Speicherkraftwerk Schwarzach

Das VERBUND-Kraftwerk Schwarzach ist ein Speicherkraftwerk und in der Gemeinde Schwarzach in Salzburg gelegen. Es wurde von 1954 bis 1959 erbaut.

Geschichte des Kraftwerks

Die Kraftwerke Schwarzach sowie Wallnerau-Salzach und Wallnerau-Unterwasser bilden eine einzigartige Kombination von drei Kraftwerken auf engstem Raum und sind quasi eine Unterstufe der Speicherkraftwerke Kaprun.

Das Kraftwerk Schwarzach ist ein Mitteldruck-Ausleitungskraftwerk mit einem Tagesspeicher. 
Es nutzt das Gefälle der Salzach zwischen der Wehranlage Högmoos bei Taxenbach und Schwarzach und besteht aus: einer 3-feldrigen Wehranlage, dem rund 17 km langen betonausgekleideten Triebwasserstollen, dem Ausgleichsbecken Brandstatt und einem etwa 0,9 km langen gepanzerten Druckschacht sowie dem Krafthaus Schwarzach mit der 110-kV-Freiluftschaltanlage.

Wehranlage Högmoos 

Die Wehranlage Högmoos besteht aus drei Wehrfeldern, wobei das 100-jährliche Hochwasser von 600 m3/s durch zwei Wehrfelder abgeführt werden kann. Jedes Wehrfeld schließt ein Segmentschütz mit aufgesetzter Stauklappe ab. Das Wasser fließt vom Einlaufbauwerk durch einen Einlaufrechen über eine mehrkammrige Entsanderanlage zu einem Regulierschütz, mit dem der Rückstauraum bei jeder Durchflussmenge auf einer Höhe von 738 m gehalten werden kann. Anschließend wird das Wasser durch eine Hangrohrleitung vor dem Regulierschütz in den 17 km langen betonausgekleideten Triebwasserstollen eingeleitet.

Ausgleichsbecken Brandstatt

Dieser Tagesspeicher mit einem Nutzinhalt von rund 1,8 Mio. m3 ermöglicht eine weitgehende Anpassung des Kraftwerkseinsatzes an den Spitzenlastbedarf. Die Bewirtschaftung des Speichers ist aber vor allem von der Wasserführung der Salzach bei der Wehranlage Högmoos abhängig.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1960
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Salzburg
Gewässer: Salzach
Leistung: 120 MW
Jahreserzeugung: 486.441,3 MWh
Turbinen: Francis (4)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Architektur: Konrad Aufhammer

Planungsstab der Tauernkraftwerke AG (TKW): Baudirektion: Werner Schwarz, Leitung der Abteilung Bauplanung: H. Schüller, Kurt Rienößl, Statik: Manfred Eiselmeyer, E. Tremmel (Chefstatiker der TKW), Konstruktion: Heimo Stäuble, Richard Widmann, Maschinenbau: Rudolf Spitzer, externe Experten: Georg Horninger (Wien, Geologischer Berater der TKW), Günther Heigerth (TU Graz, Hydraulik). 
Bauleitung: Walter Aufhauser (TKW), Josef Schlosser (Losbauleiter der TKW); 

Ausführung von Krafthaus und Kraftabstieg: Arbeitsgemeinschaft Krafthaus Schwarzach (Allgemeine Baugesellschaft A. Porr, Innerebner & Mayer, Kunz & Co., Hoch- und Tiefbau C. Heinz, und Plana Hoch- und Tiefbaugesellschaft), Stahlbau: Waagner-Biró, VÖEST, Asphaltbeton: Stuag, Strabag
 
Baumaterialien und Konstruktionstechniken:
Die Gründung des in Trockenbauweise errichteten Hauptbauwerks erfolgte auf dicht gelagertem Flussschotter mit Konglomeratbänken in insgesamt fünf Baugruben, die mit teilweise verstärkten Spund- und Ankerwänden gesichert wurden.

Die Untergeschoße der Maschinenhalle sind in Stahlbeton ausgeführt. Der Hochbau der Maschinenhalle wurde als Stahlskelettbau von der Firma VÖEST ausgeführt. Die Stahlkonstruktion besteht aus 17 Hallenbindern mit Zweigelenkrahmen mit einer Spannweite von 13,30 m und einem Binderabstand von 3,90 m. Die Montagestöße der in drei Teilen gelieferten Binder wurden auf der Baustelle geschweißt. Die Ausfachungen der Stahlkonstruktionen bestehen aus Hohlblocksteinen, nachträglich wurde eine Akustikdecke eingebaut. Der Fußboden wurde mit einem Belag aus Klinkerplatten versehen, die Wände sind auf 1,8 m Höhe mit Kleinmosaik verkleidet. Die Fenster wurden erneuert und besitzen Strukturverglasung in Aluminiumrahmen mit Sprossenteilung. Die Paravent-Konstruktion zwischen Abstellplatz und Maschinenhalle besteht aus Aluminium.

Betriebsgebäude:
Das Fundament des Betriebsgebäudes ist als 50 cm starke, isolierte Stahlbetonwanne, die Kellerwände sind in Beton ausgeführt. Die Obergeschoße bestehen aus Ziegelmauerwerk mit Beton-Fertigdecken. An der mit Kratzputz überzogenen Fassade sind die großen Maueröffnungen mit gestocktem Kunststein umrahmt. Als Ersatz für die ursprünglichen Stahlfenster wurden Fenster mit Aluminiumrahmen eingebaut. Die Dachdeckungen sind in verzinktem Blech ausgeführt. Die Schaltwarte besaß ursprünglich eine Stuckdecke mit Lichtbändern, wobei das große, gegen die Freiluft-Schaltanlage gerichtete Fenster mit Thermoglas ausgestattet ist. 

Die Konstruktion der Werkstatthalle besteht aus in Ortbeton hergestellten Zweigelenkrahmen mit Zugband, die Ausfachung erfolgte durch Ziegel und Betonsteine. Der übrige Werkstättentrakt ist in Ziegelmauerwerk errichtet und besitzt einen Bodenbelag aus Holzstöckelpflaster. 

Das Nebengebäude aus der Zeit von 1987 bis 1990 besteht aus schalreinem Ortbeton mit Fertigteil-Betonplatten im Dachbereich. Sein Flachdach ist begrünt, die Tore sind in Stahlblech ausgeführt, die Fenster besitzen Metallrahmen, die Vordächer sind als Stahl-Glaskonstruktion ausgeführt.
 
In der Maschinenhalle befinden sich vier Maschinensätze mit vertikaler Welle und einer Nennleistung von insgesamt 120.000 kW. Sie bestehen aus je einer Francis-Spiralturbine der Firma Voith mit 34.400 kW Nennleistung und einem Drehstrom-Synchrongenerator der Firma Elin mit einer Nennleistung von 35.000 kVA. 

Der Hallenkran für 2 x 50 t wurde von Simmering-Graz-Pauker (SGP) produziert. Die Steuerung erfolgt automatisch durch elektromechanische Regler.

Der Strom wird über eine 110 kV-Freiluft-Schaltanlage in das Verbundnetz eingespeist.
 
Das Kraftwerk liegt am rechten Ufer der Salzach südwestlich der Ortschaft Schwarzach bei Stromkilometer 135,00 und wird durch eine von Osten kommende Zufahrtsstraße erschlossen. Östlich des Unterwasserbeckens befindet sich das Kraftwerk Wallnerau-Unterwasser.

Das Hauptgebäude des Kraftwerks Schwarzach umfasst das Krafthaus, Betriebsgebäude und einen Trakt mit Werkstätten und Lager. Westlich schließen eine Freiluft-Schaltanlage und eine Garage an, ein weiteres Nebengebäude befindet sich im Norden der Anlage. Östlich des Krafthauses liegt das Unterwasserbecken. 

Die auf rechteckigen Grundrissen errichteten Gebäude besitzen glatte, hell verputzte Außenflächen mit im Winkel von 15 Grad geneigten Walmdächern. Die Abschlussgesimse sind einfach gekantet, Fenster- und Türöffnungen in die Mauerflächen überwiegend einfach eingeschnitten, in einigen Fällen durch Kunststein-Umrahmungen hervorgehoben.

Der Hochbau des lang gestreckten, annähernd in Nord-Süd-Richtung orientierten Krafthauses wird von der 70,4 m langen, 13,9 m breiten und 12,8 m hohen Maschinenhalle mit angeschlossenem Abstellplatz eingenommen. Ihre beiden Längsseiten sind fast zur Gänze in Glasflächen aufgelöst. Die Erschließung erfolgt über ein vollflächig verglastes Einfahrtstor mit Kunststein-Umrahmung an der Südostseite, von dem aus man zunächst auf den Abstellplatz gelangt. Dieser wurde nachträglich durch eine Paravent-Konstruktion gegen die Maschinenhalle abgegrenzt. Daran anschließend sind die rot gestrichenen, zylindrischen Gehäuse der vier Generatoren situiert, die nur knapp über das Bodenniveau der Halle ragen. Die schlank dimensionierte Stahlbinder-Konstruktion ist sichtbar belassen und, wie die Wandflächen, hell beschichtet. An der nördlichen, geschlossenen Stirnwand befinden sich ein großflächiges Mosaik, das eine Person mit Wasser und Blitz darstellt, sowie eine Uhr.

In den drei Untergeschoßen der Halle sind die vier Maschinensätze situiert. 

Im Nordwesten schließt das dreigeschoßige Betriebsgebäude mit der Warte und Räumen für Schaltanlagen an, das zur Bauzeit als "Schalthaus" bezeichnet wurde. Neben kleinformatigen, hochrechteckigen Fenstern zu Büro- und Nebenräumen sind im Bereich der Warte und der Stiegenhäuser über zwei Geschoße reichende, mit Kunststein-Faschen eingefasste Wandöffnungen angeordnet. Das gegen die Freiluft-Schaltanlage gerichtete, querrechteckige Fensterfeld der Warte besitzt darüber hinaus eine auf Konsolen ruhende Sohlbank. Der an der Nordseite gelegene Eingang ist mit einem Vordach ausgestattet und ebenfalls mit einer Kunststein-Umrahmung versehen, die auch das darüber liegende Fenster umfasst. Der Raum der Warte ist mit einer abgehängten Decke aus goldfarbenem Metallraster ausgestattet, die Schaltmosaike an den Wänden sind mit Messingleisten eingefasst, oberhalb der Eingangstürn sind vertikal genutete Stuckfelder angeordnet. 

Rechtwinklig im Südosten an die Maschinenhalle anschließend befindet sich der zweigeschoßige Trakt mit Werkstätten und Lager: querrechteckige Fensteröffnungen belichten in dichter Reihung das Obergeschoß und lösen dessen Außenmauern fast völlig auf. Die Werkstättenhalle im Erdgeschoß erhält durch raumhohe, annähernd quadratische Öffnungen an beiden Längsseiten Tageslicht.

Nordwestlich des Hauptgebäudes liegt ein Garagengebäude mit Kompressorraum und Löschanlage für die Umspanner der Freiluft-Schaltanlage. In der Mitte des symmetrisch konzipierten Gebäudes ist die Garageneinfahrt situiert. 

Ein im Grundriss hakenförmiges, eingeschoßiges Nebengebäude, das ein Reproduktions-Center und Lagerräume aufnimmt, stammt aus der Zeit von 1987 bis 1990 und ist mit glatter Fassade und begrüntem Flachdach versehen. Der Zugang erfolgt über zweiflügelige, oberhalb des Parapetbereichs verglaste Tore mit Gehflügel, die auch für die Belichtung des Gebäudes sorgen. An den Süd- und den Westseiten des Gebäudes sind schmale Vordächer angeordnet.

Abtransport von Triebwasser:
Das abgearbeitete Triebwasser gelangt über den etwa 40 m breiten und 200 m langen Unterwasserkanal zurück in die Salzach. Das Unterwasser des Kraftwerks Schwarzach wird vom Kraftwerk Wallnerau-Unterwasser genutzt.

Das Krafthaus Schwarzach ist besonders durch die Stahlkonstruktion der Maschinenhalle bemerkenswert. Zusammen mit der Auflösung ihrer Unterwasserfront in schlanke Stahlstützen und Glasflächen vermittelt sie das zeitgenössische Bild der Wasserkraft als sauberen, zukunftsweisenden Energieträger. Die Architektur inszeniert in dieser Zeit noch selbstbewusst die Leistungen der Technik.

Schwarzach ist das erste Werk des Architekten Konrad Aufhammer, das er für die Tauernkraftwerke AG plante.

Technik:

Das Kraftwerk Schwarzach mit der Wehranlage Högmoos und dem Ausgleichsspeicher Brandstatt ist ein seltenes Beispiel für ein Mitteldruck-Ausleitungskraftwerk mit Tagesspeicher. Der selbe Kraftwerks-Typus findet sich im gleichzeitig entstandenen Ausleitungskraftwerk Hieflau an der Enns mit dem Wehr Gstatterboden und dem Speicher Wag.
 

Querschnitt:

VERBUND-Kraftwerk Schwarzach Querschnitt Krafthaus
Kraftwerk Schwarzach: Querschnitt Krafthaus

Querschnitt:

VERBUND-Kraftwerk Schwarzach Querschnitt
Kraftwerk Schwarzach: Querschnitt