Laufkraftwerk Oberaudorf-Ebbs

Das VERBUND-Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs ist ein Laufkraftwerk am Inn und nördlich von Kufstein zwischen den Gemeinden Ebbs (Tirol) und Oberaudorf (Bayern) gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Grenzkraftwerk Oberaudorf-Ebbs wurde als vorerst letztes großes Wasserkraftwerk am Inn zwischen 1988 und 1992 gebaut. Das Kraftwerk wurde in Trockenbauweise in einer Baugrube im ursprünglichen Inn-Bett errichtet. Die Anlage ist als sogenanntes Pfeilerkraftwerk, bestehend aus drei Wehrfeldern und zwei Maschinenpfeilern konzipiert. In den beiden Maschinenpfeilern sind je eine Kaplan-Rohrturbine mit horizontaler Welle und je ein Drehstromgenerator eingebaut. So werden im jährlichen Durchschnitt rund 268 GWh Strom erzeugt.

Fischwanderhilfe schafft Durchgängigkeit und Lebensraum

2013 begann VERBUND mit dem Bau einer derartigen neuen Fischwanderhilfe am Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs. Sie ist in drei Abschnitte geteilt und befindet sich auf der österreichischen Seite des Inns. Die Anbindung im Unterwasser erfolgt über einen natürlichen Beckenpass, erstreckt sich über das umgestaltete Entwässerungsgerinne als natürliches Gewässer und führt über einen Schlitzpass zum Ausstieg in den Mündungsbereich von Jennbach und Inn. So gelangen wanderfreudige Fische und Wasserlebewesen vom Unterlauf in den Gewässerabschnitt oberhalb des Kraftwerks.

Die neue Fischwanderhilfe überbrückt vom Unterwasser des Kraftwerks bis ins Oberwasser eine Gesamthöhe von rund 12,5 Meter mit Hilfe von drei unterschiedlichen Bautypen. Der Einstieg im Unterwasser erfolgt durch einen natürlichen Beckenpass, im Anschluss verläuft die Wanderhilfe in einem natürlichen Gerinne. Die letzte Hürde wird in Form eines Schlitzpasses überwunden. Im obersten Ausstiegsbauwerk sorgt ein automatisch gesteuerter Schieber für konstante Abflussmengen. Im gesamten Wandergerinne fließen im Minimum 1.000 Liter pro Sekunde, in den abflussstarken Sommermonaten bis zu 3.000 Liter pro Sekunde durch die Wanderhilfe. Ein automatisch gesteuertes Pumpsystem sorgt bei Instandhaltungsmaßnahmen im Schlitzpass für einen ständigen Durchfluss von 60 Liter pro Sekunde gegen einen möglichen Trockenfall der Anlage.

Durch die neue Fischwanderhilfe wird nicht nur die Durchgängigkeit hergestellt, sondern auch neuer Lebensraum geschaffen. Damit erhalten die Wasserlebewesen zusätzliche Standorte zur Nahrungssuche, zur Fortpflanzung und zum Rückzug während eines Hochwassers. Diese Maßnahmen tragen damit maßgeblich zum Erhalt und zur Verbesserung der Fischpopulation im Inn bei
 

Auf einen Blick:

Eigentümer: Österreichisch-Bayerische Kraftwerke Aktiengesellschaft 
Betreiber: Granzkraftwerke GmbH
Inbetriebnahme: 1992
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Deutschland, Bayern 
Österreich, Tirol
Gewässer: Inn
Leistung: 60 MW
Jahreserzeugung: 268.000 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Der Bau des Inn-Kraftwerks Oberaudorf-Ebbs sollte die Lücke zwischen dem Kraftwerk Nußdorf bei Fluss-Kilometer 198,7 und dem Kraftwerk Kirchbichl bei Fluss-Kilometer 229,8 schließen. Die österreichische Wasserrechtsbehörde hatte die Genehmigung des 1982 in Betrieb genommenen Kraftwerks Nußdorf bei Rosenheim vom anschließenden Bau des Oberlieger-Kraftwerks Oberaudorf-Ebbs abhängig gemacht. 

Auf Grund des öffentlichen Widerstands gegen den Kraftwerksbau war ein fünf Jahre dauerndes Genehmigungsverfahren notwendig, das Anfang Februar 1988 zum Baubeginn führte. Von bayerischer Seite gab es keine Einwände, auf österreichischer erhoben jedoch 60 Parteien beim Verwaltungsgerichtshof Beschwerde gegen den österreichischen Wasserrechtsbescheid, was ab 8. März 1988 zu einem einjährigen Baustopp führte. Erst nach Genehmigung einer Reihe von zusätzlichen Maßnahmen konnten im Februar 1989 die Arbeiten wieder aufgenommen werden.

Das Kraftwerk wurde in Trockenbauweise in einer Baugrube im ursprünglichen Flussbett hergestellt. Hierfür musste der Inn auf einer Länge von etwa 500 m in ein provisorisches Umleitungs-Gerinne geleitet werden, das linksufrig geführt wurde und am 20. April 1989 fertig gestellt war. Eindringendes Grundwasser in die offene Baugrube machte umfangreiche Abdichtungs-Maßnahmen erforderlich. Im Sommer 1989 begann man mit dem Auspumpen der Baugrube und Mitte Dezember 1989 konnte der erste Beton verarbeitet werden. Ende 1991 wurde nach etwa zweijähriger Bauzeit die Baugrube wieder geflutet.

In den Jahren 1990 bis 1992 fanden die Eintiefungsarbeiten im Unterwasserbereich statt. Ende Jänner 1992 konnte schließlich der Inn in sein altes Flussbett rückgeleitet und Ende März 1992 mit dem Aufstau begonnen werden. Die Montagearbeiten im Krafthaus setzte man im Schutze der versetzten Dammbalkenverschlüssen fort. Am 27. April 1992 wurde die erste Maschine, am 31. Juli 1992 die zweite Maschine in Betrieb genommen. Der Höchststand an Arbeitskräften auf der Baustelle wurde mit 444 Personen verzeichnet.

Mit der Errichtung von Oberaudorf-Ebbs war der Ausbau des Inn zwischen Kufstein und der Mündung abgeschlossen. Beim Bau wurde besonderer Wert auf naturnahen Wasserbau mit Erhaltung bestehender Gehölze und Schaffung von Entwicklungsmöglichkeiten für ein Augebiet gelegt. Seit 1999 wird der Betrieb durch die Grenzkraftwerke GmbH. geführt.

Seit 24. April 2013 ist das Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs im zu 100% im Eigentum von VERBUND.
 
Planung: Österreichisch-Bayerische Kraftwerke AG (Ausführungsplanung des Rückstaubereichs und Bauüberwachung auf österreichischer Seite), Österreichische Donaukraftwerke AG (Schalungs- und Bewehrungsplanung des Hauptbauwerks) und Innwerk AG (Bauleitung, sowie Ausführungsplanung des Rückstaubereichs und Bauüberwachung auf deutscher Seite); 

Technische Geschäftsführung: Porr

Ausführung: Arbeitsgemeinschaft (Porr, Züblin, Innerebner & Mayer, Strabag, Voith, Siemens, Elin, Thyssen, Künz, Noell, Austria Brown Boveri - ABB, Systeme für Automatisierungstechnik GmbH - SAT)
 
Das Inn-Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs liegt etwa 10 km nördlich von Kufstein im Rosenheimer Becken. Das Kraftwerk kann an beiden Ufern über Zufahrtsstraßen erreicht werden. Die Anlage wurde als Pfeilerkraftwerk senkrecht zur Flussrichtung situiert. Am rechten Ufer befinden sich das Betriebsgebäude, eine Montagehalle, Werkstätten und eine Freiluft-Schaltanlage. Das Kraftwerk besteht aus zwei Maschinenpfeilern und drei Wehrfeldern, die alternierend angeordnet sind. Die Maschinenpfeiler sind auf einer Grundfläche von 30/20 m errichtet, die Gesamthöhe beträgt 32 m. Die Flachdächer, die sich auf gleicher Ebene mit den Brückenbahnen befinden, sind mit Stahldeckeln ausgestattet, die für Revisionsarbeiten an den darunter befindlichen Maschinensätzen entfernt werden können. Die Maschinenpfeiler werden an der Unterwasser-Seite durch zwei übereinander liegenden Fensterreihen belichtet, wobei die oberen Fenster hochrechteckig, die unteren querrechteckig eingebaut wurden. In den Maschinenpfeilern befinden sich neben den Maschinensätzen Räume für den Steuerstand, Batterien, Schaltanlagen, Transformatoren und Lager. Die Erschließung erfolgt durch Bedienungsgänge und zweiarmige Stiegenläufe. Ein unterhalb der Turbinen verlaufender Kontrollgang führt über die gesamte Breite des Kraftwerks.

Die Öffnungen der drei Wehrfelder sind je 16 m breit und haben eine Verschlusshöhe von 15,5 m. Die Wangen der Wehrfelder werden aus schlanken, an der Unterwasser-Seite abgeschrägten Betonscheiben gebildet. Zwei Portalkräne bestreichen die Brücke des Kraftwerks, die das zusammenfassende Element der Kraftwerksanlage darstellt und deren Schienen links und rechts der Mittelachse des Kraftwerks verlaufen. An beiden Ufern befinden sich Lagerplätze für Dammbalken. Das zweigeschoßige, flach gedeckte Werkstätten- und Betriebsgebäude mit Verkleidung aus glatten, weiß beschichteten Betonplatten wird durch zwei Reihen von querformatigen Fenstern belichtet.

Stauraum:
Der etwa 9,8 km lange Stauraum reicht bis zur Mündung der Weißache. Die Rückstaudämme besitzen ein Trapezprofil bei einer maximalen Höhe von 8 m und einer Tiefe von maximal 20 m; Die 3 m breite Dammkrone ist mit einem Fahrweg versehen. Die Dämme sind rechtsufrig im Bereich der Gemeinde Ebbs 4 km, linksufrig im Bereich der Gemeinde Kiefersfelden etwa 6 km lang. Auf Grund der Dammerhöhung muss das Wasser durch drei Pumpwerke in den Inn gepumpt werden. Die Pumpwerke dienen der Entwässerung der Sickergräben und Binnenwässer und der hinter den Staudämmen angeschlossenen Kläranlagen. Von den drei Pumpwerken befinden sich Kufstein und Eichelwang auf österreichischer, Kiefersfelden auf deutscher Seite. Das aus Sickergräben und Sickerrohrleitungen bestehende System von Vorflutgräben ermöglicht es, den Grundwasserspiegel im Hinterland anzuheben und zu stabilisieren. Die Gebäude der Pumpwerke sind als Quader mit Satteldach gestaltet. 

Unterwasser:
Im Unterwasserbereich wurde der Inn auf einer Länge von 2,8 km im Mittel um 2 m eingetieft, um den Anschluss an die Unterliegerstufe mit Ausnutzung der Rohfallhöhe erreichen zu können. Am rechten Ufer befindet sich im Unterwasserbereich eine Kläranlage.
 
Das Kraftwerk wurde in Trockenbauweise im bestehenden Flussbett mit temporärer Umleitung des Flusslaufes hergestellt. Maschinenpfeiler und Wehrpfeiler wurden in Stahlbeton errichtet. Die Wehrfelder sind über Widerlager in die Ufer eingebunden. Als Montageöffnungen wurden Stahlhauben eingebaut. Türen und Tore bestehen aus Stahlblech, die Fenster besitzen Stahlrahmen und Isolierverglasung, der Boden der Räume in den Maschinenpfeilern ist mit hellen Steinplatten belegt, jener der Werkstätten mit Holzstöckelpflaster.

Die Pumpwerke besitzen eine Unterkonstruktion aus Ortbeton, der Hochbau besteht aus verputztem Mauerwerk mit Betonziegeldeckung.
 
Turbinen und Generatoren:
Die beiden Maschinenpfeiler sind mit zwei Maschinensätzen aus den Jahren 1990-1992 mit je einer Kaplan-Rohrturbine mit horizontaler Welle und einem Drehstromgenerator ausgestattet. Lieferung und Montage der Turbinen wurde in Arbeitsgemeinschaft der Firmen Voith Heidenheim und Voith St. Pölten ausgeführt. Die Generatoren wurden von den Firmen Siemens Erlangen und Elin Wien geliefert. Das Regelarbeitsvermögen liegt bei 276,7 GWh.

Transformatoren:
Das Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs wird von der Zentralwarte für die Grenzkraftwerke in Braunau-Simbach gesteuert. 
Der im Kraftwerk erzeugte Strom wird mittels zwei in den Kraftwerkspfeilern aufgestellten Hochspannungs-Haupttransformatoren von 10,5 kV auf 110 kV hochgespannt und über die Freiluft-Schaltanlage des Kraftwerks, in die vier 110 kV-Freileitungen eingebunden sind, abgeleitet. Zwei Freileitungen werden in das österreichische, zwei in das bayrische Versorgungsnetz eingespeist. 

Wehranlage:
In den Wehrfeldern wurden Drucksegmentschütze mit aufgesetzter Klappe eingebaut, die über Hydraulikzylinder von Antriebsaggregaten bewegt werden. Durch ein Notstrom-Dieselaggregat ist die Stromversorgung der Wehrfelder auch im Falle eines Ausfalls der externen Versorgung gesichert.

Hubwerke:
Die zwei Portalkräne der Firma Künz besitzen eine Tragkraft von je 60 t. Ihre Laufkatzen sind mit drei Hubwerken zu je 60 t, 10 t, und 6 t ausgestattet. Außerdem verfügen sie über einen Greifer für die Bergung von Schwemmgut. Zusätzlich zu den Portalkränen befinden sich in jedem Maschinenpfeiler Deckenkräne der Firma Abus, davon ein Kran für 5 t, ein Schwenkkran für 1 t und ein Schwenkkran für 500 kg. 

Pumpwerke:
Zur Wasserhaltung im Rückstauraum verfügt das Werk über drei Pumpwerke, die über Eigenbedarfs-Leitungen vom Kraftwerk aus versorgt und gesteuert werden. Jedes dieser Pumpwerke weist zwischen vier und acht Pumpensätzen auf.
 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs Querschnitt Wehr
Querschnitt: Kraftwerk Oberaudorf-Ebbs Wehr