Speicherkraftwerk Reißeck Tagesspeicher

Das VERBUND-Kraftwerk Reißeck ist ein Speicherkraftwerk und in der Gemeinde Kolbnitz in Kärnten gelegen. Es wurde von 1947 bis 1952 erbaut.

Technische Beschreibung

Auf der Südseite des Reißeckmassivs werden der Rieken-, Zwenberg- und Mühldorfer Bach als Hauptzubringer gefasst und dem Tagesspeicherwerk Reißeck zugeführt. 
Die Nutzung  dieser Gewässer erfolgt durch zwei Maschinensätze mit Pelton-Turbinen mit zusammen 23.200 kW Leistung in der Kraftstation Kolbnitz, entweder direkt im Laufwerksbetrieb oder unter Zwischenschaltung des Tagesspeichers Gondelwiese. Dieser Tagesspeicher ermöglicht mit einer mittleren Rohfallhöhe von 678,5 m und einem Nutzinhalt von rund 41.000 m3 eine Anpassung des Kraftwerkseinsatzes an den Spitzenlastbedarf. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1953
Typ: Speicherkraft
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Möll
Leistung: 23,2 MW
Jahreserzeugung: 53.716 MWh
Turbinen: Pelton (2)
Fischwanderhilfen: nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Um die abfließenden Gewässer des Reißeck-Massivs unterhalb des Seen-Plateaus energietechnisch nutzen zu können, war bereits in den frühen Planungen von Franz Friedrich Wallack in den 1920er-Jahren eine Laufwerkstufe Reißeck vorgesehen. Nachdem sich das Projekt während der Weltwirtschaftskrise und dem Zweiten Weltkrieg maßgeblich verändert hat, übernahm mit der Gründung der Österreichischen Draukraftwerke AG 1947 Wilhelm Steinböck die Projektleitung des vormaligen Kelag-Projektes (Kärntner Elektrizitäts-AG). Er plante die Fassungen von Mühldorfer-, Riecken-, Zwenberger- und Kaponigbach an der nördlichen Talflanke und die Ableitung der Wasser in das Krafthaus Kolbnitz, wo später auch die Machinensätze des Jahresspeicherwerkes Reißeck und des Tagesspeicherwerks Kreuzeck untergebracht werden sollten. Die Beileitung des Kaponigbaches scheiterte letztlich an einem zu langen Zuleitungsweg und der stattdessen vorgenommenen Zuleitung zum Mallnitz-Kraftwerk der Österreichischen Bundesbahnen. Die später als Alternative geplante Beileitung des Gößbaches nördlich des Reißeck-Plateaus war ebenfalls nicht möglich, da dieses Gewässer für das ab 1970 errichtete Kraftwerk Malta-Hauptstufe vorgesehen war.
Der im Kelag-Projekt vorgesehene Tagesspeicher am Nebelkofel oberhalb von Mühldorf konnte aus topografischen Gründen nicht errichtet werden, weshalb man als Ersatz einen Tagesspeicher auf der Gondelwiese westlich davon errichtete.

Die meisten Stollen für die Druck- und Beileitungen wurden in den Jahren 1949 bis 1951 ausgebrochen, lediglich der Zwenbergstollen konnte erst 1957 fertiggestellt werden. Bereits in der Bauzeit wurde der Seeanstichstollen des Großen Mühldorfer Sees ausgebrochen, um den Speicherinhalt in den Mühldorfer Bach abzulassen, wo dieser über die Bachfassung in den Speicher Gondelwiese gelangte. Auf diese Weise war bereits während des Baus des Tagesspeicherwerks Reißeck eine Nutzung des Wassers vom Seenplateau möglich.

Die Fertigstellung der Triebwasserwege und eines Teiles der Bachfassungen erfolgte im Herbst 1950, sodass am 23. November bereits der erste Maschinensatz in Betrieb gehen konnte. Die Errichtung der Mühldorfer Bachfassung und des Freispiegelstollens konnte im Frühjahr 1951 erfolgen. Materialengpässe und Lieferschwierigkeiten in der Nachkriegszeit verzögerten den weiteren Ausbau, sodass die Arbeiten mit der Inbetriebnahme des zweiten Maschinensatzes erst Ende April 1952 abgeschlossen werden konnten.
 
Planung und Bauleitung: Wilhelm Steinböck (ÖDK)

Ausführung: Porr (Krafthaus Kolbnitz)
 
Zum Tagesspeicherwerk Reißeck gehören neben dem Krafthaus in Kolbnitz der Tagesspeicher Gondelwiese, die unterirdische Ringschieberkammer Glockenfleck sowie die Apparatekammer Schütter. Die Pumpstation Hattelberg ermöglicht das Hochpumpen von Wasser aus der Tagesspeicher- in die Jahresspeicheranlage auf dem Reißeck-Plateau.

Nordwestlich des Hattelbergs befinden sich die Fassungen von Zwernberger- und Riekenbach, südöstlich die des Mühldorfer Baches. Von diesem wird das Wasser in den Tagesspeicher Gondelwiese auf 1.288 m Seehöhe eingeleitet, bevor es von dort weiter zum Ringschieber Glockenfleck fließt. In der Apparatekammer Schütter neben der Pumpstation Hattelberg beginnt der Druckstollen, der nach Erreichen des Talbodens horizontal weiter zum Krafthaus in Kolbnitz führt. Im Krafthaus wird das Wasser des Tagesspeichers Reißeck in den zwei Maschinensätzen des zweiten Blocks abgearbeitet.

Der Speicher Gondelwiese - benannt nach dem Besitzer der Almen in der Umgebung - fasst 40.000 m³ und ist ein Tagesspeicherbecken in Betonbauweise mit einer Kronenhöhe von 12,5 m über dem tiefsten Entnahmepunkt. An der Ostseite mündet der Freispiegelstollen vom Mühldorfer Bach in das Becken, an der Nordseite liegt das Entnahmebauwerk mit Einlaufrechen und anschließender Apparatekammer. Er ist über ein Straße von Mühldorf aus erreichbar.

Die Apparatekammer Schütter liegt etwas oberhalb der Pumpstation Hattelberg, die das Werk mit dem Jahresspeicher hydraulisch verbindet. Sie stellt den Beginn der Druckrohrleitung des Tagesspeicherwerks dar und beinhaltet das obere Absperrventil. Der Zugang erfolgt von der Ostseite über einen Vorplatz zur ersten Sektion der Standseilbahn.

Das Tagesspeicherkraftwerk Reißeck kann je nach Wasserverfügbarkeit entweder direkt im Laufbetrieb geführt oder unter Zwischenschaltung des Speichers Gondelwiese als Speicherkraftwerk betrieben werden.
Die Wasserführungen der beiden Tagesspeicher Reißeck und Kreuzeck sind hydraulisch über ein Absperrorgan verbunden, sodass bei Bedarf Wasser vom Speicher Gondelwiese zum Speicher Roßwiese auf der anderen Seite des Mölltales oder umgekehrt verlagert werden. Auch ein anschließendes Pumpen zu den Karseen am Reißeck-Plateau über die Pumpstation Hattelberg ist möglich.
 
Der Tagesspeicher Gondelwiese wurde analog zum Speicher Roßwiese der Kreuzeck-Seite als Betonbecken in Hanglage ausgeführt. Die bergseitige Anschnittsböschung bekam eine Betonplattenverkleidung, die talseitige Beckenwand wurde als aufgelöste Schwergewichtsmauer mit elf Stützpfeilern aus Stahlbeton errichtet.

Mit seinem kiesbeschütteten Flachdach nimmt die Apparatekammer Schütter verglichen mit den anderen Bauwerken des Tagesspeichers Reißeck eine Sonderstellung ein, durch die Natursteinverkleidung der Fassade versuchten die Planer wieder eine Verbindung zu den anderen Hochbauten herzustellen. Der Stahlbetonbau verfügt über eine Eingangstüre aus Holz mit Originalbeschlägen und ein Holzfenster aus der Bauzeit. 
 
Ringschieber Glockenfleck:
Das Pumpenaggregat in der Kaverne des Ringschiebers Glockenfleck ist mit einer 55 kW-Propeller-Tauchmotorpumpe mit einer Nennförderhöhe von 6,0 m und einer variablen Durchflussmenge von 150 bis 450 l/sec. ausgestattet. Hersteller der Pumpe ist die Firma Flow-Serve aus Hamburg. Sie versorgt in Niederwasserzeiten den Speicher Gondelwiese zusätzlich mit Wasser von den Fassungen des Rieken- und des Zwenberger Baches.

Hubwerke:
Im Hauptraum der Apparatekammer Schütter wurde ein Deckenkran mit einem 6 t-Hubwerk eingebaut.