenleuchten, wobei das Licht über einen Holzraster gestreut wird.

Die Wehranlage mit ihren fünf, je 24 m breiten Wehrfeldern wird mit Doppelhakenschützen wie in Wallsee-Mitterkirchen verschlossen. Die Windenhäuser mit dem elektromechanischen Kettenantrieb sind oben mit abhebbaren Montagedeckeln verschlossen und werden beidseitig über Fenster belichtet. Eine Besonderheit stellt hier die Tosbeckensohle dar, die nur mehr in den Knicken mit massiven Granitplatten ausgekleidet wurde. Die geraden Flächen füllte man mit Spezialbeton auf.

Zwei standardisierte Schleusenkammern sorgen am Nordende des Bauwerks für einen hindernisfreien Schifffahrtsbetrieb. Das Oberhaupt wird mit Hubsenktoren, das Unterhaupt mit Riegelstemmtoren verschlossen. Das für die Schleusenaufsicht errichtete Wartengebäude befindet sich am Unterhaupt. Es wurde als schlichter Sichtbetonturm mit oben aufgesetztem Stahlfachwerk ausgeführt. Die Farbgestaltung in crème und grau demonstriert trotz der abgetrennten Lage vom Krafthaus die Zugehörigkeit zur Anlage.

Einzige Veränderung am Ensemble nach der Erbauung stellt der Zubau eines Werkstättengebäudes westlich des Haupteingangs dar. Es ist als Stahlbetonbau mit blech-gedecktem Mansarddach ausgeführt, in das wasserseitig schräge Dachfenster eingelassen sind. Eine mächtige weiße Attikaverkleidung trennt den Dachbereich von den crème-farbenen Fassadenflächen. Im Innenraum erkennt man im Deckenbereich deutlich die dreiteiligen, geknickten Fertigteilbinder, die das Mansarddach tragen.

Der durch den Kraftwerksbau entstandene Altarm nördlich des heutigen Donauverlaufes wird als Regatta-Strecke für Ruder- und Paddelbewerbe genutzt und ist weit über die Grenzen Österreichs bekannt.
 
Für das aufgehende Mauerwerk wurde durchgehend Stahlbeton verwendet. Die Oberflächen sind in den Betriebsräumen verputzt, im Foyer mit kleinteiligen, streifenförmigen Steinplatten verkleidet. Die restlichen Räume weisen gestrichene und stellenweise naturbelassene Sichtbetonoberflächen auf. 
Kleinteilige, grüne Kunststeinplatten fanden als Bodenbelag in der Maschinenhalle Verwendung, in den Fluren verwendete man einen beigen Kunststoffbelag. Die mechanische Werkstätte weist das übliche Holzstöckelpflaster auf, die Montageplattform und die Schweisserei geerdete Stahlfliesen.

Die ursprünglichen Holzfenster im Betriebsgebäude wurden bei einem Fensterstausch durch Kunststofffenster ersetzt, im Wehrbereich finden sind noch die originalen Stahlrahmenfenster mit Drahtverglasung, beim Montagefeld die originalen Stegverglasungen. Die Holztüren im Bürobereich und die Stahltüren im technischen Bereich mit den für Architekt Hitzginger typischen roten Streifen an den Aufschlagseiten sind seit der Bauzeit unverändert geblieben.

Die markanten Regler-Einhausungen in der Maschinenhalle wurden an den Seitenflächen im oberen Bereich mit hellblau gestrichenem Well-Faserzementplatten verkleidet, die Deckflächen sind mit schrägen Lüftungslamellen versehen.

Die Verkleidung der Tosbeckensohlen der Wehranlage erfolgte nicht mehr flächendeckend, sondern nur noch teilweise mit Granitsteinen. Die Restflächen wurden mit einem besonders belastbaren Höchstwertbeton (400 kg PZ 475/m³ Beton) ausgekleidet.
 
 Turbinen und Generatoren:
Neun horizontal eingebaute Kaplan-Rohrturbinen liefern eine Engpassleistung von 179 MW und ein Regelarbeitsvermögen von 1.143 GWh. Die schwedische Firma NOHAB lieferte die Maschinensätze 1 bis 3, die restlichen Turbinen stammen vom Hersteller Andritz aus Graz. Neun ELIN-Rohrturbinengeneratoren erzeugen eine Nennleistung von je 21 MVA. 

Wehranlage:
Die VÖEST plante die technische Ausstattung der fünf Wehrfelder, die über Hub-Senktore mit Kettenantrieb und elektromechanischen Windwerken steuerbar sind. Die mechanischen Einrichtungen der Wehranlage wurden von Waagner-Biró geliefert.

Schleusenanlage:
Die Befüllung und Entleerung der Schleusenkammern erfolgt über ein eigenes Füllbauwerk. Das Füllwasser wird zwischen dem Wehrfeld 6 und der Südschleuse dem Oberwasser entnommen und über ein eigenes Kanalsystem in den Bereich neben den Unterhauptverschlüssen geleitet. Bei der Entleerung erfolgt das Öffnen von Rollschützen im Füllbauwerk, wodurch das Schleusenwasser über dasselbe Kanalsystem zum Unterwasser abfließen kann.

Hubwerke:
Der Portalkran mit Hubwerken zu 120 t, 40 t, 15 t und 10 t wurde erstmals mit einem hydraulischen Antriebsmechanismus ausgestattet, was eine stufenlose und stoßfreie Fahrt ermöglicht. Zwei Hubwerke mit 25 t und 3 t Traglast beim Hallenkran bestreichen die gesamte Maschinenhalle und den Montageplatz am Südende.
 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Ottensheim-Wilhering Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Ottensheim-Wilhering Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Ottensheim-Wilhering Querschnitt Wehr
Querschnitt: Kraftwerk Ottensheim-Wilhering Wehr