Laufkraftwerk St. Johann

Das Gemeinschafts-Kraftwerk St. Johann ist ein Laufkraftwerk an der Salzach und in der Gemeinde St. Johann in Salzburg gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk St. Johann wurde zwischen 1988 und 1991 erbaut. Es ist sechsstufiger Ausbau mit einem Ausleitungs-Kraftwerk als unterster Stufe mit einer Wehranlage bei Werfen und einem Krafthaus bei Golling. Zwei horizontal eingebaute Kaplan-Rohrturbinen erzeugen bei einer Fallhöhe von 10 m jährlich rund 71 GWh Strom. Des Weiteren ist das Kraftwerk St. Johann mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH, Salzburg AG
Betreiber: Salzburg AG
Inbetriebnahme: 1991
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Salzburg
Gewässer: Salzach
Leistung: 16,5 MW
Jahreserzeugung: 71.200 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Basis für den Ausbau des Bereichs "Mittlere Salzach" zwischen Schwarzach und Werfen wurde in den 1970er-Jahren gelegt, als man mehrere Varianten erstellte und prüfte. Das Spektrum reichte vom sechsstufigen Ausbau mit einem Ausleitungs-Kraftwerk als unterster Stufe mit einer Wehranlage bei Werfen und einem Krafthaus bei Golling bis zum Einstufenprojekt zwischen Schwarzach und Golling.

Erste rechtliche Grundlagen schuf ein 1977 geschlossener Kooperationsvertrag zwischen der Tauernkraftwerke AG (TKW) und der Salzburger AG für Elektrizitätswirtschaft (SAFE), der die Aufteilung von Kosten und Leistungen bei der Errichtung von "Gemeinschaftskraftwerken" festlegen sollte. Die Planung und Ausführung der Bauten oblag der Planungsabteilung der TKW mit ihrem Hausarchitekten Konrad Aufhammer, der spätere Betrieb der SAFE. Die Baukosten sowie die Eigentumsrechte wurden an beide Firmen zu gleichen Teilen vergeben.

1981 erfolgte die Genehmigung für einen sechsstufigen Ausbau durch Beschlüsse der Aufsichtsräte beider Gesellschaften. Alle Kraftwerke sollten mit drei Wehrfeldern mit Segmentschützen und aufgesetzten Klappen sowie je zwei horizontalen Kaplan-Rohrturbinen mit Drehstromgenerator ausgestattet werden.

Nach der Einreichung im Herbst 1987 und der wasserrechtlichen und elektrizitätsrechtlichen Bewilligung am 4. Jänner 1988 erfolgte der Baubeginn im darauf folgenden Mai. Mit den Inbetriebnahmen von Maschine 1 im Oktober 1990 und von Maschine 2 im Jänner 1991 wurden die Arbeiten am Kraftwerk St. Johann abgeschlossen.
 
Architektur: Konrad Aufhammer, Tauernkraftwerke AG (TKW)
Planung: Planungsabteilung der Tauernkraftwerke AG (TKW). Landschaftsgestaltung: Albert Ennemoser.
Ausführung: ARGE Mittlere Salzach (Federführung Baufirma Hinteregger, Alpine, Ast & Co., Neue Reformbau, Hofman & Maculan, WS-Bau)
 
Das Kraftwerk St. Johann ist das oberste Glied der Kraftwerkskette an der Mittleren Salzach. Ihm folgt flussabwärts das Unterlieger-Kraftwerk Urreiting, während flussaufwärts das Kraftwerk St. Veit situiert ist. Im Süden der Ortschaft St. Johann im Pongau und der Salzach-Brücke gelegen, erfolgt die Zufahrt vom rechten Flussufer über eine Abzweigung von der Landesstraße 109.

Das Kraftwerk ist senkrecht zur Flussachse situiert und besteht aus dem am rechten Ufer anschließenden Krafthaus und der bis zum linken Ufer reichenden Wehranlage. Das Krafthaus wurde über einer Fläche von etwa 41/33 m errichtet und ragt im Durchschnitt 15 m über dem Spiegel des Unterwassers auf. Die niedrige Bauweise wurde durch den horizontalen Einbau der Maschinensätze ermöglicht.

Das Krafthaus von St. Johann erhielt einen Mittelrisalit, der über einer Lamellenverblendung im Erdgeschoß zur Gänze mit eloxierten Aluminiumtafeln verkleidet ist. Es setzt sich aus zwei über rechteckigem Grundriss errichteten, mit den Längsseiten aneinander gebauten Trakten zusammen, die in der Höhe gestaffelt und mit begrünten Flachdächern versehen sind. Der höhere Haupttrakt enthält die Maschinenhalle und besitzt eine breite Attika, die mit Elementen aus eloxiertem Aluminium verkleidet ist.

Der längere, niedrigere Nebentrakt ist zweigeschoßig und besitzt glatte, zum Teil mit Kletterpflanzen bewachsene Sichtbeton-Außenflächen, in die unterwasserseitig hochrechteckige Fensteröffnungen eingeschnitten sind. Horizontale Fugen gliedern die Betonflächen und führen die Kompositionslinien von Fenster- und Torelementen weiter. Ein breites, leicht aus der Fassadenflucht vorkragendes Band aus flachen Betontrögen trennt die Geschoße und dient zur Aufnahme von Kletterpflanzen. Im Erdgeschoß befindet sich vor den Räumen der Transformatoren eine Öffnung mit Lamellenverkleidung.

Die mit Lichtkuppeln versehene Unterwasserplattform ist begrünt und mit Bäumchen bepflanzt. Uferseitig schließt im rechten Winkel zum Krafthaus ein niedriger Garagentrakt an, der ebenfalls eine Attikaverkleidung aus eloxierten Aluminiumtafeln besitzt.Von der Fassade zurückversetzt liegt das bis zur Dachkante reichende Einfahrtstor zur Maschinenhalle.

Auch die Anordnung der Räume und die Innengestaltung ist bei den Kraftwerken Bischofshofen, Urreiting, St. Veit, St. Johann und ebenso jene des Kraftwerks Kreuzbergmaut im Wesentlichen gleich gelöst und bei St. Veit lediglich gespiegelt ausgeführt: Vom Einfahrtstor gelangt man in die Maschinenhalle mit dem direkt hinter der Einfahrt situierten Montageplatz. Der Raum der Halle ist vollkommen leer, da die beiden horizontal eingebauten Rohrturbinen zur Gänze unter dem Bodenniveau situiert sind.

In der Bodenfläche sind die Abstiegsschächte zu den Maschinensätzen angeordnet. Als Träger für die Bahn des Hallenkrans dienen Betonbinder, an deren Unterseite Leuchtstoff-Röhren angebracht sind. Oberwasser- und unterwasserseitig der Maschinenhalle ist jeweils ein zweiarmiger Stiegenlauf angeordnet. In die Platten-Balkendecke sind einzelne, verglaste Bänder zur Belichtung der Halle integriert. Zwei Stahltore in der unterwasserseitigen Längswand der Halle erschließen die Räume der beiden Haupttransformatoren. Der anschließende Leitstand ist von der Maschinenhalle durch einen Raumteiler aus Glas und Aluminium getrennt. Im Obergeschoß befinden sich unter Anderem eine 30 kV-Schaltanlage, oberwasserseitig an die Wehranlage anschließend der Hydraulik-Raum für die Steuerung der Wehrfelder, unterwasserseitig Personalräume. In den Untergeschoßen sind die Maschinensätze, die hydraulischen Turbinenregler, die Eigenbedarfs-Transformatoren, der Fernwirkraum und andere technische Einrichtungen situiert.

Die Wehranlage besitzt drei jeweils 10 m breite Felder mit einer Stauwandhöhe von 10,6 m. Die 38,20 m langen und 3 m breiten Wehrpfeiler sind mit abgerundeten Enden gestaltet und unterwasserseitig abgestuft. Am rechten Flussufer befindet sich eine Fischtreppe. Der etwa 1,8 km lange Stauraum ist in seinem obersten Drittel im ursprünglichen Zustand belassen. Der 2,1 km lange Unterwasser-Bereich ist auf die Uferverbauung im Ortsgebiet von St. Johann abgestimmt. Entlang der Ufer führen Rad-, Geh- und Reitwege.
 
Die Gründung der Kraftwerke an der mittleren Salzach erfolgte jeweils auf einem dicht gelagerten Kies-Sand-Boden in Trockenbauweise in einer großen Baugrube für Krafthaus und Wehranlage neben dem Bett der Salzach. Krafthaus und Wehranlage wurden aus Stahlbeton errichtet, die Decke des Krafthauses ist als Platten-Balkenkonstruktion aus Beton-Fertigteilen hergestellt. Die horizontal geschalten Stahlbeton-Mauern der Maschinenhalle sind an den Längsseiten grau gestrichen. Die Türen bestehen aus Stahlblech, die Fenster besitzen Aluminiumrahmen und Isolierverglasung. Als Bodenbelag kamen rötliche Klinkerplatten zum Einsatz. Schmalere Klinkerplatten verkleiden die Stirnwände bis auf eine Höhe von etwa 2,5 m.
 
Turbinen und Generatoren
Zwei horizontal eingebaute Kaplan-Rohrturbinen von der VÖEST Alpine AG weisen bei einer Ausbau-Fallhöhe von 10,0 m eine Leistung von je 8.250 kW auf. Die vierflügeligen Laufräder mit einem Durchmesser von 3,6 m besitzen ein Schluckvermögen von 106 m³/sec.

Die Firma ASEA Brown Boveri AG (ABB) lieferte die beiden Rohrturbinengeneratoren mit eine Nennleistung von 9.500 kVA. Die Kühlung der Generatoren erfolgt über einen geschlossenen Kreislauf. Für die Notstromversorgung des Werks steht ein 131 kW-Notstrom-Dieselaggregat bereit.

Transformatoren
Zwei 9.500 kVA-Blocktrafos von der Elektro-Bau AG Linz (EBG) spannen die erzeugte Energie auf 30 kV hoch. Die Ableitung erfolgt über eine 30 kV-Leitung zum Umspannwerk Pongau der Salzburg AG. Zusätzlich verfügt das Werk über zwei 400 kVA-Eigenbedarfstrafos von der ELIN Union; sie verbinden die 30 kV- mit der 0,4 kV-Spannungsebene.

Wehranlage
Zur Steuerung der dreifeldrigen Wehranlage lieferte die VÖEST Alpine AG geschweißte Drucksegmente in Kastenbauweise mit aufgesetzten Stauklappen. Bei einer lichten Weite von 10 m ermöglichen die Schützen eine Gesamt-Stauhöhe von 10,3 m. Der Antrieb erfolgt ölhydraulisch mittels einer Rexroth-Wehrhydraulik, die Steuerung lieferte die VA Tech (SAT). Als Notverschlüsse für die Wehranlage stehen insgesamt fünf Rolldammbalken zur Verfügung.

Hubwerke
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran Baujahr 1989 von Liebherr bestrichen. Er verfügt über Hubwerke zu 80 t und 16 t. Auf dem Reglerniveau befindet sich an der Decke eine 2 t-Laufkatze mit einem manuellen Kettenzug von der Kito Corporation aus Japan. Zum Versetzen der Rolldammbalken der Wehranlage und der Dammbalken für die Turbinenausläufe befindet sich unterwasserseitig eine Montagemöglichkeit für einen Seilkran, an der Oberwasser-Seite kommt ein fahrbares Dammbalken-Setzgerät der Firma Künz zum Einsatz. Die drei Portalgleit-Dammbalken und zwei Portalroll-Dammbalken der Turbineneinläufe werden mit einem mobilen Bockkran der Firma Ing. Voith aus Traun versetzt werden, von dem ein Exemplar für alle Kraftwerke an der mittleren Salzach zur Verfügung steht.

Rechenreinigung
Die Firma Pühler lieferte die Rechenreinigungsanlage, bestehend aus einem manuell zu steuerndem Putzwagen mit Putzharke. Das Treibgut wird in einem neben der Anlage befindlichen Container befördert und von dort durch Drittfirmen entsorgt.