Laufkraftwerk Pöls

Das VERBUND-Kraftwerk Pöls ist ein Laufkraftwerk an der Pöls (Bereich Mur) und in der Gemeinde Pöls in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Laufkraftwerk Pöls wurde von 1903 bis 1904 erbaut. Im Jahr 1976/77 wurde das Kraftwerk Pöls einer Generalsanierung unterzogen: Die Gebäude wurden renoviert, der Riemenantrieb der Generatoren entfernt sowie die Druckrohrleitung überholt. Drei horizontale Francis-Turbinen mit direkt gekoppelten Dreiphasen-Drehstromsynchron-Generatoren erzeugen jährlich rund 9 GWh Strom.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1904
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Pöls
Leistung: 1,5 MW
Jahreserzeugung: 10.054,4 MWh
Turbinen: Francis (3)
Fischwanderhilfen:                      nein

Weitere Informationen

Die ersten Überlegungen zur Erzeugung elektrischer Energie im Großraum von Knittelfeld stammen aus dem Jahr 1893. Die Gemeindevertreter von Knittelfeld planten in ihrer Gemeinde die Einrichtung einer elektrischen Straßenbeleuchtung, gespeist durch Energie aus einer zu errichtenden "Hydrozentrale". Die Suche nach einem geeigneten Standort erstreckte sich über Mur und Pöls, die Mur schied jedoch bald aufgrund zu starker Wasserführungs-Schwankungen aus. Die weiteren Planungen beschränkten sich auf die Pöls. 

Gleichzeitig aquirierte die Leobersdorfer Maschinenfabrik Ganz & Comp. neue Kunden in Österreich und erhielt von der Gemeinde Knittelfeld Ende der 1890er-Jahre den Auftrag, ein Projekt auszuarbeiten. 1903 erfolgte der Baubeginn von Wehranlage, Triebwasserkanal und Kraftwerk, am 12. Dezember 1904 ging die Anlage mit dem Andrehen von zwei Maschinensätzen - den heutigen Maschinen 2 und 3 - in Betrieb. Eine Gewerbekonzession für den Kraftwerksbetrieb wurde am 31. März 1905 an die "Internationale Elektrizitätsgesellschaft" vergeben, gleichzeitig erfolgte die Gründung der "Elektrischen Überlandzentrale Pölswerke". Erste Versorgungsengpässe aufgrund steigender Energienachfrage machte 1912 die Erweiterung um einen dritten Maschinensatz notwendig. 1926 übernahm das neu errichtete Umspannwerk Knittelfeld mit einer 3 kV- und einer 10 kV-Anlage die Ableitung der erzeugten Energie der Pölswerke. Das Versorgungsgebiet umfasste das Murtal im Osten bis St. Michael in Obersteiermark, Kammern und Gößgraben, im Westen bis Predlitz und Krakau.

Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurde die "Elektrische Überlandzentrale Pölswerke" per 1. September 1938 von der "Alpen-Elektrowerke AG" übernommen. Nach mehreren Besitzerwechseln in der Nachkriegszeit ging das Kraftwerk mit 1. Jänner 1950 an die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) über, eingegliedert in den "Betriebsbezirk Knittelfeld". Die Anlagenteile befanden sich damals in bedenklich schlechtem Zustand: Kriegsschäden waren noch nicht behoben, die Einrichtungen überaltet und das Netz stand an seinen Leistungsgrenzen. 1976/77 wurde das Kraftwerk Pöls einer Generalsanierung unterzogen. 

Die Gebäude wurden renoviert, der Riemenantrieb der Generatoren entfernt sowie die Druckrohrleitung überholt. Die ursprünglich vorhandenen drei Maschinentransformatoren wurden entfernt und durch einen Blocktransformator ersetzt. Da die manuelle Reinigung des Einlaufrechens beim Wasserschloss nicht mehr dem Stand der Technik entsprach, wurde von der Firma Kössler GmbH., St. Pölten - St. Georgen eine Rechenreinigungsmaschine eingebaut. Ein Umbau der Schaltanlage von 10 kV auf 30 kV sowie die Erneuerung des Maschinentransformators und ein Umbau der Rechenreinigungsanlage wurden 1986 vorgenommen. Im Bereich der Wehranlage ersetzte man 2003 die Holzrechen und Holzbrücken durch Rechen und Brücken aus rostfreiem Stahl. In einer zweiten Umbauphase 2007 wurden der Sandauslauf, das Streichwehr und der Schussboden unterhalb der Klappe betoniert, nachdem sich die ursprüngliche Holzausführung als zu wartungsaufwändig erwiesen hatte.

Werkswohnhaus:
Oberhalb des Werks wurde zusammen mit dem Kraftwerk ein Mitarbeiter-Wohnhaus mit sechs Wohneinheiten errichtet. Bei einem späteren Umbau wurden die Wohneinheiten auf drei reduziert und sind mittlerweile verkauft.
Ausführung: Wasserschloss: Bmst. Rudolf Felice, Judenburg.

Umbau Schaltanlage 1966: Elektro-Bau AG, Linz.

Umbau und Sanierung 1976 und Umbau 1986: Planungsabteilung der STEWEAG.
 

Das am Südufer der Pöls gelegene Krafthaus des Ausleitungskraftwerks Pöls liegt östlich der gleichnamigen Ortschaft zwischen den südlichen Ausläufern der Rottenmanner und Wölzer Tauern sowie der Seckauer Alpen. Die Pöls, deren Wasser zur Energienutzung für das Kraftwerk herangezogen wird, verläuft nördlich der Oberen Mur und mündet bei Zeltweg in sie ein.

Zum Kraftwerk führt von Norden ein Zubringer von der Murtaler Straße, von Süden zweigt ein Zufahrtsweg von der Reifensteiner Straße ab.

Krafthaus:
Äußeres:
Das über einer Grundfläche von insgesamt 27,30/16,15 m errichtete Krafthaus ist annähernd in Nord-Süd-Richtung orientiert und besteht aus einem Haupttrakt mit giebelständigem Satteldach und einem westseitig angeschlossenen, mit einem Pultdach bedeckten Nebentrakt, der im Norden über den Haupttrakt hinausragt. Die Außenflächen sind glatt verputzt, das kantige Abschlussgesimse besitzt ein Unterprofil und ist an den Giebelenden horizontal geknickt. Der Haupttrakt, der zur Gänze von der Maschinenhalle eingenommen wird, erhält Belichtung durch großformatige, hochrechteckige und mit einem Segmentbogen abgeschlossene Fenster mit Sprossenteilung, von denen sich drei an der östlichen Längsseite und jeweils eines an den Stirnseiten befinden. Die südliche Stirnseite ist als Eingangsfront ausgebildet und enthält links neben dem Fenster das zweiflügelige Einfahrtstor mit integrierter Gehtür, dessen hohe Oberlichte ebenfalls von einem Segmentbogen abgeschlossen ist. Im Giebelbereich ist eine hochrechteckige Lüftungsöffnung mit Lamellen angeordnet. Am Nebentrakt wurde an der südlichen Stirnseite nachträglich ein Fenster mit Segmentbogen-Abschluss ausgebrochen. Im nördlichen Teil des Nebentraktes hat sich noch ein originales Holzkastenfenster mit Sprossenteilung erhalten. Volutenverzierte Mauerschließen an den Ecken des Haupttraktes sind der Rest einer ursprünglich reicheren Außengestaltung.

Ursprüngliche Außengestaltung (Quelle: undatiertes historisches Foto im Kraftwerk):
An der südlichen Stirnwand des Haupttraktes fassten zwei auf Konsolen ruhende Lisenen den Giebelbereich mit waagrechtem Gesimse ein, darüber befand sich zwischen den nach oben verlängerten Lisenen eine Attikazone. Die Putzflächen waren mit Rieselwurf gestaltet, der von glatten Faschen gerahmt wurde. Außerdem waren die originalen Fensterkonstruktionen mit zarten Eisensprossen versehen und das ebenfalls reich mit Sprossenteilung gestaltete Eingangstor aus Holz gefertigt. 

Inneres:
In den Maschinenraum gelangt man durch das Einfahrtstor an der südlichen Stirnseite: Auf der Bodenfläche sind hintereinander die drei Maschinensätze angeordnet. Die glatt verputzten Längswände sind durch rundbogige Blendnischen gegliedert, wobei sich an der westlichen Längswand ein Rundbogen zum Nebentrakt öffnet, während an der nördlichen Stirnseite zwei Stufen aus Adneter Marmor zu den rückwärtigen Personalräumen des Nebentraktes führen. Auf den Mauern ruht die Bahn des Maschinenhallenkranes, über der die zarten Eisen-Fachwerkträger des offenen Dachstuhls mit einer schräg zu den Sparren ausgeführten Bretterschalung sichtbar sind. Die quadratischen Kunststein-Fliesen des Bodenbelages zeigen floralen Dekor mit Mäandermotiv in den Frieszonen. Durch Luken ist der Abstieg in das gewölbte Untergeschoß möglich, das die Druckrohr-Leitung und den Kabelkeller für die Steuerung enthält. 
Im Nebentrakt sind hinter der südlichen Stirnwand der Block-Transformator und anschließend die Räume für die Batterie-Versorgung, den Netzleistungs-Schalter und die Schaltschränke angeordnet, im Norden folgen die Personalräume, deren Vorraum mit kleinformatigen, quadratischen Bodenfliesen schachbrettartig in rot und gelb ausgelegt wurde.

Auf einem Hügel südwestlich der Anlage ist ein ehemaliges Werkswohnhaus situiert.

Triebwasserweg:
Wehr und Einlaufbauwerk:
Wehr und Einlaufbauwerk des Ausleitungskraftwerks Pöls liegen am südöstlichen Rand der Ortschaft Pöls, in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Zellstoffwerken. Vom direkt an der Reifensteiner Straße gelegenen, eingeschoßigen Wehrwärterhaus führt eine Zufahrt zur Wehranlage in der Pöls, die mit einem Streichwehr und einer rechtsufrigen Stauklappe ausgestattet ist. Eine Brücke führt zum Einlaufbauwerk am rechten, südlichen Ufer. Wartungsstege führen über den von vier Betonpfeilern gestützten Grobrechen und das linkerhand liegende Streichwehr mit Spülschütz. Östlich ist am Beginn des Kanals das Einlauf-Schütz situiert.
Zwischen der Pöls und dem Ausleitungskanal befindet sich auf einer Landzunge eine Papierfabrik.

Der Ausleitungskanal zweigt vom rechten Ufer der Pöls ab und verläuft in einer scharfen Biegung nach Süden. An seinem Ende wird das Triebwasser über ein Wasserschloss in eine Druckrohrleitung gespeist, die zum Krafthaus Pöls führt.

 
Krafthaus:
Die Unterkonstruktion des Krafthauses besteht aus Eisenbeton in Kombination mit Ziegelgewölben, der Hochbau ist aus verputztem Ziegelmauerwerk mit eisernen Mauerschließen gefertigt. Die Dachkonstruktion des Maschinenraumes besteht aus Eisen-Fachwerkträgern, das Pultdach des Nebentraktes ist eine Holz-Sparrenkonstruktion. Als Dachdeckung kamen Faserzement-Wellplatten zum Einsatz, die Entwässerung erfolgt durch Hängerinnen und Abfallrohre aus Blech. Ursprünglich besaß der Maschinenraum Eisensprossen-Fenster, die durch Modelle mit breiten Metallrahmen mit Einfachverglasungen aus Klar- und Strukturglas ersetzt wurden. Die Nebentrakte besaßen Holzkastenfenster mit Oberlichten und Sprossenteilung, wovon eines noch erhalten ist. Das Einfahrtstor war zunächst aus Holz mit Verglasungen zwischen Holzsprossen gefertigt und wurde durch ein Stahltor ausgetauscht. Die Innenwände sind verputzt und weiß gestrichen, der Boden der Maschinenhalle und der Vorraum zu den Personalräumen wurden mit Kunststein-Fliesen belegt.

Wehr- und Einlaufbauwerk:
Die beiden Streichwehre und die Stützen des Grobrechens sind aus Ortbeton hergestellt, die Brücke über die Pöls ruht auf Stahlträgern und besitzt einen Bretterbelag sowie ein Stahlgeländer, während die Wartungsstege als Stahlkonstruktionen mit Gitterrost-Böden ausgeführt sind.
 
Turbinen und Generatoren:
Das Werk ist mit horizontalen Francis-Turbinen, die direkt mit Dreiphasen-Drehstromsynchron-Generatoren gekuppelt sind, ausgestattet. Turbine 1 wurde von der Leobersdorfer Maschinenfabriks-AK-Gesellschaft 1912 geliefert. Sie ist mit einem 600 kVA-Generator von der Österreichischen Brown Boveri Werke-AG mit einer Nennspannung von 3.000 V gekuppelt. Die Turbinen 2 und 3 sind Produkte von Ganz & Comp. in Leobersdorf (Baujahr 1904), direkt gekuppelt mit zwei 3.000 V-Generatoren mit einer Leistung von 625 kW, hergestellt 1905 ebenfalls von Ganz & Comp.

Transformatoren:
Für alle drei Maschinensätze steht ein 1.600 kVA-Maschinentransformator in Blockschaltung zur Verfügung. Er weist ein Gesamtgewicht von 3.970 kg auf und wurde von der ELIN Union 1986 montiert. Zusätzlich verfügt das Werk über einen 50 kVA-Eigenbedarfs-Transformator von der Elektro-Bau-AG Linz (EBG), der die elektrische Energie von 35 kV auf 400 V umspannt.

Wehranlage:
Eine Stauklappe kann mittels eines einseitig angeordneten ölhydraulischen Zugzylinders gesenkt und gehoben werden. Die Steuerung und Überwachung erfolgt von der Zentralwarte in Pernegg aus.

Hubwerke:
Aus der Bauzeit findet sich ein Brückenkran in der Maschinenhalle, bestehend aus zwei Stahlprofilen mit einer Laufkatze. Er ist mit einem manuellen Kettenzug mit einer Traglast von 2 t ausgestattet. Der Batterieraum ist mit einem manuellen 1 t-Kettenzug von Otis ausgestattet.

Rechenreinigung:
Kössler lieferte 1977 die Rechenreinigungsanlage für den Einlauf in die Druckrohrleitung. Sie ist mit einer vollautomatischen Putzharke ausgestattet, die das Putzgut auf ein Förderband entleert, welches das Material wiederum in eine Schwemmgut-Grube entleert. Die Wehranlage am Kanaleinlauf verfügt über vertikale Rechenstangen, die sich über die Strömung selbsttätig reinigen. Größere Treibgut-Stücke müssen manuell mittels Harken entfernt werden