Laufkraftwerk Lavamünd

Das VERBUND-Kraftwerk Lavamünd ist ein Laufkraftwerk an der Drau und westlich der Ortschaft Lavamünd in Kärnten gelegen.

Technische Beschreibung

Das Laufkraftwerk Lavamünd wurde von 1941 bis 1949 erbaut. Da die Arbeiten gleichzeitig in zwei Baugruben stattfanden, konnte die Bauzeit verhältnismäßig kurz gehalten werden. Von 1982 bis 1987 wurden alle drei Maschinensätze Schritt für Schritt erneuert und die Leistung damit von 25.000 kW auf 28.000 kW angehoben. Drei vertikal eingebaute Kaplan-Turbinen mit direkt gekoppeltem Drehstrom-Synchrongenerator erzeugen im jährlichen Durchschnitt rund 155 GWh Strom. Des Weiteren ist aktuell auch eine Fischaufstiegshilfe in Planung.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1949
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Drau
Leistung: 28 MW
Jahreserzeugung: 155.013 MWh
Turbinen: Kaplan (3)
Fischwanderhilfen: ja

Weitere Informationen

Die Errichtung des Kraftwerks Lavamünd war Teil des während des Nationalsozialistischen Regimes von der Alpen-Elektrowerke AG geplanten Ausbaus der Drau mit den Kraftwerken "Schwabeck", "Lavamünd", "Drauburg" und "Marburg". Federführend beim Entwurf der Drau-Kraftwerke war Hermann Grengg von der Alpen-Elektrowerke AG in Wien.

Noch während der Bauzeit des bei Schwabegg/¿vabek 1939 bis 1943 errichteten Leitkraftwerks Schwabeck plante man die Unterlieger-Kraftwerke "Lavamünd" bei Lavamünd/Labot und "Drauburg" bei Dravograd (Unterdrauburg). Ein weiteres Pfeilerkraftwerk entstand ab Herbst 1942 in Mariborski Otok an der Draugabelung bei Maribor. Hermann Grengg plante die Kraftwerke unter Verwendung von Ideen Harald Lauffers. Das geologische Gutachten wurde von Josef Stiny von der Technischen Hochschule in Wien erstellt, während Fritz Haas die architektonische Gestaltung der Anlagen übernahm. Somit war bei den Drau-Kraftwerken dieselbe Personengruppe beteiligt, die auch für die Planung der Speicherkraftwerke Kaprun verantwortlich zeichnete.

Das Konzept des Pfeilerkraftwerks war laut Hermann Grengg unter Mitwirkung von Harald Lauffer für das Kraftwerk Ybbs-Persenbeug entwickelt worden, wo es jedoch nicht zur Ausführung kam. Danach folgten 1940 Entwürfe für die Salzach-Stufen Oberndorf und Eching (unterhalb Salzburg-Stadt) als Pfeilerkraftwerke, die jedoch ebenfalls nicht verwirklicht wurden, sodass bei Lavamünd das erste Pfeilerkraftwerk gebaut wurde.

Im Herbst 1941 begannen die Arbeiten an den Kraftwerken Lavamünd und Drauburg, die nach dem gleichen Konzept als Pfeilerkraftwerke errichtet wurden. Für die Arbeiten am Kraftwerk Lavamünd erhielt die Firma Eduard Ast & Co. aus Graz am 16. Oktober 1941 die Vorbeauftragung als Generalunternehmer. Da die Arbeiten gleichzeitig in zwei Baugruben stattfanden, konnte die Bauzeit kürzer gehalten werden. Als erstes ging der Maschinensatz III im April 1944 in vorläufigen, am 1. Juli 1944 in endgültigen Betrieb. Laut einer Baufortschrittsmeldung der Alpen-Elektrowerke AG waren mit 1. März 1945 86,5 % der bautechnischen und 52 % der Montagearbeiten vorgenommen; 8,873.000 Reichsmark der präliminierten Gesamtbausumme von 9,700.000 Reichsmark verbaut.

Die Quellen-Angaben zu Arbeiterzahlen an den Baustellen der Kraftwerke betreffen jeweils Schwabeck und Lavamünd gemeinsam. Im Durchschnitt waren 800 bis 1.000 Personen beschäftigt, wobei für den Bau Zwangsarbeiter eingesetzt wurden, darunter 200 Juden aus Wien und Kriegsgefangene aus Polen, später auch aus Belgien, Frankreich und England. Bereits 1940 stellte das Kriegsgefangenen-Lager Wolfsburg ein "Kriegsgefangenen-Arbeitskommando Lavamünd". Im März 1945 waren inklusive Kriegsgefangene noch 435 Arbeiter an der Baustelle im Einsatz. Zur Unterbringung der Arbeiter errichtete man auf der rechten Drauseite gegenüber der Ortschaft Lavamünd das Barackenlager Pudlach, das bis zumindest Ende 1947 bestand. Von Februar bis April 1945 kam es auch zu Fliegerangriffen auf das Kraftwerk Lavamünd: Am 7. Februar wurde das Schalthaus mit Bordwaffen beschossen, am 4. März fiel in Folge eines Bordwaffenangriffs die Maschine aus und die 100 kV-Leitung zwischen den Kraftwerken Lavamünd und Schwabeck wurde zerstört. Nach Kriegsende ging der Maschinensatz II im August 1945 in Betrieb. Nach der Übernahme des Werks durch die 1947 gegründete Österreichische Draukraftwerke AG im Jahr 1948 führte diese die Arbeiten fort, sodass im April 1949 mit Inbetriebsetzung des Maschinensatzes I das Kraftwerk vollendet wurde.

1977 führte man an der linken Drauseite auf einem 3 km langen Uferstreifen des Stauraumes Sanierungsarbeiten und Maßnahmen zur Verhinderung von Verlandungen durch. Im Rahmen dieser Arbeiten entstanden auch ein neuer Uferweg und ein kleiner Teich. 1982 bis 1987 wurden die drei Maschinensätze schrittweise erneuert und damit die Leistung von 25.000 kW auf 28.000 kW angehoben.

Architektur: Fritz Haas

Planung: Hermann Grengg und Harald Lauffer, Geologisches Gutachten: Josef Stiny, Technische Hochschule Wien

Ausführung: Generalunternehmer Eduard Ast & Co., Graz.

Das Draukraftwerk Lavamünd liegt westlich der Ortschaft Lavamünd/Labot etwa 6,1 Flusskilometer stromabwärts des Kraftwerks Schwabeck und kurz vor der Grenze zu Slowenien. Die Zufahrt erfolgt vom rechten, südlichen Drauufer über eine Stichstraße von der Bundesstraße zwischen Bleiburg/Pliberk und Lavamünd/Labot.

Das Pfeilerkraftwerk ist senkrecht zur Flussachse situiert und besteht aus drei Maschinenpfeilern und vier Wehrfeldern, die alternierend angeordnet sind. Am rechten Flussufer liegt das Wartengebäude mit angeschlossenem Schalthaus und einer Freiluft-Schaltanlage, sowie ein Trakt für Werkstätten, Garagen und Sozialräumen.

Die Gesamtlänge der Kraftwerksanlage beträgt 144 m. Ihre jeweils 16 m breiten, 48 m langen und insgesamt 25 m hohen Maschinenpfeiler besitzen an der Oberwasser-Seite bugartig geformte Tauchwände mit Plattformen, unter denen die Turbineneinläufe und die Dammtafel-Verschlüsse angeordnet sind. Die Unterwasser-Plattformen sind rechteckig ausgebildet. Während die Maschinenpfeiler oberwasserseitig die Wehrbrücke kaum überragen, beträgt ihre sichtbare Höhe an der Unterwasser-Seite etwa 13 m. Über einem vorspringenden, leicht angeböschten Sockel mit halbrundem Abschlussprofil sind ihre ungegliederten Oberflächen aus rauem Beton hell beschichtet. Drei kleinformatige, querrechteckige Fenster mit Lamellenteilungen belüften die dahinter liegenden Gänge. In den drei Pfeilern befinden sich die zylinderförmigen Maschinenräume und die elektrisch angetriebenen Schützen-Windwerke. Die Maschinenräume erhalten Tageslicht über eine Tambour-ähnliche Zone mit schmalen, rundum angeordneten, querrechteckigen Fenstern. Auf dieser Zone ruhen Montagedeckel, die als kreisförmige, außen rot beschichtete Betonplatten ausgeführt sind. Eine zusätzliche Belichtung der Innenräume erfolgt seitlich durch jeweils zwei kleine, quadratische Fensteröffnungen in den Pfeilerwangen. Die Kronen der Pfeiler-Plattformen und Brüstungsmauern sind mit Naturstein-Platten verkleidet. Auch die Ausgänge zu den Plattformen auf der Oberwasser-Seite sind mit Steinquadern gerahmt. Die Erschließung der Pfeiler erfolgt über einen oberwasserseitig, unmittelbar unterhalb der Kraftwerksbrücke gelegenen Wehrgang. Am rechten Ufer ist in Fortführung der Kraftwerksachse ein Montageplatz mit quadratischem Montagedeckel angeordnet.

Die vier Wehrfelder mit beweglichen Wehrverschlüssen besitzen eine lichte Weite von je 24 m und eine Verschlusshöhe von 11 m. Die Wehrbrücke wird aus der zweiteiligen Fahrbahn für den Dammtafel-Portalkran gebildet. Oberwasserseitig liegt die Bahn der Rechenreinigungs-Maschine.

Die rechtsufrige, parallel zum Fluss verlaufende Kraftwerkszufahrt führt Richtung Nordwesten zunächst an einem Trakt mit Werkstätten, Garagen und Sozialräumen vorbei auf das Wartengebäude mit angeschlossenem Schalthaus zu. Alle Gebäude besitzen steile Walmdächer mit Schleppgaupen, ihre glatt verputzten Außenflächen sind durch einfach gekehlte Traufgesimse, glatte Fenster- und Türumrahmungen, sowie Rundbogenöffnungen bei Türen und Toren gegliedert, die Fassadenöffnungen sind teilweise mit Werksteinen gerahmt.

Wartengebäude und Schalthaus:

Das in der Achse der Kraftwerkszufahrt über rechteckigem Grundriss errichtete Wartengebäude wendet sich mit seiner südöstlichen Längsseite gegen die Zufahrt. Seine gegen den Fluss gerichtete Schmalfront besitzt ein um die Mittelachse komponiertes Fassadensystem: Über einem hohen Sockelgeschoß mit Oberflächen aus gestocktem Sichtbeton ist im ersten Obergeschoß eine Gruppe von vier Fenstertürn, im zweiten Obergeschoß eine Dreiergruppe von quadratischen Fenstern angeordnet, die durch eine Steinumrahmung zusammengefasst und links und rechts von je einem quadratischen Fenster begleitet wird.

Der Haupteingang ist in der Mitte der fünfachsigen Längsfassade, die auf zwei Geschoßen hochrechteckige Fensteröffnungen besitzt, situiert: Ein Stufenaufgang führt zu einer rundbogigen, zweiflügeligen Eingangstür mit einer tiefen Laibung aus Werksteinen. Die ursprünglich im Erdgeschoß untergebrachte Warte wurde bereits ausgebaut. Eine einarmige Stiege führt zum Obergeschoß, in dem sich Büroräume befinden. Durch einen Gang im Untergeschoß ist das Wartengebäude mit der Kraftwerksanlage verbunden. Im rechtwinklig an der Nordwestseite anschließenden, eingeschoßigen Längstrakt des Schalthauses befinden sich die Transformatoren, Einrichtungen für die Spannungsregelung und Schaltanlagen. Der Trakt wird durch schmale, hochrechteckige Fenster belichtet. Südwestlich des Schalthauses liegt die Freiluft-Schaltanlage. Der hakenförmige, eingeschoßige Trakt an der Einfahrt zum Kraftwerk enthält in seinem kürzeren, senkrecht zur Einfahrtrichtung gestellten Teil Sozialräume. An der nordöstlichen Ecke führen zwei Rundbögen in einen offenen Vorraumbereich. Von dort erschließt eine weitere Rundbogentür das Innere des Gebäudes, das durch annähernd quadratische und hochrechteckige Fenster belichtet wird. Über einen weiteren, hofseitigen Eingang ist die Stiege zum Dachgeschoß erreichbar. Im Längstrakt sind Garagen und Werkstätten angeordnet, die durch zweiflügelige Einfahrtstore mit geradem Sturz von der Hofseite aus erschlossen werden und an der Südwestseite querrechteckige Glasbaustein-Felder besitzen. 

Der Fischaufstieg in der linken Wehrwange stammt noch aus der Bauzeit, ist jedoch außer Betrieb. Die Verbindung zum linken Drauufer erfolgt über einen Torbogen, der die Lavamünder Bundesstraße überspannt. Über den Torbogen ermöglicht eine Treppenanlage mit zentralem Plateau das Überqueren der Straße. In den Scheiteln des Torbogens sind Wappenfelder aus Steinrelief eingelassen, die den österreichischen Bundesadler und das Wappen des Bundeslandes Kärnten zeigen. Die Länge des Stauraums beträgt ungefähr 6,1 km. 

Kraftwerk:
Das Pfeilerkraftwerk Lavamünd wurde auf Tonschiefer gegründet. Die Wehranlage mit den Maschinenpfeilern wurde in zwei Baugruben als Stahlbeton-Konstruktion ausgeführt. Brüstungen und Plattformen, sowie Türumrahmungen sind mit Granit-Werksteinen verkleidet. Die Plattformen der Wehrpfeiler und ein Großteil des Wehrganges erhielten einen neuen Betonbelag oder eine Deckung mit Betonplatten, in die Oberwasser-Plattformen sind Roste aus Holzbalken eingelassen. Die Böden der Maschinenräume und angrenzenden Räume sind teils mit Stahlblechplatten, teils mit Fliesen ausgestattet, jener des Wehrgangs in Abschnitten mit Terrazzobelag.

Nebengebäude:
Die rechtsufrigen Gebäude besitzen ein tragendes Gerüst aus Stahlbetonpfeilern mit Ausfachungen und Zwischenwänden aus verputztem Mauerwerk. Die Pfettendachstühle aus Holz sind mit Faserzementschindeln gedeckt, die Stiegen bestehen aus Holz. Die Fensterfaschen sind teils aufgeputzt, teils bestehen sie aus Natursteinen, ebenso sind Tür- und Torumrahmungen aus Naturstein hergestellt. Während die Fenster des Wartengebäudes zum Großteil getauscht wurden und Einfachverglasung in Holzrahmen ohne Teilung besitzen, sind die Holzkasten-Fenster im Schalthaus-Trakt noch original. In den Werkstätten bestehen die Belichtungsfelder aus Glasbausteinen. Tore und Türen sind aus Holz angefertigt und teilweise mit Einfachverglasungen in Holzsprossen ausgestattet. Im Wartengebäude und im Schalthaus wurde teilweise Terrazzo verlegt, in den Werkstätten ist der Bodenbelag aus Holzstöckelpflaster oder Holzdielen hergestellt.

Die drei vertikal eingebauten Maschinensätze bestanden ursprünglich aus je einer Kaplan-Turbine der Firma J. M. Voith aus dem Jahr 1944 mit einer Nennleistung von 9.600 kW und einem Drehstrom-Generator der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft Alsthom (AEG) aus dem Jahr 1944 mit einer Nennleistung von 12.500 kVA. Der Rotor des Maschinensatzes I wurde von der Firma Elin 1949 komplettiert. Die Engpassleistung betrug insgesamt 25.000 kW. Bei der Erneuerung der Maschinensätze 1982 bis 1987 wurden vertikale Kaplan-Turbinen der Firma Voith von und Drehstrom-Synchrongeneratoren der Firma Elin eingebaut. Die Engpassleistung beträgt nach der Erneuerung der Maschinen insgesamt 28.000 kW.

Die Wehrfelder sind mit Hakendoppelschützen und Kettenantrieben der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg AG (MAN) ausgestattet. Der Dammtafel-Portalkran wurde von der Maschinenfabrik Mohr & Federhaff, Mannheim, geliefert und besitzt eine Tragfähigkeit von 2 x 32,5 plus 75 t, das heißt insgesamt 140 t. Die Firma SEEWA Anlagenservice Ges.m.b.H., Graz, modernisierte den Kran 1995. Sein Hubwerk stammt von der Firma Kone.

Die 5 kV-Schaltanlage mit zwei Transformatoren für den Eigenbedarf und die 20 kV-Schaltanlage mit einem Umspanner für die Landesversorgung sind im Schalthaus situiert und wurden von den Siemens-Schuckert-Werken erzeugt. Die 110 kV-Freiluft-Schaltanlage stammt ebenfalls von den Siemens-Schuckert-Werken, ihre beiden Hauptumspanner wurden von den Firmen Sachsenwerk und Elin in den Jahren 1944 und 1949 geliefert. Das Kraftwerk Lavamünd wird als Lauf und Schwellkraftwerk und auf Grund des kleinen Stauraums mit der Oberliegerstufe Schwabeck im Takt betrieben. Die 110 kV-Freiluft-Schaltanlage wird von der Warte des Kraftwerks Feistritz geschaltet.

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Lavamünd Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Lavamünd Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Lavamünd Querschnitt Wehr
Querschnitt: Kraftwerk Lavamünd Wehr