Laufkraftwerk Mandling

Das VERBUND-Kraftwerk Mandling ist ein Laufkraftwerk und in der Gemeinde Mandling in der Steiermark gelegen. Es wurde von 1983 bis 1985 durch die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG erbaut.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1985
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mandling
Leistung: 6,1 MW
Jahreserzeugung: 20.800 MWh
Turbinen: Francis
Fischwanderhilfen: nein

Weitere Informationen

Die im Jahr 1982 begonnenen Planungen zum Bau des Kraftwerks Mandling sahen einen Jahresspeicher am Zusammenfluss von Kalter und Warmer Mandling, den Triebwasser- und Druckstollen und das Krafthaus östlich der Ortschaft Mandling vor. Der ursprünglich geplante Jahresspeicher konnte aufgrund von geologischen Problemen jedoch nicht errichtet werden, daher plante man als Ersatz eine kleinere Bachfassung am Beginn des 2 km langen Triebwasserstollens. Dieser wurde Ende April 1983 angeschlagen und 1984 zusammen mit der 680 m langen Druckrohrleitung fertig gestellt. Die baulichen Arbeiten am Krafthaus sowie an der Wehranlage fanden 1984 statt. In diesen Bauabschnitt fiel auch die Montage der Rohrleitungen. Im Mai 1985 konnte das Wehr erstmals geschlossen und somit mit dem Aufstau begonnen werden. Nach der Füllung des Triebwasser- und des Druckstollens fand im Juni 1985 der erste Probebetrieb statt. Kurz darauf ging das Werk offiziell in Betrieb.

Architektur: Architektengemeinschaft KW Mandling (Haidvogel, Oratsch, Andree, Tagger, Gugler).

Statik: Kurt Kratzer, Graz.

Ausführung: Arge KW Mandling (Ast, Hinteregger, Mayreder, Stuag)

Das Kraftwerk Mandling besteht aus dem Krafthaus am Enns-Ufer, aus der Bachfassung mit Wehr am Mandlingbach, und aus der dazwischen liegenden Triebwasserführung.

Das Krafthaus liegt am Ostrand der gleichnamigen Ortschaft im Grenzgebiet zwischen Steiermark und Salzburg. Das Gebäude ist am linken Ufer der Enns, östlich des Saumerbachs situiert und wird durch den von der Ennstal-Bundesstraße abzweigenden "Dschungelweg", der die Bahnlinie unterquert, von Norden erschlossen.

Das auf rechteckigem Grundriss über einer Fläche von 21,70/13,0 m errichtete Krafthaus liegt mit seiner Längsachse parallel zum Verlauf der Enns. Es ist oberhalb der Geländekante etwa 8 m hoch und mit einem Satteldach bedeckt. Während der untere Bereich aus glatten, schalreinen Betonmauern besteht, ist der zwischen Kranbahn und Traufe liegende Teil an der nördlichen Längsseite als Holzkonstruktion mit Glas-Ausfachungen ausgeführt. Gekuppelte, senkrechte Pfosten teilen das so entstehende Fensterband in quadratische Felder, die mit Diagonalstreben ausgesteift sind. Jeweils am unteren Ende der Holzpfosten ist ein Beleuchtungskörper angebracht. Das Motiv des von Diagonalen geteilten Quadrates wurde für die Gestaltung des Einfahrtstores aufgegriffen, dessen Fläche durch aufgesetzte Bänder eine ähnliche Gliederung erhielt. Die Fugenteilung des Sichtbetons orientiert sich an den Feldern der Holzkonstruktion, sowie an den Kanten von Fenster und Toröffnungen, während die Giebelbereiche der Stirnwände mit dunklen Faserzement-Schindeln verkleidet sind. Im mittleren Bereich der Stirnwände wurden außerdem die Betonflächen schräg nach oben gezogen und die restliche Fläche bis zum Dachbinder mit Holz verschalt. 

Die Erschließung des Maschinenraums erfolgt von der nördlichen Längsseite durch ein Schiebetor mit integrierter Gehtür. An der selben Seite mündet auch die Druckrohrleitung in das Krafthaus. Auch im Inneren des 9,70 m langen, 8,20 m breiten und etwa 9 m hohen Maschinenraumes wurden die Betonoberflächen sichtbar belassen. Als Kranbahn dienen in den Innenraum vorragende Betonauflager. Der offene, einfach stehende Holz-Dachstuhl besteht aus kräftig dimensionierten Sparren, Stuhlsäulen und Bindern. Vom Einfahrtstor gelangt man zunächst zu einem Montageplatz, von dem aus die Räume an der östlichen Stirnseite und, über eine an der südlichen Längsseite entlang führende Galerie, die Räume für Werkstatt, Magazin, Fernwirkraum, sowie der Warten- und Aufenthaltsraum zugänglich sind. Ein Stiegenabgang führt zum Untergeschoß, das den Maschinensatz beherbergt. 

An der südlichen Längsseite ist ein niedrigerer, mit einem Pultdach abgeschlossener Trakt angebaut, der Nebenräume und technische Einrichtungen enthält und mit schmalen, querrechteckigen Fenstern belichtet wird. Hier wurde die Deckung aus Faserzement-Schindeln bis zu den Sohlbänken der Fenster herunter gezogen. Der Aufenthaltsraum liegt an der Südwestecke des Nebentraktes und besitzt zwei Fenster, die aus einem hochrechteckigen Flügel und einem Flügel mit abgeschrägter Sohlbank bestehen. 
Zur Ausleitung der Abluft dient ein niedriges Betongehäuse mit flachem Pultdach und Jalousien, das etwa an der Mitte des Nebentraktes angebaut ist. 

Ein Anbau für den Haupttransformator schließt an der östlichen Stirnseite an: Seine Seitenwände und das Satteldach bestehen aus schalreinem Ortbeton, während die Stirnwand-Verkleidung, die bis zur Höhe der Traufe reicht, aus Blechplatten hergestellt wurde. Neben dem Haupt-Transformator befindet sich eine weitere metall-verkleidete Nische für den Eigenbedarfs-Transformator. Auch bei den Blechverkleidungen der Transformatoren erzeugte man durch Sandstrahlen der Oberfläche ein Muster mit Diagonalen. 

Wehr und Triebwasser-Führung:
Nach dem Zusammenfluss der Kalten und der Warmen Mandling staut ein Stauklappen-Wehr den Mandlingbach etwa 6 m über die Bachsohle bis 936 m Seehöhe auf und bildet einen See mit über 10.000 m³ Nutzinhalt. Über einen 2.231 m langen Druckstollen wird das Triebwasser bis zur Apparatekammer geleitet, von wo eine etwa 670 m lange, in der Erde verlegte Stahldruckrohr-Leitung zum Krafthaus führt. Die Entnahmestrecke wird über eine Dosieranlage mit Restwasser versorgt. Nach Abarbeitung des Triebwassers fließt es von einem Auslauf an der Südseite des Krafthauses durch einen 26,7 m langen Unterwasser-Kanal in die Enns.
 

Das Krafthaus wurde als Stahlbeton-Bau errichtet, auf dessen Mauern eine Holz-Konstruktion aus Pfosten mit Diagonalverstrebungen aufsitzt. Auch die Konstruktion des Dachstuhls besteht aus Holz-Leimbindern, die Gipsplatten dazwischen wurden verspachtelt und gestrichen. Als Dachdeckung und Außenwand-Verkleidung wählte man Faserzement-Schindeln (Eternit). Die Fenster besitzen Holzrahmen mit Isolierverglasung, die Türen und Tore sind aus Stahlblech hergestellt, die Wandverkleidungen vor den Transformatoren bestehen aus Blechtafeln mit sandgestrahlter Oberfläche. Die Innenräume wurden verputzt und weiß gestrichen, der Stiegenabgang zum Maschinensatz ist aus Lichtgitter-Rosten hergestellt, die Geländer von Galerie und Stiege bestehen aus Vierkant-Stahlstäben. Der Boden des Maschinenraumes wurde mit Kunststein-Fliesen belegt, jener der Nebenräume mit Kunststoff-Platten, Estrich oder isolierendem Spezialbelag.

Turbinen und Generatoren:
Die mit einer Nennleistung von 6.414 kW ausgestattete liegend eingebaute Francis-Turbine wurde von J.M. Voith in St. Pölten geliefert. Der Laufraddurchmesser beträgt 1,04 m, das Schluckvermögen 5 m³/sec. Der direkt gekuppelte Drehstrom-Synchrongenerator mit einer Nennspannung von 6.300 V und einer Nennleistung von 7.500 kVA wurde von der ELIN Union geliefert.

Transformatoren:
Der 7.500 kVA-Maschinentransformator spannt die Energie von 6,3 kV auf 30 kV um und wurde von der ELIN Union hergestellt. Die Stromableitung erfolgt in die am Werk vorbeiführende 30 kV-Leitung der STEWEAG.

Wehranlage:
Die Wehranlage setzt sich aus dem Triebwasser-Einlauf, der Spülschleuse und der Hochwasser-Entlastung zusammen. Diese ist mit einer geschweißten Stauklappe ausgestattet, die mit einem hydraulischen Zugzylinder gehoben und gesenkt werden kann. Die Klappensteuerung stammt von der Brown Boveri & Cie. (BBC).

Hubwerke:
Ein 25 t-Brückenkran, Baujahr 1984, des deutschen Maschinenbau-Unternehmens Demag bestreicht die gesamte Maschinenhalle.

Rechenreinigung:

Firma Brauns & Söhne aus Vöklabruck lieferte eine Putzharke, die über eine automatische Steuerung den Einlaufrechen von Treibgut befreit.