Laufkraftwerk Niklai

Das VERBUND-Kraftwerk Niklai ist ein Laufkraftwerk und in der Gemeinde Feistritz in Kärnten gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Niklai wurde von 1958 bis 1959 erbaut und als Zwischenstufe zu den Kraftwerken Kreuzeck-Jahresspeicher und Kreuzeck-Tagesspeicher errichtet. Das durch Triebwasserführung vom Tagesspeicherwerk Kreuzeck entstehende Gefälle von etwa 57 m zwischen den Bachfassungen von Gnoppnitzbach, Grabach und Niklaibach zum Tagesspeicher Roßwiese wird zur Energiegewinnung genutzt, um den Eigenbedarf der Kraftwerksgruppe Reißeck-Kreuzeck zu decken. Zwei horizontale Francis-Turbinen erzeugen eine durchschnittliche Jahresleistung von 7 GWh Strom. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1960
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Möll
Leistung: 2 MW
Jahreserzeugung: 7.000 MWh
Turbinen: Francis (2)
Fischwanderhilfen:                      nein

Weitere Informationen

Planungsstab der Österreichischen Draukraftwerke AG: Heribert Müller, Herbert Presterl 
Das Zwischenkraftwerk Niklai liegt im Niklaibach-Graben auf einer Höhe von 1.203,20 m. 

Die Kraftstation ist auf einer Fläche von 9,25/19,9 m annähernd in Nord-Süd-Richtung errichtet. Das Gebäude ist mit einem Pultdach bedeckt und zum Teil ins Gelände eingeschüttet. 

Die Maschinenhalle nimmt den größten Teil des Gebäudes ein. Sie erstreckt sich über die gesamte Breite und ist 14,5 m lang. Ein 5 m breiter Trakt mit Nebenräumen ragt im Südwesten etwa 3 m über die Gebäudeflucht vor. Südlich schließt ein 7,3 m langer Anbau an.

Die Westseite der Maschinenhalle wird durch Ihre sich nach unten verjüngenden Ortbetonpfeiler mit Ausfachungen aus Glasbausteinen charakterisiert, wobei die Belichtungsflächen durch die Horizontale der Kranbühne getrennt werden. An der südlichen Stirnseite der Maschinenhalle schließen auf zwei Geschoßen Nebenräume an, die an der Südseite unterhalb der Dachkante durch kleine Fensteröffnungen belichtet werden. Mit Lamellen versehene Lüftungsfelder befinden sich an beiden Stirnseiten. Die Einfahrt in die Maschinenhalle erfolgt durch ein zweiflügeliges Tor an der Westseite.

Die Deckenbalken der Pultdach-Konstruktion sind im Inneren der Maschinenhalle offen sichtbar. Ihr Raum wird durch die Westwand, die großteils in Flächen aus Glasbausteinen aufgelöst ist, mit Tageslicht versorgt. Am Vorsprung der Kranbahn sind außerdem Beleuchtungsröhren angebracht. Die übrigen Wände und die Decke sind hell beschichtet, die Deckenbalken in hellgrün abgesetzt. Die Gehäuse der beiden Maschinensätze sind in blau und rot gehalten. Im anschließenden Trakt befinden sich im Erdgeschoß Räume mit einer 10 kV-Schaltanlage und einem Transformator für den Eigenbedarf. Ein gewendelter Stiegenlauf führt in das Obergeschoß, das gegen die Maschinenhalle durch einen Galeriegang geöffnet ist. Der südliche, spitzwinklig zulaufende Anbau ist durch Fenster unterhalb der Dachkante belichtet und durch ein zweiflügeliges Tor erschlossen. In ihm mündet der Unterwasserkanal in den Niklaistollen. Weiters enthält er das Portal des Niklaistollens mit Einfahrmöglichkeit für Stollenarbeiten und die Mündung der Beileitung von Kaiser- und Litzelhofer Bach in den Niklaistollen.

Südwestlich des Kraftwerks befindet sich unter Bodenniveau ein Energievernichter, der aus einem Ringschieber und einer Toskammer von 3 m Breite und 10,9 m Länge besteht. Auf Bodenniveau wird die Anlage mit einem flachen Zeltdach abgedeckt. Im Ringschieber wird bei Ausfall der Turbinen oder bei Wasserführungen, die über die Ausbauwassermenge des Kraftwerks hinausgehen, der Wasserüberschuss aus der zum Kraftwerk führenden Druckrohrleitung abgeleitet und über einen Energievernichter dem Unterwasserkanal zugeführt.

Triebwasserführung zur Kraftstation:
Das Triebwasser wird mittels Fassungen des Niklaibachs, des Grabachs und des Gnoppnitzbachs gewonnen und durch Druckrohrleitungen zur Kraftstation geführt. 

Abtransport von Triebwasser:
Nach Abarbeitung leitet der Niklaistollen das Wasser zum Tagesspeicher Roßwiese. 
 
Kraftstation:
Die Kraftstation Niklai ist als Ortbeton-Pfeilerkonstruktion mit Ausfachungen hergestellt, die Decke besteht aus Ortbeton-Bindern, die auf den Wandpfeilern ruhen. Die Belichtungsflächen der Maschinenhalle sind aus Glasbausteinen hergestellt, die Außenseite der Ausfachungen wurde mit Steinplatten verkleidet. Das Stahlblech-Tor ist mit einem inneren Scherengitter gesichert. Der Boden der Maschinenhalle ist verfliest. Die Wendeltreppe besitzt einen Mittelholm aus Beton, Betonstufen und ein Metallgeländer mit Rundstäben.

Triebwasserführung:
Der Niklaibach, ein linksufriger Zubringer der Drau, wird auf einer Höhe von 1.259,17 m durch ein Tiroler Wehr gefasst. Das Bauwerk der Niklaibach-Fassung ist aus Ortbeton hergestellt, Das Wasser gelangt von einem Grobrechen in die Schotter-, bzw. Kieskammer, weiter über einen Feinrechen und ein Absperrschütz in die Klärkammer. Die Rechenfelder besitzen eine Länge von je 7,50 m. 

In der Folge werden die Gewässer von Grabach und Gnoppnitz in der Reinkammer zugeleitet. Der Wasserspiegel der Reinwasserkammer entspricht dem Oberwasserspiegel für das Kraftwerk Niklai. Mittels Spülschützen werden Schotter und Sand wieder in den Bach abgegeben. Die maximale Entnahmewassermenge der Niklaibach-Fassung beträgt 2 m³/sec. Anschließend fließt das Wasser in einer 360 m langen, erdverlegten Druckrohrleitung aus Stahl, die maximal 6 m³/sec befördern kann, zum Kraftwerk Niklai.

Unmittelbar vor dem Kraftwerk gabelt sich die Druckrohrleitung in zwei Äste: Der gerade durchlaufende Strang führt über ein Hosenrohr zu den beiden Turbinen, der abzweigende Strang zum Ringschieber des Energievernichters.

Grabach und Gnoppnitzbach werden in einem bergwärts gelegenen Kanal durch die Wasserfassung geleitet. In diesen Kanal mündet die Beileitung der durch die Rohrerbach-Fassung eingezogenen Gewässer. 

Die Rohrerbach-Fassung befindet sich in einem Nebengraben des Niklaigrabens auf einer Höhe von 1.268,13 m und besitzt einen Grundrechen von 1,65 m Breite sowie eine kleine Kieskammer.

Der 4.195 m lange Niklaistollen ist bis zur Einmündung in den Teuchelstollen als Freispiegelstollen ausgeführt, der das abgearbeitete Wasser mit maximal 6,5 m³/sec zum Tagesspeicher Roßwiese leitet.
 
Das Laufkraftwerk Niklai besitzt zwei horizontal eingebaute Maschinensätze mit einer Gesamtleistung von 1.635 kW. Sie sind mit Francis-Turbinen der Firma Voith aus dem Jahr 1958 mit 1.133 und 504 kW Nennleistung und Generatoren der Allgemeinen Elektricitäts-Gesellschaft mit 1.400 und 600 kVA ausgestattet. Der Kran für 8 t Traglast wurde von der Schwechater Maschinenbau J. Wessely im Jahr 1958 hergestellt. Der 10 kV-Transformator spannt den Strom für den Eigenbedarf auf 5,4 kV herunter. Das Turbinen-Ringschiebersystem ermöglicht eine Durchleitung von maximal 6 m³/sec.

Die Maschinen werden vor Ort angefahren, ihre Stillsetzung ist von der Zentralwarte Malta-Reißeck in Kolbnitz möglich.