Pumpspeicherkraftwerk Roßhag

Das VERBUND-Kraftwerk Roßhag ist ein Pumpspeicherkraftwerk und in der Gemeinde Ginzling in Tirol gelegen. Es wurde von 1965 bis 1972 erbaut.

Technische Beschreibung 

Im Krafthaus Roßhag sind 4 Maschinensätze mit vertikaler Welle und einer Engpassleistung von zusammen 231.000 kW (inkl. Eigenbedarfsmaschine) installiert. Ein Maschinensatz mit einer Gesamthöhe von etwa 25 m besteht aus einem Motorgenerator, einer Francis-Turbine, einer 2-stufigen, 1-flutigen Pumpe und einem hydraulischen Wandler. Der Energieabtransport erfolgt über eine 220-kV-Freileitung zur Freiluftschaltanlage Mayrhofen.

Speicher Schlegeis

Das Stauziel des Speichers Schlegeis mit einem Nutzinhalt von 126,5 Mio. m3 liegt auf 1.782 m Seehöhe. Die geologisch günstigen Verhältnisse ermöglichten als Abschlussbauwerk für den Speicher eine 131 m hohe, doppelt gekrümmte Bogengewichtsmauer mit der ungewöhnlich großen Kronenlänge von 725 m, für die ein Betonvolumen von knapp 1 Mio. m3 erforderlich war.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1972
Typ:  Speicherkraft
Region: Österreich, Tirol
Gewässer: Ziller
Leistung: 231 MW
Jahreserzeugung: 328.167,7 MWh
Turbinen: Francis (4)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Architektur: Konrad Aufhammer
Planungsstab der Tauernkraftwerke AG: Karl Moser, Hubert Rudolf, Kurt Rienößl, Heimo Stäuble, Richard Widmann, Bauleitung: Josef Schlosser

Ausführung: Arbeitsgemeinschaft Oberstufe Zemmkraftwerke
 
Die Maschinenhalle ist mit vier vertikal eingebauten Maschinensätzen für den Pumpspeicherbetrieb ausgestattet, die aus je einer Francis-Gegendruckturbine der Maschinenfabrik Andritz AG, einem Motorgenerator der Firma Elin aus dem Jahr 1970, einer zweistufigen, einflutigen Pumpe der Maschinenfabrik J. M. Voith von 1970 und einem hydraulischen Wandler bestehen. Die Nennleistungen betragen 57.500 kW je Turbine, 65.000 kVA je Motorgenerator,sowie 60.000 kW je Speicherpumpe. Ein weiterer Maschinensatz, bestehend aus einer horizontal eingebauten, eindüsigen Pelton-Turbine mit einer Nennleistung von 1.000 kW und einem Drehstromgenerator mit einer Nennleistung von 1.250 kVA dient zur Abdeckung des Eigenbedarfs. Die Maschinensätze erzeugen inklusive der Eigenbedarfsmaschine eine Nennleistung von 231.000 kW. In der Maschinenhalle befinden sich außerdem zwei Kräne der Firma Waagner-Biró mit einer Traglast von je 60 t.

Der Abtransport der Energie erfolgt zunächst von der Innenraum-Schaltanlage durch ein unterirdisches 220 kV-Ölkabel in einem 240 m langen Stollen zur lawinensicher gelegenen Abspannanlage Alpl, wo die 220 kV-Doppelleitung zur Freiluft-Schaltanlage Mayrhofen beginnt.
 
Da sich das Kraftwerk Roßhag in einem lawinengefährdeten Gebiet befindet, musste die gesamte Konstruktion entsprechend massiv ausgeführt werden, wobei die Bauteile einem Druck von 20 bis 50 t/m² stand halten. Für den Aushub der Baugrube mussten insgesamt zehn Tiefbohrlochsprengungen durchgeführt werden. Das Gebäude ist in schalreinem Ortbeton, ergänzt mit Beton-Fertigteilen, ausgeführt und durch Bewegungsfugen in drei etwa gleich lange Blöcke unterteilt. Das Dach über der Maschinenhalle besteht aus Stahlbeton-Fertigteilen. Die bergseitigen Verteilrohrleitungen wurden in einem massiven Betonblock eingebaut. 

Die Einbetonierung der Pumpen und Turbinenspirale sowie die feste Verbindung des Gebäudes mit dem Fels verursachten jedoch Spannungen. Im Hochbaubereich wurden im Abstand von etwa 6 m Pfeiler betoniert, die durch zwei etwa 8, bzw. 15 m über dem Maschinenflur liegende, horizontale Stahlbetonbalken miteinander verbunden wurden. Der untere Balken ist mit Vorspannankern mit dem Fels verbunden, der obere Balken dient der Hangsicherung und bildet zugleich das bergseitige Auflager der Dachplatte. Die Flachdächer sind beschüttet und begrünt. Die Betonoberflächen sind innen hell beschichtet, in der Maschinenhalle sind der Fußboden und der untere Teil der Wände mit roten Klinkerplatten ausgekleidet. Die Verschlüsse sind als Panzertüren ausgebildet.

Die Lage in einem lawinengefährdeten Gebiet erforderte den Einsatz spezifischer Konstruktionstechniken und Materialien. Der Einbau des Krafthauses Roßhag in den Gebirgsstock und die begrünten Flachdächer stellen es in eine Entwicklungsreihe zwischen die Krafthäuser Kaprun-Hauptstufe (1939-1944) und Häusling (1974-1987). Das für die bauliche Ausgestaltung des Krafthauses in Kaprun wesentliche Argument der Bombensicherheit wurde bei der Errichtung des Krafthauses Roßhag von der Notwendigkeit der Lawinensicherheit abgelöst.
 

Querschnitte:

VERBUND-Kraftwerk Roßhag Querschnitt Krafthaus
Kraftwerk Rosshag: Querschnitt Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Roßhag Querschnitt Speicher Schlegeis
Kraftwerk Roßhag: Querschnitt Sperre Schlegeis