Laufkraftwerk Urreiting

Das Gemeinschafts-Kraftwerk Urreiting ist ein Laufkraftwerk an der Salzach und südöstlich der Ortschaft Urreiting gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Laufkraftwerk Urreiting wurde zwischen 1983 und 1986 errichtet. Das Kraftwerk wurde mit drei Wehrfeldern mit Segmentschützen und aufgesetzten Klappen sowie je zwei horizontalen Kaplan-Rohrturbinen mit Drehstromgenerator ausgestattet. So erzeugt es jährlich rund 76 GWh Strom. Des Weiteren verfügt das Kraftwerk über eine Fischaufstiegshilfe.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH, Salzburg AG
Betreiber: Salzburg AG
Inbetriebnahme: 1986
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Salzburg
Gewässer: Salzach
Leistung: 16,5 MW
Jahreserzeugung: 76.200 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Basis für den Ausbau des Bereichs "Mittlere Salzach" zwischen Schwarzach und Werfen wurde in den 1970er-Jahren gelegt, als man mehrere Varianten erstellte und prüfte. Das Spektrum reichte vom sechsstufigen Ausbau mit einem Ausleitungs-Kraftwerk als unterster Stufe mit einer Wehranlage bei Werfen und einem Krafthaus bei Golling bis zum Einstufenprojekt zwischen Schwarzach und Golling. Erste rechtliche Grundlagen schuf ein 1977 geschlossener Kooperationsvertrag zwischen der Tauernkraftwerke AG (TKW) und der Salzburger AG für Elektrizitätswirtschaft (SAFE), der die Aufteilung von Kosten und Leistungen bei der Errichtung von "Gemeinschaftskraftwerken" festlegen sollte. Die Planung und Ausführung der Bauten oblag der Planungsabteilung der TKW mit ihrem Hausarchitekten Konrad Aufhammer, der spätere Betrieb der SAFE. Die Baukosten sowie die Eigentumsrechte wurden an beide Firmen zu gleichen Teilen vergeben.

1981 erfolgte die Genehmigung für einen sechsstufigen Ausbau durch Beschlüsse der Aufsichtsräte beider Gesellschaften. Alle Kraftwerke sollten mit drei Wehrfeldern mit Segmentschützen und aufgesetzten Klappen sowie je zwei horizontalen Kaplan-Rohrturbinen mit Drehstromgenerator ausgestattet werden.

Der Baubeschluss für das Kraftwerk Urreiting wurde vom Aufsichtsrat der TKW im April 1983 gefasst, der Beschluss durch die SAFE folgte zwei Monate später. Die architektonische Planung oblag Konrad Aufhammer. Im Mai 1983 begannen die Aufschließungsarbeiten am Salzach-Ufer. Als Baugruben-Umschließung wurden bis zu 40 m tiefe verankerte Schlitzwände angeordnet, daran anschließend folgten Dicht- und Schmalwände. Ergänzend dazu musste die Baugrube ober- und unterwasserseitig durch 20 m tiefe Schmalwände geschlossen werden.

Die Inbetriebnahme von Maschine I erfolgte am 18. September 1985, von Maschine II am 17. Dezember. Die Fertigstellungsarbeiten am Kraftwerk dauerten noch bis zum Februar 1986 an. Gemeinsam mit dem Kraftwerk Urreiting wurde auch - um zwei aufeinander folgende Großbaustellen zusammen zu legen - das Abwasserprojekt Salzach-Pongau verwirklicht.
 
Architektur: Konrad Aufhammer, Tauernkraftwerke AG (TKW)
Planung: Planungsabteilung der Tauernkraftwerke AG (TKW). Landschaftsgestaltung: Albert Ennemoser.
Ausführung: ARGE Mittlere Salzach (Federführung Baufirma Hinteregger, Alpine, Ast & Co., Neue Reformbau, Hofman & Maculan, WS-Bau)
 
Das Kraftwerk Urreiting liegt an der mittleren Salzach zwischen dem Oberlieger-Kraftwerk St. Johann und dem Unterlieger-Kraftwerk Bischofshofen, südöstlich der Ortschaft Urreiting am rechten Flussufer. Die Zufahrt erfolgt über eine von Urreiting westlich zur Salzach führenden Straße. Das senkrecht zur Flussachse situierte Kraftwerk besteht aus dem am rechten Ufer anschließenden Krafthaus und der bis zum linken Ufer reichenden Wehranlage. Das Krafthaus wurde über einer Fläche von etwa 41/33 m errichtet und ragt im Durchschnitt 15,80 m über dem Spiegel des Unterwassers auf. Die niedrige Bauweise wurde durch den horizontalen Einbau der Maschinensätze ermöglicht.

Das Krafthaus setzt sich aus zwei über rechteckigem Grundriss errichteten, mit den Längsseiten aneinander gebauten Trakten zusammen, die in der Höhe gestaffelt und mit begrünten Flachdächern versehen sind. Der höhere Haupttrakt enthält die Maschinenhalle und besitzt eine breite Attika, die mit Elementen aus eloxiertem Aluminium verkleidet ist. Der längere, niedrigere Nebentrakt ist zweigeschoßig und besitzt glatte, zum Teil mit Kletterpflanzen bewachsene Sichtbeton-Außenflächen, in die unterwasserseitig hochrechteckige Fensteröffnungen eingeschnitten sind. Horizontale Fugen gliedern die Betonflächen und führen die Kompositionslinien von Fenster- und Torelementen weiter.

Ein breites, leicht aus der Fassadenflucht vorkragendes Band aus flachen Betontrögen trennt die Geschoße und dient zur Aufnahme von Kletterpflanzen. Im Erdgeschoß befindet sich vor den Räumen der Transformatoren eine Öffnung mit Lamellenverkleidung. Die mit Lichtkuppeln versehene Unterwasserplattform ist begrünt und mit Bäumchen bepflanzt. Uferseitig schließt im rechten Winkel zum Krafthaus ein niedriger Garagentrakt an, der ebenfalls eine Attikaverkleidung aus eloxierten Aluminiumtafeln besitzt.

Von der Fassade zurückversetzt liegt das bis zur Dachkante reichende Einfahrtstor zur Maschinenhalle.

Auch die Anordnung der Räume und die Innengestaltung ist bei den Kraftwerken Bischofshofen, Urreiting, St. Veit, St. Johann und ebenso jene des Kraftwerks Kreuzbergmaut im Wesentlichen gleich gelöst und wurde bei St. Veit lediglich gespiegelt ausgeführt: Vom Einfahrtstor gelangt man in die Maschinenhalle mit dem direkt hinter der Einfahrt situierten Montageplatz. Der Raum der Halle ist vollkommen leer, da die beiden horizontal eingebauten Rohrturbinen zur Gänze unter dem Bodenniveau situiert sind. In der Bodenfläche sind die Abstiegsschächte zu den Maschinensätzen angeordnet.

Als Träger für die Bahn des Hallenkrans dienen Betonbinder, an deren Unterseite Leuchtstoff-Röhren angebracht sind. Oberwasser- und unterwasserseitig der Maschinenhalle ist jeweils ein zweiarmiger Stiegenlauf angeordnet. In die Platten-Balkendecke sind einzelne, verglaste Bänder zur Belichtung der Halle integriert. Zwei Stahltore in der unterwasserseitigen Längswand der Halle erschließen die Räume der beiden Haupttransformatoren. Der anschließende Leitstand ist von der Maschinenhalle durch einen Raumteiler aus Glas und Aluminium getrennt. Im Obergeschoß befinden sich unter Anderem eine 30 kV-Schaltanlage, oberwasserseitig an die Wehranlage anschließend der Hydraulik-Raum für die Steuerung der Wehrfelder, unterwasserseitig Personalräume. In den Untergeschoßen sind die Maschinensätze, die hydraulischen Turbinenregler, die Eigenbedarfs-Transformatoren, der Fernwirkraum und andere technische Einrichtungen situiert.

Die Wehranlage besitzt drei jeweils 10 m breite Felder mit einer Stauwandhöhe von 10,60 m. Die 37,50 m langen und 3 m breiten Wehrpfeiler sind mit abgerundeten Enden gestaltet und unterwasserseitig abgestuft. Am linken Salzachufer wurde neben der Wehranlage an der Stelle des früheren Verlaufs der Salzach eine Fischtreppe angelegt. Entlang des etwa 2,3 km langen Rückstauraumes entstand ein Naherholungsgebiet mit einem 20 km langen Rad- und Fußweg, im Bereich des Rückstaus und des Unterlaufs der Salzach wurde eine Annäherung an die ursprüngliche Gestalt der Ufer angestrebt.
 
Die Gründung der Kraftwerke an der mittleren Salzach erfolgte jeweils auf einem dicht gelagerten Kies-Sand-Boden in Trockenbauweise in einer großen Baugrube für Krafthaus und Wehranlage neben dem Bett der Salzach. Krafthaus und Wehranlage wurden aus Stahlbeton errichtet, die Decke des Krafthauses ist als Platten-Balkenkonstruktion aus Beton-Fertigteilen hergestellt.

Die horizontal geschalten Stahlbeton-Mauern der Maschinenhalle sind an den Längsseiten grau gestrichen. Die Türen bestehen aus Stahlblech, die Fenster besitzen Aluminiumrahmen und Isolierverglasung. Als Bodenbelag kamen rötliche Klinkerplatten zum Einsatz. Schmalere Klinkerplatten verkleiden die Stirnwände bis auf eine Höhe von etwa 2,50 m.
 
Turbinen und Generatoren
Zwei Kaplan-Rohrturbinen mit liegender Welle, hergestellt von der VÖEST Alpine AG, weisen bei einer Nutzfallhöhe von 10,20 m eine Leistung von je 9.600 kW auf. Die vier-flügeligen Laufräder mit einem Durchmesser von 3,60 m besitzen ein Schluckvermögen von 106,5 m³/sec. Die Firma Brown Boveri & Cie. (BBC) lieferte die beiden Rohrturbinengeneratoren mit eine Nennleistung von 9.500 kVA. Die Kühlung der Generatoren erfolgt über einen geschlossenen Kreislauf. Für die Notstromversorgung des Werks steht ein 115 kW-Notstrom-Dieselaggregat mit Generatorspannungen von 400 V und 230 V bereit.

Transformatoren
Zwei 9.500 kVA-Maschinentransformatoren von der Elektro-Bau AG Linz (EBG), Baujahr 1985, spannen die erzeugte Energie auf 30.000 V hoch. Die Ableitung erfolgt über zwei parallele 30 kV-Kabelstrecken zum Umspannwerk Pongau der Salzburg AG. Zusätzlich verfügt das Werk über zwei 400 kVA-Eigenbedarfstrafos von der ELIN Union.

Wehranlage
Zur Steuerung der dreifeldrigen Wehranlage lieferte die VÖEST Alpine AG Linz geschweißte Drucksegmente in Kastenbauweise mit aufgesetzten Stauklappen. Bei einer lichten Weite von 10 m ermöglichen die Schützen eine Gesamt-Stauhöhe von 10,93 m. Der Antrieb erfolgt ölhydraulisch mittels einer Rexroth-Wehrhydraulik, die Steuerung lieferte die VA Tech (SAT).

Hubwerke
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran Baujahr 1984 von Liebherr bestrichen. Er verfügt über Hubwerke zu 80 t und 16 t. Auf dem Reglerniveau befindet sich an der Decke eine 2 t-Laufkatze mit einem manuellen Kettenzug von der Kito Corporation aus Japan. Zum Versetzen der Rolldammbalken der Wehranlage und der Dammbalken für die Turbinenausläufe befindet sich unterwasserseitig eine Montagemöglichkeit für einen Seilkran, an der Oberwasser-Seite kommt ein fahrbares Dammbalken-Setzgerät der Firma Künz zum Einsatz. Die drei Portalgleit-Dammbalken und zwei Portalroll-Dammbalken der Turbineneinläufe werden mit einem mobilen Bockkran der Firma Ing. Voith aus Traun versetzt werden, von dem ein Exemplar für alle Kraftwerke an der mittleren Salzach zur Verfügung steht.

Rechenreinigung
Die Firma Voith lieferte die Rechenreinigungsanlage, bestehend aus einem manuell zu steuerndem Putzwagen mit Putzharke. Das Treibgut wird in einem neben der Anlage befindlichen Container befördert und entsorgt.