Laufkraftwerk Gars

Das Kraftwerk Gars ist ein Laufkraftwerk am Inn und liegt in der gleichnamigen oberbayerischen Gemeinde.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Gars wurde zwischen 1935 und 1938 erbaut. Im Zuge des Kraftwerksbaus musste auch die Innbrücke Gars um 2,5 m über den geplanten Mittelwasserspiegel gehoben werden. Fünf vertikalachsige Kaplan-Turbinen mit 3,9 Meter Laufraddurchmesser erzeugen eine durchschnittliche Jahresleistung von etwa 126 GWh. Das Kraftwerk Gars verfügt außerdem über eine Fischaufstiegshilfe.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Innkraftwerke GmbH
Betreiber: VERBUND Innkraftwerke GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1938
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Deutschland, Bayern
Gewässer: Inn
Leistung: 25 MW
Jahreserzeugung: 125.640 MWh
Turbinen: Kaplan (5)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Das Kraftwerk Gars ist – mit Wasserburg und Teufelsbruck – das dritte der Kraftwerke an der Wasserburger Innschleife; seine Entstehungsgeschichte ist daher auch ident mit diesen Anlagen (siehe Kraftwerk Wasserburg) und geht auf die Studie der „Abteilung für Wasserkraftausnutzung und Elektrizitätsversorgung“ im Bayerischen Staatsministerium des Inneren vom Oktober 1923 zurück. Am 18. Oktober 1935 erfolgte die gemeinsame Einreichung aller drei Projekte und am 7. November die Baubewilligung.

Die Vorarbeiten am Standort Gars begannen bereits Anfang September 1935 mit der Errichtung einer Zufahrtsstraße zur Baustelle. Die Arbeiten an der Wehranlage starteten am 4. November 1935, für deren hydraulische Form – speziell die des Tosbeckens – Modellversuche an der Versuchsanstalt für Wasserbau der Technischen Hochschule München durchgeführt wurden.

Nach Umleitung des Inn durch die im Rohbau fertiggestellten Wehrfelder begannen im September 1936 die Arbeiten am Krafthaus. Ab 16. Februar 1938 konnte mit dem Einstau begonnen werden. Nach Nachbesserungen an einigen Anlagenteilen erfolgte schließlich am 22. Mai 1938 der endgültige Aufstau. Die Inbetriebnahme der Maschinensätze erfolgte bereits während der Aufstauphase zwischen 6. April (Maschine 5) und 9. Juni 1938 (Maschine 1).

Im Zuge des Kraftwerksbaus musste auch die Innbrücke Gars um 2,5 m über den geplanten Mittelwasserspiegel gehoben werden. Man entschied sich gemeinsam mit dem Straßen- und Flussbauamt Rosenheim als Brückenerhalter für einen Neubau, der 1937/38 als Stahlbrückenkonstruktion durch die Firma MAN errichtet wurde.
 

Das Kraftwerk befindet sich östlich der Gemeinde Gars. Das Krafthaus und das am rechten Ufer liegende Wehr überspannen den Inn, ein Anbau und ein Schalthaus befindet sich landseitig angeschlossen an das Krafthaus. Oberhalb des Wehrs ist ein Bauhof mit einer Lagerhalle angeordnet.

Das Krafthaus nimmt die fünf vertikalachsigen Kaplan-Maschinensätze mit einem Achsabstand von 13 m auf, erschlossen von einem unterwasserseitigen Bedienungsgang. Schmale, hochrechteckige Fenster sorgen für Belichtung und gliedern die Unterwasserfassade des Gebäudes. Am Krafthausdach ragen die fünf grau gestrichenen Metalldeckel auf, unter denen sich die Generatoren befinden und die zu Revisionszwecken mit einem der beiden Portalkränen abgehoben werden können.

Im Gegensatz zum Krafthaus, das in Flachbauweise errichtet wurde, ragen wehrseitig fünf dominante Windwerkstürme mit Wehrbrücken auf, die die elektromechanischen Kettenhubwerke für die vier 17 m breiten Wehrfelder mit Hakendoppelschützen aufnehmen. Ein Krafthausanbau schließt nordöstlich an den Montageraum an; in ihm befinden sich eine Werkstätte, Personal- und Nassräume. Weiter westlich führt ein Kabelgang zum Schalthaus. Der im Grundriss rechteckige Bau mit flachem Satteldach nimmt die Schaltwarte, den 6-kV-Schaltraum, die E-Werkstätte, Aufenthalts- und Büroräume auf. 

Sowohl Fundamente, Turbinenspiralen und Wehrpfeiler als auch die Hochbauten sind aus Ortbeton. Wasserberührende Bauteile, wie die unteren Pfeilerbereiche oder die Tosbecken, wurden mit einer Verkleidung aus Granit-Werksteinen versehen. Krafthauswände und Decken sind in Sichtbeton belassen, nur Teile des Betriebsgebäudes weisen – wie die meisten Innkraftwerke der Zeit zwischen 1930 und 1960 – einen horizontal gezogenen Strukturputz auf. Metallsprossenfenster und Metalltüren gehörten zur Originalausstattung der Anlage und finden sich noch großteils beim Bedienungsgang. 

Das Werk ist mit fünf vertikalachsigen Kaplan-Turbinen der J. M. Voith GmbH. aus Heidenheim ausgestattet (Baujahr 1938). Jede Turbine ist 3,9 m im Durchmesser und erzielt eine Leistung von 4.800 kW. Die genutzte Fallhöhe beträgt im Mittel 7,10 m. Über den Turbinen sind 50-Hz-Drehstrom-Synchrongeneratoren der Brown, Boverie & Cie AG Mannheim mit einer Nennleistung von 5.000 kVA bei einer Spannung von 6,3 kV angeordnet. Turbine und Rotor des Generators wiegen zusammen 57 t. Um die erzeugte Energie von 6,3 kV auf 110 kV umzuspannen, dienen zwei 16-MVA-Leistungstransformatoren des Herstellers ASEA-Lepper. Vier genietete Hakendoppelschütze mit einem Gewicht von jeweils 107 t sperren die je 17 m breiten und 9 m hohen Wehrfelder. Die elektromechanischen Kettenantriebe von MAN-Werk Gustavsburg heben die Schütze mit einer Geschwindigkeit von 15 cm/min.


Die beiden Portalkräne von MAN verfügen über Hubwerke zu 20 t und 12 t Traglast. Im Montageraum wurde ein Hallenkran von Haushahn, München mit einer Traglast von 3,2 t montiert.


Gars stellt zusammen mit den gleichzeitig errichteten Stufen Wasserburg und Teufelsbruck die erstmalige Verwendung des Buchtenkraftwerktyps am Inn dar. Der Versuch, durch den Einsatz der Flachbauweise eine bessere Integration in die Landschaft zu erzielen, ist für jeden der drei Standorte anders zu interpretieren: Wasserburg im urbanen Randgebiet, Teufelsbruck in der abgeschiedenen, stark bewaldeten Talenge und Gars im flachen, landwirtschaftlich genutzten Umfeld. Im Vergleich mit den großen frühen Wehranlagen der 1920er-Jahre, wie etwa Jettenbach/Töging (Inn, Bayern) oder Zlatten/Pernegg (Mur, Österreich) ist der gestalterische Ansatz aber nicht in das Monumentale gesteigert.

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Gars Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Gars
VERBUND-Kraftwerk Gars Querschnitt Wehranlage
Kraftwerk Gars: Querschnitt Wehranlage