Kraftwerk Hieflau

Das Kraftwerk Hieflau ist ein Ausleitungskraftwerk an der Enns mit dem Tagesspeicher Wag. Errichtet in den 1950er-Jahren und erweitert und modernisiert zwischen 2007 und 2013 ist die Anlage heute das leistungsstärkste Wasserkraftwerk der Steiermark.

Im Krafthaus Hieflau sind drei Maschinensätze mit vertikaler Welle und einer Engpassleistung von zusammen 63.000 kW installiert. Jeder Maschinensatz besteht aus einer Francis-Spiralturbine und einem Drehstrom-Synchrongenerator. Das im gleichen Krafthaus angeordnete Kraftwerk Hieflau-Erzbach nutzt noch eine Gefällestufe des Erzbaches für die Energiegewinnung und Eigenbedarfsversorgung.

Speicher Wag

Das Stauziel des Speichers Wag, ein durch Dämme gebildetes Becken, liegt auf Höhe 565,5 m. Der Nutzinhalt beträgt 1,66 Mio. m3. Vom Wasserschloss und vom Speicher führen drei je 260 m lange, teilweise eingeschüttete Stahldruckrohrleitungen zum Krafthaus Hieflau am Fuße des Wag-Plateaus.

Beim Kraftwerk Hieflau wurde ein breites Bündel an ökologischen Begleitmaßnahmen umgesetzt. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Nationalpark Gesäuse wird seit dem Umbau viermal mehr Wasser in die Enns abgegeben, sodass sogar eine Wiederbesiedelung mit dem Huchen denkbar ist. Im Zuge der Erweiterungsmaßnahmen wurde das Wehr Gstatterboden mit einer modernen Fischwanderhilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1956/2009
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Enns
Leistung: 63 MW
Jahreserzeugung: 369.653 MWh
Turbinen: Francis (3)
Fischwanderhilfen:                      ja

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Am Ausgang des Gesäuses wurde von 1952 bis 1955 die Kraftwerksanlage Hieflau errichtet, deren Planung in die 1930er-Jahre zurückreicht. Das Ausleitungskraftwerk Hieflau besteht aus der Wehranlage Gstatterboden, dem Tagesspeicher Wag und dem Krafthaus Hieflau, das 1956 mit zunächst zwei Maschinensätzen, bestehend aus vertikal montierten Francis-Spiralturbinen mit aufgesetztem Generator, in Betrieb genommen wurde. 1965 wurde das Kraftwerk um einen dritten Maschinensatz erweitert. Der Tagesspeicher Wag fasst 1.650 Millionen Liter Wasser, was einem Energieinhalt von 330.000 Kilowattstunden entspricht.
 
Im Jahr 2007 startete ein umfassendes Erweiterungsprojekt für Hieflau. Ein neues Wehrkraftwerk in Gstatterboden nutzt die Energie der Restwasserstrecke der Enns, ein zweiter 6 Kilometer langer Triebwasserstollen erhöht den Wassereinzug zum modernisierten Wag-Speicher und zum Krafthaus in Hieflau. Die drei Maschinensätze wurden im Zuge einer Effizienzsteigerung komplett zerlegt, die Francis-Turbinen erhielten dabei neue Laufräder. 
Architektur: Fritz Haas
Planung: Planungsabteilung der STEWEAG. Beratung: Hermann Grengg.
Ausführung: Maschinenhaus u. UW-Graben: Arge (H. Rella & Co., Negrelli Bau-AG., Beyer & Co.)
 
Die Gründung der Bauten erfolgte auf Seeton. Wegen des starken Wasserzudrangs bei den Aushubarbeiten für den Bau des Krafthauses musste die Baugrube vollständig mit einer Umspundung, die bis auf den Seeton reichte, gesichert werden. Die drei Druckrohre konnten hingegen in offener Baugrube verlegt werden.

Hauptgebäude

Maschinenhaus
Der Bau wurde in vier Blöcke von einer Breite von 10,50 bis 16 m unterteilt, wobei die bis zur Deckenkonstruktion durchgehenden Fugen als Dehnungs- und Setzungsfugen ausgebildet sind. Über einer Unterkonstruktion aus Stahlbeton mit aus Stahl gefertigten Turbinenspiralen erhebt sich der Hochbau mit Stahlbeton-Skelett und Ausfachungen aus Ziegelmauerwerk, an der ostseitigen Sockelzone ist ein Überzug aus ziegelsplitthaltigem Vorsatzbeton angebracht, ursprünglich waren die Außenflächen mit rötlichem Edelputz überzogen.

Die Traufenplatten sind aus Sichtbeton, die Dachkonstruktion ist aus Stahlbeton-Fertigteilen hergestellt; die ursprünglich aus Kupfer-Aluminiumblech bestehende Dachhaut wurde erneuert und als Gleitbügeldach der Firma DOMICO nach dem Fabrikat "DOMITEC 500" aus Blech hergestellt. Die Fenster besitzen Einfachverglasung in Stahlrahmen und -sprossen mit Gewänden aus gespitztem Beton, die westseitigen Öffnungen oberhalb der Kranbahn sind mit Glasbausteinen ausgefüllt. Die Innenräume sind verputzt und gestrichen, die Kassettendecke der Maschinenhalle besteht aus Stahlbeton-Fertigteilen, der Boden der Maschinenhalle im Bereich der Einfahrt und des Abstellplatzes ist aus Holzstöckelpflaster hergestellt, ansonsten wurden quadratische Fliesen mit Sockelleisten aus Marmorplatten verlegt, wobei die Fliesen mit Randkehlen ausgestattet wurden.

Steuerhaus mit Betriebsgebäude
Die Mauern bestehen aus Ziegelmauerwerk, die Rahmungen der Öffnungen aus gestocktem Hieflauer Nagelfluh, die Traufenplatten aus Sichtbeton. Die erneuerte Dachdeckung ist wiederum aus Blech als Gleitbügeldach ausgeführt. Im Foyer wurde der Boden mit Marmorplatten belegt, ein Podest ist mit Kleinstein-Mosaik ausgekleidet, ansonsten erfolgte die Verkleidung der Wände mit Kalkstein-Platten und Hieflauer Nagelfluh, während der Stiegenaufgang mit Terrazzobelag und Metallgeländer versehen ist. Die verglasten Innentüren besitzen Holz- oder Aluminium-Messing-Rahmen, die Warte ist mit einer abgehängten Decke mit integrierten Leuchstoff-Röhren ausgestattet, die Verkleidungen der Wandpfeiler im Wartenraum bestehen aus Kalksteinplatten, die Fenster der Warte besitzen weiß beschichtete Aluminiumrahmen, ansonsten wurden die neuen Fenster aus Kunststoff-Rahmen mit Isolierverglasung hergestellt. Sämtliche Innenräume sind verputzt und gestrichen.

Schalthaus
Auch das aus Ziegelmauerwerk errichtete Schalthaus besitzt ein erneuertes Gleitbügeldach aus Blech und Fassadenöffnungen mit Kunststein-Umrahmungen. Die Betonstiege ist mit einem Terrazzobelag und einem Stahlrohrgeländer ausgestattet, die Innenräume sind verputzt und gestrichen, die Bodenbeläge bestehen überwiegend aus Terrazzo.

Nebengebäude
Das Pförtnerhäuschen ist mit nachträglich aufgebrachtem Dämmputz, Kunststoff-Isolierglasfenstern, Sohlbänken aus gestocktem Hieflauer Nagelfluh und einem hölzernen Stiegenaufgang in das Mansardgeschoß ausgestattet. Das Dach besitzt eine Faserzement-Schindeldeckung und eine Entwässerung mittels Hängerinnen.
 
Turbinen und Generatoren
Drei Francis-Turbinen mit vertikalen Wellen und Blechspiralen, geliefert von Voith zusammen mit der Maschinenfabrik Andritz, weisen bei einer Nennfallhöhe von 85 m eine Nennleistung von 19.430 kW auf. Der Laufrad-Durchmesser beträgt 2,29 m, die Schluckfähigkeit der drei Turbinen mit je 20 Leitschaufeln 28 m³/s Alle drei Turbinen sind mit Reglern von Escher-Wyss aus dem Jahr 1955 ausgestattet. Die direkt gekuppelten 25.000 kVA-Drehstrom-Synchrongeneratoren sind Produkte der ELIN Union und liefern Elektrizität mit einer Nennspannung von 10,5 kV.

Transformatoren
Die gewonnene Energie wird über drei 25.000 kVA-Maschinentransformatoren von der Elin Union auf 110 kV hochgespannt und über eine Einschleifung der Leitung Hessenberg - Ernsthofen abgeleitet. Zusätzlich verfügt das Werk über einen 400 kVA-Eigenbedarfs-Transformator von der Elin Union zur Umspannung von 30 kV auf 400 V (Baujahr 1988) sowie einen 400 kVA-Transformator ebenfalls von Elin (Baujahr 1989) zur Verbindung der 10 kV- mit der 400 V-Spannungsebene.

Hubwerke
Waagner-Biró aus Wien lieferte 1954 einen Brückenkran für die Maschinenhalle mit Hubwerken zu 100 t und 10 t. Zum Setzen der Unterwasser-Dammtafeln steht ein Bockkran von der Maschinenfabrik Andritz bei Graz mit einer maximalen Traglast von 2 x 4 t zur Verfügung. Das Bauhoflager besitzt eine 2 t-Deckenlaufkatze mit einem manuellen Kettenzug, der Klappenanbau auf der Reglerebene wird von einem 10 t-Brückenkran der Schwechater Maschinenbau-Firma J. Wessely bestrichen (Baujahr 1955). Die Haupt-Werkstätte neben der Maschinenhalle verfügt über kein Hubwerk.
 
Die Gebäude des Krafthauses Hieflau bilden einen Werkshof und sind in ihrer Formensprache differenziert: Den eindeutig technischen Bereichen von Maschinenhaus und Schalthaus mit großformatigen Fensteröffnungen, Betonpfeilern und sehr flachen Walmdächern stehen das Pförtnerhäuschen und das Garagengebäude beiderseits der Einfahrt mit hohem Walmdach gegenüber.

Der von Fritz Haas entworfene Bau setzt zum Teil seine älteren Gestaltungsmuster fort, wie auch die zugehörige Wehranlage Gstatterboden zeigt. Haas versucht aber auch, an die zeitgenössische Architektur der Fünfzigerjahre anzuknüpfen. Entwürfe des Architekten für Hieflau aus dem Jahr 1948 zeigen noch wesentlich traditionellere Formen.

Durchgehend sind alle Bauten gediegen und handwerklich aufwändig gestaltet: Sichtbeton-Oberflächen, Kunststein- und Natursteinflächen sind gespitzt, gestockt oder poliert, der Sockel in der Maschinenhalle und im Foyer des Betriebsgebäudes besteht aus Marmorplatten, Stiegen- und Geländerformen sind differenziert gestaltet.

Standort
Der Standort des Krafthauses liegt im ehemaligen Erzabbaugebiet um den Erzberg: An seiner Stelle befand sich zuvor der Hieflauer Hochofen, von dem noch Überreste am Rand des Krafthausgeländes erhalten sind.

Technik
Das mit Wehranlage und Tagesspeicher ausgestattete Kraftwerk Hieflau ist vergleichbar mit dem nur wenig später (1954 - 1959) errichteten Kraftwerk Schwarzach an der Salzach mit der Wehranlage Högmoos und dem Ausgleichsbecken Brandstatt.