Laufkraftwerk Ternberg

Das VERBUND-Kraftwerk Ternberg ist ein Laufkraftwerk an der Enns und in der Gemeinde Ternberg in Oberösterreich gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Ternberg wurde zwischen 1939 und 1949 erbaut. In den Jahren 1978 bis 1980 wurden umfangreiche Sanierungs- und Modernisierungsarbeiten an der Wehranlage, den Generatoren und Turbinen vorgenommen. Heute erzeugen zwei Kaplan-Turbinen mit vertikaler Welle bei einer Ausbaufallhöhe von 14,4 m jährlich rund 170 GWh Strom. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: Ennskraftwerke AG
Betreiber: Ennskraftwerke AG
Inbetriebnahme: 1949
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Oberösterreich
Gewässer: Enns
Leistung: 40,4 MW
Jahreserzeugung: 169.700 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Planungsgeschichte für das Ennskraftwerk Ternberg reicht in die 1920er-Jahre zurück. 1926 wurde von den Ingenieuren Schachermayer & Sing ein Entwurf im Auftrag der Oberösterreichischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (OWEAG) erstellt, der im November 1929 die wasserrechtliche Bewilligung erhielt. Nach einigen Umplanungen, die sich primär auf die Stauzielerhöhung bezogen, wurde das neue Projekt im November 1933 bewilligt.

Als Stromabnehmer war die Bundeshauptstadt Wien vorgesehen. Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich 1938 stieg mit den Planungen für die Hütte Linz der Reichswerke Hermann Göring auch der Bedarf an elektrischer Energie in der Region. Das ursprüngliche Ternberg-Konzept wurden adaptiert, die Lage des Kraftwerks nach Probebohrungen um 100 m flussabwärts verlegt, da dort ein fester Baugrund zu erwarten war. Eine Verzögerung verursachten Konflikte mit den Flößern an der Enns, die auf ihre angestammten Rechte nicht verzichten wollten.

Im Herbst 1939 begannen die Vorarbeiten unter der Allgemeinen Hoch- und Ing. Bau A. G. Düsseldorf. Der Baugrund wurde aufgeschlossen, Baracken errichtet und ein Anschlussgleis verlegt. Mit den eigentlichen Bauarbeiten wurde am 10. Oktober 1941 begonnen. Die Planungen sahen zwei Baugruben vor: Baugrube I für das Krafthaus und das linke Wehrfeld, Baugrube II für die beiden rechten Wehrfelder. Nach dem Abschotten der Baugrube I begannen die Aushubarbeiten für die Fundamente.

Im Spätsommer 1943 waren die tiefbaulichen Arbeiten soweit abgeschlossen, dass im Herbst die Enns durch das linke Wehrfeld geleitet werden konnte. Unmittelbar darauf folgten das Ausheben der Baugrube II und die Errichtung der beiden übrigen Wehrfelder. Der Bau des mittleren Wehrfeldes wurde forciert, sodass im Spätsommer 1944 die Enns auch über dieses Wehrfeld geleitet werden konnte. Die Fertigstellung des dritten Wehrfelds dauerte noch bis nach 1945 an. Der für den Bau benötigte Kies wurde aus einem Schotterfeld neben der Baugrube gewonnen, der Zementbedarf wurde von den Werken Kirchdorf, Hatschek und Brünn-Königsfeld gedeckt. Für die Arbeiten wurden Zivilarbeiter, aber auch KZ-Häftlinge des Konzentrationslagers Mauthausen, das in Ternberg ein Arbeiterlager für 1.200 Personen übernahm und ab 15. Mai 1942 als Außenlager Ternberg betrieb, rekrutiert.

Nach einer kurzfristigen Einstellung des Baus begannen im August 1945 erneut die Arbeiten. Im Juli 1946 erfolgte die Anlieferung der Notverschlüsse, und im November begann man mit der Montage der Turbinen. Ende 1947 beantragen die neu gegründete Ennskraftwerke AG (EKW) die Verstaatlichung des Kraftwerks Ternberg, das sich zu diesem Zeitpunkt im Eigentum der VÖEST befand. Dem Antrag wurde am 1. Jänner 1948 stattgegeben, der Bund erklärte sich bereit, die VÖEST als Rechtsnachfolger der Reichswerke Hermann Göring zu entschädigen.

Am 1. Juli übernahm die EKW formell die Bauleitung von der VÖEST, die praktische Übernahme der Bau- und Betriebsführung dauerte bis zum 6. Juli 1950 an. Im Dezember 1948 erfolgte ein Probestau, der erste Vollstau mit Kote 330 m wurde am 1. März 1949 verzeichnet. Mit der Maschine II ging am 16. März 1949 der erste Maschinensatz in Betrieb, Maschine I wurde am 16. November 1950 angedreht. 1978 erfolgte die Sanierung der Wehranlage sowie die Erneuerung des Laufrads von Maschine I. Anfang 1979 wurde ein Laufrad-Flügeltausch bei Maschine I vorgenommen, im Herbst tauschte man das Laufrad von Maschine II und revidierte die Stahl-wasserbaulichen Teile der Wehranlage. 1980 wurden mit dem Generatortausch von Maschine I die maschinentechnischen Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Zwei Jahre später folgte eine Neueindeckung des Krafthausdaches.

Werkskolonie
In der Endphase des Kraftwerksbaus wurden in einer Werkskolonie zwei Doppelhäuser, ein Achtfamilienhaus, vier Einzelwohnhäuser und ein Betriebsleiter-Wohnhaus errichtet.
 
Architektur: Karl Mayrandl, Garsten. Planung: Prof. Ludin, Berlin und Dr. Grassberger, Abteilungsleiter der Reichswerke Hermann Göring.
Ausführung: bis 1945 Deutsche Bergwerke und Hüttenbau GmbH. als Generalunternehmer (Tochterunternehmen der Reichswerke Hermann Göring); Allgemeine Hoch- und Ing. Bau A. G. Düsseldorf, Niederlassung Wien; A. Porr & Co., Wien. Ausführung ab 1945: Eduard Ast & Co., Graz.
 
Das Ennskraftwerk Ternberg liegt am "Ternberger Schwall", dem Ennsdurchbruch in den nördlichen Kalkalpen, an der Stelle des "Ternberger Schwalls". Im Bereich des Kraftwerks liegt am rechten Ufer die Ortschaft Ternberg. Das Kraftwerk wird von der am linken Ufer entlang führenden Trattenbachstraße erschlossen.

Das senkrecht zum Flusslauf situierte Kraftwerk besteht aus einem am linken Flussufer anliegenden Krafthaus und der anschließenden, bis zum rechten Ufer reichenden Wehranlage. Flussabwärts ist am linken Ufer eine Freiluft-Schaltanlage situiert.

Krafthaus (Maschinenhaus)
Das Krafthaus ist auf einer Fläche von 47,0/26,50 m errichtet und umfasst den oberwasserseitigen, 16,75 m hohen Maschinenhaustrakt und den unterwasserseitigen, 17,10 m hohen Schalthaustrakt. Sein Flachdach liegt auf Höhe der Wehrbrücke und trägt in deren Fortsetzung die Kranschienen für den Wehrkran sowie die Fahrbahn der Verbindungsstraße.

Zur Verkleidung der Außenmauern verwendete man Betonformsteine. Die Oberwasser-Seite, die 7,50 m über der Oberwasser-Plattform aufragt, ist als Hauptfassade ausgebildet: Große, hochrechteckige Fenster belichten in dichter Reihung das Innere des dahinter angeordneten Maschinensaals. Über den Fenstern bildet eine Schar auskragender Betonformsteine eine Architravzone, die von einem Gesims aus abgeschrägten Betonformsteinen abgeschlossen wird. Nachträglich wurden Wandlaternen mit halbrunder Blechhaube nach jeder zweiten Fensteröffnungen angebracht und flankieren auch das zweiflügelige Eingangstor an der Stirnseite des Krafthauses.

Das Eingangstor führt auf die Galerieebene des 40,80 m langen, 11,00 m breiten und 15,70 m hohen Maschinensaals, der bis zur Galerie im Tiefbau des Krafthauses versenkt liegt. Auf der Galerie befinden sich die Schienen des Hallenkrans und der Zugang zum Hauptstiegenhaus. In die glatt verputzten Wände sind unterhalb der Galerie an der Oberwasser-Seite schmale, hochrechteckige Beleuchtungskörper eingelassen, oberhalb der Kranbahn erhellen die großen Fenster das Innere. An der Längsseite zum Unterwasser tragen Betonpfeiler den in Längsrichtung des Maschinensaals verlaufenden Unterzug der holzverschalten Decke, in der ein Montagedeckel ausgespart ist. Dahinter erschließt ein Galeriegang die Nebenräume und den Schalthaustrakt. Der Fußboden ist mit schwarzen und weißen Terrazzoplatten im Schachbrettmuster belegt. Die halbrunden Generatorengehäuse der zwei vertikal eingebauten Maschinensätze sind an die unterwasserseitige Wand angebaut, der Unterbau des Krafthauses enthält die Spiralen und Saugrohre der Turbinen. Zwei Stiegenhäuser sorgen für die vertikale Erschließung der Räume. Die Unterwasser-Ansicht des Krafthauses ist einfach gestaltet und weist auf drei mit Betonformsteinen verkleideten Geschoßen hochrechteckige, kleinformatige Fensteröffnungen auf, die im Zwischengeschoß, das den Kabelboden aufnimmt, lediglich die Größe von Schießscharten besitzen. Im Erdgeschoß sind Räume für technische Hilfseinrichtungen und die 6 kV-Anlage untergebracht, im Obergeschoß befinden sich über dem Kabelboden Personalräume, eine Werkstätte und die Warte. Der Raum der Warte ist über den Schaltmosaiken mit einem abstrakten Gemälde ausgestattet, das mit "Lenzenweger 86" signiert ist.

Wehr
Die drei Felder der Wehranlage besitzen eine lichte Weite von je 16 m und eine Höhe von 17,5 m. Ein 6 m hoher Staubalken trennt die oberen, 7 m hohen Klappenschütze von den 4,5 m hohen Grundschützen. Die Pfeiler sind an ihrem oberen Ende 23 m lang und mit hohen, halbrunden Pfeilerendungen im Oberwasser, an der Unterwasser-Seite stumpf mit kurzen, halbrund geschlossenen Pfeilerfüßen ausgestattet. Ihre zur Gänze mit Werksteinen verkleideten Mauern sind in den Seitenwangen geschlossen und werden nach oben hin mit einer Gesimskehle abgeschlossen. Die Windwerksräume erhalten Licht durch Fensterbänder und werden von sehr flach geneigten Zeltdächern bedeckt.

Kraftwerksbrücke
Die Kraftwerksbrücke trägt eine Straße und die Kranschienen. Der Hohlraum der unterwasserseitigen Kranschiene ist als Bedienungsgang zur Verbindung der einzelnen Windwerksräume ausgebildet. Die Kranträger zeigen eine Oberfläche aus aufgespitztem Sichtbeton.

Betriebsgebäude
Das am linken Ufer oberwasserseitig errichtete Betriebsgebäude ist ebenerdig, flach bedeckt und besitzt eine glatt verputzte Fassade mit quadratischen, einflügeligen Fenstern.

Am linken Ufer befindet sich ein Fischpass. Die ehemalige Werkskolonie am rechten Ufer besteht aus drei Doppelhäusern, vier Einzelhäusern und einem Haus mit vier Wohnungen. Der 7,8 km lange Rückstauraum reicht bis zum Unterwasserauslauf des Kraftwerks Losenstein.
 
Im Untergrund traf man auf weichen, für die Kraftwerksgründung ungeeigneten Mergel. Die Anordnung der Bauwerke mit dem gegenüber der Wehrachse nach der Oberwasser-Seite vorgezogenem Maschinenhaus ist darin begründet, dass man die Bauten auf die schräg gegen die Flussrichtung verlaufende, etwa 50 m breite Rippe aus festem Fels setzen musste. Unterwasserseitig wurde am linken Ufer im Anschluss an den Turbinenauslauf ein Gipsstock angefahren. In diesem Bereich wurde die Gründung zum Teil erst nach der Inbetriebnahme des Werks 1949/50 auf vier Stahlbetonkästen ausgeführt.

Krafthaus
Der Stahlbetonbau des Krafthaus-Unterbaus wurde mitsamt den Turbinen-Einläufen als einziger Baublock ohne Dehnungsfuge hergestellt. Als erstes stellte man in der Landseite parallel zur Flussrichtung einen Streifen des Betonkörpers in Schlitzbauweise bis zur Gründungssohle her. Gleichzeitig entstand flussseitig ein Baukörper aus der linken Wehrflanke und dem Trennsporn zwischen Wehr- und Turbinenauslauf, der mit Fangdämmen ober- und unterwasserseitig an das linke Ufer angeschlossen wurde. Im Schutz dieser beiden Baukörper stellte man den Hauptteil des Kraftwerk-Unterbaues her. Die Arbeitsfugen wurden mit Steckeisen bewehrt und miteinander verbunden.

Der Tiefbau ist aus Stahlbeton ausgeführt, die Umfassungsmauern des Hochbaus sind aus Klinkerziegel-Mauerwerk, die Innenmauern aus Ziegeln hergestellt, während die unterwasserseitige Mauer des Maschinensaals und die Galeriepfeiler sowie die Stiegenhäuser und die Decken aus Stahlbeton bestehen. Für das Flachdach des Krafthauses kam ein Aufbeton mit Presskiesauflage zur Anwendung, die Holz-Eisenkonstruktion des Montagedeckels wurde mit Blech abgedeckt. Die Außenverkleidung der Mauern stellte man aus Betonformsteinen her, das Gesimse an der Oberwasser-Seite besteht ebenfalls aus Betonformsteinen, jenes an der Unterwasser-Seite aus Stahlbeton. Die Umrahmungen der Fassadenöffnungen sind mit Granit-Werksteinen ausgeführt. Die Innenräume des Krafthauses sind verputzt und gestrichen. Die Maschinenhalle war ursprünglich mit Doppelfenstern aus Weichholz ausgestattet, die durch Aluminiumrahmen mit Isolierverglasung und Kippflügeln ersetzt wurden. Der Fußbodenbelag besteht aus Terrazzoplatten.

Wehr
Die Wehranlage wurde durchgehend aus Stahlbeton hergestellt, die Wehrpfeiler sind mit Granitsteinen verkleidet, die Windwerkshäuser sind Stahlskelettkonstruktionen.

Kraftwerksbrücke
Die Fahrbahn des Portalkranes besteht als Stahlbetonträgern, die unterwasserseitige Bahn führte man als Stahlbeton-Kastenkonstruktion aus.
 
Turbinen und Generatoren
Zwei Kaplan-Turbinen mit vertikaler Welle, 1948 (M2) und 1950 (M1) von J.M. Voith in St. Pölten eingebaut, erzielen bei einer Ausbaufallhöhe von 14,4 m und einem Durchfluss von 120 m³/sec. eine maximale Leistung von 20.200 kW. Die direkt gekuppelten 22.000 kVA-Drehstrom-Synchrongeneratoren von Elin weisen eine Nennspannung von 6,3 kV auf. Zur Notstromversorgung des Werks steht ein 132 PS-Notstrom-Dieselaggregat von der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (M.A.N.), gekuppelt mit einem 125 kVA-Generator von Elin bereit.

Transformatoren
Für die Hochspannung der erzeugten Energie von 6,3 kV auf 110 kV verfügt das Kraftwerk über zwei 24.000 kVA-Maschinentransformatoren von Elin, die 1996 gegen die Vorgängermodelle von der AEG getauscht wurden. Die Ableitung der Elektrizität erfolgt über eine 110 kV-Leitung zur Schaltanlage des Unterlieger-Kraftwerks Rosenau. Den Eigenbedarf des Werks sichern zwei 315 kVA-Transformatoren von Brown Boveri Cie., die den Strom von einer 6 kV-Sammelschiene beziehen.

Wehranlage
Alle drei Wehrfelder sind mit je einem Grundrollschütz mit 4,5 m Höhe, einem 6 m hohen Staubalken sowie einem 7,2 m hohen Oberrollschütz mit Klappe ausgestattet. Sie wurden von der Dortmunder Union-Brückenbau montiert und sind über zwei Kettenwindwerke mit elektrischer Welle steuerbar. Für Revisionszwecke besitzt das Werk 10 Wehrdammbalken, 4 Turbineneinlauf- und zwei Turbinen-Auslaufdammtafeln. Die Turbinendammbalken sind nur für jeweils eine Turbine verfügbar und werden mit dem Portalkran versetzt.

Hubwerke
Die Maschinenhalle wird von einem Portalkran mit einem 90 t-Haupthub umschaltbar auf 45 t und einem 10 t-Hilfshub bestrichen. Der Kran wurde 1944 von der Mohr und Federhaff AG aus Mannheim geliefert. Für Montagen an der Wehranlage steht ein Portalkran mit Hubwerken zu 35 t, 19 t und 5 t von der Simmering-Graz-Pauker AG (SGP) zur Verfügung. In den 1990er-Jahren wurde er von der Firma Kone umgebaut. Abus lieferte einen 500 kg-Elektrozug für den Sumpfpumpenschacht im Untergeschoß.

Rechenreinigung
Ein Putzwagen mit Putzharke und Schlepprechen wurde von J. M. Voith aus Heidenheim montiert. Das Putzgut wird in eine Spülrinne abgeworfen und über das Unterwasser des linken Wehrfelds entsorgt.