Laufkraftwerk Spielfeld

Das VERBUND-Kraftwerk Spielfeld ist ein Laufkraftwerk an der Mur und nördlich von Spielfeld in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Spielfeld wurde von 1980 bis 1982 unter Mitfinanzierung der SSG erbaut. Im Kraftwerk Spielfeld, dem letzten Glied der Kraftwerkskette Mur, befinden sich zwei horizontal eingebaute Maschinensätze, die aus je einer Kaplan-Rohrturbine und einem direkt gekuppelten Drehstrom-Synchrongenerator bestehen. Die beiden Maschinensätze erzeugen jährlich rund 68 GWh Strom. Des Weiteren ist das Kraftwerk Spielfeld mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1982
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 13 MW
Jahreserzeugung: 67.691 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Das Kraftwerk Spielfeld wurde als letztes Glied der Kraftwerkskette "Untere Mur" nach den Stufen Gralla, Gabersdorf und Obervogau von der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) errichtet. Der Ausbau der Wasserkraft der Mur südlich von Graz war mit dem Bau des Kraftwerks Spielfeld abgeschlossen. Der Baubeschluss wurde vom Aufsichtsrat der STEWEAG am 11. November 1977, nur wenige Wochen nach Inbetriebnahme des Kraftwerks Obervogau, gefasst.

Mit Bescheid vom 23. November 1979 erteilte das Amt der steiermärkischen Landesregierung die wasserrechtliche Bewilligung für die Errichtung des Kraftwerks und eines Hochwasser-Schutzdammes am linken Ufer der Mur bis zum Kraftwerk Obervogau. Der Ehrenhausener Werkskanal am rechten Murufer und der Straßer Werkskanal am linken Murufer mussten für den Bau des neuen Kraftwerks aufgelassen werden. Mit den Bauarbeiten wurde im Frühjahr 1980 begonnen. Die am rechten Ufer der Mur angelegte Baugrube schloss man während der Arbeiten gegen das Flussbett ab.

Zur Ermittlung der Abfuhr-Fähigkeit des Wehres und der Form des Tosbeckens wurde der für den Kraftwerksbau von Obervogau an der Versuchsanstalt der Technischen Universität Graz bei Professor Helmut Simmler vorgenommene Versuch für das Kraftwerk Spielfeld adaptiert. Nach Fertigstellung der Wehranlage und dem provisorischen Abschluss der Krafthaus-Baustelle konnte die Mur in das neu errichtete Bett umgeleitet werden. Der erste Maschinensatz ging im Juni 1982 in Betrieb, der zweite einen Monat später. Um auf die für den Betrieb der Rohrturbinen erforderliche Fallhöhe zu kommen, wurde die Mur oberhalb des Wehres um 5 m aufgestaut und unterhalb 3 m eingetieft.

Durch die Erhöhung des Stauspiegels bis drei Meter über dem Gelände war die Anlage von Dämmen erforderlich. Am linken Mittelpfeiler der Spielfelder Bundesstraßenbrücke, die sich etwa 1,4 km flussabwärts des Kraftwerks im Eintiefungsbereich des Unterwassers befindet, führte die STEWEAG 1985 Sicherungsarbeiten durch. 2007 wurde die Anlage durch eine Fischaufstiegshilfe ergänzt.
 
Architektur:Gerhard Haidvogel, Otto Oratsch, Erich Andree, Graz
Planung: Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG), 
Ausführung: Universale Bau.
 
Das Kraftwerk Spielfeld liegt nördlich der gleichnamigen Ortschaft im Leibnitzer Feld an der unteren Mur. Flussabwärts befinden sich am rechten Ufer die Einmündung des Gamlitzbachs und das Schloss Spielfeld. Die Zufahrt zum Kraftwerk erfolgt vom rechten Mur-Ufer über eine von der Bundesstraße 67 abzweigende Stichstraße. Das Kraftwerk besteht aus einem am rechten Ufer gelegenen Betriebsgebäude mit Freiluft-Schaltanlage, anschließendem Krafthaus und der Wehranlage.

Die Gestaltung des Kraftwerks Spielfeld ist nahezu spiegelbildlich identisch mit jener des wenige Jahre zuvor (1974 - 1977) errichteten Kraftwerks Obervogau. Die massiven Volumen der schalrein belassenen Ortbetonflächen bestimmen den Gesamteindruck der Kraftwerksbauten. Krafthaus und Betriebsgebäude sind mit ihren Längsseiten aneinander gebaut und bilden auch gestalterisch eine Einheit: An den Sichtbeton-Oberflächen der Außenwände von Krafthaus und Betriebsgebäude erzeugen die Abdrücke der senkrecht angeordneten Schalungsbretter sowie horizontale und vertikale Fugenteilungen eine Gliederung, in die sich die Fenster-, Tür- und Toröffnungen einordnen. Bauteile und technische Ausrüstungen aus Stahl wie Fensterrahmen, Türen, Geländer, Teile der Wehrverschlüsse, Dammbalkenkräne und die Rechenreinigungs-Maschine sind blau beschichtet.

Krafthaus und Betriebsgebäude
Der quaderförmige Baukörper des Krafthauses ist auf einer Fläche von 28,6 m/14,5 m errichtet, insgesamt etwa 23,5 m hoch und mit einem Flachdach bedeckt. Vor seine zum Unterwasser gerichtete Längsseite schiebt sich der Riegel des eingeschoßigen, flach bedeckten Betriebsgebäudes. Aus den Attikamauern, die auch als Brüstungsmauern für die Flachdächer dienen, kragen wuchtige Rinnkästen und Wasserspeier aus Beton vor. Unterhalb der Traufe des Krafthauses sind rundum querrechteckige Fensterfelder mit senkrechten Teilungen angeordnet. Da die Fensterelemente übereck geführt sind und tief in der Laibung sitzen, scheint die Attikazone darüber zu schweben.

Das Betriebsgebäude wird durch ähnlich gestaltete, querrechteckige und übereck geführte Fenster belichtet, die sich etwa in halber Höhe der Fassade befinden. Entlang der oberwasserseitigen Längsfront des Krafthauses führt ein Betonträger, auf dem die Fahrbahn der Rechenreinigungs-Maschine ruht. Der Träger ragt uferseitig über das Krafthaus hinaus und wird an seinem Ende von einem frei stehenden Betonpfeiler gestützt. Das Einfahrtstor zur Maschinenhalle liegt an der südlichen Stirnseite des Krafthauses und ist in 4 x 12 Felder geteilt, die Rahmenprofile sind dunkelblau beschichtet, während das helle Stahlblech der Feldfüllungen außen sichtbar belassen, innen im Blau der übrigen Stahlteile gestrichen wurde.

Die etwa 28 m lange, 8 m breite und 11 m hohe Maschinenhalle besitzt massive Wände mit vorkragenden Bahnen für den Hallenkran und eine Beton-Rippendecke, an der Lampen montiert sind. Die Zugänge zu den beiden horizontal eingebauten Maschinensätze befinden sich unter abnehmbaren Feldern des mit rötlichbraunen Klinkerfliesen belegten Bodens. In der Mitte der Halle sind zwei Pulte mit den Turbinenreglern angeordnet, an der nördlichen Stirnseite führt ein Stiegenlauf zur Wehranlage hinauf. Gegen die Oberwasser-Seite sind die Leitstände situiert, die Nebenräume an der Unterwasser-Seite enthalten eine Werkstätte, ein Gefahrstoff-Lager und einen dreiarmigen Stiegenabgang in das Untergeschoß, in dem sich Zugänge zu den Maschinensätzen, Lager- und Archivräume sowie der Schaltkeller befinden.

Wehranlage
Die Wehranlage schließt nach einem Trennpfeiler nördlich des Krafthauses an und besteht aus drei Feldern mit je 22 m lichter Weite und 6 m Verschlusshöhe. Die 2,4 m breiten Wehrpfeiler besitzen im Unterwasser flache, langgezogene Sporne mit halbrundem Abschluss.

An das Betriebsgebäude schließt südlich die Freiluft-Schaltanlage mit dem Transformator und dem "Schienenturm" an, einem hochrechteckigen, quaderförmigen Bau aus Sichtbeton. Er enthält die Sammelschienen der 6 kV-Leitung, die zum Transformator geleitet werden. Die Freiluft-Schaltanlage ist von einer Brüstungsmauer aus schalreinem Beton mit horizontaler Fugenteilung umgeben. Der Stauraum reicht bei einer Länge von 5,5 km bis in das Unterwasser des Kraftwerks Obervogau. Im Baubereich wurden an beiden Ufern bis zu 6 m hohe Erddämme aufgeschüttet, die als Schutz vor Hochwasser dienen.

Auf beiden Seiten der Dämme wurden Begleitgräben gezogen, die allfälliges Sickerwasser abführen und außerdem als Entwässerungsrinne für das hochliegende Grundwasser dienen können. Der rechte Begleitgraben wurde so ausgebildet, dass der Gamlitzbach selbst bei einem hundertjährigen Hochwasser gefahrlos in das Unterwasser des Kraftwerks abgeführt werden kann. Im rechtsufrigen Unterwasserbereich befindet sich an der Mündung des Gamlitzbachs in die Mur ein Schlauchwehr zur Stauhaltung des Gamlitzbachs. Das Schlauchwehr besteht aus einem mit Wasser gefüllten Gummibalg, der die gesamte Breite des Baches abschließt.
 
Die Gründung von Krafthaus und Wehranlage erfolgte auf tertiärem Tegel in Trockenbauweise. Die zwei Baugruben wurden am rechten Murufer neben dem Flussbett angelegt. Krafthaus, Betriebsgebäude und Wehrpfeiler wurden als massive Stahlbetonbauten mit schalrein belassenen Außenflächen errichtet. Die Fenster besitzen Stahlrahmen mit Einfachverglasung im Krafthaus und Isolierverglasung im Betriebsgebäude, die Türen und Tore sind aus Stahlblech mit Stahlrahmen gefertigt.

Die Maschinenhalle wird durch ein Dach aus Gefällsbeton und eine Beton-Rippendecke abgeschlossen. Ihr Bodenbelag besteht aus Klinkerplatten, während die Betonstiege in den Turbinenkeller mit Terrazzo belegt ist. Als Schüttmaterial für die Dämme verwendete man zum größten Teil Material aus der Eintiefung des Unterwassers.
 
Turbinen und Generatoren
Im Krafthaus befinden sich zwei horizontal eingebaute Maschinensätze, die aus je einer Kaplan-Rohrturbine der Maschinenfabrik Andritz mit einer Nennleistung von 6.500 kW und einem direkt gekuppelten Drehstrom-Synchrongenerator der Firma ELIN mit einer Nennleistung von 10.000 kVA bestehen. Der Maschinentransformator von ELIN besitzt eine Nennleistung von 20.000 kVA. Der Laufkran der Firma Künz hat eine Tragkraft von 35/10 t. Das Kraftwerk wird vollautomatisch betrieben. Der erzeugte Strom wird in die 110 kV-Leitung Leibnitz-Gosdorf eingespeist.

Wehranlage
Die Wehrfelder besitzen Segmentschützen mit Aufsatzklappen der Firma Louis Eilers Stahlbau aus Hannover. Die Regelung des Schlauchwehrs an der Mündung des Gamlitzbaches erfolgt mit Hilfe einer durch einen Schwimmer gesteuerten Pumpe.