Pumpspeicherkraftwerk Malta-Hauptstufe

Das Pumpspeicherkraftwerk Malta-Hauptstufe in der Rottau ist das Herzstück der Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck. Die 3-stufige Kraftwerksgruppe wurde 1971 bis 1979 errichtet.

Luftbild vom Kraftwerk Malta-Hauptstufe mit Ausgleichsbecken

Tag der Offenen Tür im Kraftwerk Malta-Hauptstufe am 16.9. 2018

Vor 40 Jahren wurde in der Rottau im Mölltal Österreichs leistungsstärkstes Wasserkraftwerk in Betrieb genommen. Feiern Sie mit uns!
Sonntag, 16. September 2018, von 10 bis 17 Uhr.
Erleben Sie ein Fest für die ganze Familie und die spannende Welt der Wasserkraft.

- Festzelt & Bieranstich
- Kraftwerksführungen
- Kindererlebnisprogramm
- Gewinnspiel

Zur Einladung

Technische Beschreibung

Das Kraftwerk Malta-Hauptstufe mit der Kraftstation Rottau liegt im Mölltal. Vier Maschinensätze mit vertikaler Welle und einer Nennleistung von zusammen 730 MW sind installiert. Zwei Maschinensätze bestehen aus je einer 6-düsigen Pelton-Turbine und einem Generator. Die beiden weiteren Maschinensätze sind zusätzlich mit einer 4-stufigen Speicherpumpe, einem hydraulischen Wandler und anstelle des Generators mit einem Motorgenerator ausgerüstet.

Vorspeicher Galgenbichl

Der Vorspeicher Galgenbichl dient zur Zwischenspeicherung des Wassers aus den Bachbeileitungen und als Ausgleichsbecken bei Turbinenbetrieb in der Kraftstation Galgenbichl. Von hier kann das Wasser in den rund 200 m höher gelegenen Jahresspeicher Kölnbrein gepumpt und gespeichert oder über den Triebwasserweg zur Kraftstation Rottau geleitet und zu Spitzenstrom verarbeitet werden. Den Abschluss des Vorspeichers Galgenbichl bilden zwei Sperrenbauwerke, ein 50 m hoher Kiesschüttdamm mit Asphaltbeton-Oberflächendichtung und eine 15 m hohe Betongewichtsmauer.

Ausgleichsspeicher Gößkar

Der Ausgleichsspeicher Gößkar hat neben der Fassung der Gößbäche die Aufgabe, Fließhöhenverluste zu verringern. Das Sperrenbauwerk für den Ausgleichsspeicher Gößkar bildet die Gößkarsperre, ein 55 m hoher Kiesschüttdamm mit Asphaltbeton-Oberflächendichtung.
Der Speicher ist mit dem Druckstollen des Kraftwerkes Malta-Hauptstufe durch einen 180 m langen Stollen mit einem Durchmesser von 4,0 m verbunden. Das Stauziel beider Speicher liegt bei 1.704 m, der Nutzinhalt beträgt zusammen rund 6,2 Mio. m3.

Ausgleichsbecken Rottau

Die Möll wird im Talboden Rottau an der Wehranlage gestaut und bildet so ein fast 2 km langes Ausgleichsbecken, das durch seine Gestaltung den Eindruck eines natürlichen Sees erweckt. Es dient als Ausgleich für den Turbinenbetrieb der Kraftstation Rottau beziehungsweise als Entnahmebecken für die Speicherpumpen.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1979
Typ:  Pumpspeicherkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Malta
Leistung: 730 MW
Jahreserzeugung: 618.400 MWh
Turbinen: Pelton (4)
Fischwanderhilfen: nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

In den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts entwickelten die Allgemeinen Elektricitätsgesellschaft (AEG) und die Alpen-Elektrowerke AG (AEW) Projekte für Kraftwerke im Bereich der Malta, nach 1945 folgten Planungen der Österreichischen Bundesbahnen. 1952 führte die Österreichische Draukraftwerke AG (ÖDK) wasser- und energiewirtschaftliche Untersuchungen durch und erstellte einen Plan zur Nutzung der Malta und der Gößbäche in einer drei Stufen umfassenden Gruppe von Kraftwerken. Wichtig für die Entwicklung des Projektes war die Dissertation von Erich Magnet "Winterspeicherwerk Inneres Maltatal-Kolbnitz" aus dem Jahr 1956 an der Technischen Hochschule in Graz, die von der Österreichischen Draukraftwerke AG herangezogen wurde.

1964 fand für die Kraftwerke Malta-Oberstufe und Malta-Hauptstufe die Wasserrechtsverhandlung statt, 1965 folgte die wasserrechtliche Bewilligung. Nachdem für das Projektgebiet der Naturschutzcharakter aufgehoben worden war, kam es zu heftigen Protesten, insbesondere vom Österreichischen Naturschutzbund. Die Naturschützer forderten als Alternative zu den Speicherkraftwerken eine Versorgung mit elektrischer Energie aus Atomkraftwerken. Nachdem im März 1971 der Baubeschluss für die Kraftwerksgruppe Malta gefasst wurde, konnte mit den Detailplanungen begonnen werden. 

Eine Vorgabe war, dass die Kraftwerksgruppe Malta neben der Deckung der Bedarfsspitzen jederzeit die Reserveleistung für einen ausfallenden Kernkraftwerksblock übernehmen musste. Der früher als erwartet gefallene Baubeschluss und die neuen Vorgaben stellte die Planungsabteilungen und Bauleitungen vor große Herausforderungen. Außerdem sollte die erste Maschine der Hauptstufe zwei Jahre früher als geplant, bereits am 1. Dezember 1978 in Betrieb gehen. An der Planung der Malta-Hauptstufe arbeiteten unter Anderem Baudirektor Kurt Baustädter, Rudolf Mußnig, Kurt Landl, Heiner Ludescher und Georg Lichtenegger von der Draukraftwerke AG mit. Auch externe Planer wie das Ziviltechnikbüro Ehß wurden engagiert. Die Architektur der Kraftstation stammt von Rudolf Nitsch aus Klagenfurt.

Nach geologischen Untersuchungen wurde 1973 die endgültige Lage der Kraftstation Rottau fixiert. Die Baugrube reichte bis in eine Tiefe von etwa 30 m unter den Talboden und 25 m unter den Grundwasserspiegel. Gegen das Eindringen des Grundwassers mussten daher umfangreiche Sicherungsmaßnahmen getroffen werden. Im Spätherbst 1976 konnte der erste Maschinensatz in der Kraftstation Rottau in Betrieb genommen werden. Zuletzt gingen im Sommer 1978 die Speicherpumpen in Betrieb. Die Leistung mit 730.000 kW entsprach jener, die das Kernkraftwerk Zwentendorf erzeugt hätte.

Zur Ausgestaltung der Kraftstation Rottau wurden bildende Künstler engagiert: Aus dem Jahr 1976 stammen Werke von Giselbert Hoke und Karl Brandstätter. Für die Gestaltung des Hügels, der etwa 300 m südöstlich des Vorbeckens aus dem Aushubmaterial für die Kraftstation entstanden war, schrieb man einen Wettbewerb aus, den der Künstler Milan Krkoska für sich entscheiden konnte. Mit Unterstützung der Österreichischen Draukraftwerke AG und ihres Architekten Horst Brudermann wurde sein künstlerisches Konzept umgesetzt.
 
Architektur der Kraftstation Rottau: Architekturbüro Rudolf Nitsch (Klagenfurt)
Generalplanung durch den Planungsstab der Österreichische Draukraftwerke AG mit Baudirektor Kurt Baustädter, Rudolf Mußnig, Kurt Landl, Heiner Ludescher, Georg Lichtenegger; 

Bauplanung der Bauwerke von Kraftabstieg und Kraftstation Rottau: Zivilingenieurbüro Ehß; Bauplanung für Betriebs- und Bürogebäude Rottau und Triebwasserweg: Zivilingenieurbüro Schnattler; 
Künstler (Kraftstation Rottau): Giselbert Hoke (Scheiben an der Fassade), Karl Brandstätter (Kupferrelief) 
Landschaftsarchitektur: Milan Krkoska

Ausführung: ARGE Soravia, IL-Bau, Universale
 

Die Kraftstation Rottau der Malta-Hauptstufe liegt im Mölltal zwischen den Ortschaften Kolbnitz und Mühldorf. Die Erschließung erfolgt über die Mölltal-Bundesstraße.

Die Anlage besteht aus der Maschinenhalle und einem Betriebsgebäude, das verschiedene Funktionen umfasst. Westlich der Maschinenhalle schließt die Freiluft-Schaltanlage, östlich das Vorbecken mit dem Pumpeneinlauf an.

Der Nord-Süd orientierte, auf einer Fläche von 90/21 m errichtete Baukörper der Maschinenhalle ist das dominierende Element der gesamten Anlage, obwohl seine Höhe von insgesamt 60 m nur etwa zur Hälfte oberhalb des Bodenniveaus sichtbar ist. Die Fassade des flach gedeckten, quaderförmigen Gebäudes ist mit dunkelbraunen Metalltafeln verkleidet und mit schmalen Fensterbändern versehen. An der östlichen Längsfassade wurden drei Scheiben in Emailschmelztechnik von etwa 5 m Durchmesser von Giselbert Hoke gestaltet. Sie thematisieren die Stadt, die Technologie und das Eindringen von Industrieanlagen in die Natur. Die Betonmauern der Sockelzone wurden sichtbar belassen. An ihrer Ostseite teilen sich die beiden Druckrohre in vier Rohrleitungen auf, die zu den einzelnen Maschinensätzen führen.

Die Maschinenhalle wird auf verschiedenen Ebenen erschlossen: Der im südlichen Bereich gelegene Montageplatz mit etwa 300 m² Arbeitsfläche, dessen Fußbodenebene sich auf der Höhe des Geländeniveaus befindet, ist über einen Schienenstrang mit zwei einander gegenüber liegenden Einfahrtstoren an den Längsseiten und über ein Tor an der südlichen Stirnseite erreichbar. Der Luftraum oberhalb des Montageplatzes erstreckt sich über sämtliche Hallengeschoße. In den Untergeschoßen der Maschinenhalle befinden sich die Maschinensätze mit den erforderlichen technischen Einrichtungen. Auf der untersten Ebene sind die Räume für die beiden Speicherpumpen angeordnet, die über Wandler mit den Maschinen 2 und 3 verbunden sind. Auf der Ebene der Generatoren ist - mit Ausnahme des Luftraums über dem Montageplatz - eine durchgehende Decke eingezogen. Auf den Betonpfeilern ruht die Kranbühne, die sich über die gesamte Länge der Halle erstreckt. Entlang der Wände oberhalb des Montageplatzes führt ein Galeriegang von der Maschinenhalle über eine gedeckte Verbindungsbrücke zum Betriebsgebäude.

Das flach gedeckte, zum Teil fünfgeschoßige Betriebsgebäude ist nördlich der Mölltaler Bundesstraße situiert und beherbergt Büros, Werkstätten, Lager und Garagen. Über eine Außentreppe gelangt man von Süden in eine Eingangshalle, von der eine zweiarmige Stiege in die einzelnen Geschoße führt. Das Erdgeschoß enthält einen Speisesaal und ein Besprechungszimmer mit dem Kupferrelief "Die Schöpfung" von Karl Brandstätter. Im zweiten Obergeschoß befindet sich die Zentralwarte, von der aus alle Malta-Speicherkraftwerke überwacht und fernbedient werden.

Etwa 300 m südöstlich des Vorbeckens gestaltete der Künstler Milan Krkoska einen aus Aushubmaterial bestehenden Hügel mit Stiegenanlagen, Sitzgelegenheiten, einen Trinkbrunnen und einer Skulptur.

An der westlichen Längsseite der Maschinenhalle sind die Transformatoren und im Anschluss daran die Freiluft-Schaltanlage vorgelagert.

Abtransport von Triebwasser:

Über vier Ausläufe wird das abgearbeitete Triebwasser in das Vorbecken abgeführt. Umgekehrt werden die Speicherpumpen von einem Pumpenzulauf aus dem Vorbecken mit Wasser versorgt, das aus dem Ausgleichsbecken Rottau zufließt. Das Wasser wird über das Vorbecken und einen Pumpenzulauf zu den höher gelegenen Speichern gepumpt. Dammbalken dienen zum Abschluss des Vorbeckens für Revisionsarbeiten. 

Die Gebäude bestehen aus Stahlbeton-Rahmenkonstruktionen, die überwiegend als Sichtbeton belassen sind. Die Dächer wurden als Warmdach-Konstruktionen ausgeführt, die Decken aus Beton-Fertigteilen hergestellt. Außenwände und Kranbahn der Maschinenhalle bestehen aus Stahlbeton-Rahmen, die Hallendecke aus Fertigteilbindern und Fertigteilplatten. Die Fenster sind als Isolierverglasungen in Eloxalrahmen mit vorgesetzten Jalousien ausgeführt. Die Außenfronten wurden in den Obergeschoßen mit braun eloxierten Metalltafeln versehen, in den Sockelzonen wurde der Ortbeton sichtbar belassen oder mit Waschbetonplatten verkleidet. Die Türen und Portale des Betriebsgebäudes sind in Aluminium, die Tore des Krafthauses und der Werkstätten in Stahl ausgeführt. In der Maschinenhalle und in den Kommunikationsräumen ist der Bodenbelag aus Klinkerplatten ausgeführt. Kunststoffbeläge sind in den Bereichen von elektrotechnischen Anlagen, Textilbeläge in der Warte und im Bereich der Betriebsleitung verlegt. Garagen und andere Nebenräume besitzen einen Beton-Estrich.
 
In der Maschinenhalle des Pumpspeicherkraftwerks befinden sich vier Maschinensätze aus dem Jahr 1976 in vertikaler Anordnung mit je einer sechsdüsigen Pelton-Turbine der Firma Voith mit einer Nennleistung von 182.500 kW und einem 3-Synchron-Generator von Elin-Siemens mit einer Nennleistung von 220.000 kVA. Von den vier Maschinensätzen sind die Maschinen 2 und 3 mit zwei einflutigen, vierstufigen Radial-Speicherpumpen der Firma Voith mit einer Nennleistung von je 145.000 kW verbunden. Das Anfahren und die Kupplung der Pumpen erfolgt durch einen hydraulischen Synchronisierwandler.
Die Kräne wurden von der Firma Künz hergestellt, wobei die beiden Kräne in der Maschinenhalle für je 150 t, der Kran im Pumpengeschoß für 25/3 t Traglast ausgerichtet ist.

Die erzeugte Energie wird in den Hauptumspannern auf 220 kV hochgespannt und in die Freiluft-Schaltanlage neben der Kraftstation eingespeist. Von dort führen Leitungen nach Lienz, zum Kraftwerk Malta Oberstufe (110 kV) und zur Kärntner Elektrizitäts-AG (Kelag).