Laufkraftwerk Talbach

Das VERBUND-Kraftwerk Talbach ist ein Laufkraftwerk am Talbach (Bereich Enns) und in der Gemeinde Schladming in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Talbach wurde ab 1897 erbaut. Bereits 1903 musste wegen des großen Strombedarfs die Leistung auf 59 kW erhöht werden. 1925/26 wurde eine neue Francis-Turbine mit 90 kW eingebaut und der Generator von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt. Diese Turbine ist noch heute in Betrieb und erhielt 2007 im Rahmen einer Winterrevision ein neues Laufrad. Das Kraftwerk erzeugt jährlich rund 3 GWh Strom. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1897
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Talbach
Leistung: 0,5 MW
Jahreserzeugung: 3.386,5 MWh
Turbinen: Francis (3)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die erste öffentliche Stromversorgung der Gemeinde Schladming ging am 17. August 1897 in Betrieb, versorgt durch das neu errichtete Kraftwerk des "Elektrizitätswerks Schladming, Kofler u. Gföller" am Unterlauf des Talbaches. Betreiber und Eigentümer war der Kupferschmied und Hammerwerksbesitzer Ferdinand Kofler, unterstützt durch den Landwirt und Elektrotechniker Mathias Gföller.

Die Finanzierung musste Kofler selbst sicherstellen, da die Banken damals einem "derart gewagten Unternehmen" keine Kredite gewähren wollten. Die Erstausstattung bestand aus der Wehranlage, dem Triebwasserstollen, dem Wasserschloss mit dem Schieberhaus neben dem Rohrmooser Schlößl und einem ebenerdigen Krafthaus mit einem nördlich angebauten zweigeschoßigen Wohntrakt am linken Talbachufer. Im Erstausbau existierte lediglich ein Maschinensatz mit 48 kW.

Bereits 1903 musste wegen des großen Strombedarfs die Leistung auf 59 kW erhöht werden. 1925/26 wurde von der Firma J.M. Voith eine neue Francis-Turbine mit 90 kW eingebaut und der Generator von Gleichstrom auf Wechselstrom umgestellt. Diese Turbine ist noch heute als Maschine 2 in Betrieb und erhielt 2006/07 im Rahmen einer Winterrevision ein neues Laufrad.

Größere Umbauten fanden 1931 statt, als ebenfalls von Voith ein zweiter Maschinensatz (heute: Maschine 3) eingebaut wurde. Diese Leistungserhöhung machte auch die Versorgung der Ramsau mit elektrischem Strom möglich. Mit dem Bau der 30 kV-Leitung durch das obere Ennstal im Jahr 1940 erfolgte erstmals ein Anschluss an das öffentliche Netz der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitätsgesellschaft (STEWEAG). 1947 konnte durch den Einbau eines dritten Maschinensatzes die Leistung des Werks auf 309 kW gesteigert werden. Aus dieser Erweiterungsphase stammt vermutlich auch das heutige Aussehen des Krafthauses.

Eine Stollenerweiterung wurde 1953 vorgenommen, wodurch sich durch den erhöhten Wassereinzug die Gesamtleistung auf 460 kW erhöhen ließ. Im Oktober 1970 übernahm die STEWEAG die "Elektrizitätswerk Schladming, Kofler & Gföller OHG", nachdem eine eigenständige Versorgung der Kunden nicht mehr gewährleistet war. Dadurch ging das Kraftwerk Talbach sowie das an das Werk angeschlossene Versorgungsgebiet an die STEWEAG, die das Gebiet über den neu errichteten 110 kV-Stützpunkt in Haus im Ennstal in ihr Netz integrierte. 1999 wurde das gesamte Kraftwerk automatisiert und seitdem über die Zentralwarte Steiermark in Pernegg ferngesteuert.

Anhang
Die STEWEAG plante gegen Ende der 1940er-Jahre den Bau von zwei neuen Speicherkraftwerken: Triebenbach und Talbach. Das Talbachwerk war als Zweistufenwerk vorgesehen, bestehend aus einer Oberstufe mit der Erweiterung des Riesachsees zu einem Speicher (Stauziel 1.385 m) und einem Krafthaus neben dem Oberlauf des Untertalbaches (EPL 20 MW, RAV 17 GWh) sowie einer Unterstufe mit einem Speicher Tetter im Bereich des Untertalbaches (Stauziel 1.040 m), drei Beileitungen und einem Krafthaus östlich von Schladming (EPL 30 MW, RAV 52 GWh). Dieses Projekt mit einer Gesamtfallhöhe von 655 m kam aber nie über das Planungsstadium hinaus.
 
Das Kraftwerk Talbach befindet sich am südlichen Rand von Schladming am linken Ufer des Talbachs. Zum Kraftwerk Talbach gelangt man nach Durchquerung des Ortskernes von Schladming, die Zufahrt erfolgt über eine Holzbrücke.

Die Anlage besteht aus dem Wehr, dem Wasserschloss und dem Krafthaus, an das ein Umspann-Bereich und ein Wohntrakt angebaut sind. Zum Ensemble gehört auch das Umspannwerk Talbach, das direkt an den Wohntrakt anschließt.

Krafthaus
Das Krafthaus ist auf einer Fläche von 13,4/11,5 m auf rechteckigem Grundriss errichtet und wendet sich mit seiner Hauptfassade gegen Nordosten. Das 12,3 m hohe, mit einem traufständigen, einseitig abgewalmten Satteldach bedeckte Krafthaus wird an der Nordost-Fassade über einem Sockelgeschoß mit drei schmalen, querrechteckigen Fensteröffnungen fast über die gesamte Fläche in ein querrechteckiges Fensterfeld aufgelöst: Betonstreben teilen die Öffnung in sechs Felder, von denen jedes wiederum durch Sprossenteilung gegliedert ist.

An der Nordseite führt ein Stiegenaufgang zu einem zweiflügeligen, mit einem Segmentbogen abgeschlossenen Tor, durch das man den Maschinenraum betritt. Fenster und Tür sind mit aufgeputzten Faschen umrahmt, während die Mauerflächen glatt verputzt wurden. Der Maschinenraum erstreckt sich über die gesamte Länge des Krafthauses und ist 6 m breit. Seine Wände und die flache Decke sind glatt verputzt und weiß gestrichen. Die drei Maschinensätze ruhen auf niedrigen Betonsockeln. Über jedem Maschinensatz ist an der Decke ein Stahlträger mit einem Hubwerk angeordnet. An der westlichen Stirnwand befindet sich eine Galerie, die man über eine kurze Stiege erreicht. Ein kleiner Einbau mit Fenster zum Maschinenraum diente als Arbeitsraum für den Maschinisten. An der südlichen Längsseite sind hinter einer Brüstung die Steuerschränke angeordnet.

Umspanntrakt
Der südöstlich an den Maschinenraum anschließende, 5,5 m breite Aufbau ist etwa 15 m hoch, und wird von einem giebelständigen Satteldach bedeckt. Zwei querrechteckige Öffnungen unterhalb des holzverschalten Giebels dienten ursprünglich zur Abspannung der Stromleitungen. Im Erdgeschoß sind drei Transformatoren untergebracht, die von zweiflügeligen Toren von der Südseite aus zugänglich sind. Ein weiterer Aufbau, der über einer hochrechteckigen Fensteröffnung eine querrechteckige Öffnung für Abspannungen enthält, wird von einem Satteldach mit flacherer Neigung gedeckt.

Wohngebäude
An die nördliche Längswand des Krafthauses schließt der Bau mit der Wohnung des Maschinenmeisters an, die jedoch heute als solche nicht mehr genutzt wird. Seine glatt verputzte Fassade springt gegen den Krafthaustrakt zurück und weist auf zwei Geschoßen je zwei mit Läden versehene Fenster auf. Unter dem giebelständigen Satteldach befindet sich eine lunettenförmige Dachluke.

Umspannwerk Talbach
An die Nordseite des Wohngebäudes wurde nachträglich das Umspannwerk Talbach angebaut, das wiederum aus zwei glatt verputzten Trakten besteht, von dem der unmittelbar anschließende in der gleichen Fassadenflucht zum Wohntrakt des Kraftwerks liegt und ein Flachdach mit erhöhten Stirnwänden aufweist, während der nördliche Bauteil vorspringt und ein traufständiges Satteldach besitzt.

Triebwasser-Weg
Etwa 150 m südlich des Krafthauses liegt die Wehranlage mit zwei Grundschützen und einem Einlaufschütz am linken Ufer des Talbachs. Der Zugang zu den Schützen erfolgt über eine Holzbrücke, die den Talbach auf Höhe der Wehranlage quert.

Das Wasserschloss wurde als Holzbau auf einer Anhöhe unmittelbar südlich des Krafthauses auf rechteckigem Grundriss mit Satteldach errichtet. Vom Wasserschloss gelangt das Triebwasser über zwei Rohrleitungen in das Krafthaus, wobei eine Rohrleitung an dessen Westseite einmündet, während sich die zweite vor der Südseite des Krafthauses gabelt und von dort aus zwei Leitungen in das Krafthaus führen.

Der Talbach wird in diesem Abschnitt mehrfach zur Energiegewinnung genutzt: Südlich des Kraftwerks Talbach liegt eine Schmiede, deren Hammer vermutlich vom Talbach betrieben wurde. Einige Meter weiter südlich entnehmen zwei kleine Privatkraftwerke Wasser aus dem Talbach.
 
Krafthaus
Das Krafthaus ist als Eisenbeton-Gerüst mit Ziegelausfachung ausgeführt. Die mit Blechbahnen gedeckten Dächer werden mittels Saumrinnen und Abfallrohren entwässert. Das Eingangstor zum Maschinenraum ist als Holzrahmenkonstruktion mit Füllungen aus Glastafeln ausgeführt, die Fensterfelder des Maschinenraumes bestehen aus Holzrahmen mit Einfach-Strukturverglasung zwischen einem Gerüst aus Betonträgern. Als Bodenbelag kamen im Maschinenraum quadratische, rote Fliesen zum Einsatz, die Geländer der Galerie bestehen aus Eisenrohren. Beim Wohntrakt wurden die Fenster erneuert und sind nunmehr als einflügelige Holzrahmenkonstruktionen mit Einfachverglasung ausgeführt, ihre Holzläden sind mit Jalousiebrettchen ausgestattet.

Wehranlage
Das Fundament besteht aus einer Eisenbetonplatte, die auf Eisenpiloten ruht. Der Wehrpfeiler aus Eisenbeton wurde mit Holzbrettern verschalt. Die Plattform am linken Bachufer ist auf Eisenpiloten fundiert und mit Holzbrettern belegt. Als tragendes Gerüst der Brücke dienen zwei Rundhölzer, der Übergang besitzt einen Bretterbelag und ein Geländer aus Holzpfosten und Latten.

Wasserschloss
Das Wasserschloss ist als Holzriegelbau mit Holzverschalung und Dachdeckung aus Blechbahnen ausgeführt. Die Fenster besitzen Holzrahmen und Einfachverglasung.
 
Turbinen und Generatoren
Drei Francis-Turbinen von J. M. Voith sind über eine horizontale Welle mit Drehstrom-Synchrongeneratoren von Hitzinger gekuppelt. Maschine 1 besitzt eine Turbine Baujahr 1947 mit einer Durchflussmenge von 800 l/sec. Der 1998 erneuerte Generator verfügt über eine Nennleistung von 315 kVA bei 1.000 Umdrehungen pro Minute. Die Turbine von Maschine 2 besitzt einen Nenndurchfluss von 640 l/sec. und wurde 1926 gebaut, das Laufrad 2006 erneuert. Der 180 kVA-Generator wurde 1999 erneuert. Maschine 3 weist eine Turbine Baujahr 1931 mit 680 l/sec. Nenndurchfluss auf, deren Laufrad 2007 erneuert wurde. Der Generator mit 160 kVA Nennleistung wurde 2000 montiert. Gemeinsam mit dem Tausch der Generatoren wurden auch die Turbinenregler und -steuerungen auf heutigen technischen Stand gebracht.

Transformatoren
Ein Maschinentransformator von ELIN, Baujahr 1972, spannt die gewonnene Energie von 400 V auf 6,3 kV um.

Wehranlage
Im Einlaufbereich der Wehranlage ermöglichen zwei Grundschütze und ein Einlaufschütz die Steuerung des Wasserstromes. Die Hebung und Senkung der Tafeln erfolgt ferngesteuert über Elektromotoren.

Hubwerke
Über den Maschinensätzen befinden sich an der Decke drei Schienen mit Laufkatzen, die eine maximale Traglast von 3 t aufweisen. In diese kann ein 2 t-Elektrozug von Black Bear eingehängt werden.

Rechenreinigung
Im Schieberhaus befinden sich der Einlaufrechen mit einer Rechen-Reinigungsanlage, bestehend aus zwei Putzharken mit Zahnstangen und Elektroantrieb. Diese Anlage ist über Lichtwellenleiter fernsteuerbar.