Laufkraftwerk Triebenbach

Das VERBUND-Kraftwerk Triebenbach ist ein Laufkraftwerk am Triebenbach und am westlichen Rand von Trieben im Paltental in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Laufkraftwerk Triebenbach wurde zwischen 1993 und 1995 errichtet. Das Kraftwerksgelände wurde um etwa drei Meter angehoben, im Ober- und Unterwasserbereich der Wehranlage waren umfangreiche Ufersicherungen nötig. Eine vertikal eingebaute, sechsdüsige Pelton-Turbine mit direkt gekoppeltem Drehstrom-Synchrongenerator erzeugt jährlich rund 43 GWh Strom. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1995
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Triebenbach
Leistung: 9,9 MW
Jahreserzeugung: 42.500 MWh
Turbinen: Pelton
Fischwanderhilfen:                      nein

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Die Errichtung des Kraftwerks Triebenbach bei Trieben geht auf eine Kooperation der Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) mit der Veitsch-Radex AG (VRAG) zurück. Als Betreiberfirma wurde die Triebenbach Kraftwerk-GmbH. gegründet, die Finanzierung stellte die Immorent Kraftwerkserrichtungs-GmbH. sicher. Für die architektonische Gestaltung des Kraftwerksgebäudes zeichnet der Grazer Architekt Hubert Rieß verantwortlich, die Projektleitung, Gesamtplanung und örtliche Bauaufsicht oblag dem Zivilingenieurbüro Dr. H. Krauss aus Graz.

Nach der Planungsphase begann im März 1993 die Einrichtung der Baustelle, gefolgt von den Aushubarbeiten für das Fundament. Ab August 1994 folgte die Montage der Druckrohrleitung sowie der Unterwasserleitung, die beide erdverlegt ausgeführt wurden. Insgesamt waren für das Bauvorhaben 73.000 m³ Erdbewegungen nötig, und 14.000 t Beton sowie 324 t Stahl wurden verbaut. Im Zuge der Neugestaltung der Sunkbach-Einmündung mussten drei Brücken neu errichtet werden. Das Gelände wurde um etwa drei Meter angehoben, im Ober- und Unterwasserbereich der Wehranlage waren umfangreiche Ufersicherungen nötig. Die Inbetriebnahme des einzigen Maschinensatzes des Kraftwerks wurde im März 1995 verzeichnet.

Am 30. Juli 2002 ging die Betreiberfirma Triebenbach Kraftwerk GmbH. von der STEWEAG in das Eigentum der VERBUND-Austrian Hydro Power AG über. Die Automatisierung der Anlage sowie die Einbindung in die Leittechnik der Werksgruppe Steiermark erforderten 2004 die Aufstellung eines Containers auf der Wehranlage zur Unterbringung der Steuereinrichtungen. Der Anschluss an das öffentliche Trinkwassernetz erfolgte im Jahr 2006.

Anhang
Die STEWEAG plante gegen Ende der 1940er-Jahre den Bau von zwei neuen Speicherkraftwerken: Triebenbach und Talbach. Das Triebenbachwerk war als Zweistufenwerk vorgesehen: eine Oberstufe bestehend aus einem Speicher bei Hohentauern (Stauziel 1.226 m), zwei Beileitungen und einem Krafthaus neben dem Gut Brodjäger (EPL 18 MW, RAV 16 GWh) sowie eine Unterstufe mit einem Kleinspeicher Triebenbach (Stauziel 1.020 m) und einem Krafthaus südlich der Gemeinde Au bei Trieben (EPL 27 MW, RAV 41 GWh). Dieses Projekt mit einer Gesamtfallhöhe von 524 m kam aber nie über das Planungsstadium hinaus.
 
Architektur: Hubert Rieß, Graz.
Planung und Statik: Zivilingenieurbüro Dr. H. Krauss, Graz. Geologie: Wolfgang Demmer, Korneuburg. Statisch-konstr. Prüfung der Druckrohrstatik: Prof. Greiner, TU Graz.
Ausführung: Krafthaus, Wasserfassung, Druckrohrleitung: Tiefbau GmbH., Bruck/Mur. Druckstollen: Arge Mayreder - Hinteregger, Salzburg. Stahlwasserbau: Urbas Maschinenfabrik GmbH., Völkermarkt.
 
Das Krafthaus des Ausleitungskraftwerks Triebenbach liegt am westlichen Rand der Ortschaft Trieben im Paltental. Der Triebenbach, der zusammen mit dem Sunkbach das Wasser für das Kraftwerk liefert, mündet nordwestlich von Trieben in die Palten, die wiederum in die Enns fließt. Von der Schoberpass-Bundesstraße führt eine Zufahrt zum unmittelbar nördlich des Straßenlaufs gelegenen Krafthaus.

Das Krafthaus ist insgesamt 21,50 m lang und 11 m breit. Es besteht aus dem etwa 12 m hohen, auf nahezu quadratischer Grundfläche errichteten Trakt des Maschinenhauses und einem nördlich anschließenden, niedrigeren Betriebstrakt auf rechteckigem Grundriss. Im Norden sind vor dem Betriebstrakt die Transformatoren aufgestellt.

Maschinenhaus
Das Maschinenhaus besitzt glatte Sichtbeton-Oberflächen, die Abdrücke der vertikal angeordneten Schalungstafeln und einige tiefere, horizontale Fugen beleben die Fläche. Die Südseite ist fast zur Gänze in eine durchgehende Glasfläche mit querrechteckiger Felderteilung aufgelöst, und das nach Süden ansteigende Pultdach ist über die Glasfassade als Vordach vor die Mauerflucht gezogen. An den Seitenmauern belichten schmale, der Schräge der Dachneigung folgende Fensterbänder unterhalb der Traufe das Innere.

In das Maschinenhauses gelangt man von Westen über ein vierteiliges Falttor mit integrierter Gehtür. Der Maschinenraum wird beherrscht vom zylindrischen, hoch aufragenden Gehäuse des Generators, das sich im Zentrum des Raumes befindet. Eine leicht vor die glatten Innenwände vorkragende Betonkonsole trägt die Kranbahn. Über ihr stützen schmälere Wände die offene Dachkonstruktion aus Betonbindern, auf denen Stahlsparren und die Blechtafeln der Dachdeckung ruhen. Im südöstlichen Teil des Raumes ist durch eine Ausnehmung im Boden das Untergeschoß mit dem Kugelhahn der Druckrohrleitung sichtbar. Es wird von einem Stiegenabgang erschlossen und enthält auch den Einlauf der Druckrohrleitung, die Turbine und den Beginn des Unterwasserkanals.

Betriebstrakt
Der Annex des Betriebstraktes ist ebenfalls von einem Pultdach gedeckt, jedoch ist sein Äußeres mit Trapezblechen verkleidet. Schmale, vertikale Fensterschlitze an den Schmalseiten versorgen die Innenräume mit Tageslicht. Der Bau enthält im Erdgeschoß die Räume der Warte und der Mittelspannungs-Anlage, wobei der Wartenraum zur Maschinenhalle mittels eines großen Glasfeldes geöffnet ist. Eine Wendeltreppe in der nordöstlichen Ecke des Maschinenraumes führt zu einem Galeriegang, von dem aus die Räume im Obergeschoß des Betriebstraktes - ein Batterieraum sowie Personalräume - erschlossen werden. Großformatige, querrechteckige Glasfelder verbinden den Betriebstrakt mit dem Maschinenraum.

Bachfassung und Triebwasserweg
Die 160 m nach Mündung des Sunkbachs in den Triebenbach errichtete Wasserfassung besteht aus einer festen Wehrkrone, einem Einlaufbauwerk, zwei Entsanderkammern, einer breiten Schussrinne mit Spülkanalkammer und einem Hochwasserüberfall zwischen Schussrinne und Entsanderkammern sowie dem Stolleneinlauf. Am nördlichen Ende der Entsanderkammern ist ein Behälter angeordnet, in dem das von der Rechen-Reinigungsmaschine geborgene Schwemmgut gesammelt wird. Anschließend befindet sich der Raum für die betrieblichen Einrichtungen und hydraulischen Aggregate, der in den Baukörper der Bachfassung integriert, mit einem begehbaren Flachdach bedeckt und über einen Stiegenabgang erreichbar ist. Weitere Steuereinrichtungen befinden sich in einem Häuschen mit Satteldachabschluss, das nachträglich auf der Mittelmauer zwischen den Entsanderkammern errichtet wurde.

Im Zuge der Arbeiten hob man das Gelände bei der Sunkbach-Einmündung durchschnittlich um 3 m an, außerdem sicherte man die Ufer im Ober- und Unterwasserbereich und errichtete drei neue Brücken.

Der im rechten Winkel linksufrig von der Bachfassung zunächst nach Westen abzweigende Triebwasserstollen verläuft über eine Länge von 2.726 m nach Norden zum Stollenportal mit der Klappenkammer. Von dort führt eine eingeerdete, etwa 740 m lange Druckrohrleitung zum Krafthaus.

Nach Abarbeitung im Krafthaus wird das Triebwasser durch einen 107 m langen, 1 m unterhalb des Geländeniveaus verlaufenden Unterwasserkanal und ein Rückgabe-Bauwerk in den Triebenbach zurück geleitet.

Genutzt wird das Gefälle zwischen 929,0 und 700,5 m Seehöhe am Boden des Paltentales mit dynamischer Regelung der Pflichtwasser-Abgabe.
 
Insgesamt wurden für die Errichtung des Kraftwerks 14.000 m³ Beton und 324 t Bewehrungsstahl verarbeitet, es waren Erdbewegungen im Umfang von 73.000 m³ erforderlich.

Krafthaus
Unterkonstruktion und aufgehendes Mauerwerk sind aus Stahlbeton hergestellt, der an den Oberflächen des Maschinenhauses schalrein belassen wurde. In den Räumen des Betriebstraktes ist der Beton weiß gestrichen. Die Dachkonstruktion des Maschinenhauses besteht aus Betonbindern mit Stahlsparren, die Deckung erfolgte mit Blechtafeln. Tore und Türen sind aus Stahlblech hergestellt, auch die Fensterfelder besitzen Stahlrahmen mit Isolierverglasungen. Im Maschinenraum wurde die Oberfläche des Betonbodens fein geschliffen, Montageöffnungen sind mit Stahlblechen abgedeckt. Die Wendeltreppe ist aus Stahl hergestellt, ebenso der Stiegenabgang zum Untergeschoß, wobei die Stufen jeweils aus Stahlblechen und die Geländer aus Stahlrohren gefertigt wurden. In den Nebenräumen wurde der Betonboden entweder geschliffen oder mit Linoleum-Fliesen belegt.

Bachfassung
Die Konstruktionen wurden aus Stahlbeton hergestellt, die Wehrkrone und die Schussrinne sind mit Blech verkleidet. Die Wartungsgänge sind mit Stahlgitterböden und Stahlrohrgeländern ausgestattet.

Triebwasserstollen
Der Stollen weist eine Betonschale auf, die Sicherung während des Fräsvortriebes erfolgte nach Regelprofilen, die den sieben Gebirgsgüteklassen angepasst wurden. In den Portalbereichen erfolgte eine Dichtung mit Folien. Die Druckrohrleitung ist aus Stahlrohren hergestellt, die mit Zementmörtel ausgekleidet wurden, ein 25 cm starker Mantelbeton umgibt die Rohre, die mit geankerten Festpunkten in der Erde verlegt wurden.
 
Turbinen und Generatoren
Eine vertikal eingebaute, sechsdüsige Pelton-Turbine von Andritz, Baujahr 1994, liefert eine Maximalleistung von 11.900 kW. Der Durchmesser des Laufrades weist 1,42 m, der Nenndurchfluss 6 m³/sec. auf. Unmittelbar vor dem Düsenkranz befindet sich ein Kugelhahn-Notverschluss der Firma Erhard. Der direkt gekuppelte 14.700 kVA-Drehstrom-Synchrongenerator von der Elin Union besitzt eine Nennspannung von 6,3 kV.

Transformatoren
Die erzeugte Energie wird über einen 16.000 kVA-Blocktransformator, der von der ELIN Union 1994 geliefert wurde, auf 30 kV hochgespannt und über ein Erdkabel zum Umspannwerk Schwarzenbach sowie zur Verbindungsleitung nach Trieben abgeleitet. Neben dem Blocktrafo verfügt die Anlage noch über einen 250 kVA-Eigenbedarfs-Transformator zur Umspannung von 30 kV auf 400 V, hergestellt von der Elin Union im Jahr 1994.

Wehranlage
Das Wasser des Triebenbaches wird knapp unterhalb der Sunkbachmündung linksufrig ausgeleitet und über zwei Einlaufschütze gefolgt von Beruhigungsrechen in zwei Entsanderkammern zugeleitet. Nach dem Feinrechen, unter dem sich das als Drucksegement ausgeführte Spülschütz befindet, gelangt das Triebwasser durch zwei Stolleneinlaufschütze in den um 90° verschwenkten Druckstollen. Eine von der Behörde vorgeschriebene Dotierwassermenge für den Triebenbach variiert je nach Zufluss zwischen 130 und 200 l/sec. Die gesamten stahlwasserbaulichen Einrichtungen wurden von der Urbas Maschinenfabrik GmbH. in Völkermarkt geliefert.

Hubwerke
Einziges Hubwerk der Anlage ist der 1993 von der Firma Abus hergestellte Brückenkran mit Hubwerken zu 40 t und 3,2 t.

Rechenreinigung
Zur Reinigung der beiden Feinrechen bei der Wasserfassung wurden von der Urbas Maschinenfabrik GmbH. zwei hydraulisch betriebene Putzharken montiert, die das Treibgut in eine hinter dem Rechen befindlichen Spülrinne befördern. Diese wird bei Bedarf in den seitlich vorbei führenden Triebenbach entleert.