Laufkraftwerk Mellach

Das VERBUND-Kraftwerk Mellach ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Mellach in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das Laufkraftwerk Mellach wurde von 1982 bis 1985 erbaut und ist gemeinsam mit den thermischen Anlagen im Kraftwerkspark Mellach situiert. Die Anlage beinhaltet zwei Rohrturbinen. Das Wasser des Kühlwasserkanals wird mit einer S-Turbine (Nennleistung 582 kW ) ebenfalls energetisch genutzt. So werden jährlich rund 74 GWh Strom erzeugt. Des Weiteren ist eine Fischaufstiegshilfe in Planung

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1985
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 15,6 MW
Jahreserzeugung: 74.514 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Das Murkraftwerk Mellach muss in Zusammenhang mit dem Kleinkraftwerk Weißenegg und dem Fernheizkraftwerk Mellach gesehen werden, da es als Gesamtkonzept geplant und gebaut wurde und auch Synergieeffekte zwischen Ausnutzung der Wasserkraft in der Murstufe und dem Kleinkraftwerk sowie der Kühlwasserversorgung und -rückleitung des Fernheizkraftwerkes nutzt. Das Ensemble - bestehend aus zwei Krafthäusern und einem Kühlwasser-Pumpenhaus für das Fernheiz-Kraftwerk Mellach - wurde vom selben Architektenteam geplant und wurde bewusst einheitlich gestaltet. Diese Einheitlichkeit, die sich am deutlichsten durch die in den 1980er-Jahren oft verwendeten Rasterfassaden aus Kunststoff-Paneelen in verschiedenen Türkis-Tönen zeigt, wurde durch die Sanierung der Fassadenverkleidungen des Krafthauses in den 1990er-Jahren zerstört. Obwohl die Wasserkraftanlagen zeitgleich mit dem Wärmekraftwerk Mellach errichtet wurden, setzen sich die Bauwerke optisch deutlich von den gewaltigen Kubaturen der beiden benachbarten Wärmekraftwerke ab und demonstrieren eine selbstbewusste Eigenständigkeit. Mit der Kombination von Massivsockel mit Skelett-Oberbau wurde eine Bauweise für Krafthäuser an der Mur gewählt, die bis zum Bau des Kraftwerks Leoben 2006 anhielt.

Die Baugeschichte des Wasserkraftwerks Mellach ist untrennbar mit jener des benachbarten Fernheizkraftwerks Mellach der VERBUND-Austrian Thermal Power GmbH. & Co. KG (ATP) verbunden. Um dieses mit ausreichend Kühlwasser zu versorgen, wurde die Mur oberhalb des Werks aufgestaut. Das Wasser wird in drei parallelen Werken mit identem Stauziel abgearbeitet: der Murstufe als Hauptwerk, dem Kraftwerk am Einlauf zum Kühlwasserkanal des Werks Neudorf-Werndorf und dem Werk am Einlauf des Weißenegger Mühlganges.
Der Baubeschluss für alle drei Werke wurde am 17. Jänner 1981 von der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) gefasst, der Baubeginn erfolgte im April 1982. Die Murstufe wurde in Trockenbauweise in einer umspundeten Baugrube errichtet. Die Dämme im Oberwasser ermöglichten eine Wasserspiegelerhöhung von 7 m, im Unterwasser erfolgte eine Eintiefung der Flußsohle von bis zu 3 m. Der erste Maschinensatz ging im Juli 1985 in Betrieb; mit der Inbetriebnahme der zweiten Turbine im September 1985 konnte die Anlage ihrer Bestimmung übergeben werden. 2004 erfolgte aufgrund von Bauschäden die Sanierung der Fassadenverkleidung und damit einhergehend der Tausch der Paneele.

Architektur: Gerhard Haidvogel, Büro Haidvogel & Andree, Graz

Planung: Planungsabteilung der STEWEAG.

Ausführung: Universale Bau. Unterwasser-Eintiefung: Firma Lehner

 

Das Laufwasserkraftwerk Mellach befindet sich an der Mur zwischen den Gemeinden Neudorf und Werndorf. Es besteht aus drei Kraftwerken in einer Anlage: dem Kraftwerk Murstufe in der Mitte des Flusses mit zwei Maschinensätzen, der Kühlwasserturbine mit einem Maschinensatz im selben Bauwerk, sowie dem Kleinkraftwerk Weißenegg mit einem Maschinensatz. Die Zufahrt kann durch die Betriebsbrücken von beiden Seiten erfolgen. Eingebettet zwischen einer Oberwasserbrücke und einer befahrbaren Unterwasserbrücke mit zwei Fernwärmeleitungen befindet sich die dreifeldrige Wehranlage am Ostufer, an die das Krafthaus, das Betriebsgebäude und die Transformatornische Richtung Westen anschließen. Das Krafthaus des Kleinkraftwerks Weißenegg befindet sich am östlichen Oberwasserufer, von der Wehranlage durch das dazwischen liegende Pumpenhaus des benachbarten Wärmekraftwerks Mellach getrennt.

Krafthaus:
Das 35/14 m große Krafthaus erhebt sich 10 m über rechteckigem Grundriss, ist mit einem Flachdach bedeckt und weist im Bereich der Attika vertikale Kunststoffpaneele auf. Die Belichtung erfolgt unterwasserseitig über sieben Fensterfelder, von denen vier über und drei in den Zwischenräumen unter der Kranbahn angeordnet sind. Oberwasserseitig liegen alle Fenster über der Kranbahn, da hier an der Außenseite des Gebäudes eine zweite, höhere Kranbahn für die einhüftige Rechenreinigungsanlage verläuft. Die Maschinenhalle nimmt unter dem Hallenflur alle drei Turbinen auf, wobei die beiden Rohrturbinen in der südlichen und die S-Turbine in der nördlichen Hälfte des Bauwerks untergebracht sind. Die Zugänge erfolgen über offene Schächte und Treppen, die durch Stahlgeländer vom Raum abgetrennt sind. Die Nordwand des Raumes wird von den Schaltschränken der Anlage dominiert, hinter ihnen verbergen sich Wartungsräume.

Betriebsgebäude:
Das an das Krafthaus anschließende Betriebsgebäude ist ein eingeschoßiger Bau mit begrüntem Flachdach. Die Richtung Süden ausgerichtete Fassade besitzt ein Fensterband, dessen Höhe sich in den beiden östlichen Achsen verdoppelt. Unmittelbar neben der Einfahrt in das Maschinenhaus befindet sich der Eingang in das Objekt. Im Inneren wurden ein Dienstzimmer, die Werkstätte und der Fernwirkraum im Erdgeschoß sowie der Batterie- und Schaltraum im Untergeschoß untergebracht. Die Erschließung erfolg über einen Gang an der Oberwasser-Seite, der durch Oberlichtfenster Tageslicht erhält. Die Treppe ist unter der Oberwasserbrücke eingebaut. Unter dem Betriebsgebäude verläuft ein Leerschuss, der die Wasserversorgung des Kühlwasserkanals bei Revisionsarbeiten der S-Turbine sicherstellt.

Wehranlage:

Die drei jeweils 15 m breiten Wehrfelder schließen am Ostufer das Ensemble ab. Land-, Trenn- und die beiden Wehrpfeiler bilden die Auflager für die beiden Werksbrücken, der Mittelteil wurde zur tiefer liegenden Unterwasserbrücke abgeschrägt.

 

Konstruktiv ist das Maschinenhaus eine Mischform aus Massiv- und Skelettbau. Der Unterbau ist bis zu einer Höhe von 6,5 m im Süden und neun Metern im Norden massiver Ortbeton. Die Gliederung der Oberflächen erfolgt durch vertikale und horizontale Fugen. Die Dachkonstruktion ist als Stahl-Skelett mit biegesteifen Rahmen und dazwischen gespannten Trapezblechen ausgeführt. In den Ecken sorgen Fachwerke für eine zusätzliche Aussteifung. Das Flachdach weist eine Kiesbeschüttung sowie eine Außenentwässerung auf. In den Innenräumen beließ man die Wände als Ortbeton-Oberflächen, lediglich in den technischen Nebenräumen des Maschinenhauses wurden sie geweißt. Beige-braune, rechteckige Keramikfliesen sind in der Maschinenhalle verlegt, in den technischen Nebenräumen wurden Doppelböden mit quadratischen Kunststoffplatten eingebaut, in den Kontrollgängen beließ man den Betonestrich. Die Außentüren sind aus Stahl gefertigt, die Türen der Betriebs- und Büroräume aus Holz. Die Fenster sind Stahlkonstruktionen. 

 

Turbinen und Generatoren Murstufe:
Die zwei Rohrturbinen von Andritz Escher Wyss besitzen eine Nennleistung von je 8.550 kW. Direkt gekuppelt sind die beiden 10.000 kVA-Drehstrom-Generatoren, die eine Nennspannung von 6,3 kV besitzen und 1985 von Elin Union gefertigt wurden.

Kühlwasserturbine:
Die S-Turbine mit einer Nennleistung von 582 kW für den Kühlwasserkanal ist ebenfalls ein Produkt von Andritz, der Generator mit einer Leistung von 800 kVA wurde von Hitzinger montiert. Beide Maschinen werden über ein direkt angekuppeltes Getriebe verbunden.

Transformatoren:
Für die Umspannung der gewonnenen Energie der beiden Mur-Maschinensätze besitzt die Anlage einen 25.000 kVA-Blocktransformator, hergestellt von Elin Union. Er verbindet die 6,3 kV- mit der 110 kV-Spannungsebene. Die Ableitung erfolgt zur Freiluft-Schaltanlage des Dampfkraftwerks Neudorf-Werndorf. Die Energie der Kühlwasserturbine wird mit 400 V in das Eigenbedarfsnetz der Kraftwerke eingespeist.

Wehranlage:
Die drei geschweißten Drucksegmentschütze mit Aufsatzklappen der Wehranlage wurden von Künz geliefert. Sie besitzten eine lichte Weite von 15 m und eine Verschlußhöhe von 7,35 m. Die Segmenthebung erfolgt mittels zweier hydraulischer Zugzylinder, die Senkung der Klappe mit Hilfe eines mittig angeordneten Druckzylinders. Oberhalb der Turbineneinläufe und der Wehranlage wird das erwärmte Kühlwasser des Fernheizkraftwerks Mellach eingeleitet, wodurch in den kalten Wintermonaten eine Vereisung der Anlage verhindert wird.

Hubwerke:
Die Maschinenhalle wird von einem Brückenkran von Künz mit zwei Hubwerken zu 40 t und 10 t Traglast bestrichen. Der Kran zum Versetzen der Dammtafeln am Oberwassereinlauf der Turbinen verfügt über eine Hebeleistung von 2 x 10 t, der Kran für die Unterwassertafeln hebt 2 x 4 t. Beide Kräne wurden von Pühler in Bergneustadt geliefert.

Rechenreinigung:
Die automatische Rechenreinigungsmaschine besitzt eine untere Kranbahn auf der Oberwasserbrücke und eine obere an der Fassade des Maschinenhauses, sie wurde 1985 ebenfalls von Pühler gebaut. Das Treibgut wird mittels einer Putzharke in einen Muldenkipper befördert, der unter dem Putzwagen mitgeführt wird.

 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Mellach Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Mellach Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Mellach Querschnitt Wehr
Querschnitt: Kraftwerk Mellach Wehr