Laufkraftwerk Braunau-Simbach

Das VERBUND-Kraftwerk Braunau-Simbach ist ein Laufkraftwerk am Inn und in den Gemeinden Ranshofen (Oberösterreich) und Kirchdorf am Inn (Bayern) gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Braunau-Simbach wurde zwischen 1951 und 1954 erbaut. Der eigentliche Baubeginn erfolgte schon im Jahr 1943 – durch kriegsbedingte Materialengpässe kam es jedoch nie zu einer Fertigstellung. Im Jahr 1951 wurden die Errichtungsarbeiten dann fortgesetzt. Vier vertikale Kaplan-Turbinen erzeugen im Durchschnitt jährlich etwa 550 GWh Strom. Des Weiteren ist eine Fischaufstiegshilfe in Planung.

Auf einen Blick:

Eigentümer: Österreichisch-Bayerische Kraftwerke Aktiengesellschaft 
Betreiber:
Grenzkraftwerke GmbH    
Inbetriebnahme: 1954
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Deutschland, Bayern
Österreich, Oberösterreich
Gewässer: Inn
Leistung: 100 MW
Jahreserzeugung: 550.000 MWh
Turbinen: Kaplan (4)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Planungen zum Bau eines Kraftwerks am unteren Inn bei Braunau gehen in die späten 1930er-Jahre zurück. Nachdem die Siemens-Schuckertwerke AG in einem Rahmenplan für den Inn Werke bei Ering-Frauenstein, Egglfing-Obernberg und Braunau-Simbach vorgeschlagen hatten, begannen 1942 die Vorarbeiten in Braunau. Die Baugrube für das Krafthaus, das am rechten Ufer in einer natürlichen Bucht geplant war, wurde ausgebaggert. Die Arbeiten mussten jedoch aufgrund kriegsbedingter Materialengpässe im Juli 1943 eingestellt werden. Die Gründung der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK) auf Grundlage eines Übereinkommens zwischen der Bundesregierung der Republik Österreich und der Staatsregierung des Freistaates Bayern am 16. Oktober 1950 schuf die Basis für eine Wiederaufnahme des Bauvorhabens.

Nach dem Baubeschluss vom 10. Jänner 1951 begannen die Arbeiten zur Einrichtung der Baustelle im darauf folgenden April. Die Schüttung eines hochwassersicheren Lagerplatzes erfolgte auf bayerischer Seite, da an diesem Ufer auch die Kiesaufbereitung und die Betonfabrik vorgesehen waren. Die bei Grenzkraftwerken obligate Abgrenzung der Enklave und Einrichtung von Zollkontrollen an den Zugängen wurde ebenfalls in dieser Zeit vorgenommen. 

Am 11. Juli 1951 begann man mit dem Rammen der später mit Kies hinterfüllten Spundbohlen für die Abdichtung der Baugrube A, in der der westliche Landpfeiler und die vier Wehrpfeiler vorgesehen waren. Nach dem Auspumpen und dem Freilegen der Baugrube wurden die Fundamente der Pfeiler betoniert. Der dazu notwendige Kies wurde im benachbarten Augelände gewonnen und in der Kiesaufbereitung gewaschen. Die angeschlossene Betonfabrik hatte eine Stundenleistung von 80 m³. Bis April 1952 waren die Arbeiten an der Wehranlage soweit abgeschlossen, dass der Inn umgeleitet werden konnte, und die Abdichtung der Baugrube B auf der österreichischen Seite begann. Im Juni 1952 wurde der Bereich trockengelegt und der Aushub für die Fundamente des Trennpfeilers und der vier Turbinenblöcke begonnen. Ein Jahr darauf war die Decke des letzten Maschinenblocks fertig gestellt und konnte somit für das Befahren mit dem Portalkran freigegeben werden. Insgesamt waren 3,9 Mio. m³ Erdbewegungen notwendig, 230.000 m³ Beton und 4.000 t Baueisen wurden verarbeitet. Die Flutung der Baugrube B erfolgte am 16. September 1953, die Inbetriebnahme des ersten Maschinensatzes bei Teilstau am 30. November. Nach dem Andrehen der zweiten Maschine am 10. Dezember, der dritten am 11. März 1954 und der vierten am 6. Mai 1954 erfolgte die offizielle Inbetriebnahme des Kraftwerks.

1972 gelang eine Leistungssteigerung nach Erhöhung des Stauzieles um 0,5 m, wobei der Oberwasserteil der Wehrpfeiler erhöht werden musste. Die jüngste Ergänzung stellt 1991 die Errichtung eines Zentrallagers neben dem Betriebsgebäude dar. 
Planung: Bauabteilungen der Innwerk AG, Töging und der Österreichisch-Bayerischen Kraftwerke AG (ÖBK), Simbach. Zubau Lagerhalle: Bauabteilung der ÖBK.
Ausführung: Arge Innkraftwerk Braunau-Simbach (Sager & Woerner, Philipp Holzmann, Dyckerhoff & Widmann. Eduard Ast & Co., Innerebner & Mayer, Universale Hoch- u. Tiefbau). Stauraum: L. Moll, J. Riepl, J. Schwarzenbeck, H. Rella & Co., STUAG, Kunz, Union Baugesellschaft.
 
Das Laufkraftwerk Braunau-Simbach liegt am unteren Inn südwestlich von Simbach am linken Ufer und Braunau am rechten Ufer. Die Zufahrt zum Kraftwerk erfolgt vom österreichischen Ufer über eine von der Ranshofner Straße abzweigende Stichstraße.
Das Kraftwerk ist senkrecht zur Flussachse situiert und besteht aus einem am rechten Flussufer anliegenden Krafthaus und einer bis zum linken Ufer reichenden Wehranlage. Am rechten Ufer befindet sich der Vorplatz mit Betriebsgebäude, Schalthaus und Freiluft-Schaltanlage sowie Nebengebäude. 

Krafthaus:
Das in Flachbauweise ohne Maschinenhalle ausgeführte Krafthaus beherbergt vier Hauptmaschinensätze und eine Hilfsmaschine. Ohne dem Montageraum ist es etwa 95 m lang und 21,20 m breit. Bei einer Gesamthöhe von 32,50 m ragt das Krafthaus 15 m über dem Spiegel des Unterwassers auf; sein Flachdach ist in die Kraftwerksbrücke integriert. Die Unterwasser-Seite des Krafthauses ist als Hauptansicht gestaltet. Im Unterbau befinden sich zwischen abgeschrägten Pfeilern massive Betonmauern über den Ausläufen der Turbinen. Ein auf den Pfeilern ruhender Übergang führt vom rechten Ufer zum Trennpfeiler. Darüber erhebt sich die Krafthausfassade, deren Sichtbeton-Oberfläche gestockt wurde. Die hochrechteckigen, in sechs Felder unterteilten Fensteröffnungen waren ursprünglich versprosst. Sie reichen nahezu über die gesamte Fassadenhöhe und belichten den dahinter situierten Hauptbedienungsgang. Die Kanten der Fensterleibungen sind mit einem Randschlag versehen. Nach jeweils fünf Fensterachsen angeordnete Abfallrohre rhythmisieren die Fassade. In das Flachdach sind über dem Montageraum und den Maschinensätzen Montagehauben eingebaut. Der Hauptbedienungsgang wird vorrangig durch ein zweiflügeliges Falttor an der Unterwasser-Seite des Kraftwerksanbaus erschlossen und ist gegen die Oberwasser-Seite von einer zweigeschoßigen Betonständerkonstruktion begrenzt, deren Ausfachungen durch versprosste Fenster- und Türöffnungen eingenommen werden. Dahinter ist am rechten Ufer ein Montageraum situiert. Anschließend folgen die Einhausungen der Maschinensätze, deren Ebenen mittels Treppenauf- und -abgänge zugänglich sind. Unmittelbar oberhalb der Generatoren befinden sich die zweiteiligen, flachen Pyramiden der Stahlhauben. Zwischen den Maschinensätzen sind auf der Ebene des Hauptbedienungsganges die Reglerräume angeordnet, die sich in ihrer ganzen Breite gegen den Gang öffnen. Vor dem Trennpfeiler befindet sich der Haus-Maschinensatz, an der Oberwasser-Seite der Maschinensätze liegen der Kabelgang und der Stromschienengang.

Trennpfeiler:
Der Trennpfeiler enthält den Stiegenaufgang zur Wehranlage, sein lang gezogener Unterwasserfuß ist mit einem halbrunden Schluss versehen.

Wehr:
Die fünf Wehrfelder besitzen eine lichte Weite von je 23 m und sind 14,25 m hoch. Ihre Wehrpfeiler erheben sich auf flachen Pfeilerfüßen, die an der Oberwasser-Seite halbrund, an der Unterwasser-Seite stumpf abgeschlossen sind. Die quaderförmigen Aufbauten der sechs Wehrhäuser sind mit flach geneigten Walmdächern gedeckt. Große, unterteilte Fensterflächen nehmen fast die gesamten Wandflächen der Windenhäuser ein.

Kraftwerksbrücke: 
Die Kraftwerksbrücke wird von zwei Portalkränen bestrichen, deren Schienen beidseitig der Windenhäuser entlang führen. Das Profil der Traufkante am Krafthaus wird über die gesamte Kraftwerksbrücke gezogen. Die Kranbahn-Verlängerung am linken Ufer wird von Pfeilern gestützt, die mit schalreinen Betonwänden ausgefacht sind. An ihrem Stirnende befindet sich eine Durchfahrt mit Stichbogen, an Ober- und Unterwasser-Seite sind Dammtafel-Lagerplätze angeordnet.

Krafthausanbau:
Der Krafthausanbau ist am rechten Ufer in Verlängerung der Kraftwerksachse angeschlossen. Der zweigeschoßige, flach gedeckte Trakt enthält Büros, Sozialräume und Werkstätten. Die Betonwände sind mit gestockter Sichtbeton-Oberfläche versehen, im Erdgeschoß sind quadratische, im Obergeschoß hochrechteckige, zweiflügelige Fenster mit Quersprossen eingebaut. Der Haupteingang ist an der östlichen Stirnseite neben dem angrenzenden Schalthaus situiert und wird durch Pfeiler aus gestocktem Granit, die über beide Geschoße reichen, in drei Teile gegliedert. Die zweiflügelige Eingangstür besitzt großflächige Verglasungen in zarten Metallsprossen und führt in ein repräsentatives Foyer mit einem geschwungenen Stiegenlauf. Die übrigen Felder des Eingangbereiches sind in beiden Geschoßen verglast. Die Portierloge, die frei stehenden Pfeiler und die Türleibungen sind mit Platten aus Adneter Marmor verkleidet, auch die Böden des Foyers und des Stiegenaufganges sind mit Adneter Marmor und hellgrauen Steinplatten gestaltet. 

Schalthaus:
Oberwasserseitig ist an das Betriebsgebäude ein dreigeschoßiges, mit einem flachen Walmdach bedecktes Schalthaus angebaut. Seine glatten Fassadenflächen sind rau verputzt, die symmetrisch angeordneten, hochrechteckigen Fenster im Erdgeschoß und im zweiten Obergeschoß sind kleinformatig gehalten. Im ersten Obergeschoß belichten hingegen hohe, dicht gereihte Fensteröffnungen den Befehlsraum der Warte, der nachträglich mit einer abgehängten Decke und Holzvertäfelungen ausgestattet wurde. Von der südlichen Stirnseite des Schalthauses ist der Zugang zur erhöht liegenden Freiluft-Schaltanlage möglich.

Nebengebäude:
Am rechten Ufer liegt im Grundriss an der Einfahrt zum Werkshof das österreichische Zollhäuschen, östlich des Schalthauses ist ein hakenförmiger Garagentrakt situiert. Eine Lagerhalle wurde parallel zum Krafthaus-Anbau errichtet. Südlich der Zufahrt befindet sich eine Werksiedlung. Am linken Ufer liegt in Verlängerung der Kraftwerksachse ein hakenförmiges, ebenerdiges Bauhofgebäude mit Büros und Werkstätten. Es ist flach gedeckt und weiß gestrichen. An der linksufrigen Kraftwerkseinfahrt ist das deutsche Zollhäuschen situiert.

Im Verlauf des 14,3 km langen Stauraumes befinden sich vier Pumpwerke. 
Die Gründung des Kraftwerks erfolgte auf Schlier, der von einer Kiesschicht überdeckt ist.

Krafthaus: 
Der Unterbau des Krafthauses wurde als massive Stahlbetonkonstruktion ausgeführt, im Hochbau kamen Stahlbetonpfeiler und -träger sowie Betonrippendecken zur Anwendung, die Außenmauern sind ebenfalls in Stahlbeton ausgeführt. Die Montagehauben bestehen aus zweiteiligen, auf Schienen verschiebbaren Stahlhauben, die Dachhaut ist asphaltiert. Der Hauptbedienungsgang besitzt verputzte und gestrichene Wände und Decken, die Fensterbänke sind aus Adneter Marmor gefertigt, die original erhaltenen Fenster- und Toröffnungen zwischen Gang und Maschinenräumen besitzen Stahlrahmen und -sprossen mit Strukturverglasung, die Böden sind mit Kunststeinplatten belegt.

Wehr: 
Wehrpfeiler und Wehrsohlen sind in Stahlbeton errichtet. Granitwerksteine dienen als Sockel für die genieteten Stahlkonstruktionen der Windenhäuser, die Fenster sind mit Aluminiumrahmen und Strukturverglasung ausgestattet, die Wehrbrücke ist aus Stahlträgern hergestellt.

Kraftwerksbrücke:
Die Kraftwerksbrücke besitzt ein Stahlrohr-Geländer und wird abschnittweise mit Bordsteinen aus Granit gesäumt.

Krafthausanbau:
Der Krafthausanbau ist auf Stahlbeton-Fundamenten mit Außenmauern, Decken und Zwischenwänden aus Stahlbeton hergestellt, die originalen Fenster besitzen Metallrahmen und Einfachverglasung, sie wurden zum Teil durch Aluminium-Fenster mit Isolierverglasung ersetzt.

Schalthaus: 
Das Schalthaus wurde aus Stahlbeton und Ziegelmauerwerk mit verputzten Oberflächen ausgeführt, seine Dachkonstruktion besteht aus Stahl-Fachwerkträgern mit einer Eindeckung aus Blechbahnen. Die erneuerten Fenster besitzen Aluminiumrahmen und Isolierverglasung.

Bauhofgebäude: 
Das Bauhofgebäude besteht aus verputztem Mauerwerk und ist mit einschaligen Holzfenstern mit Einfachverglasung ausgestattet.
Turbinen und Generatoren:
Vier Kaplan-Turbinen mit vertikaler Welle und einer Höchstleistung von 24,0 MW wurden gemeinsam von J.M. Voith in Heidenheim und Escher-Wyss in Ravensburg hergestellt. Die vier direkt gekuppelten Drehstrom-Synchrongeneratoren von BBC aus Mannheim (Stator) und Elin aus Weiz (Rotor) verfügen über eine Nennleistung von 35 MVA. Der schwerste Einzelteil des Kraftwerks, das Polrad des Generators, wiegt 160 t, der Stator 90 t.

Transformatoren:
Der erzeugte Strom wird in vier Hochspannungs-Haupttransformatoren, hergestellt von Elin in Weiz, von 10,5 kV auf 110 kV hochgespannt und über die Freiluft-Schaltanlage an zwei 110 kV-Leitungen auf österreichischer und zwei auf bayerischer Seite abgegeben. Die Eigenbedarfsversorgung (EB) des Werks und der vier Pumpwerke im Rückstauraum wird durch einen 1.250 kVA-EB-Transformator von der Elektro-Bau-AG Linz (EBG) gewährleistet. An der Einrichtung der Schaltanlagen und der Schaltwarte waren die Firmen Sprecher & Schuh, Österreichische Siemens-Schuckertwerke, AEG-Union, BBC-Wien und Elektro-Bau-AG Linz (EBG) beteiligt. 

Wehranlage:
Fünf Wehrfelder mit je 23 m lichter Weite und 6 m starken Pfeilern sind mit Doppel-Haken-Schützen mit je 13,7 m Verschlusshöhe ausgestattet. Die Wehrschützen sind genietete Stahlkonstruktionen und wurden von der Dortmunder Union und von der VÖEST hergestellt. Der Antrieb der Schützen erfolgt über Wehrketten, die durch Elektromotoren angetrieben werden. Die Stromversorgung wird durch ein redundantes System vom Werk aus gewährleistet, für den Ausfall dieses Systems steht ein Notstrom-Dieselaggregat bereit.

Hubwerke:
Zwei Portalkrane mit 50 t bzw. 20 t Traglast, die die gesamte Anlage bestreichen, wurden von einer Arbeitsgemeinschaft bestehend aus Waagner-Biró, Wien und Noell, Würzburg geliefert. Die Montagehalle besitzt einen 5 t-Brückenkran von Noell & Co., Würzburg, Baujahr 1952. In der mechanischen Werkstätte wurde ein 3 t-Brückenkran durch die Firma Stahl Crane Systems aus Künzelsau in Deutschland montiert.

Pumpwerke:
Im Rückstauraum sorgen die Pumpwerke Ranshofen und Überackern auf der österreichischen sowie Haiming und Seibersdorf auf der bayerischen Seite für die Rückleitung von Sickerwässern von der Luftseite der Dämme in den Staubereich. Jedes Werk wurde mit fünf Pumpen zu je 175 kW Leistung ausgestattet und ermöglicht pro Pumpe eine Förderleistung von 1 m³/sec..

Querschnitt des Kraftwerks:

VERBUND-Laufkraftwerk Braunau Simbach Querschnitt
Querschnitt des Laufkraftwerkes Braunau-Simbach
VERBUND-Laufkraftwerk Braunau Simbach Querschnitt
Querschnitt des Wehrfeldes im Kraftwerk Braunau-Simbach
Logo des Projektes Interreg Österreich-Bayern
Ökologische Aufwertung von Bachlandschaften

Die ökologische Aufwertung der Bachlandschaften schafft mit grüner Infrastruktur gesündere Ökosysteme mit einer größeren Artenvielfalt und neuen Lebensraum für diese Arten. Diese 4 Bachlandschaften sind der Große Kößlbach, der Mündungsbereich des Saagbaches in die Donau der Simbach und der Polderbereich des Weitbaches und des Westerndorfer Grabens. Dieses Projekt wird von der Europäischen Region im Programm INTERREG V-A Programm Österreich – Bayern 2014 – 2020 gefördert.