Laufkraftwerk Krippau

Das VERBUND-Kraftwerk Krippau ist ein Laufkraftwerk an der Enns und nordwestlich von Krippau in der Gemeinde Altenmarkt bei St. Gallen in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Krippau wurde von 1964 bis 1966 erbaut. Da der Bauplatz für ein Krafthaus zu klein war, wurde der Maschinensatz in einer Kaverne im Berg untergebracht. Eine vertikale Kaplan-Turbine erzeugt im jährlichen Durchschnitt bei einem Nenndurchfluss von 120 m³/s etwa 174 GWh Strom.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1965
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Enns
Leistung: 30 MW
Jahreserzeugung: 174.794 MWh
Turbinen: Kaplan
Fischwanderhilfen:                      in Planung 

Weitere Informationen

Der Bau des Ennskraftwerkes Landl fällt in die Endphase eines der bedeutendsten Konflikte im österreichischen Kraftwerksbau. Seit der Zwischenkriegszeit beanspruchten sowohl die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) als auch die Oberösterreichische Kraftwerke AG (OKA), ab 1947 die oberösterreichische Ennskraftwerke AG, eine Sondergesellschaft im Sinne des Zweiten Verstaatlichungsgesetzes, den Ausbau der Wasserkraft an der mittleren Enns. Nachdem 1955 das Werk Hieflau in Betrieb gegangen war, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf den Bereich zwischen Hieflau und Altenmarkt. Die Ennskraftwerke AG propagierte eine große Stufe bei Kastenreith in Oberösterreich mit einem Rückstauraum bis über die Grenze zur Steiermark hinweg, während die STEWEAG unter dem damaligen Leiter der Bauabteilung Hermann Grengg für ein Mehrstufenprojekt mit Anlagen bei Landl, Krippau und Altenmarkt eintrat.

Nachdem das Widerstreitverfahren im März 1963 zugunsten der STEWEAG entschieden wurde, begann man bereits einen Monat darauf mit dem Baubeginn. Da wie in Altenmarkt auch in Krippau der Bauplatz zu klein für ein Krafthaus war, wurde der Maschinensatz in einer Kaverne im Berg untergebracht. Die Kaverne wurde über einen Zufahrtsstollen erschlossen und aus dem standfesten Hauptdolomit ausgebrochen. Das Portal über dem Zufahrtsstollen wurde verstärkt ausgeführt, um später die verlegte Eisen-Bundesstraße darüber führen zu können.

Nach Abschluss der Montage- und Innenausbau-Arbeiten konnte im September 1965 die erstmalige Stromerzeugung und Stromeinspeisung in die 110 kV-Leitung von Eßling nach Krippau erfolgen.
 
Architektur: Fritz Haas

Planung: Planungsabteilung der STEWEAG

Ausführung: ARGE (Allgem. Österr. Baugesellschaft - A. Porr AG und weitere Firmen)
 

Die Krafthauskaverne des Ausleitungskraftwerks Krippau befindet sich nordwestlich von Krippau im engen Tal der Enns. Die Zufahrt erfolgt über eine Abzweigung von der Eisenstraße. Neben der im rechtsufrigen Hang liegenden Kaverne mit Zufahrtsstollen sind auf dem schmalen Landstreifen des Ennsufers das Betriebsgebäude und die Freiluft-Schaltanlage situiert.

Krafthaus-Kaverne:
Die Einfahrt zur Krafthaus-Kaverne liegt südlich des Betriebsgebäudes unterhalb dem Niveau der Eisenstraße, die in diesem Bereich durch eine Sichtbetonmauer gestützt wird. In die Mauer ist das teilweise verglaste Einfahrtstor mit geradem Sturz und einer Fasche aus grob aufgespitztem Sichtbeton eingeschnitten. Nach einem Vorraum beginnt der 60 m lange Zugangsstollen hinter einem stichbogenförmig abgeschlossenen Rahmen aus aufgespitztem Sichtbeton. Der Stollen, dessen lichter Querschnitt 4,20/5,15 m beträgt, ist ähnlich wie jener zur Kraftwerks-Kaverne Frenz des Kraftwerks Altenmarkt ausgestattet. Über einem mit Spaltbeton-Platten verkleideten unteren Bereich ist das unregelmäßig belassene Gewölbe mit Spritzbeton gesichert und wird durch horizontal auf dem Abschluss der Wandverkleidung befestigten Leuchtstoffröhren beleuchtet. Der Stollen mündet in die westliche Längswand der Kaverne, deren Fundierungssohle etwa 14 m unter dem Wasserspiegel der Enns liegt. Ihre lichte Breite beträgt etwa 15 m, ihre Länge etwa 25 m und ihre Höhe etwa 32 m. Von der Einfahrt gelangt man zunächst auf einen Abstellplatz, von dessen Ebene ein Stiegenabgang zum Reglerboden des senkrecht eingebauten Maschinensatzes führt. Auf den glatt verputzten Längsmauern ruht die Kranbahn, über der sich das ebenfalls glatt verputzte Segmentbogen-Gewölbe mit einer lichten Weite von 15 m und einer Stichhöhe von 4,50 m erhebt. Durch die geschlossenen und einfach verputzten Wände entsteht ein Innenraum mit klaren Grenzen. Das Tonnengewölbe ist etwas steiler als jenes der Kaverne Frenz mit korbbogenförmigem Querschnitt ausgebildet und geht ohne Zäsur in die Seitenwände über.

Betriebsgebäude:
Das ebenerdige Betriebsgebäude wird von einem Satteldach abgeschlossen und weist glatt verputzte Außenflächen mit querrechteckigen, dreigeteilten Fensteröffnungen auf. Von der Westseite führt eine einflügelige Tür in das Innere des unterkellerten Gebäudes. Ein erhöhter, ebenfalls mit einem Satteldach versehener Anbau im Norden enthält den Transformator für den Eigenbedarf und eine 10 kV-Schaltanlage. An der östlichen Längsseite wurden nachträglich Räume zugebaut. Im Erdgeschoß befinden sich der Raum der Warte, der Relaisraum, der Telefonraum und eine Werkstatt. Über eine zweiläufige Stiege wird das Kellergeschoß erschlossen, in dem hauptsächlich Lagerräume, sowie der Zugang zum Kabelstollen situiert sind. Durch den Kabelstollen erfolgt der Transport der Energie vom Generator zum Transformator, der mit der anschließenden Freiluft-Schaltanlage vor der nördlichen Stirnwand des Betriebsgebäudes angeordnet ist.

Triebwasserabfuhr:
An das Wasserschloss schließt ein 35 m langer Behälterstollen an, von dem durch eine am Ende situierte Überfallschwelle das Triebwasser durch einen Umlaufstollen zum größten Teil nach der Abarbeitung über den 97 m langen Unterwasserstollen, zum kleineren Teil direkt in die Enns abgeführt werden.

 
Krafthaus-Kaverne:
Der Zugangsstollen zur Kaverne ist wie in Altenmarkt nur in seinem unteren Bereich betoniert und mit Spaltbeton-Platten (MACLIT) verkleidet. Der obere Teil der Ulmen und das Gewölbe sind mit Spritzbeton abgesichert. Zusätzlich musste anschließend an den steil abfallenden Fels in offener Baugrube ein allseitig verstärktes Zufahrtsstollen-Portal errichtet werden. Die Kaverne liegt fast zur Gänze im Hauptdolomit, sodass trotz der tiefen Lage 14 m unter dem Spiegel der Enns kaum Probleme mit der Wasserhaltung auftraten. Der Fels erwies sich beim Ausbruch als leicht nachbrüchig, daher mussten zahlreiche Felsnägel versetzt werden. 

Die Turbinenspirale führte man in Stahl aus. Um das Untergeschoß zu entlasten, wurden die Kräfte der Kranbahn zum Teil bereits oberhalb der Turbinenspirale in das Gebirge abgeleitet. Beidseitig eingebrachte Felsanker in einer Länge von 8 m und 16 m übernehmen einen Teil der Kranbahnlasten und die Sicherung der Kavernenulmen. Das Gewölbe der Kaverne ist mit 50 cm starkem Beton ausgekleidet, die Wände des Maschinenhauses, das durch einen Zwischenraum vom umgebenden Fels getrennt ist, bestehen aus Stahlbeton mit teilweiser Ausmauerung. Wände und Decke sind glatt verputzt und gestrichen, der Fußbodenbelag besteht aus Klinkerplatten.


Betriebsgebäude:
Das aus verputztem Ziegelmauerwerk bestehende Gebäude ist mit Faserzement-Wellplatten gedeckt und besitzt Fenster mit Kunststoff-Rahmen und Isolierverglasung. Die Bodenbeläge bestehen teils aus Terrazzo, teils aus Linoleum und Kunststoff-Platten.

Unterwasserstollen:
Da auch der Unterwasserstollen im Hauptdolomit liegt, mussten nur etwa 40 m des Unterwasserkanals in offener Baugrube mit Wasserhaltung ausgeführt werden.
Turbinen und Generatoren:
Eine vertikal montierte Kaplan-Turbine (Baujahr 1965) von Andritz erzielt bei einem Nenndurchfluss von 120 m³/sec. und einer Fallhöhe von 23,0 m eine Nennleistung von 24.000 kW. Der direkt gekuppelte 27.000 kVA-Drehstrom-Synchrongenerator in Schirmbauweise von Elin besitzt eine Nennspannung von 10,5 kV.

Transformatoren:
Für die Hochspannung der erzeugten Energie von 10,5 kV auf 110 kV verfügt das Hauptkraftwerk über einen 27.000 kVA-Maschinentransformator von Elin. Die Ableitung der Elektrizität erfolgt über eine 110 kV-Leitung zum Umspannwerk Eßling. Für die Eigenbedarfsversorgung besitzt das Werk zwei 250 kVA-Generatoren von Elin (Baujahr 1996). Einer verbindet die 30 kV- mit der 400 V-Spannungsebene, der andere die 10 kV- mit der 400 V-Ebene. 

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran von der Maschinenfabrik Andritz mit Hubwerken zu 90 t und 18 t bestrichen