Speicherkraftwerk Kreuzeck

Das VERBUND-Kraftwerk Kreuzeck ist ein Speicherkraftwerk und in der Gemeinde Kolbnitz in Kärnten gelegen. Es wurde von 1955 bis 1958 erbaut.

Technische Beschreibung 

Die Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck besteht aus einem Jahresspeicherwerk, zwei Tagesspeicherwerken und einigen Kleinkraftwerken sowie dem neuen Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II.

Das Tagesspeicherwerk Kreuzeck verwertet die Abflüsse einiger Bäche im östlichen Bereich der Kreuzeckgruppe, die durch ein ausgedehntes Stollensystem erfasst und dem Tagesspeicher Roßwiese zugeführt werden. Dazu gehören der Teuchl-, der Gnoppnitz-, Gra- und Niklaibach samt Nebenbächen.
Über eine Fallhöhe von 587,5 m erzeugen in der Kraftstation Kolbnitz zwei Maschinensätze mit Pelton-Turbinen, Gesamtleistung 45.000 kW, wertvollen Strom aus Wasserkraft. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1960
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Möll
Leistung: 45 MW
Jahreserzeugung: 154.531 MWh
Turbine: Pelton (2)
Fischwanderhilfen: nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Tagesspeichergruppe Kreuzeck stellte die letzte der drei Ausbaustufen der Kraftwerke Reißeck-Kreuzeck dar. Es wurde entwickelt um die Gewässer südlich des Mölltales auch im Krafthaus Kolbnitz abarbeiten zu können.

Aus budgetären Gründen konnten jedoch nicht alle drei Kraftwerksteile der Reißeck-Kreuzeck-Gruppe in einem Zug errichtet werden, daher war ein Baubeginn des Kreuzeck-Werks erst in der Endphase der beiden Reißeck-Werke möglich.

Die ersten Arbeiten an den Triebwasserwegen begannen im März 1955 mit den Beileitungen von Teuchlbach samt Zubringern und des Niklaibaches, gefolgt von Gnoppitz- und Grabach. Da die letzten drei aus topografischen Gründen etwa 60 m höher als die Teuchl-Beileitungen gefasst werden mussten, errichtete man am Niklaibach ein kleines Zwischenkraftwerk, welches 1959 in Betrieb ging.
 
An der Baustelle für den Speicher Roßwiese, der im langen Sommerbetrieb als Tagesspeicher und im kurzen Winterbetrieb als Wochenspeicher betrieben werden sollte, begann man 1955 mit Rodungen und Felseinschnitten.

Die lange, winterbedingte Durchfeuchtung des Bodens erlaubte erst ab Mitte Juni 1956 den Beginn des Dammbaues. Für die Aufschüttungen konnte großteils vorhandenes Aushubmaterial, das zuvor in einzelne Korngrößen aufgesplittet wurde, verwendet werden. Der Boden an der Speicherstelle wies eine so fest verzahnte Lagerung auf, dass man ihn vor der Baggerung durch Sprengungen lösen musste.
 
Im Herbst 1958 konnte das Becken fertiggestellt werden und am 6. Oktober zusammen mit dem ersten Maschinensatz im Krafthaus Kolbnitz in Betrieb gehen. Im Mai 1959 folgte mit dem zweiten Maschinensatz die Fertigstellung des Kreuzeck-Werks. Die Aufräumungsarbeiten der Baustelle und die Humusierung des Geländes dauerten noch bis in den Sommer des Jahres.
 
Das neben dem Speicher errichtete Sperrenwärterhaus wurde - nachdem die technischen Anlagen im Bereich der Roßwiese fernüberwacht und ferngesteuert werden - verkauft.

Planung und Bauleitung: Wilhelm Steinböck (ÖDK)  

Das kleinste Glied in der Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck arbeitet das Wasser der Kreuzeckgruppe südlich der Möll in zwei Stufen ab.

Zum Werk gehören das Zwischenkraftwerk Niklai, die Bachbeileitungen von von Teuchl-, Gnoppnitz-, Gra- und Niklaibach samt aller Nebenbächen südlich des Mölltales und der Tagesspeicher Roßwiese. Die Zufahrt zum Speicher erfolgt von der Talsohle des Mölltales aus mit der Standseilbahn Kreuzeck.

Der Tagesspeicher Roßwiese - früher auch als "Wochenspeicher" bezeichnet - unterscheidet sich bautechnisch von seinem am gegenüber liegenden Hang befindlichen Pendant Gondelwiese des Tagesspeicherwerks Reißeck dahingehend, dass man hier aus topographischen Gründen auf eine Schwergewichtsmauer verzichten und stattdessen einen Erddamm mit Asphaltbetondichtung ausführen konnte. Mit seinem Nutzinhalt von über 200.000 m³ ist der Speicher Roßwiese fünfmal so groß, die maximale Kronenhöhe von 19,50 m über dem tiefsten Entnahmepunkt ist etwa ein Drittel höher als beim Speicher Gondelwiese. Das Einlaufbauwerk des Freispiegelstollens befindet sich an der südwestlichen Hangböschung, das Entnahmebauwerk am nördlichen, talseitigen Erddamm. Neben dem Becken wurde eine Umfahrungsleitung aus Stahl errichtet, um vor der Fertigstellung des Speichers bereits Strom erzeugen und auch bei Revisionsarbeiten am Becken Triebwasser direkt von Niklai in den Druckstollen einleiten zu können.

Im Bereich der Talstation der Kreuzeckbahn am südlichen Möllufer befinden sich zwei Betriebsgebäude mit Tischler- und Schlosserwerkstätten der Werksgruppe, die sich um einen begrünten "Anger" in der Mitte gruppieren. Östlich davon liegt die Talstation der Kreuzeckbahn, wo sich auch der letzte Hang-Festpunkt der Druckrohrleitung befindet. Von dort weg führt der Druckstollen horizontal in Hochlage über eine Wiese und das Flussbett der Möll zum Krafthaus Kolbnitz. Erreichbar ist das südliche Möllufer über die Kolbnitzer Brücke, die von der Österreichischen Draukraftwerke AG (ÖDK) im Zuge des Kraftwerksbaus errichtet wurde.

Die Kreuzeckbahn besitzt zwei gegenläufige Wägen mit einer Ausweiche in der Mitte. Ein Derrickkran aus Gitterträgern ermöglicht bei der Talstation das Verladen von Lasten auf die Transportwägen.

Die Bergstation befindet sich wie das Sperrenwärterhaus etwas oberhalb des Speichers Roßwiese.

Einziger Speicher des Werks Kreuzeck ist der Tagesspeicher Roßwiese. Er ist als erddamm-umschlossenes Speicherbecken an einer flacheren Stelle des südlichen Mölltalhanges errichtet und mittels einer Asphaltbetonschicht an den Innenwänden abgedichtet. Für die Innenböschungsneigung konnte einheitlich ein Verhältnis von 1 : 1,75 angewendet werden.

Die beiden Betriebsgebäude im Bereich der Talstation der Kreuzeckbahn sind Massivbauten und verfügen über eternitgedeckte Walmdächer und Holzdachstühle. Das südliche, hangseitige Gebäude ist ein massiver Mauerwerksbau, das nördliche, wasserseitige wurde aus Beton-Fertigteilen errichtet und wird von fünf vierteiligen, grauen Garagentoren aus Metall und einem sich nahezu über die gesamte Länge erstreckenden Fensterband dominiert. In den Garagen wurde der Estrich als Boden belassen, in den Werkstätten hat man Holzstöckelpflaster verlegt. Der obere Fassadenbereich des Gebäudes wird durch ein wuchtiges Traufengesimse aus Stahlbeton-Fertigteilen bekrönt, in dem auch die Dachentwässerung integriert ist. Die Übergänge zu den Regenrohren sind weiter auskragend als das Gesimse ausgebildet und ebenfalls aus Stahlbeton.

Apparatekammer Roßwiese:
In ihr befinden sich die Regeleinrichtungen für den Triebwassereinlauf in den Druckschacht zum Krafthaus Kolbnitz. Ein stählernes Rollschütz mit 4,5 m Breite ermöglicht das Regulieren der Einlaufmenge. Zusätzlich verfügt die Anlage über eine selbsttätige ölhydraulische Rohrbruchklappe sowie einen Schieber für die Entschlammungsleitung. Die Steuerung der Rohrbruchklappe erfolgt von der Warte in Kolbnitz aus.