Laufkraftwerk Peggau

Das VERBUND-Kraftwerk Peggau-Deutschfeistritz ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Deutschfeistritz in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das Laufkraftwerk Peggau-Deutschfeistritz wurde von 1906 bis 1908 erbaut und von 1963 bis 1965 umgebaut. Die ursprüngliche maschinentechnische Ausstattung wurde durch moderne Anlagen ausgetauscht. Südlich des alten Maschinenhauses ist das neue Krafthaus situiert. Die Anlage besteht aus zwei vertikal montierten Kaplan-Turbinen mit einer Schluckfähigkeit von 55 m3/s und mit einer Nennleistung von 6.560 kW. Jährlich werden so rund 84 GWh Strom erzeugt. Zusätzlich ist derzeit auch eine Fischaufstiegshilfe in Planung. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1965
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 13,2 MW
Jahreserzeugung: 81.285,8 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Geschichte des historischen Krafthauses
1903 begann die "Schweizerische Eisenbahnbank" gemeinsam mit der "AG Albert Buss & Cie." in Basel mit der Planung eines Ausleitungskraftwerks in Deutschfeistritz. Das Krafthaus entstand an der Stelle eines aufgelassenen Silberbergwerks und wurde von der schweizerischen beziehungsweise der österreichischen Gesellschaft "Albert Buss & Cie." in Graz und Wien als General- und Bauunternehmer geplant und ausgeführt. Der Grazer Architekt Josef Hötzl zeichnete für die architektonische Gestaltung der Anlage verantwortlich. 

1906 begann man mit dem Bau des zum Kraftwerk gehörigen Wehrs Adriach und des Betriebwasserkanals. Im selben Jahr starteten auch die Bauarbeiten am Krafthaus Deutschfeistritz. 1908 ging das Werk mit fünf Doppel-Francis-Turbinen in Betrieb. Ursprünglich diente der hier erzeugte Strom zur Versorgung der Papierfabriken Guggenbach und Leykam-Josefsthal, der Eisenbahnlinie Peggau - Markt Übelbach sowie zu Beleuchtungszwecken der Ortschaften an der Mur und der Bahnhöfe der Südbahnstrecke. Heute wird die erzeugte Energie in das Netz der STEWEAG-STEG-GesmbH. (SSG) eingespeist. 1910 wurde die "Steiermärkische Elektrizitäts-Gesellschaft" (STEG) aus einem Zusammenschluss der Kraftwerksgesellschaften Lebring und Deutschfeistritz mit Sitz in Graz gegründet.

Zu Beginn der 1960er-Jahre suchte die STEG nach leistungsmäßigen Ausbaumöglichkeiten für das Kraftwerk Peggau-Deutschfeistritz. Da das historische Krafthaus kaum für eine Leistungserhöhung adaptierbar war, entschloss man sich für einen Neubau und die Verlängerung des Oberwasserkanals. Mit dieser Lösung konnte der Triebwasserweg mit dem Stollen und der historischen Wehranlage in Adriach erhalten werden und auch das Jugendstil-Krafthaus behielt seinen Platz im Ensemble. 

Nach der Inbetriebnahme des neuen Krafthauses im Herbst 1965 erfolgte 1967 die Demontage der alten Maschinen. In der Maschinenhalle wurde eine Zwischendecke eingezogen, um Platz für Büros der Fachabteilungen und Archive zu schaffen. Zusätzlich erhielt der Bau einen Aufzug neben dem Treppenhaus sowie eine Werkstätte im Erdgeschoß. Die alte 20 kV-Schaltanlage, die bis dahin im Südturm des historischen Krafthauses untergebracht war, galt nach der zusätzlichen Einspeisung des Kraftwerks Rabenstein nicht mehr als kurzschlussfest. Aus diesem Grund erfolgte 1988 der Neubau einer 20 kV-Schaltanlage an der Stelle der früheren Dampfzentrale, die bereits 1967 abgebrochen wurde. 

Mit 1. April 2002 ging das Werk in der VERBUND-Austrian Hydro Power AG auf, ein Umstand, der einige Umnutzungen erforderlich machte. In einer ersten Phase wurde das Erdgeschoß des historischen Krafthauses für Büronutzungen adaptiert, in einer zweiten Phase folgte die Sanierung und der Umbau des Obergeschoßes. Zusätzlich erfolgte der Umbau einer ehemaligen Wohnung im zweiten Obergeschoß des Nordturms zu Büros für die Verbund-Telekom.

Geschichte des neuen Krafthauses
Zu Beginn der 1960er-Jahre suchte die Steiermärkische Elektrizitäts-AG (STEG) nach leistungsmäßigen Ausbaumöglichkeiten für das Kraftwerk Peggau-Deutschfeistritz. Da das historische Krafthaus nicht für eine Leistungserhöhung adaptierbar war, entschloss man sich für einen Neubau und dieVerlängerung des Oberwasserkanals. 

Mit dieser Lösung konnte der Triebwasserweg mit dem Stollen und der historischen Wehranlage in Adriach erhalten werden und auch das Jugendstil-Krafthaus behielt seinen Platz im Ensemble. Im Mai 1963 begannen die Baufirmen mit der Einrichtung der Baustelle und dem Aushub der Baugrube und bereits im Spätsommer konnte mit den Betonierarbeiten an den Fundamenten begonnen werden. Nach der Dachgleiche lieferte die Maschinenfabrik Andritz im November 1964 den 30 t-Brückenkran, um die folgende Maschinenmontage zu erleichtern. 

Zwischen November 1964 und September 1965 fand die Montage der beiden Turbinen durch die Firma Escher Wyss und die Maschinenfabrik Andritz statt und ab April 1965 montierte Oerlikon die Generatoren. In diesem Jahr wurde auch die gesamte Steueranlage mit der Warte nach Planungen von Brown, Boveri & Cie. (BBC) eingebaut. Mit den Inbetriebnahmen von Maschine 2 am 11. September und Maschine 1 am 14. September 1965 sowie der am 23. September vorgenommenen Netz-Synchronisation konnten die Montagearbeiten im Krafthaus abgeschlossen werden. 

Die endgültige Fertigstellung erfolgte einen Monat später nach der Inbetriebnahme der Rechenreinigungsmaschine durch die Firma Pühler. 1968 wurden die Ausläufe vor dem Grundtor und vor der Schwallklappe mit Energievernichtern versehen und eine Sohlschwelle eingebaut. Die alte Zimmerhütte nördlich des alten Werks wurde 1979 abgebrochen und durch ein neues Garagengebäude ersetzt. Nach dem Auftreten von Rissen an den Laufradschaufeln der beiden Maschinen mussten sie in den Jahren 1986 bis 1988 im Zuge eine Großrevision getauscht werden. Die alte 20 kV-Schaltanlage, die bis dahin im Südturm des historischen Krafthauses untergebracht war, galt nach der zusätzlichen Einspeisung des Kraftwerks Rabenstein nicht mehr als kurzschlussfest. Aus diesem Grund erfolgte 1988 der Neubau einer 20 kV-Schaltanlage an der Stelle der früheren Dampfzentrale, die bereits 1967 abgebrochen wurde.

Ein Bürogebäude neben der Schaltanlage wurde 1991 seiner Bestimmung übergeben und 1994/95 wurde an das Krafthaus ein Zubau zur Aufnahme von Rechner- und Fernwirkräumen errichtet. Im Jahr 2000 erfolgte die Inbetriebnahme der Fernsteuerung von der Zentralwarte der STEG in Graz aus, im Zuge dessen auch die Maschinenautomatisierung erfolgte. Mit 1. April 2002 ging das Werk in der damaligen VERBUND-Austrian Hydro Power AG (heute VERBUND Hydro Power GmbH) auf.
 
Historisches Krafthaus:
Architektur und Planung: Josef Hötzl, Graz.
Ausführung: Albert Buss & Cie., Graz.

Neues Krafthaus:
Architektur und Planung: Ingenieurbüro A. Aegerter & Dr. O. Bosshart AG, Basel im Auftrag von Suiselektra. 
Nebenanlagen: Walter Chiapo, Graz.
Ausführung: Ast - Mayreder - Keil - List & Co. Büro-Umbauten 2004/05: Baufirma Hiden & Kall, Graz. 
 
Das Ensemble Peggau-Deutschfeistritz besteht aus dem Wehr Adriach mit dem Einlaufbauwerk für den Betriebskanal, dem 3,2 km langen Betriebswasserkanal mit dem etwa 1,07 km langen Tunnel sowie dem alten und neuen Krafthaus.

Historisches Krafthaus:
Das historische Maschinenhaus, das von einer reichen Jugendstilornamentik geprägt ist, liegt am Hang parallel zum Murtal. Die Hauptfassade gliedert sich in sechs Fensterachsen mit großen Bogenfenstern und darunterliegenden Turbinen-Auslauföffnungen, die als Segmentbogengewölbe ausgeführt sind. Flankiert wird der Mittelteil von zwei zweiachsigen Seitentrakten mit jeweils drei Geschoßen. Die Unterwasserfassade wird von einer groß dimensionierten Attikazone dominiert, die im Mitteltrakt etwa 1/4 der gesamten Gebäudehöhe einnimmt und in filigraner Detailornamentik ausgeführt ist. Die Vertikalerschließung erfolgt über die beiden Seitentrakte, der Mitteltrakt wurde - befreit von Zwischenwänden - als Großraumbüro umgestaltet. Neben Büros finden sich heute im alten Krafthaus das Archiv der Werksgruppe Steiermark und Werkstätten. Von der ursprünglichen technischen Ausstattung blieb nichts erhalten. 

Neues Krafthaus:
Südlich des alten Maschinenhauses liegt das neue Krafthaus, im Grundriss leicht verdreht zum Altbau. Der L-förmige Baukörper mit Flachdach besteht aus der Maschinenhalle im Süd- und den Betriebsräumen mit Warte im Nordschenkel. Die Eingänge befinden sich an der Nordostseite. Die Hauptfassade des Krafthauses, die nach südosten ausgerichtet ist, gliedert sich in einen geschlossenen Teil im Osten, hinter dem sich der Montageplatz verbirgt, und einen verglasten offenen Teil vor den Maschinensätzen im Westen. Die Sockelzone wird durch Stahlbeton-Pfeiler in vier Felder mit je vier Fensterelementen unterteilt, während sich die sehr dominante Mittelzone, die aus der Fassadenebene vorspringt, zu einer grünen Mattglas-Fläche vereint. Darüber sorgt ein wiederum in vier Felder gegliedertes Oberlicht-Band, das auch an der Nordseite existiert, für eine zusätzliche Belichtung des Raumes.
An der Nordseite der Maschinenhalle schließen Magazine und technische Betriebsräume an. Der nördliche Schenkel das Baus nimmt im Erdgeschoß die Warte auf. Über ein zwischen Maschinenhalle und Warte befindliches Treppenhaus erreicht man das Obergeschoß, in dem Büros, Regler- und Fernwirkraum untergebracht wurden.
Nördlich des alten Krafthauses befindet sich das Schalthaus der "STEWEAG-STEG-Gesellschaft" (SSG), an das der Strom vom Kraftwerk zur Weiterleitung abgegeben wird.
 
Historisches Krafthaus:
Das alte Maschinenhaus ist ein Stahlbetonskelettbau mit freigespannten Holzdecken und Deckenkonstruktionen mit Eisensäulen. Die Dachstühle sind teilweise aus Holz, teilweise aus Eisen gefertigt, die Fenster und Türen des Gebäudes aus Eisen.

Neues Krafthaus:
Das neue Krafthaus ist ein Stahlskelettbau aus Fertigteilen mit sehr groß dimensionierten Fensterflächen aus Doppelglas und grün mattierten Steggläsern. Für die Deckenkonstruktion verwendete man Fertigteilbinder aus Stahlbeton, auf denen Stahlbetonplatten aufliegen. Als Bodenbelag finden sich im Hauptraum beige quadratische Fliesen. Die Einfahrt in die Maschinenhalle wird durch ein vierteiliges Falttor aus Stahl verschlossen, umrahmt von einer mit Kunststein verkleideten Laibung.
 
Historisches Krafthaus
Von der ursprünglichen maschinentechnischen Ausstattung ist nichts erhalten geblieben.

Neues Krafthaus
Turbinen und Generatoren:
Zwei vertikal montierte Kaplan-Turbinen mit fünf Laufradflügeln von Escher Wyss besitzen bei einer Schluckfähigkeit von 55 m³/sec. eine Nennleistung von 6.560 kW. Die direkt gekuppelten 8.000 kVA-Drehstrom-Synchrongeneratoren von Oerlikon weisen eine Nennspannung von 5,3 kV auf.

Transformatoren:
Zur Hochspannung der erzeugten Energie von 5 kV auf 20 kV stehen zwei Maschinentransformatoren neben dem Krafthaus.

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran von Andritz bestrichen. Das Hubwerk besitzt eine maximale Traglast von 30 t und ist auf 8 t umschaltbar.

Rechenreinigung:
Die Rechenreinigungsanlage besteht aus zwei stationären Reinigungseinheiten mit einer Spülrinne und Auffanggrube.