Laufkraftwerk Malta Unterstufe

Das VERBUND-Kraftwerk Malta Unterstufe ist ein Laufkraftwerk an der Möll und zwischen den Ortschaften Möllbrücke und Sachsenburg in der Gemeinde Möllbrücke gelegen.

Technische Beschreibung

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1979
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Möll
Leistung: 41 MW
Jahreserzeugung: 117.913 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      ja

Weitere Informationen

Die Planung und Errichtung des Kraftwerks Malta-Unterstufe erfolgte in Zusammenhang mit dem Bau der Kraftwerke Malta-Oberstufe und Malta-Hauptstufe. Für die Errichtung der Malta-Unterstufe war die Fallhöhe von 45 m ausschlaggebend, die sich zwischen dem Ausgleichsbecken Rottau bei der Malta-Hauptstufe und dem Drautal bei Sachsenburg ergab und zur Energiegewinnung genutzt werden sollte. Die Österreichische Draukraftwerke AG war Bauherrin und zugleich Generalplanerin des Kraftwerks. In ihrer Abteilung für Hochbau wirkten unter Baudirektor Kurt Baustädter unter anderem Heiner Ludescher, Johann Ebenwalder, Georg Lichtenegger, die architektonischen Entwürfe lieferte Horst Brudermann. Im Oktober 1972 wurde die Wasserrechtsverhandlung abgewickelt und 1974 die wasserrechtliche Bewilligung erteilt. Im Dezember desselben Jahres fiel der Baubeschluss.

Da von der Hochbauabteilung der Österreichischen Draukraftwerke AG zur gleichen Zeit viele Großbaustellen im Rahmen der Malta-Kraftwerksprojekte betreut werden mussten, wurden auch Bauabteilungen anderer Sondergesellschaften und externe Planer hinzugezogen. Detailplanung, Bauausschreibung und Bauausführungspläne für die Kraftstation Möllbrücke der Malta-Unterstufe und für den Sachsenwegstollen führte ab Anfang Februar 1974 daher die Bauabteilung der Ennskraftwerke AG in Steyr durch.

Ursprünglich war geplant, die Kraftstation am Austritt des Stollens aus dem Gebirgskamm auf kompaktem Fels zu gründen. Da jedoch kein geeigneter Untergrund gefunden werden konnte, musste die Kraftstation im Drautal auf einer Baufläche von 100/50 m zwischen Bahnlinie und Berghang errichtet werden. Für den Bau der Kraftstation wurden zwei Häuser der angrenzenden Siedlung abgetragen.

Da die Fundamente 12 m unter dem tiefstliegenden Grundwasserspiegel zu liegen kamen, musste mit Wassereintritten in die Baugrube gerechnet werden. Nach umfangreichen Voruntersuchungen und Bohraufschlüssen wurden die Methoden zur Grundwassersenkung und der endgültige Bauplatz festgelegt. Zur Vermeidung von Sohlwassereintritten wurde die Baugrube bis unter die Aushubsohle vollkommen umschlossen. Auf Grund der beengten Platzverhältnisse gestaltete sich auch die Anlieferung der Einzelteile und die Vormontage der Maschinen schwierig.

Für die Unterfahrung der Bahnlinie Spittal-Lienz mit dem Unterwasserkanal wurde das bestehende Gleis während der Bauarbeiten zur Drau ausgeschwenkt und die Bahnbrücke in der Schienentrasse errichtet. 1977 konnte das Kraftwerk in Betrieb genommen werden.
 
Architektur: Horst Brudermann (ÖDK)

Planungsstab der Österr. Draukraftwerke AG: Baudirektor Kurt Baustädter, Johann Ebenwalder, Heiner Ludescher, Georg Lichtenegger, unter Beiziehung von Walter Schober (Universität Innsbruck) 
Detailplanung, Ausschreibung und Ausführungspläne für die Kraftstation Möllbrücke und für den Sachsenwegstollen: Bauabteilung der Ennskraftwerke AG (Steyr) - Rudolf Thurner

Ausführung: ARGE Mayreder, Porr, Soravia, IL-Bau, Universale
 
Die Kraftstation Möllbrücke liegt zwischen den Ortschaften Möllbrücke und Sachsenburg am linken Ufer der Drau auf einer Baufläche von 100/50 m zwischen Bahnlinie und Berghang. 

Die Kraftstation umfasst die Maschinenhalle, sowie in östlich und nördlich anschließenden Nebentrakten elektrische Einrichtungen, Werkstätten und Nebenräume. Westlich der Maschinenhalle ist eine Freiluft-Schaltanlage angeordnet.

Der kompakte, quaderförmige Baukörper der Maschinenhalle ist etwa 35 m lang, 16,30 m breit und über Geländeniveau 12,37 m hoch. Der flach gedeckte Bau erstreckt sich in Ost-West-Richtung und wendet seine südliche Längsfassade der Drau zu: Vier paarweise senkrecht angeordnete, schmale Fensterschlitze und jeweils ein einzelner Fensterschlitz an den Fassadenenden durchbrechen die glatten Mauerflächen. Die horizontale Teilung der Kranbahn vermittelt den Eindruck der Zweigeschoßigkeit. An der nördlichen Längsseite sind oberhalb der Kranbahn große, sprossengeteilte Glasflächen angeordnet. Östlich und nördlich schließen an die Maschinenhalle niedrigere, ein- bis zweigeschoßige Trakte an. 

Der Zugang zur Maschinenhalle erfolgt von Südosten über ein bis zur Kranbahn reichendes Tor, über dem sich eine Plastik des Künstlers Cornelius Kolig befindet. Die Teile der Betonkonstruktion wie Stützen, Deckenrippen und Binder sind im Inneren sichtbar belassen und gliedern die Begrenzungsflächen des Raumes. Die Ausfachungen der Wände sind weiß gestrichen. Um die vertieft gelegenen, orange beschichteten Gehäuse der beiden Generatoren führen kreisförmige Bedienungsstege mit Geländer, von denen ein Stiegenabgang zum Generator führt. Die Maschinensätze selbst sind in den drei Untergeschoßen eingebaut. Im östlichen Bereich der Halle befindet sich unmittelbar hinter dem Einfahrtstor der Montageplatz, von dem auch eine direkte Verbindung zur Werkstätte im Nebentrakt besteht. Im nördlichen Teil des zweigeschoßigen Nebentraktes ist ein zweiarmiges Stiegenhaus situiert. Das Obergeschoß des Stiegenhauses ist durch Fenster und eine Galerie mit der Maschinenhalle verbunden. Ein Balkon kragt an der Unterwasser-Seite aus der Fassade.

Der 110 m lange, offene Unterwasserkanal wird von der über eine Brücke geführten Bahnstrecke Spittal - Lienz gequert. Die Bahnbrücke über dem Unterwasserkanal besteht aus drei Feldern mit den Feldweiten 12,5 m, 19 m und 12,5 m mit 1,53 m, bzw. 1,35 m hohen Randträgern.

Abtransport von Triebwasser:
Das abgearbeitete Wasser wird über den Unterwasserkanal, der mit Dammbalken abgeschlossen werden kann, in die Drau geleitet. 
 
Das Gebäude der Kraftstation Möllbrücke ist als Ortbeton-Rahmenkonstruktion mit Dachbindern und Deckenrippen aus Fertigbetonteilen hergestellt, das Stiegenhaus als Ortbeton-Konstruktion ausgeführt. Die Oberflächen sind schalrein belassen und mit pigmentiertem Betonfinish versehen. Die Ausfachungen bestehen teilweise aus vorgefertigten, bewehrten Wandelementen und aus Betonziegeln, bewegliche Raumtrennwände und Fensterrahmen sind aus natureloxiertem Aluminium hergestellt. Die Außenflächen der Nebentrakte sind mit Betonplatten verkleidet. Die Tore wurden aus Stahlblech hergestellt, die Böden überwiegend mit Klinkerplatten belegt, die Werkstättenboden besitzen Holzstöckelpflaster.

Das Kunstwerk Cornelius Koligs besteht aus Stahlbeton, Chromnickelstahl, Acryl und farbigen Leuchtstoffröhren.

Die Bahnbrücke über dem Unterwasserkanal ist als Stahlbetonkonstruktion hergestellt.
 
In der Kraftstation Möllbrücke befinden sich zwei vertikal eingebaute Maschinensätze mit einer Nennleistung von etwa 43.000 kW. Sie bestehen aus je einer Kaplan-Turbine von Andritz Escher Wyss aus dem Jahr 1975 mit einer Nennleistung von 21.450 kW und einem Synchron-Generator der Firma Elin mit einer Nennleistung von 27.000 kVA. Wegen der großen Fallhöhe von 45 m mussten für die Turbinen Absperrklappen von Andritz Escher Wyss eingebaut werden. (Ein Gefälle dieser Höhe liegt im Grenzbereich für den Einsatz von Kaplan-Turbinen. Meistens werden bei einer Fallhöhe von 45 m Francis-Turbinen verwendet.) 
Ein Hallenkran der Firma Liebherr mit 80 t Traglast stammt aus dem Jahr 1976. Ein weiterer Kran mit 80 / 2,5 t Traglast wurde 1984 von der Firma Kone umgebaut. 

Der erzeugte Strom wird über zwei Blocktransformatoren und eine 110 kV-Freiluft-Schaltanlage zum Kraftwerk Reißeck-Kreuzeck und zum Umspannwerk Lienz geleitet. Ein dritter Transformator der Kärntner Elektrizitäts-AG (Kelag) liefert den Strom für den Holzindustriebetrieb Haslacher.

Querschnitt des Kraftwerks:

VERBUND-Speicherkraftwerk Malta Querschnitt  Krafthaus Möllbrücke
Querschnitt: Kraftwerk Malta Krafthaus Möllbrücke