Laufkraftwerk Obervogau

Das VERBUND-Kraftwerk Obervogau ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Obervogau in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Laufkraftwerk Obervogau wurde von 1974 bis 1977 erbaut. Zwei Kaplan-Rohrturbinen mit einer Nennleistung von je 6.500 kW erzeugen im jährlichen Durchschnitt rund 59 GWh Strom. Die Anlage verfügt über zwei Drehstrom-Synchrongeneratoren und eine 3-feldrige Wehranlage. Des Weiteren ist das Kraftwerk mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1978
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 13 MW
Jahreserzeugung: 59.419,3 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Das Kraftwerk Obervogau ist ein typisches Beispiel für ein seriell hergestelltes Murkraftwerk und das erste von später insgesamt neun Werken aus der Feder des Grazer Architekturbüros Haidvogel - Oratsch - Andree.

Es stellt eine exakte Spiegelung des wenige Jahre später errichteten Werks Spielfeld um die Flussachse dar. Der wuchtige Stahlbetonbau steht im Kontrast zu den in transparenter Skelettbauweise zuvor errichteten Kraftwerken Gabersdorf und Gralla und besticht durch ein einheitlich durchgezogenes Farbkonzept in grau und blau. 

Die Betriebsräume wurden auf das absolute Minimum reduziert, da die Kraftwerke in dieser Zeit bereits nicht mehr für permanente Personalanwesenheit konzipiert wurden. Durch die bewusst eingesetzte Fugenteilung an den Fassaden, die in der Attikazone auskragenden Regenwasser-Sammelkästen sowie die auffällig gestalteten verlängerten Kranbahnen der Rechenreinigungsanlage erhebt das Werk einen gestalterischen Anspruch, der über den reinen Zweckbau hinausgeht.
 
Architektur und Planung: Architekten Haidvogel Oratsch Andree, Graz.

Hydro-Geologie: Heinrich Fessler, Graz. Bautechnik: Winfried Brauner, Graz (STEWEAG). Modellversuche: Helmut Simmler, Technische Versuchsanstalt der Technischen Hochschule Graz.

Ausführung: Universale Bau.
 
Das Murkraftwerk Obervogau liegt im südlichen Leibnitzer Feld am Zusammenfluss von Sulm und Mur. Südwestlich befindet sich das Verbund-Kraftwerk Retznei an der Mündung der Sulm. Erreichbar ist das Werk Obervogau von Kleinwagna aus über eine Dammbegleitstraße. Das Kraftwerk, das sich aus Krafthaus mit unterwasserseitig angeschlossenem Betriebsgebäude am linken und dreifeldriger Wehranlage am rechten Ufer zusammensetzt, staut die Mur bis auf 262 m Stauziel auf, das dem Unterwasserspiegel des Oberliegerkraftwerks Gabersdorf entspricht.

Krafthaus:
Im Gegensatz zum Vorgängerkraftwerk Gabersdorf ist das 28,6/14,3 m große Krafthaus von Obervogau ein sehr geschlossener Massivbau mit nur einem in die Fassade versenktem Obergaden-Fensterband zur Belichtung der Maschinenhalle. Die Oberflächen der Wände sind an den Fassaden nur durch Fugenleisten orthogonal gegliedert. Das Flachdach aus Fertigteilen liegt auf schmalen Stegen über den Fenstern auf und besitzt an den Rändern abgeschrägte Blechverkleidungen. Die Dachentwässerung befindet sich hinter einer dicken Attikaverblendung und tritt nur über auskragende Betonkästen mit darunter anschließenden Regenabfallrohren hervor. Ebenso markant sind die an der Oberwasser-Seite parallel zum Krafthaus auskragenden Kranbahnen der Rechenreinigungsanlage. Der Binder, der auf einem Pfeiler aufliegt, erinnert an ein Tor-Motiv und besitzt am Ende eine hakenförmige Erhöhung als Stopper für den Putzwagen. Die Maschinenhalle wird farblich von den blass-grauen Sichtbeton-Oberflächen im Wand- und Deckenbereich und - als Kontrast - den Türen, Fenstern, dem Brückenkran und den technischen Steuereinrichtungen in kräftigem Blau beherrscht. Im Zentrum des Raums befinden sich zwei blaue Reglerpulte für die beiden Maschinensätze. Über eine Stahltreppe an der westlichen Stirnseite ist die Wehranlage erreichbar.

Wehranlage:
Die drei je 20 m breiten Wehrfelderer werden von 2,4 m starken Wehrpfeilern unterteilt und weisen eine Verschlusshöhe von 6 m auf. Eine Oberwasserbrücke, die die Schienen des Dammtafelkrans enthält, verbindet Krafthaus und Landfeld. Blau lackierte Sprossengeländer und Hydraulikzylinder der Segmentschützen übernehmen das Farbkonzept aus dem Inneren das Krafthauses. Die 1,8 m hohen Aufsatzklappen der drei 4,2 m hohen Drucksegmente sind von der gleichen Bauart wie beim Nachbarkraftwerk Retznei, jedoch grau statt grün gestrichen. 

- Betriebsgebäude:
Das 28,6/6,4 m große, eingeschoßige Betriebsgebäude liegt zwischen Freiluft-Schaltanlage und dem Krafthaus und ist diagonal versetzt zum Hauptbau angeordnet. Die Räumlichkeiten beschränken sich auf eine Werkstätte, einen Fernwirkraum und einen Aufenthalts- und Dienstraum mit angeschlossenen Nassräumen.
 
Das Kraftwerk Obervogau ist ein Stahlbeton-Massivbau, dessen Fundamente auf Tertiär gegründet sind und die zusätzlich mit Ankern gegen Schub im Erdreich verspannt wurden. Alle Wände weisen Sichtbeton-Oberflächen auf, nur in den Büros und Personalräumen wurden sie verputzt. Die Maschinenhalle wurde mit einer Stahlbeton-Plattenbalkendecke versehen, über der sich ein Flachdach mit Bitumendeckung und Kiesbelag befindet. 

Die Entwässerung erfolgt über die Außenseiten zu vier auskragenden Betonkästen, an denen Kunststoff-Fallrohre entlang der Fassaden anschließen. Als Bodenbelag dienen Terrazzo-Fliesen im Stiegenhaus, beige-braune längsrechteckige Keramikfliesen in der Maschinenhalle. Die Werkstätte wurde mit einem Holzstöckelpflaster ausgelegt. Für die Geländer im Innen- und Außenbereich kamen Stahl-Vierkantprofile zur Anwendung. Die Farbe Blau dominiert auch bei den beidseitig beschichteten Holztüren, die teilweise mit Riffelglasfüllungen versehen sind, und bei den blau beschichteten Stahltüren im technischen Bereich. Die Firma Schüco lieferte die Fenster aus blau eloxiertem Aluminium.
 
Turbinen und Generatoren:
Zwei Kaplan-Rohrturbinen von Andritz Escher Wyssn Graz - Zürich, mit einem Laufraddurchmesser von 4,15 m besitzen eine Nennleistung von je 6.500 kW bei einer Nenndrehzahl von 107,1 U/min. Die beiden Drehstrom-Synchrongeneratoren mit vollstatischer Erregung von Elin Union verfügen über eine Nennleistung von 10.000 kVA bei einer Nennspannung von 6,3 kV.

Transformatoren:
Der 20.000 kVA-Maschinentransformator, der wie die Generatoren von Elin Union geliefert wurde, spannt die gewonnene Energie auf 110 kV hoch, bevor sie über eine Einbindung der Leitung zum Umspannwerk Leibnitz der STEWEAG abgeleitet wird.

Wehranlage:
Waagner-Biró produzierte und montierte die stahlwasserbaulichen Einrichtungen der dreifeldrigen Wehranlage. Sie besteht aus geschweißten Drucksegmentschützen mit Aufsatzklappen, deren hydraulische Steuerung über zwei Zugzylinder bei den Segmenten und einem mittigen Druckzylinder bei den Klappen erfolgt.

Hubwerke:
Der Laufkran in der Maschinenhalle wurde von Künz montiert und verfügt über ein umschaltbares Hubwerk mit 35 t und 10 t Traglast.

Rechenreinigungsanlage:
Die vollautomatische Rechenreinigungsanlage, bestehend aus einem Putzwagen mit Putzharke, wurde von der Süddeutschen Winden- und Förderanlagenfabrik (SWF Krantechnik GmbH.) geliefert. Der Putzwagen transportiert das Schwemmgut in einem unter dem Wagen mitgeführten Muldenanhänger.