Laufkraftwerk Wasserburg

Das VERBUND-Kraftwerk Wasserburg ist ein Laufkraftwerk am Inn, nördlich der ehemaligen Benediktinerabtei Attel in Bayern gelegen.

Technische Beschreibung 

Das zwischen 1935 und 1938 errichtete Kraftwerk Wasserburg besteht aus einem rechtsufrigen Krafthaus und einer linksufrigen Wehranlage. Die fünf Maschinensätze bestehen aus je einer Kaplan-Turbine und je einem Drehstromgenerator. Im jährlichen Durchschnitt erzeugt das Kraftwerk rund 123 GWh Strom. Des Weiteren ist eine Fischaufstiegshilfe in Planung. Im Inneren weist das Kraftwerk das typische Raumprogramm der maschinenhallenlosen Werke am Inn auf: Ein unterwasserseitiger Betriebsgang verbindet Betriebsgebäude und Wehranlage und erschließt gleichzeitig die fünf Maschinenräume mit den Turbinenreglern.

Die Flachwasserzonen im Rückstaugebiet stehen unter Naturschutz und wurden 1982 von der Bayerischen Staatsregierung zur „Vogelfreistätte Innstausee bei Attel und Freiham“ erklärt. Das Schutzgebiet beginnt 600 m südlich der Staustufe und reicht bis zur Griesstätter Brücke. Der geschützte Bereich umfasst 562 ha Fluss- und Verlandungsflächen, Auwald und bewaldete Steilufer.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Innkraftwerke GmbH
Betreiber: VERBUND Innkraftwerke GmbH
Inbetriebnahme: 1938
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Deutschland, Bayern
Gewässer: Inn
Leistung: 24,1 MW
Jahreserzeugung: 122.881 MWh
Turbinen: Kaplan (5)
Fischwanderhilfen:                      in Bau

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch keine Projekte für Laufkraftwerke am Inn. 1910 findet sich in einer Denkschrift zur Ausnützung der Wasserkräfte Bayerns eine Studie zu einem kleinen Ausleitungskraftwerk als Durchstich der Wasserburger Innschleife. Mit Datum Oktober 1923 existiert eine Studie der „Abteilung für Wasserkraftausnutzung und Elektrizitätsversorgung“ im Bayerischen Staatsministerium des Inneren, die erstmals die Ausnutzung der Strecke Wasserburg–Gars mittels eines Wehrkraftwerks im Flusslauf vorsah. 1932 bezogen die Planer den Bereich Attel–Wasserburg mit ein, um Probleme mit Geschiebe und Eisschub zu vermeiden. Im Jahr darauf formierte sich die „Arbeitsgemeinschaft Inn-Salzach“ der Firmen Brown, Boveri & Cie. Mannheim, Giulini Ludwigshafen und Voith aus Heidenheim unter Mitwirkung des Ingenieurbüros Streck & Zenns. Sie projektierte erstmals eine dreistufige Anlage zwischen Attel und Gars.

Ende 1934 plante das Aluminiumwerk in Töging eine Erweiterung seiner Produktionsanlagen und beauftragte das Innwerk mit der Prüfung von Ausbaumöglichkeiten, die nach umfangreichen Vergleichsstudien zur Entscheidung für den Bau eines Kraftwerks im Bereich Attel–Gars führte.

Vor Baubeginn mussten noch die Rechte am Projekt von der ARGE Inn-Salzach abgelöst werden, was in Form der Beauftragung der beteiligten Firmen erfolgte. Nach weiterer umfangreicher Überarbeitung des Projekts durch die Innwerk AG erfolgte die Baueinreichung am 18. Oktober 1935, mehr oder minder gleichzeitig begannen die Vorarbeiten, u. a. musste die am linken Ufer vorbeiführende Eisenbahntrasse höhergelegt werden. Der Bau des Kraftwerks selbst erfolgte in zwei getrennten Baugruben. Mit 13. Juni 1938 konnten die Bauarbeiten fertiggestellt werden.
 
Das Kraftwerk befindet sich südwestlich der gleichnamigen Gemeinde in Bayern, etwas oberhalb der sogenannten Kapuzinerinsel. Die Anlage gliedert sich in die linksufrige Wehranlage, das rechtsufrige Krafthaus, ein Schalthaus etwas oberhalb des Krafthauses sowie Lagergebäude und einen Bauhof oberwasserseitig am rechten Ufer. Ein schmales horizontales Band in Form der auskragenden Kranbahnbrücke verbindet Krafthaus und Wehranlage auf einer Linie. Einzige markante Teile des Werks sind die beiden fahrbaren, grün beschichteten Portalkräne und die fünf über die Kranbahn hinausragenden weißen Windwerkshäuser, die durch eine durchlaufende Wehrbrücke miteinander verbunden sind.

Im Inneren weist das Kraftwerk das typische Raumprogramm der Werke am Inn ohne Maschinenhalle auf: Ein unterwasserseitiger Betriebsgang verbindet Betriebsgebäude und Wehranlage und erschließt gleichzeitig die fünf Maschinenräume mit den Turbinenreglern. Oberwasserseitig sorgt ein Kabelgang für den Abtransport der erzeugten Energie. In direkter Verlängerung an Maschine 1 schließt ein Montageraum an, in den über zwei öffenbare Deckel im Dachbereich Maschinenteile eingefahren werden können. Unterwasserseitig nimmt ein Anbau an das Krafthaus Büro, Personalräume und die Werkstätte auf. Das Schalthaus und die Freiluftschaltanlage wurden etwas erhöht über dem Kraftwerk situiert und sind mit diesem über den unterirdischen Kabelgang verbunden. Im Schalthaus befinden sich neben der gestalterisch akzentuierten Warte und dem 6-kV-Schaltraum Büros und Lagerräume.

Das Innkraftwerk Wasserburg stellt zusammen mit den gleichzeitig errichteten Stufen Gars und Teufelsbruck den erstmaligen Einsatz des Buchtenkraftwerktyps am Innfluss dar. Aus architektonischer Sicht sind alle drei Anlagen in Flachbauweise errichtet und stellen eine Vorausnahme der ökologischen Betrachtungsweise von Wasserkraftwerken dar, die ihren Höhepunkt Ende der 1980er-Jahre mit dem Murkraftwerk Fisching in der Steiermark erreichte. Was dort in absoluter „ökologischer Tarnung“ gipfelte, begann also bereits in den 1930er-Jahren am mittleren Inn in bodenständiger Gestaltung, ausgelöst durch einen zukunftsweisenden Landschaftsschutz.
 
Das zwischen 1935 und 1938 von der Innwerk AG errichtete Kraftwerk Wasserburg besteht aus einem rechtsufrigen Krafthaus und einer linksufrigen Wehranlage. Die 5 Maschinensätze bestehen aus je einer Kaplan-Turbine und je einem Drehstromgenerator. Im Inneren weist das Kraftwerk das typische Raumprogramm der maschinenhallenlosen Werke am Inn auf: Ein unterwasserseitiger Betriebsgang verbindet Betriebsgebäude und Wehranlage und erschließt gleichzeitig die 5 Maschinenräume mit den Turbinenreglern

Die Flachwasserzonen im Rückstaugebiet stehen unter Naturschutz und wurden 1982 von der Bayerischen Staatsregierung zur „Vogelfreistätte Innstausee bei Attel und Freiham“ erklärt. Das Schutzgebiet beginnt 600 m südlich der Staustufe und reicht bis zur Griesstätter Brücke. Der geschützte Bereich umfasst 562 ha Fluss- und Verlandungsflächen, Auwald und bewaldete Steilufer.

Krafthaus und Wehranlage wurden konstruktiv in Sichtbeton ausgeführt. Die Fassaden von Schalthaus und Bauhof sind hingegen mit dem lokaltypischen Strukturputz versehen. J. M. Voith aus Heidenheim lieferte fünf vertikalachsige Kaplan-Turbinen mit einer Nennleistung von 5.240 PS. Darüber befinden sich fünf 5.000-kVA-Drehstromgeneratoren der Brown, Boveri & Cie. AG aus Mannheim mit einer Nennspannung von 6,3 kV. Jedes Wehrfeld ist mit genieteten Doppelschützen von MAN-Werk Gustavsburg ausgerüstet. Zwei baugleiche Portalkräne aus genietetem Stahl von MAN mit 20-t- und 2-t-Hubwerken bestreichen Wehranlage und Krafthaus. Die Montagegrube neben dem Krafthaus ist mit einem 3,2-t-Hallenkran aus dem Jahr 1937 von C. Haushahn, München ausgerüstet. Das zum Kraftwerk gehörende Pumpwerk Altenhohenau I weist eine MAN-Pumpe aus dem Jahr 1955 sowie zwei Unterwasserpumpen von Pleuger Worthington aus Hamburg mit dem Baujahr 2004 auf.
 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Wasserburg Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Wasserburg Krafthaus

Querschnitte des Kraftwerks:

Querschnitt: Kraftwerk Wasserburg Krafthaus