Laufkraftwerk Laufnitzdorf

Das VERBUND-Kraftwerk Laufnitzdorf ist ein Laufkraftwerk an der Mur und in der Gemeinde Frohnleiten in der Steiermark gelegen.

Technische Beschreibung

Das Laufkraftwerk Laufnitzdorf wurde von 1929 bis 1931 erbaut und liefert seitdem zuverlässig sauberen Strom aus Wasserkraft. Die zwei vertikal eingebauten Kaplan-Maschinensätze bestehen aus je einem Drehstrom-Synchrongenerator. Im jährlichen Durchschnitt werden so etwa 121 GWh Strom erzeugt. Das Kraftwerk Laufnitzdorf ist außerdem mit einer Fischaufstiegshilfe ausgestattet.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1931
Typ: Laufkraftwerk
Region: Österreich, Steiermark
Gewässer: Mur
Leistung: 18 MW
Jahreserzeugung: 112.537 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen: ja

Weitere Informationen

Nach Inbetriebnahme der Wasserkraftwerke in Arnstein an der Teigitsch 1925 und in Pernegg an der Mur 1928 plante die Steirische Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG) ein weiteres Murkraftwerk in Laufnitzdorf als "dritten Pfeiler" der Stromversorgung der Steiermark. Im Dezember 1929 genehmigte das Exekutivkomitee der STEWEAG den Bau des Kraftwerks "Mixnitz", das später in "Laufnitzdorf" umbenannt wurde. Die Lage des Kraftwerks wurde durch das flussaufwärts befindliche Kraftwerk Pernegg und das flussabwärts gelegene Kraftwerk der Papierfabrik Schweizer oberhalb Frohnleiten eingegrenzt. Hermann Grengg entwickelte die Wasserbau-Planung, die architektonische Gestaltung stammt von Fritz Haas. Zu Beginn des Jahres 1930 begann man mit den Bauarbeiten, die in drei Abschnitte - Wehr und Einlauf, Oberwassergraben, sowie: Wasserschloss, Krafthaus und Unterwassergraben - unterteilt wurden. 

Von Frühjahr bis Herbst 1930 konnten die Aushubarbeiten für Wasserschloss, Krafthaus und Unterwassergraben ausgeführt und noch im gleichen Jahr die Betonierarbeiten am Krafthaus-Tiefbau fertig gestellt werden. Im November waren die Maurerarbeiten am Hochbau des Krafthauses und des Betriebsgebäudes weit gediehen, im Februar 1931 begann man mit der Montage der Turbinen und Generatoren. Im Mai starteten die Montagearbeiten in der Freiluft-Schaltanlage und im Juli jene im Wasserschloss. 

Ebenfalls im Mai 1931 fanden Arbeiten an der Dachdeckung des Krafthauses statt. Noch vor dem geplanten Endtermin gingen nach 21 Monaten Bauzeit am 13. September 1931 der erste, am 19. Oktober desselben Jahres der zweite Maschinensatz in Betrieb. Eine technische Neuerung war der Einbau von Kaplan-Turbinen. Die von Viktor Kaplan entwickelte Turbine eignete sich zur Nutzung des Gefälles von 19,5 m besser, als die bisher üblichen Francis-Turbinen. Viktor Kaplan (1876 - 1934) selbst zeigte Interesse am Fortgang der Montagearbeiten in Laufnitzdorf.

Seit Inbetriebnahme der neuen Warte in Pernegg 1996 wird das Kraftwerk Laufnitzdorf von der Warte Pernegg überwacht und gesteuert. Im Jahr 2000 fanden Arbeiten zur Automatisierung des Kraftwerksbetriebes statt
 
Architektur: Fritz Haas

Planung: Steirischen Wasserkraft- und Elektrizitäts-AG (STEWEAG), 

Wasserbau-Planung: Hermann Grengg.

Ausführung: Arbeitsgemeinschaft Murkraftwerk Mixnitz-Frohnleiten
 
Das Krafthaus des Ausleitungskraftwerks Laufnitzdorf liegt nahe der gleichnamigen Ortschaft an der mittleren Mur etwa 5 km flussabwärts der zugehörigen Wehranlage Mixnitz. Die Zufahrt erfolgt am rechten Flussufer von Südosten über eine Ausfahrt von der Brucker Begleitstraße. Das Krafthaus-Ensemble besteht aus dem Krafthaus mit angeschlossenem Betriebsgebäude, dem Wasserschloss und der im Westen vorgelagerten Freiluft-Schaltanlage.

Krafthaus:
Das Krafthaus liegt senkrecht zur Achse des Ausleitungskanales und ist auf einer rechteckigen Grundfläche von 38/20 m errichtet, seine Höhe beträgt 19 m. Unterwasserseitig sind im Sockelgeschoß querrechteckige Fensteröffnungen eingelassen, hinter denen sich Werkstätten befinden. Die darüber aufragenden, glatt verputzten Außenflächen sind durch die großen Rundbogenöffnungen des Einfahrtstores an der linksufrigen Stirnseite und der beiden Fenster an der zum Unterwasser gerichteten Längsseite gegliedert. Neben den Rundbogenfenstern befindet sich an der großen, geschlossenen Mauerfläche die Aufschrift "STEWEAG 1931". Unterhalb des flachen Walmdaches sind kleine, querrechteckige Lüftungsfenster angeordnet. Die zum Oberwasser gewendete Längsseite des Krafthauses wird von Mauerpfeilern mit Zu- und Ablufteinrichtungen der Generatoren begleitet. Der rechtsufrigen Stirnseite der Maschinenhalle sind in einem glatt verputzten Anbau mit Sichtbetonrahmung die Zellen der beiden Transformatoren vorgelagert, von denen durch eine querrechteckige, über die gesamte Breite des Krafthauses reichende Öffnung die Abspannungen zur Freiluft-Schaltanlage führen.

Der Hauptzugang zur etwa 25 m langen, 13 m breiten und ebenso hohen Maschinenhalle erfolgt durch das dreiteilige Falttor mit rundbogiger Oberlichte an der linksufrigen Stirnseite. In der Maschinenhalle nehmen die beiden Generatorengehäuse der vertikal eingebauten Maschinensätze, die annähernd in den Achsen der sprossengeteilten Rundbogenfenster angeordnet sind, etwa zwei Drittel der Raumhöhe ein. Die Bahn des Hallenkrans ist auf den glatt verputzten Mauern der Halle gelagert, darüber trägt ein schmaler, von den Lüftungsfenstern durchbrochener Mauerstreifen eine flache Holzbalkendecke. An der rechtsufrigen Stirnseite der Maschinenhalle ist ein erhöhter Abstellplatz angeordnet, der mit dem Fußbodenniveau der Maschinenhalle durch eine Stiege verbunden ist. Durch große Türen können die Maschinentransformatoren auf diesen Abstellplatz, die so genannte "Umspannerbühne", geschoben werden. Eine einflügelige Tür führt vom Abstellplatz zum Obergeschoß des Betriebsgebäudes. Eine zwischen den Generatoren angeordnete Stiege führt in das Untergeschoß, in dem sich die Reglereinrichtungen, die Werkstätte und die Maschinensätze befinden. Rundbogenöffnungen trennen die einzelnen Raumteile des Untergeschoßes voneinander.

Betriebsgebäude (ehemaliges Steuerhaus):
Das Betriebsgebäude schließt am rechtsufrigen Ende der unterwasserseitigen Krafthaus-Mauer im rechten Winkel an. Der über rechteckigem Grundriss errichtete Trakt wird von einem flach geneigten Walmdach bedeckt. Über einem Sockelgeschoß aus Sichtbeton erheben sich zwei glatt verputzte Obergeschoße mit Fensteröffnungen unterschiedlichen Formats und einem gekehlten Abschlussgesimse. Von der Unterwasserplattform und vom rechten Ufer des Ausleitungskanals führt jeweils eine einflügelige, von Fenstern flankierte Tür ins Innere, wobei je vier Sichtbeton-Pfeiler die Öffnungen rahmen. Oberhalb des Eingangs an der Unterwasser-Plattform befindet sich die Aufschrift "WERK - LAUFNITZDORF", der rechtsufrige Eingang besitzt ein von zwei Sichtbeton-Pfeilern getragenes Vordach. Von einem Vorraum führt ein Stiegenlauf in das Obergeschoß, in dem der Raum der ehemaligen Warte angeordnet ist. Vom Wartenraum kann durch ein querrechteckiges Fenster an der rechtsufrigen Fassade die Freiluft-Schaltanlage überblickt werden.

Wasserschloss:
Im Oberwasserbereich des Krafthauses ist erhöht das Wasserschloss situiert, in das der Ausleitungskanal der Wehranlage Mixnitz mündet. Das Gebäude übernimmt Ausrichtung und Grundform des Krafthauses und besitzt wie dieses ein flach geneigtes Walmdach. Über einem hohen Sockelgeschoß mit aufgespitzter Sichtbeton-Oberfläche folgt ein glatt verputzter Aufbau mit abschließender Gesimskehle. Zwei Stiegenaufgänge führen von der Ebene des Krafthauses zum Wasserschloss, dessen Inneres durch von Sichtbeton-Pfeilern gerahmte, einflügelige Türen erschlossen wird. Kleine, querrechteckige Fenster mit senkrechter Teilung und Sohlbänken sorgen für die Belichtung der Räume. Betonpfeiler, die durch Schwibbögen mit den Außenmauern verbunden sind, tragen die offene Dachkonstruktion. In der Mittelachse des Raumes sind die Turbinen-Einlaufschütze angeordnet. An der unterwasserseitigen Flanke des Wasserschlosses schließt eine Plattform mit der Rechen-Reinigungsmaschine an. Ihre Unterkonstruktion, die von außen als massive Terrassenmauer erscheint, beherbergt den Beginn der beiden Druckrohre, ein Stiegenhaus und diverse Nebenräume.

Der Unterwasserkanal wird bei seiner Mündung in die Mur von einer Straßenbrücke überquert. Zwei ehemalige Werkswohnhäuser sind am rechten Ufer des Unterwasserkanals situiert.
 
Krafthaus:
Das Krafthaus konnte auf Fels gegründet werden. Fundamente und Sockelgeschoß des Krafthauses sind aus Ortbeton, die aufgehenden Mauern überwiegend aus hell verputztem Ziegelmauerwerk hergestellt. Die Turbinenspirale ist als Eisenbetonkonstruktion mit Rechteckquerschnitten ausgeführt, das Saugrohr ist mit einer durchgehenden Mittelwand versehen und und zum Teil blechgepanzert. Die Maschinenhalle besitzt eine Holzbalkendecke, die Dachdeckung besteht aus Blechbahnen. In der Maschinenhalle kamen Eisensprossenfenster mit Einfachverglasung zur Ausführung, das Eingangstor besteht aus Eisenblech mit einfach verglaster Oberlichte, der Boden ist mit roten, quadratischen Fliesen, im Bereich der Einfahrt und des Abstellplatzes mit Holzstöckelpflaster belegt.

Betriebsgebäude:
Über einem Sockelgeschoß aus Ortbeton wurde der Hochbau aus verputztem Ziegelmauerwerk hergestellt. Die Dachdeckung besteht aus Blechbahnen, die Eisenfenster sind mit Einfach-Verglasung ausgestattet. Die Türen sind in Holz gefertigt und besitzen einfach verglaste Füllungen, der Stiegenaufgang aus Kunststein besitzt ein Eisengeländer, die Böden wurden zum Teil mit Steinplatten und Linoleum-Fliesen belegt.


Wasserschloss:
Die Fundamente des Wasserschlosses sind als zweigeteilter Eisenbetonkasten in den Schotter des Untergrundes gesetzt, da an dieser Geländestelle der Fels nicht erreicht werden konnte. Das Wasserschloss und die vorgebaute Plattform sind in Eisenbeton ausgeführt, dessen Oberflächen oberhalb des Sockelgeschoßes glatt verputzt wurden. Für die Deckung des Holzsparren-Dachstuhles wurden Blechbahnen verwendet. Die Eisenfenster sind einfach verglast. Der Boden der Maschinenhalle ist mit roten Fliesen, Bühne und Werkstätte mit Holzstöckelpflaster ausgelegt. Die Umrahmungen der Eingangsbereiche des Betriebsgebäudes sind aus Naturstein hergestellt.


Druckrohre:
Die beiden Druckrohre sind als zwei rechteckige Doppelkammern in Eisenbeton mit einer Abdichtung aus Glattputz hergestellt.

Für die Errichtung von Krafthaus, Wasserschloss und Unterwasserkanal war ein Gesamtaushub von 94.000 m³ erforderlich. Es wurden etwa 14.000 m³ Beton verarbeitet.
 
Krafthaus:
Die Maschinenhalle ist mit zwei vertikal eingebauten Maschinensätzen ausgestattet, die aus je einer Kaplan-Turbine der Firma Voith von 1930 mit einer Nennleistung von 8.250 kW und einem Drehstrom-Synchrongenerator der Firma Siemens-Schuckert mit aufgesetzter Erreger- und Hilfserregermaschine und einer Nennleistung von 11.000 kVA bestehen. Der Laufkran für 75/10 t Tragkraft wurde von der Maschinenfabrik Andritz geliefert. Zwei Maschinentransformatoren wurden von der Firma Elin Union erzeugt. Mittels eines Versetzwagens werden die Dammtafeln an der Unterwasser-Seite angebracht.

Wasserschloss:
Die technische Ausstattung des Wasserschlosses mit Sandspülschütz, Turbinen-Einlaufschütz und Rechen, Überlauf-Schütz und Notverschluss-Schütz wurde von der Firma Voith erzeugt. Kanalseitig ist ein Schützenverschluss, krafthausseitig ein Rechen angeordnet. Die Turbinen-Einlaufschütze sind mit einem Öldruckantrieb ausgestattet. Vor den Einlaufschützen können bei entleertem Kanal Dammbalken eingesetzt werden. Vier zur Schwellenspülung dienende Schieber münden in einen gemeinsamen Kanal, der durch eine Schütze verschlossen werden kann und durch ein Rohr mit dem Unterwasser verbunden ist. Die Spüleinrichtung dient gleichzeitig als Leerlauf.