Speicherkraftwerk Bösdornau

Das VERBUND-Kraftwerk Bösdornau ist ein Speicherkraftwerk und am Talausgang des Zemmgrundes unterhalb von Finkenberg im Zillertal in Tirol gelegen. Es wurde von 1928 bis 1930 erbaut.

Technische Beschreibung 

Ein 840 m langer Kraftabstieg führt vom Kraftwerk Tuxbach zum Krafthaus Bösdornau, wo auch das Wasser aus dem Stilluppbach über einen 680 m langen Kraftabstieg hingeleitet wird. Im Krafthaus sind fünf Maschinensätze (zwei mit Francis-Turbinen und drei mit Pelton-Turbinen) mit einer Engpassleistung von zusammen 25.300 kW installiert. Die erzeugte elektrische Energie wird über eine Freiluftschaltanlage in das 110-kV-Netz eingespeist. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1940
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Tirol
Gewässer: Zemm
Leistung: 25 MW
Jahreserzeugung: 69.663 MWh
Turbinen: Francis (2), Pelton (3)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Bereits im Jahre 1923 wurden die konsentierten Rechte zur zweistufigen energietechnischen Ausnutzung der Gewässer im hinteren Zillertal von der Zillertaler Kraftwerke AG, hinter der eine österreichische Bankengruppe stand, erworben. Ein Jahr darauf erfolgte der Auftrag an das Tiroler Bauunternehmen Innerebner & Mayer zur Ausarbeitung eines Projekts. Das Konsensprojekt sah weiters einen zweistufigen Ausbau des oberen Zillertales zwischen Mayrhofen und Häusling vor. Diese Planungen wurden bis 1930 aufrechterhalten, danach jedoch nicht umgesetzt. Die Nutzung des Wassers der oberen Ziller erfolgte erst ab 1987 mit der Eröffnung des Speicherkraftwerkes Häusling.

Erst nachdem die Finanzierung des Projekts durch die Niederösterreichische Eskomptegesellschaft und die Österreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe 1928 gesichert war, begannen die Bauarbeiten am Krafthaus und am Ausgleichsbecken Großdornau mit dem daneben liegenden Kraftwerk Tuxbach. Die Inbetriebnahme der Kraftwerke Bösdornau mit zwei Maschinensätzen und des Zwischenwerkes Tuxbach mit einem Maschinensatz erfolgte 1930.

Vier Jahre später erwarb die Tiroler Wasserkraftwerke AG (TIWAG) die Anlage und baute sie 1939 durch die Beileitung des Stillupp-Baches weiter aus. Im Juli 1953 erfolgte ein weiterer Besitzerwechsel: die Kraftwerke Bösdornau, Tuxbach und Gerlos gingen in das Eigentum der Tauernkraftwerke AG, einer Sondergesellschaft nach dem Zweiten Verstaatlichungsgesetz von 1947, über.

Mit dem Ausbau der Zemm-Kraftwerke ab Mitte der 1960er-Jahre wurde das Einzugsgebiet des Werks soweit verkleinert, dass es heute nur noch der Eigenbedarfsversorgung dient.
 
Planung: Zivilingenieure Innerebner & Mayer. 
Ausführung: ARGE Zillertaler Kraftwerke (Zivilingenieure Innerebner & Mayer, Allgemeine Österreichische Baugesellschaft A. Porr AG, Union-Baugesellschaft).
 
Das Kraftwerk Bösdornau befindet sich am Talausgang des Zemmgrundes unterhalb von Finkenberg im Zillertal unmittelbar neben dem Zemmbach. Die Anlage besteht aus dem Krafthaus mit Maschinenhalle und Verwaltung im Süden und der 110 kV-Freiluft-Schaltanlage im Norden. Der östliche Teil der Schaltanlage sowie ein Nebengebäude im Norden befinden sich im Eigentum der Tiroler Wasserkraft AG (TIWAG).

Äußerlich gliedert sich das Hauptgebäude in zwei Bauteile: die riegelförmige Maschinenhalle im Osten und das etwas erhöhte, zum Hauptriegel leicht versetzte Verwaltungs- und Schaltgebäude im Westen. Die schlichten Fassaden werden nur durch querrechteckige Fenster, die teilweise durch Gesimse verbunden sind, rhythmisiert. An der Nordseite sind vier Türme mit Lüftungslamellen an die Außenwand des Krafthauses angebaut; sie dienen der Be- und Entlüftung der Generatoren. In den Wintermonaten konnte das Gebäude mittels der Generatorenabluft beheizt werden. Bei tiefen Außentemperaturen ermöglichte ein Vermischen der Zuluft mit der Abluft eine Vorwärmung, um zu starke Temperaturunterschiede in den Maschinen zu vermeiden.

Die Maschinenhalle erhält durch je fünf Fensterfelder mit je sechs Fenstern auf jeder Seite ausreichend Tageslicht. Der Boden ist schachbrettartig schwarz-weiß verfliest, die Decke holzvertäfelt. Die in schlichtem Weiß gehaltenen Wände stehen im Kontrast zu den blauen Turbinengehäusen, den gelben Generatoren, den grünen Erregermaschinen und dem roten Hallenkran.

Westlich vom Maschinenhaus befindet sich der dreigeschoßige Verwaltungstrakt mit der alten Warte, die nur mehr in Ausnahmefällen benutzt wird, sowie den Lager- und Personalräumen.

Durch Zuleitungen von Zemmbach, Stilluppbach und Tuxbach und unter Ausnutzung einer Rohfallhöhe von etwa 200 m wird das Werk gespeist. Das Wasser des Tuxbachs wird zunächst vom Kraftwerk Tuxbach südwestlich von Bösdornau genutzt, bevor es zusammen mit einer Beileitung vom Zemmbach in das Ausgleichsbecken Großdornau mündet und von dort - von Sand und Treibgut gereinigt - durch ein 840 m langes Druckrohr zum Krafthaus geleitet wird.

Die 110 kV-Anlage leitet die gewonnene Energie an das Umspannwerk Zell/Ziller weiter.
 
Das Krafthaus ist ein verputzter und beige gestrichener Ziegelbau mit braun-grauen Farbfeldern. Das Hauptgebäude besitzt Satteldächer mit Blechdeckung - ausgeführt über dem Verwaltungstrakt als Holz-Sparrendachstuhl, über der Maschinenhalle als geschraubtes Stahl-Fachwerk. Für die nördlichen Nebengebäude wurden Pultdächer verwendet. Das Dachgeschoß ist teilweise ausgebaut und wird heute als Lager- und Magazinraum genutzt. Die Wände sind verputzt, die Fenster im Dachbereich noch vereinzelt aus Stahl, die meisten jedoch nach einem Fenstertausch aus Kunststoff.

Für die Außentüren wurde ebenfalls Stahl verwendet, im Inneren finden sind größtenteils noch die alten Holztüren aus der Bauzeit mit originalen Beschlägen. 

Das Stiegenhaus ist zweiläufig mit einem Zwischenpodest ausgeführt und besitzt Terrazzo-Stufen sowie ein rosa-weiß lackiertes Metallgeländer. Quadratische Natursteinfliesen in den Farben schwarz und weiß sind schachbrettartig in der Maschinenhalle verlegt.
 
In der Maschinenhalle befinden sich fünf Maschinensätze mit einer gesamten Nennleistung von 25.300 kW, davon zwei mit Francis-Spiralturbinen (je 6.100 kW) und drei mit Pelton-Turbinen (zwei Zwillings-Freistrahlturbinen je 6.200 kW und eine Freistrahlturbine 1.100 kW). Die gesamte maschinentechnische Ausstattung lieferte J. M. Voith aus St. Pölten.

Die Generatoren wurden teilweise von der AEG Union, teilweise von der Brown Boveri Werke AG in Wien hergestellt, die Erregermaschinen von ELIN. Die Fliehkraftregler und die elektrischen Steuerungen sind von J. M. Voith, der 60 t-Hallenkran ist ein Erzeugnis der Simmeringer Maschinen- und Waggonbau-Fabriks A.G. in Wien.
 

Querschnitt des Kraftwerks:

Querschnitt Bösdornau
Kraftwerk Bösdornau: Querschnitt