Speicherkraftwerk St. Martin

Das VERBUND-Kraftwerk St. Martin ist ein Speicherkraftwerk und in der Gemeinde St. Martin am Wöllmißberg in der Steiermark gelegen. Es wurde von 1964 bis 1965 erbaut.

Technische Beschreibung 

Das Kavernenkraftwerk St. Martin mit einer Engpassleistung von 9.800 kW wurde 1965 in Betrieb genommen. In der Kraftwerkskaverne befindet sich ein Maschinensatz mit horizontaler Welle, bestehend aus Kaplan-Turbine und Asynchrongenerator.

Jahresspeicher Hierzmann

Der Jahresspeicher Hierzmann wurde von 1947 bis 1950 errichtet und brachte eine wesentliche Verbesserung der Speicherkapazität der Teigitsch-Gruppe. Das Stauziel des Speichers mit einem Nutzinhalt von 7,1 Mio. m3 liegt auf Höhe 708,0 m. Der Speicher wird durch eine 58,6 m hohe Gewölbemauer abgeschlossen, sie ist die höchste ihrer Art in der Steiermark.

Die Triebwasserführung besteht aus dem 985 m langen Druckstollen, dem Wasserschloss und dem 121 m langen gepanzerten Druckschacht. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1965
Typ:  Speicherkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Teigitsch
Leistung:  9,8 MW
Jahreserzeugung: 14.867,6 MWh
Turbinen: Kaplan
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Planungen für den Ausbau der Teigitsch-Werke begannen noch während des Ersten Weltkriegs. Nach der Gründung der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) 1921 wurde ab 1922 das Leitkraftwerk Arnstein errichtet. Als weitere Stufen waren damals noch der Speicher St. Martin, Edelschrott, Kreuzberg, Hirschegg und Modriach geplant. Bereits 1924, also noch während des Baus von Arnstein, begann man mit dem Ausbruch des Triebwasserstollens und der künftigen Schieberkammer im Bereich der geplanten Sperre St. Martin. Der weitere Ausbau wurde jedoch damals zurückgestellt.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg griff die STEWEAG wieder das Projekt auf und reichte die Planunterlagen ein. Zwischen 1947 und 1950 wurde die Sperre Hierzmann errichtet, die vorerst nur der zusätzlichen Speicherfähigkeit für das Kraftwerk Arnstein diente. Das Wasser wurde zu diesem Zweck ungenutzt über den Grundablass in das Teigitsch-Bachbett und weiter in den Speicher Langmann eingeleitet.

Erst mit dem Beschluss zum Bau der Kraftwerks-Kaverne St. Martin im März 1964 kam wieder Bewegung in das Projekt, unmittelbar danach erfolgte der Baubeginn. Die Elin Union lieferte für das Werk den damals größten Asynchron-Generator Österreichs mit einer Leistung von 11.000 kW. Die Bauarbeiten konnten mit der Inbetriebnahme des Werks im Dezember 1965 abgeschlossen werden, wodurch der Ausbau der gesamten Teigitsch-Gruppe abgeschlossen war.

1972 kam es zu einer "Hangexplosion", als nach schweren Regenfällen Schutt und Geröll das Betriebsgebäude, den Bockkran und Teile der Schaltanlage mit dem Transformator schwer beschädigten. Umfangreiche Sanierungs- und Reparaturmaßnahmen waren notwendig, bevor das Werk wieder in Betrieb gehen konnte.

Im Zuge einer Revision wurde 2008 der Stator erneuert.
 

Planung: Planungsabteilung der STEWEAG

Die Kraftwerkskaverne St. Martin liegt am Teigitsch-Stück zwischen dem Hierzmann- und dem Langmann-Stausee. Die Zufahrt erfolgt von Westen vom südlich vorbeiführenden Oberen Teigitschklammweg.

Oberhalb des Geländeniveaus sind nur das Betriebsgebäude und die im Osten anschließende Freiluft-Schaltanlage sichtbar. Die Stelle der unmittelbar westlich des Betriebsgebäudes befindlichen Krafthaus-Kaverne ist durch die Montageöffnung mit dem darüber situierten Bockkran erkennbar.

Krafthaus-Kaverne:
Die Erschließung der Krafthaus-Kaverne erfolgt durch Aufzug oder Wendeltreppe im Betriebsgebäude, wobei anschließend ein Gang nach Westen zur Kaverne führt, in dem sich auch die Kabeltrassen befinden. Über einen offenen, von einem Segmentbogen abgeschlossenen und mit Konglomeratplatten eingefassten Durchgang gelangt man in den Raum der Kaverne. Die Kaverne ist auf kreisförmigem Grundriss mit einem Durchmesser von 14,80 m errichtet und über der Fußboden-Oberkante 13,25 m hoch. 

Die Zylinderflächen der Wände bestehen aus überschlämmtem, horizontal geschaltem Beton. Eine rundum laufende Konsole für den Rundlaufkran ist in Sichtbeton belassen und wirkt als horizontales Gesimse, darüber trägt eine zurückspringende Mauer die leicht gewölbte, strahlenförmig geschalte Decke. Der rechteckige Einschnitt des Montageschachtes befindet sich im östlichen Bereich der Decke. Für den Rundlaufkran baute man einen erhöhten Steuerstand in Form eines kleinen Balkons ein, in dessen Brüstungsverkleidung eine Uhr integriert ist. 

Schmale, hohe Beleuchtungskörper sind unterhalb der Kranbahn-Konsole angeordnet und von Faschen aus Konglomeratgestein umgeben. Im Nordwesten, über der Einmündung des Druckschachtes, wurden drei Beleuchtungskörper zu einer Gruppe zusammengefasst. Turbine und Generator des horizontal eingebauten Maschinensatzes ragen hoch über dem Fußbodenniveau der Kaverne auf. der Turbinenauslauf liegt südwestlich unter dem Fußbodenniveau.

Betriebsgebäude: 
Das Betriebsgebäude besteht aus zwei leicht in der Höhe gestaffelten, zweigeschoßigen, glatt verputzten und mit Satteldach abgeschlossenen Trakten. Die Öffnungen werden von Faschen aus Konglomerat-Steinen mit gestockten Flächen gerahmt, wobei die Fenster im Erdgeschoß durch Eisengitter gesichert sind. An der westlichen, zur Zufahrt gewendeten Stirnseite ist im Erdgeschoß die Eingangstür und ein hochrechteckiges Fenster, im Obergeschoß sind zentral drei kleine, annähernd quadratische Fensteröffnungen angeordnet. An der südlichen Längsseite belichten in beiden Geschoßen hochrechteckige Fensteröffnungen das Innere. 

Die Eingangstür im Westen führt zu einem zweihüftigen Trakt, der beidseits des Ganges die Personalräume, den Batterieraum, die Werkstatt und Lagerräume erschließt. Eine gewendelte Stiege führt ins Obergeschoß. Vom Mittelgang wird auch der Lift und die Wendeltreppe zur Krafthauskaverne erschlossen.
Der höhere Trakt schließt im Osten an und enthält die Transformatoren, Schaltanlage und die Abspannungs-Vorrichtungen. An seiner Südwand ist ein Balkon mit darüber angeordneten Abspannungen situiert. In der östlichen, geschlossenen Stirnwand waren zwei querrechteckige Nischen ursprünglich für die Abspannung von Freileitungen bestimmt.

Triebwasserweg.
Das Krafthaus St. Martin wird vom Jahresspeicher Hierzmann und vom Fernspeicher Pack mit Triebwasser versorgt. Das abgearbeitete Triebwasser fließt durch einen 195 m langen Unterwasser-Stollen zum Speicher Langmann.
 

Krafthaus-Kaverne:
Die Kaverne wurde 27 m unter dem Straßenniveau ausgebrochen. Der kreisförmiger Grundriss der Kaverne ermöglicht es, den Gebirgsdruck besser aufzufangen.
Ein Stichgang mit verputzten Wänden, Spritzbetondecke und Klinkerboden führt zur Krafthauskaverne, die als frei betonierter Körper im Felsen steht und von diesem durch einen schmalen Zwischenraum getrennt ist. Die Kaverne ist zur Gänze aus Stahlbeton hergestellt, deren innere Raumhülle geschlämmt wurde. Die Umrahmungen der Beleuchtungskörper und des Eingangs bestehen aus Konglomeratgestein, der Fußboden wurde mit Klinkerplatten belegt.

Betriebsgebäude:
Über der Unterkonstruktion aus Stahlbeton erhebt sich verputztes und gestrichenes Ziegelmauerwerk. Die Dachdeckung besteht aus Faserzement-Schindeln, die Fenster besitzen Holzrahmen und Doppelverglasung, auch die Eingangstüre wurde als Holzkonstruktion ausgeführt. Der Gang ist mit einem Fliesenbelag ausgestattet, ins Obergeschoß führt eine Holzstiege, ins Untergeschoß eine eiserne Wendeltreppe.

Turbinen und Generatoren:
Im Krafthaus wurde 1965 vom Hersteller J. M. Voith aus St. Pölten eine Kaplan-Turbine mit liegender Welle und einer Nennleistung von 11.050 kW eingebaut. 16 Leitschaufeln lenken das Triebwasser auf 7 Laufschaufeln des im Durchmesser 1,49 m großen Laufrades und verarbeiten so maximal 16,5 m³/sec. Der seitlich anschließende 12.500 kVA-Drehstrom-Asynchrongenerator von der Elin Union verfügt über eine Nennspannung von 6,3 kV. Er war zur Zeit seiner Errichtung der größte Asynchrongenerator Österreichs.

Transformatoren:
Die gewonnene Energie wird über einen 12.500 kVA-Maschinentransformator, geliefert 1965 von der Elin Union, von 6,3 kV auf 110 kV hochgespannt und über eine 110 kV-Leitung nach Arnstein abgeleitet. Parallel betreibt die STEWEAG in der Schaltanlage einen eigenen 110/20 kV-Trafo, um die Energie auch alternativ ins 20 kV-Regionalnetz einspeisen zu können.

EB-Trafos:
Den Eigenbedarf von 400 V decken zwei 100 kVA-Transformatoren von ELIN, die Energie von der 20 kV- sowie von der 6 kV-Ebene beziehen können.

Hubwerke:
Ein Brückenkran der Maschinenfabrik Andritz aus Graz bestreicht die runde Krafthauskaverne. Er wurde mit Hubwerken zu 20 t und 5 t ausgestattet und kann über eine kreisförmige Kranbahn achsial gedreht werden. Über der Montageöffnung neben dem Betriebsgebäude wurde ebenfalls von Andritz 1965 ein verschiebbarer Bockkran mit Hubwerken zu 20 t und 5 t und einer Spannweite von 6 m montiert. Zur vertikalen Erschließung der Krafthauskaverne dient ein Personenaufzug von A. Freissler/OTIS, der 1965 eingebaut und 1992 erneuert wurde. Er fasst sechs Personen oder 500 kg Traglast.
 

Querschnitt:

VERBUND-Kraftwerk Sankt Martin Querschnitt Krafthaus
Kraftwerk St. Martin: Querschnitt Krafthaus
VERBUND-Kraftwerk Sankt Martin Querschnitt Sperre Hirzmann
Kraftwerk St. Martin: Querschnitt Sperre Hierzmann