Speicherkraftwerk Funsingau

Das VERBUND-Kraftwerk Funsingau ist ein Speicherkraftwerk und am Südrand des Gerlos-Tales in der Gemeinde Gerlos in Tirol gelegen. Es wurde von 1963 bis 1967 erbaut.

Technische Beschreibung 

Die Speicherkraftwerke Gerlos umfassen die Kraftwerke Funsingau und Gerlos. Sie haben eine Leistung von 225.200 kW und erzeugen im Jahr aus natürlichem Zufluss 347,3 Mio. kWh. Die Kraftwerke sind automatisiert und werden von der Zentralwarte Zillertal in Mayrhofen aus überwacht und fernbedient.

Im Krafthaus ist ein Maschinensatz mit vertikaler Welle und einer Engpassleistung von 25.000 kW installiert. Der Maschinensatz besteht aus Generator und Francis-Turbine. Der erzeugte Strom wird über eine 110 kV Freileitung zum Umspannwerk Gerlos im Zillertal abgeführt.

Speicher Durlaßboden

Das Stauziel des Speichers Durlaßboden mit einem Nutzinhalt von 50,7 Mio. m3 liegt auf 1.405 m Seehöhe. Als Abschlussbauwerk wurde aufgrund der topografischen und geologischen Gegebenheiten ein geschütteter Damm errichtet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1968
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Tirol
Gewässer: Gerlosbach
Leistung: 25 MW
Jahreserzeugung: 26.954 MWh
Turbinen: Francis (1)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Planungen für die Kraftwerks-Oberstufe Gerlos mit einem Speicher Durlaßboden und einem Krafthaus in Funsingau reichen bis in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück. Wegen großer geologischer Probleme im Bereich des geplanten Sperrenbauwerks konnte das Projekt anfänglich jedoch nicht verwirklicht werden. Erst die Neuentwicklung des bewusst unterströmten Dammes zu Beginn der 1960er-Jahre brachte die Lösung, sodass 1963 mit den Bauarbeiten an der Sperre Durlaßboden mit dem zugehörigen Krafthaus Funsingau begonnen werden konnte.
 
Das Krafthaus Gerlos , welches zusammen mit dem Kraftabstieg, der Apparatekammer und dem Wasserschloss zum Baulos 2 gehörte, wurde am 1. Juli 1965 mit dem Aushub der Baugrube und der Freilegung des Felsuntergrundes begonnen. Die Gerloser Ache musste im Zuge der Vorarbeiten in ein neues, nördlicher gelegenes Bett umgeleitet werden. Am 18. August 1965 erfolgten die ersten Fundamentbetonierungen, ab 15. September die Montage der Saugrohrpanzerung.
 
Da im Bereich des Aushubs schwach sulfat-hältige Quellen austraten, musste für den gesamten Tiefbauteil ein spezieller Hochleistungsbeton mit Contragreßzement (CGZ 375) verwendet werden. Ab Mai 1966 wurden die Hochbauarbeiten für das Krafthaus Gerlos vorgenommen, die bereits sechs Wochen später abgeschlossen werden konnten. Insgesamt 2.230 m³ Stahlbeton mit 80 t Bewehrungsstahl und 150 m³ Ziegelmauerwerk wurden für den Bau von Gerlos verwendet, die Skelettkonstruktion der Maschinenhalle benötigte 20 t Konstruktionsstahl. Einer der Gründe für den raschen Abschluss lag in der Ausführung der Maschinenhalle als Stahl-Skelettbau, dessen Vorfertigung unabhängig von den anderen Arbeiten am Krafthaus Gerlos stattfinden konnte.
 
In den Monaten Juni 1965 bis September 1966 wurde parallel zum Kraftwerk Gerlos die anschließende Freiluft-Schaltanlage errichtet. Die Haupt-Montagearbeiten am maschinellen und elektrischen Teil waren am 30. April 1967 soweit abgeschlossen, dass die Monteure mit den Vorbereitungen für das Andrehen der Maschinen begannen. Nach dem ersten Volllast-Versuch ging Gerlos am 27. Mai 1967 offiziell in Betrieb.
Planung: Konrad Aufhammer, Planungsabteilung der Tauernkraftwerke AG.
Bauleitung: Walter Hosnedl
Das Krafthaus liegt am Südrand des Gerlos-Tales, zwischen der Ortschaft Gerlos und dem zum Werk gehörenden Speicher Durlaßboden. Die Zufahrt zum Werk, welches hinter einem Waldstück im Talkessel neben der Gerlos-Bundesstraße liegt, erfolgt nach einer Abzweigung von der Bundesstraße von Westen.

Der schlichte Bau mit Satteldach wurde auf rechteckigem Grundriss mit der Maschinenhalle im Süden und dem Verwaltungs- und Personaltrakt im Norden errichtet. Der dreigeschoßige Personaltrakt enthält die Werkstätte und den Schaltraum im Erdgeschoß, ein Büro, einen 30 kV-Schaltraum und einen Fernwirkraum im ersten sowie einen Aufenthalts- und einen Telefonraum im zweiten Obergeschoß.

Die Aufteilung des Gebäudes in zwei Nutzungszonen ist sowohl konstruktiv als auch optisch an den beiden Längsfassaden ablesbar: massive Wände mit neun regelmäßigen Fensteröffnungen auf drei Etagen im nördlichen Bereich, ein Stahlskelettbau mit Wellblech- beziehungsweise Well-Faserzementverkleidung im unteren Teil des südlichen Bereichs, der obere Teil wurde mit mattiertem Stegglas geschlossen. Den südlichen Abschluss der beiden Fassaden bilden die beiden Halleneinfahrtstore, die mit einem Glieder-Hubtor aus schmalen mattierten Stegglaselementen verschlossen sind.

In der 18/13,25 m großen und 9,60 m hohen Maschinenhalle befindet sich neben einem Montageplatz der schallgedämmte Generator, darunter die Francis-Spiralturbine mit vertikaler Welle und der Absperrklappe. Die Belichtung erfolgt durch beidseitige Oberlichten direkt unter dem Dachanschluss, die nur durch die wenigen Stahlrahmen des Skelettbaus durchbrochen werden, sowie über die beiden Halleneinfahrtstore. Die beiden Kranbahnschienen liegen etwas höher als die Unterkanten der Oberlichten und sind von diesen abgesetzt. Die südliche Wand ziert ein Mosaik mit Darstellungen einer Gewitterwolke, einer Pelton-Turbine und einer Sonnenscheibe mit drei Strahlen. Südlich der Maschinenhalle befinden sich die Garagen und das Magazin, östlich leicht abgewinkelt zum Hauptbau die 110 kV-Freiluft-Schaltanlage.

Das Krafthaus besteht aus zwei konträren Konstruktionsarten: den Verwaltungstrakt als Ziegel-Massivbau und die Maschinenhalle als Stahlskelettbau mit Rahmen aus I-Trägern. Der Ziegelbau ist verputzt, der Skelettbau im oberen Bereich mit Glas, im unteren an der Ostseite mit Well-Faserzement, an der Westseite mit Wellblech verkleidet.

In der Maschinenhalle ist der Boden dunkelrot verfliest, die Wände sind bis auf etwa zwei Meter Höhe mit gelben Fliesen verkleidet. Die Deckenuntersicht wurde mit weißen, längsrechteckigen Platten versehen. Zwei große Einfahrtstore im Osten und Westen der Halle ermöglichen das Ein- und Durchfahren von Lastkraftwagen und sind mit Hubtoren mit horizontalen mattierten Stegglas-Elementen verschließbar.

Turbine und Generator
Zur Stromerzeugung dient ein vertikal eingebaute Francis-Spiralturbine von Andritz/Escher Wyss mit einer Leistung von 34.850 PS. Diese nutzt eine zwischen 75,80 m und 122,10 m variierende Fallhöhe mit einem Laufrad aus nicht rostendem Stahlguß von Schoeller-Bleckmann, das mittels Flanschverbindung mit der Turbinenwelle verbunden ist. Ein 27.000 kVA-Generator von ELIN aus Weiz mit einer Nennspannung von 10.250 V erzeugt bei einer Drehzahl von 333,3 U/min. Energie, die über einen Hauptumspanner der Wiener Starkstromwerke GesmbH. (WSW) an die 110 kV-Freilutft-Schaltanlage abgegeben wird. Die Beheizung der Maschinenhalle erfolgt über die Abwärme-Ausblasung des Generators, die Personalräume werden elektrisch beheizt.

Hubwerk
Ein Brückenkran mit einem 65 t- und einem 5 t-Hubwerk des Herstellers Andritz aus Graz bestreicht die Maschinenhalle.

Querschnitt des Kraftwerks:

Querschnitt des Speichers Funsingau