Laufkraftwerk Vordernberg

Das VERBUND-Kraftwerk Vordernberg ist ein Laufkraftwerk am Vordernbergbach (Bereich Mur) und am nördlichen Rand der Ortschaft Vordernberg in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das Laufkraftwerk Vordernberg wurde zwischen 1986 und 1987 errichtet. Die zweidüsige Pelton-Turbine mit horizontaler Welle und einer Nennleistung von 500 kW ist mit einem Drehstrom-Synchrongenerator mit einer Nennleistung von 550 kVA gekuppelt und erzeugt jährlich rund 2 GWh Strom.


Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik:

Bereits 1907 nahm das erste Elektrizitätswerk Vordernberg mit einer Nennleistung von 70 kW den Betrieb auf. Drei Jahre später übernahm Ludwig Krempl, der 1904/05 ein Mur-Kraftwerk in Leoben errichtet hatte, das Werk und ersetzte 1925 den alten Maschinensatz durch eine Francis-Turbine der Firma Voith und einen 44 kW-Generator von Elin. Nach der Stillegung des Werks Mitte der Achtzigerjahre wurden die Maschinen zum Kernstück von "Krempl¿s Energiemuseum" in Vordernberg.

Der Neubau des Kraftwerks wurde 1986/87 von den in Leoben ansässigen Elektrizitätswerken Ludwig Krempl¿s Erben OHG nach Plänen des Ziviltechnikbüros Hermann Krauß aus Graz errichtet. Die Planungsphase erstreckte sich bis Ende April 1986 und vom 4. bis 6. August 1987 konnte man bereits die Turbine in Betrieb setzen. Zur Zeit der Inbetriebnahme war jedoch die Wasserführung unzureichend und es gab Leistungsreklamationen, sodass von den Eigentümern Leistungs- und Wirkungsgrad-Messungen veranlasst wurden. 1997/98 übernahm die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) das Werk. 2001/02 wurde das Kraftwerk Vordernberg als Teil der STEWEAG-Kraftwerke in die Verbund-Austrian Hydro Power AG eingegliedert.

Planung durch das Ziviltechnikerbüro Hermann Krauß, Graz

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Das Kraftwerk Vordernberg befindet sich am nördlichen Rand der Ortschaft Vordernberg und am westlichen Ufer des Vordernberger Baches, der von Norden kommend bei Leoben in die Mur mündet. Die Zufahrt erfolgt von der unmittelbar westlich entlang führenden Eisenstraße.

Krafthaus
Das in einen Südhang eingebaute Krafthaus ist über einer Grundfläche von 7,5/6 m errichtet, etwa 5 m hoch und besitzt ein begrüntes Flachdach. Der Hang ist um den Kraftwerkseingang durch Stützmauern gesichert. An der südlichen, als glatte Sichtbetonmauer belassenen Stirnseite befindet sich das zweiflügelige Eingangstor mit verglasten Oberlichten und ein darüber zentral angeordnetes Rundfenster.

Der Maschinenraum ist von glatt verputzten und gestrichenen Mauern begrenzt, Konsolen tragen die Kranbahn. Unmittelbar oberhalb des Kranes schließt die flache Decke den Raum nach oben ab. Außer dem Rundfenster über dem Eingang erfolgt die Beleuchtung mittels Leuchtstoff-Balken, die an der Wand montiert wurden. Fast der gesamte Innenraum wird vom Maschinensatz mit der Pelton-Turbine und dem Generator beansprucht, wobei die Druckrohrleitungen hoch in den Raum aufragen. Außerdem sind an der östlichen Längswand die Schränke mit den Steuerungseinrichtungen aufgestellt.

Der südlich des Krafthauses verlaufende Unterwasserkanal ist mit einem Dammtafelverschluss ausgestattet und mündet kurz nach Verlassen des Krafthauses in den Vordernberger Bach.

Wehr
Etwa 2 km nördlich ist das zugehörige Wehr Vordernberg gelegen. Zur Versorgung des Kraftwerks werden Gewässer aus dem Kräutlhausgraben und aus dem Kölbergraben beigeleitet.

Das Wehr Vordernberg ist als Tiroler Wehr mit 6,5 m breitem Wehrfeld, Grobrechen, Überfall, Grundablass und Tosbecken zwischen Wangenmauern ausgebildet. Ein über rechteckigem Grundriss errichtetes Schützenhaus befindet sich am linken Bachufer unterhalb des Wehres. Der Bau besitzt glatte, weiß gestrichene, schalreine Ortbetonmauern und ist mit einem Pultdach gedeckt. An der Südseite wird er durch eine schmale, querrechteckige Fensteröffnung mit senkrechter Teilung belichtet, ins Innere führt eine einflügelige Tür an der Westseite. Im Inneren sind die Betonmauern sichtbar belassen, ebenso die Holzbalken mit der Vollschalung der Dachkonstruktion. Das Schützenhaus enthält einen Feinrechen und den Wehrverschluss.

Um die Druckrohrleitung, die das Triebwasser zum Krafthaus führt, zu entleeren, kann das Wasser durch einen Seitenauslass in das alte Bachbett geleitet werden.

Krafthaus
Unterkonstruktion, aufgehende Wände und Decke des Krafthauses sind als massive Ortbetonkonstruktion ausgeführt, deren Oberflächen innen verputzt und weiß gestrichen sind. Das Eingangstor aus Stahlblech ist mit einer einfach verglasten Oberlichte ausgestattet. Das einfach verglaste Rundfenster besitzt ebenfalls einen Metallrahmen. Als Bodenbelag für den Maschinenraum kamen Linoleum und Stahlbleche zum Einsatz.

Wehr
Das Wehr ist in Ortbeton ausgeführt, das Schützenhaus weist schalreine, weiß gestrichene Ortbetonmauern auf, die Pultdachkonstruktion aus Holzbalken mit Vollschalung ist an der Außenseite mit gefalzten Blechbahnen verkleidet. Das Fenster ist mit Holzrahmen und Drahtverglasung, die Tür aus Brettern ausgeführt.

Krafthaus
Die zweidüsige Pelton-Turbine von J.M. Voith (Baujahr 1987) mit horizontaler Welle und einer Nennleistung von 500 kW ist mit einem Drehstrom-Synchrongenerator mit einer Nennleistung von 550 kVA von Elin gekuppelt.

Wehr
Das Wehrschütz wurde von der Firma Hammerswerk J. Leitner¿s Nachfolger S & M Jank in Jeging erzeugt. Die Pflichtwasserabgabe beträgt 40 l/sec im Sommer und 20 l/sec im Winter. Das Kraftwerk wird automatisch geregelt und von der Warte Pernegg überwacht.

Hubwerk
Ein Kran an der Decke, bestehend aus einem Querbalken und einer Laufkatze, stammt aus dem Jahr 1986.