Laufkraftwerk Dionysen

Das VERBUND-Kraftwerk Dionysen ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Bruck/Mur in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das Kraftwerk Dionysen wurde zwischen 1942 und 1945 bzw. zwischen 1948 und 1949 erbaut. Planungsarbeiten für ein Kraftwerk in Bruck/Mur, reichen jedoch bis ins Jahr 1906 zurück. Zwischen 1999 und 2001 wurde der Oberwasserkanal generalsaniert und auch Personalräume und Fenster wurden zum Teil ausgetauscht. Des Weiteren wurden die beiden Kaplanturbinen modernisiert. Diese erzeugen nun im Durchschnitt eine Jahresleistung von etwa 86 GWh. Das Kraftwerk Dionysen ist außerdem mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber:
VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1949
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 16,2 MW
Jahreserzeugung: 82.747 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Erste Konzepte für ein Ausleitungskraftwerk Dionysen mit einem zugehörigen Wehr in Mötschlach wurden bereits in den Jahren 1906, 1911 und 1917 von Zivilingenieur Schenkel sowie 1922 und 1931 vom Büro Klimbacher und Neumann entwickelt. Da die Schwerindustrie im oberen Murtal immer größere Energiemengen für die Produktion benötigte und diese nicht mehr ausreichend produziert werden konnte, begann im zweiten Kriegsjahr 1940 Fritz Haas zusammen mit dem Planungsstab der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) mit der Adaptierung der alten Planungen. Im Frühjahr 1941 begannen die konkreten Bauvorbereitungen, erste Verhandlungen mit potenziellen Baufirmen und Behörden bezüglich wasserrechtlicher Genehmigungen. Im Mai des Jahres starteten die Bauarbeiten noch vor der Erteilung der Baubescheide. Durch kriegsbedingte Personal- und Materialengpässe konnten die geplanten Inbetriebnahmen der beiden Maschinensätze im Herbst 1943 und Jänner 1944 nicht eingehalten werden. Der erste Maschinensatz wurde erst im Mai 1944, der zweite im September 1944 in Betrieb genommen. Im Juni 1945 wurde auf Veranlassung der Besatzungsmächte der Betrieb eingestellt und die technischen Anlagen des Werks demontiert. 

1946 bemühte sich die STEWEAG um eine Wieder-Inbetriebnahme des Kraftwerks Dionysen, zwei Jahre später begannen schließlich die Arbeiten. Materialengpässe und Lieferschwierigkeiten in der Nachkriegszeit verzögerten das Vorhaben. Die Firma J. M. Voith wurde mit der Herstellung der Turbinenlaufräder beauftragt, konnte diese jedoch nicht planmäßig liefern. Um einen noch größeren Bauverzug zu vermeiden, wurden die Gehäuse vorab ohne Laufräder zusammengebaut und eingepasst, sodass das spätere Wiederzerlegen und Einbauen mit den Rädern ohne Zeitverlust funktionierte. Am 10. Dezember 1949 konnte der erste, am 18. April 1950 der zweite Maschinensatz seinen regulären Betrieb aufnehmen. Zwischen 1999 und 2001 erfolgte im Zuge einer kompletten Sanierung des Oberwasserkanals auch ein Umbau der Personalräume im Betriebsgebäude, verbunden mit einem teilweisen Fenstertausch. Außerdem wurden die beiden Kaplan-Turbinen von Voith umgebaut. 
Architektur: Fritz Haas
Planung: Planungsabteilung der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG)
 
Das Ausleitungs-Laufkraftwerk Dionysen liegt im oberen Murtal zwischen Bruck/Mur und Niklasdorf. Es besteht aus der Wehranlage Mötschlach, dem Oberwasserkanal und dem Krafthaus Dionysen. Die Zufahrt zum Kraftwerk erfolgt über die St. Dionysen Straße. Nach der Einfahrt erreicht man einen Vorhof, an den im Norden ein Betriebs- und Werkstättengebäude anschließt. Südwestlich davon liegt das Krafthaus und nordwestlich von diesem erhöht das Wasserschloss. Den westlichen Abschluss der Kraftwerksanlage bilden die 110 kV-Freiluft-Schaltanlage und zwei angrenzende Lagergebäude.

Krafthaus:
Das knapp 38/13 m große Krafthaus über rechteckigem Grundriss wird von einem Walmdach mit zwei Entlüftungs-Gauben an der Nordseite des Daches abgeschlossen. Die glatt verputze Fassade wird an der Unterwasser-Seite von zwei großen Segementbogenfenstern und oberwasserseitig durch vier Entlüftungstürme gegliedert. Die Maschinenhalle wird über ein zweiflügeliges Haupttor mit Segmentbogensturz an der Querseite des Bauwerks erschlossen. Im Inneren unterteilt sich die Halle in das Erdgeschoss mit einem Montageplatz sowie den ein Geschoß tiefer liegenden Maschinenflur mit den beiden Generatoren, die achsial vor den Unterwasserfenstern situiert sind. Seitlich der Generatoren schließen Reglereinrichtungen zur Steuerung der Maschinensätze an. Vom Maschinenflur aus erreicht man die Turbinen, die Hydrauliksteuerungen und eine kleine Werkstätte mit Magazin im Osten des Bauwerks. Den westlichen Abschluss der Halle bilden die Schaltwarte im Erdgeschoß und ein Fernwirkraum, Büros und Personalräume im Obergeschoß, die über eine zweiläufige Holztreppe erschlossen werden.

Wasserschloss:
Das Wasserschloss liegt nördlich des Krafthauses am Ende des Oberwasserkanals und ist mit zwei Tafelschützen ausgestattet. Es ist gleich wie die anderen Gebäude des Werks mit einem Walmdach bedeckt und verfügt im Firstbereich zusätzlich über ein Oberlichtband für die nötige natürliche Belichtung. Südlich des Wasserschlosses befindet sich der Einlaufrechen mit einer Reinigungsanlage.

Betriebsgebäude:
Neben Krafthaus und Wasserschloss besitzt das Werk ein Betriebsgebäude im Norden der Anlage, das Personalräume und die Werkstätte des Kraftwerks aufnimmt. Die Freiluft-Schaltanlage leitet den erzeugten Strom über ein 110 kV-Kabel zum Umspannwerk Hessenberg bei Leoben weiter.
 
Biberschwanzziegel-gedeckte Walmdächer, Pfettendachstühle und Ziegelmauern mit ornamentlosen, crème-farbenen Oberflächen sind das Hauptmerkmal des Werks. Die Dachuntersicht des Krafthauses ist durch einzelne Holzträme mit dazwischen montierten Schallschutz-Platten verkleidet. Bei den Bodenbelägen finden sich Fliesen in der Maschinenhalle, Holzstöckelpflaster in den Werkstättenbereichen und Terrazzo bei den Stiegenanlagen im Inneren. Lediglich die Treppe zum Obergeschoß im Krafthaus besitzt eine Holzverkleidung über den Stufen und ein Holzgeländer mit gedrechselten Sprossen. Die Holz- und Eisentüren sowie die Holzsprossenfenster sind größtenteils noch im Original erhalten. Nur im Betriebsgebäude hat man bei einer Sanierung die Türen und einige Fenster durch Kunststoff-Modelle ersetzt. Ein Fenster an der Nordseite des Krafthauses besitzt noch das originale Schmiedeeisengitter, das stilistisch den Gittern an den Türen der Wehranlage Mötschlach entspricht und so eine ornamentale Verbindung zu diesem herstellt. 
Turbinen und Generatoren:
Das Werk ist mit zwei Kaplan-Turbinen von J.M. Voith aus den Jahren 1949 (Maschine 1) und 1950 (Maschine 2) ausgestattet, die bei einem Nenndurchfluss von 55 m³/sec. eine Leistung von 7.100 kW aufweisen. Zwei direkt gekuppelte 8.000 kVA-Drehstrom-Synchrongeneratoren wurden von Elin Union geliefert. Beide Maschinensätze wurden in den Jahren 2000/01 umgebaut.

Transformatoren:
Ein 20.000 kVA-Maschinentransformator wurde 1999 von der VA TECH EBG Transformatoren GmbH & Co. Linz geliefert. Er transformiert die gewonnene Energie von 6,3 kV auf 110 kV, die Ableitung erfolgt über eine Einschleifung der 110 kV-Doppelleitung Bruck/Mur - Hessenberg.

Hubwerke:
Der doppelte Brückenkran in der Maschinenhalle, Baujahr 1943, stammt von Andritz und besitzt ein umschaltbares Hubwerk, mit 45 t- bzw. mit 10 t-Traglast. 

Rechenreinigungsanlage/Schützen:
Die beiden Einlaufschütze im Wasserschloss bestehen aus je zwei genieteten Eisentafeln, die getrennte Hebewerke besitzen. Die Oberwasser-Rechen können über seitlich angeordnete Spülschütze gereinigt werden.