Speicherkraftwerk Bodendorf-Paal

Das VERBUND-Kraftwerk Bodendorf-Paal ist ein Speicherkraftwerk und an der oberen Mur südöstlich der Ortschaft Bodendorf ob Murau in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Bodendorf-Paal wurde zwischen 1979 und 1982 erbaut. Zwischen Bodendorf und dem Speicher in Bodendorf befindet sich ein 9,2 km langer Triebwasserstollen. Die Francis-Spiralturbine mit 15 Laufradschaufeln und 20 Leitschaufeln ist direkt mit einem Drehstrom-Synchrongenerator gekuppelt und erzeugt im jährlichen Durchschnitt rund 86 GWh Strom.

VERBUND-Kraftwerk Bodendorf Paal

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1982
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 27 MW
Jahreserzeugung: 84.277 MWh
Turbinen: Francis (1)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

In der ersten Hälfte der 1970er-Jahre suchte die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) nach weiteren energietechnischen Ausbaumöglichen an steirischen Flüssen. Die Untersuchungen im oberen Murtal zeigten, dass sowohl die Mur als auch die beiden Zubringer Turrachbach und Paalbach für die Errichtung von Kraftwerken geeignet waren.

Die Anfang 1978 vorliegenden Ergebnisse dieser Untersuchungen führten zu einer wasserrechtlichen Vorprüfung unter dem Titel "Stadl an der Mur". Die Planer der STEWEAG reduzierten die Anzahl der Beileitungen und entschieden sich, einerseits eine Mitteldruckstufe mit einem Kleinspeicher am Paalbach und der Beileitung von Turrach- und Minibach und andererseits eine Niederdruckstufe an der Mur in einem einzigen Krafthaus bei Bodendorf unterzubringen. Nach Erteilung der wasserrechtlichen Genehmigung vom 13. Dezember 1978 für die Mur- und die Paal-Stufe begannen die Bauarbeiten mit der Erschließung des Grundstücks am Murufer.

Am 8. Juni 1979 wurde der 9,2 km lange Triebwasserstollen zwischen Bodendorf und dem Speicher in Bodendorf angeschlagen. Als im Juli 1982 die wesentlichen Anlagenteile fertiggestellt waren, konnten mit der Inbetriebnahme der Mitteldruck-Maschine im August 1982 die Arbeiten am Kraftwerk Bodendorf-Paal abgeschlossen werden.
 
Architektur: Haidvogel - Oratsch - Andree, Graz.
Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Vermessung: Ulf Schantl, Judenburg.
Ausführung: Arge Krafthaus Bodendorf (Hinteregger, Fritz). Straßenbau: TS-Bauges.m.b.H.
 
Das Krafthaus des Kraftwerks Bodendorf-Paal ist identisch mit jenem des Kraftwerks Bodendorf-Mur. Das Kraftwerk Bodendorf-Mur liegt an der oberen Mur südöstlich der Ortschaft Bodendorf ob Murau. Am linken Flussufer führt der von der Murauer Bundesstraße abzweigende Kraftwerkweg zur Anlage. Das Kraftwerk liegt senkrecht zur Flussachse und besteht aus einem am linken Ufer anliegenden Krafthaus mit Betriebsgebäude und Schalthaus und der anschließenden, bis zum rechten Ufer reichenden Wehranlage. Am linken Ufer ist eine Freiluft-Schaltanlage situiert.

Krafthaus
Im Krafthaus befinden sich die Maschinensätze des Mitteldruck-Kraftwerkes Bodendorf-Paal und des Niederdruck-Kraftwerkes Bodendorf-Mur. Der über einer Fläche von etwa 36,5/15 m errichtete Bau ragt 10,5 m über der begrünten Böschung an der Unterwasser-Seite auf. Sein Hochbauteil wird zur Gänze von der Maschinenhalle eingenommen: Zwischen dem Gerüst aus sichtbar belassenen, schlanken Stahlbeton-Stützen und den darauf lastenden Kranbahn-Konsolen sind die glatten Flächen der Ausfachungen zurückversetzt. Die Masse der Stützen wurde zusätzlich durch flache Vertiefungen in deren Stirnflächen aufgelockert.

Auf den Konsolen ruhen in den Achsen der Betonpfeiler die zarten Stahlstreben der Dachkonstruktion, deren unterer Teil mit dunklen Schindeln verkleidet ist, während sich darüber ein durchgehendes Fensterband befindet. Fünf aneinander gereihte, giebelständige Satteldächer mit verglasten Giebelflächen bilden den Abschluss des Krafthausdaches. Oberwasserseitig dient die auskragende Konsole der Kranbahn auch als Fahrbahn für die Rechen-Reinigungsmaschine.

In die 34,5 m lange und 12 m breite Maschinenhalle gelangt man durch ein fünfteiliges Falttor an der unterwasserseitigen Längsmauer, dessen Felder mit Rautenbemalung gestaltet sind. Die sichtbar belassenen, horizontal geschalten Betonmauern der Halle wirken als homogene, nur von wenigen Öffnungen unterbrochene Flächen. Entlang der Stirnseiten wird die vorkragende Konsole der Kranbahn weiter geführt und bildet somit ein um den gesamten Raum laufendes Auflager für die offene Dachkonstruktion. Diese besteht aus zarten Stahlträgern mit Längs- und Querverstrebungen, auf denen die dünnen Platten der Dachdeckung ruhen.

Der Fußboden der nahezu leeren Halle ist mit graubraunen Terrazzofliesen belegt. Zusammen mit den farblich ähnlichen Betonmauern erzeugen sie einen homogenen Raumeindruck, mit dem die petrolfarben beschichteten Metallteile kontrastieren. Ein Stiegenaufgang an der oberwasserseitigen Längswand führt ins Freie, in der nordöstlichen Stirnseite ist der Zugang zur Werkstatt angeordnet, außerdem wurden an den Hallenwänden Stahlschränke zur Aufbewahrung von Werkzeug und Material aufgestellt. Die Untergeschoße enthalten die zwei unterschiedlichen Maschinensätze der Kraftwerke Bodendorf-Mur und Bodendorf Paal.

Der Maschinensatz für die Niederdruck-Anlage Bodendorf-Mur ist im südwestlichen Teil situiert, wobei ein großformatiger Montageschacht aus dem Boden der Maschinenhalle ausgeschnitten ist und Einblick auf das tiefer liegende Niveau der vertikal eingebauten Kaplan-Turbine gewährt. Die Francis-Turbine für die Mitteldruck-Anlage Bodendorf-Paal befindet sich im nordöstlichen Bereich, wobei das Generator-Gehäuse der ebenfalls vertikal eingebauten Maschine über dem Fußboden der Halle aufragt. Beide Generatoren-Abdeckungen sind von einer kreisförmigen Blechabdeckung umgeben. In den Untergeschoßen sind außerdem die Druckrohr-Zuleitung und der Kugelschieber angeordnet.

Ein Saugrohr leitet das abgearbeitete Wasser der Mitteldruck-Anlage in ein Beruhigungsbecken an der Oberwasser-Seite der Mur, von wo es in die Niederdruck-Anlage gelangt und neuerlich zur Stromerzeugung verwendet wird. Im ersten Untergeschoß wurde ein Schauraum eingerichtet, in dem ein Modell des alten Krempl-Werks in Leoben aufgestellt ist.

Betriebsgebäude und Schalthaus
An die Maschinenhalle schließt nördlich im rechten Winkel der zweigeschoßige Betriebstrakt an, der von einem schindelgedeckten Walmdach abgeschlossen und von niedrigeren Trakten mit abgeschrägten Schindel-Dächern beidseitig begleitet wird. Auch die Mauern des Obergeschoßes und der niedrigeren Trakte sind zur Gänze mit dunklen Schindeln verkleidet. Im Obergeschoß ist eine 30 kV-Schaltanlage untergebracht, während das Erdgeschoß den Eingangsbereich, Personalräume und den Wartenraum beherbergt, der mittels einer Metall-Glas-Wand zur Maschinenhalle geöffnet ist. Weiter nördlich ist die Freiluft-Schaltanlage mit den Nischen für die Transformatoren situiert.
 
Das Krafthaus des Kraftwerks Bodendorf-Paal ist identisch mit jenem des Kraftwerks Bodendorf-Mur.

Krafthaus
Die Gründung des Krafthauses erfolgte auf massigen Granatglimmer-Schiefern und -Gneisen. Die Unterkonstruktion des Krafthauses und das Skelett seines Hochbaus wurden aus Stahlbeton mit Ausfachungen aus Betonziegeln angefertigt. Die aus Stahlstreben mit Fix-Isolierverglasungen bestehenden Satteldachstühle besitzen eine Doppeldeckung aus Faserzement-Schindeln (ETERNIT). Zwischen den Satteldächern sind die Schluchten mit Kupferblech ausgekleidet, das Wasser wird über Rinnenkessel und Abfallrohre abgeführt. Türen und Tore sind aus Stahlblech gefertigt, die Fenster sind mit Aluminiumrahmen und Isoliergläsern ausgestattet. Die Stahlgeländer der Betonstiegen bestehen aus Vierkant-Stäben. Als Bodenbelag verwendete man in der Maschinenhalle und in den Stiegenhäusern Terrazzo-Platten, ansonsten Linoleum.

Wehranlage
Auch die Wehranlage wurde auf Fels gegründet. Die Wehrpfeiler, der Wehrrücken und das Tosbecken sind aus Stahlbeton gefertigt, der Wehrrücken ist mit Felsankern gesichert und mit Stahlblech gepanzert.

Nebentrakte
Die Nebentrakte besitzen Holz-Dachstühle mit einer Doppeldeckung aus Faserzement-Schindeln (ETERNIT), die zum Teil über die Außenmauern als Verkleidung herabgezogen ist. Im Betriebsgebäude sind Fenster mit Holzrahmen und Isolierverglasung eingebaut.
 
Turbinen und Generatoren
Die Francis-Spiralturbine mit 15 Laufradschaufeln, 20 Leitschaufeln und 1,354 m Durchmesser ist eine Produkt der Maschinenfabrik Andritz. Bei einem Nenndurchfluss von 10 m³/sec. erzielt sie eine Nennleistung von 27.260 kW. Der direkt gekuppelte Drehstrom-Synchrongenerator von ELIN besitzt eine Nennleistung von 31.000 kVA und eine Nennspannung von 10,5 kV.

Transformatoren
Mittels eines 31.000 kVA-Maschinentransformators von der ELIN Union, Baujahr 1982, wird die gewonnene Energie von 10,5 kV auf 110 kV hochgespannt und über die 110 kV-Leitung von Bodendorf zum Umspannwerk Teufenbach abgeleitet.

Hubwerke
Ein in der Maschinenhalle montierter Brückenkran von Künz (Baujahr 1981) mit Hubwerken zu 45 t und 10 t bestreicht sowohl den Teil der Mitteldruck- als auch der Niederdruckanlage.
 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Bodendorf Paal Querschnitt Krafthaus
Kraftwerk Bodendorf-Paal: Querschnitt 
VERBUND-Kraftwerk Bodendorf Paal Querschnitt
Kraftwerk Bodendorf-Paal: Querschnitt Wehranlage