Gas-Kombikraftwerk Mellach

Das VERBUND-Gaskombikraftwerk Mellach ist ein hocheffizientes Wärmekraftwerk und in der Gemeinde Mellach südlich von Graz in der Steiermark gelegen. Es wurde von 2009 bis 2011 durch die VERBUND Thermal Power GmbH & Co KG erbaut.

Information nach Umweltinformationsgesetz (UIG):

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Thermal Power GmbH & Co KG in Liqu.
Betreiber: VERBUND Thermal Power GmbH & Co KG in Liqu.
Inbetriebnahme: 2011
Typ:  Wärmekraft
Region: Österreich, Steiermark
Leistung: 832 MW
   

Weitere Informationen

Das Gaskombikraftwerk Mellach befindet sich am linken Mururfer im südlichen Grazer Becken. Das Kraftwerk besteht aus dem Maschinen- und dem Kesselhaus in einem Gebäudeblock, einer Gasregelstation, einer Schaltanlage und mehreren Gebäuden für die Kühlwasserversorgung (Einlaufbauwerk, Pumpenhaus, Leitungen und Kühltürme am rechten Murufer).

Der 120m lange und 82m lange Hauptbau nimmt im Süden das höhere Kesselhaus und im Norden die Turbinenhalle auf. Bekrönt wird das Kesselhaus durch die beiden symmetrisch angeordneten Kamine, deren obere Hälfte durch die markante Rot-weiß-rot-Färbung als Landmark dienen soll. Während das Kesselhaus nur an der Südseite Fenster aufweist, scheint das Dach des Turbinenhauses durch ein umlaufendes Obergaden-Lichtband zu schweben. Dominant wurden auch die beiden Ansaugbauwerke am Dach ausformuliert, die als Wetterschutz drei Reihen von auskragenden Pultdächern aufweisen. In gestalterischer Hinsicht wurde die Fassade laut Planer in Anlehnung an eine flacher werdende Welle mit hellen und dunklen Fassadenelementen gegliedert.

Weitere Teile der Anlage ist die Gasdruckregelstation südöstlich des Kraftwerks sowie nordwestlich die beiden Block-Transformatoren und die Freiluftschaltanlage. Eine Rohrbrücke über den Weissenegger Mühlkanal verbindet die Anlage mit dem Kühlwasser-Einlaufbauwerk am linken Murufer, das nordwestlich des Kleinkraftwerks Weissenegg und des Kühlwasserpumpenhauses Mellach situiert ist. Über eine weitere Rohrbrücke über die Mur ist das Gaskombikraftwerk Mellach mit dem Kühlturmbauwerk mit 8 Türmen verbunden.

Planung: Verbundplan, VERBUND Thermal Power GmbH. & Co KG
Gesamtprojektleitung: DI Martin Hochfellner
Ausführung: Siemens AG Österreich (GU), ARGE Strabag-Porr

Sowohl Kesselhaus als auch Turbinenhalle sind Stahlskelettbauten mit einer Verkleidung aus verzinkten und kunststoffbeschichteten Stahl-Trapezblechen in den Farben "weißalu" und "graualu". Der untere Teil der Turbinenhalle wurde aus statischen Gründen (Erschütterungen, Hallenkranbahn) aus geschaltem Ortbeton mit Sichtbetonqualität hergestellt. Aus Brandschutzgründen wurden auch alle Treppenhäuser und die Trennwand zwischen Kesselhaus und Maschinenhalle in Stahlbeton ausgeführt.

Das Bauwerk für die Kühlwasserentnahme schließt formal an das benachbarte Verbund-Kraftwerk Weissenegg an und ist ebenfalls ein Sichtbetonbau. Die weiteren Hochbauten sind reine Funktionsbauten mit Sichtbeton-Oberflächen.

Zwei Maschinensätze, bestehend aus jeweils einer Gasturbine und einem nachgeschalteten Dampfkessel mit Dampfturbine erzeugen bei einer Verbrennungstemperatur von bis zu 1.400°C 832 MW elektrische Energie. Dasergibt einen Gesamtwirkungsgrad von 59%. Zusätzlich können über Fernwärmeauskopplung bis zu 400 MW Fernwärme für die Stadt Graz gewonnen werden. Die Gasversorgung des GDK Mellach wird über die "Südschiene" (Gaspipeline) gewährleistet, der Abtransport der gewonnenen elektrischen Energie über die Steiermarkleitung. In der Turbinenhalle stehen für Revisionsarbeiten zwei Hallenkräne von Künz mit den Traglasten 140(370)/20/2t zur Verfügung.

Wenngleich nach Aussage der Planer im "Architekturkonzept zur Umweltverträglichkeitsprüfung" der Versuch unternommen wurde, mit der Ausgestaltung des GDK Mellach an das benachbarte Fernheizkraftwerk Mellach von Architekt Walther Kordon aus der Mitte der 1980er-Jahre anzuschließen, so gelingt der Sprung nicht wirklich überzeugend. Die Kubatur ist schlicht quaderförmig und umschließt rein funktional die Technik im Inneren. Bei den beiden Schloten wird zwar mit einem Schiff-Motiv gespielt, richtig überzeugen können die oben rot-weiß-rot gefassten Rohre jedoch auch nicht.

Auch beim Einlaufbauwerk wird stilistisch das benachbarte Kleinkraftwerk aus den 1980er-Jahren übernommen, jedoch ohne erkennbaren Versuch einer Transformation in die Gegenwart. Die farbliche Gestaltung des Fassaden ist bewusst zurückhaltend ausgefallen, der angedeutete "Blitz" an der Langseite wirkt etwas verloren in den überdimensionierten grauen Fassadenfläche. Zusammenfassend kann das Gaskombikraftwerk Mellach als Funktion mit Hülle gesehen werden, das alleine seinen primären Zweck zu Strom- und Fernwärmeerzeugung dient.