Laufkraftwerk Mühldorf

Das VERBUND-Kraftwerk Mühldorf ist ein Laufkraftwerk und in der Gemeinde Mühldorf in Kärnten gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Laufkraftwerk Mühldorf wurde von 1922 bis 1924 erbaut. Das Kraftwerk war ursprünglich für drei Maschinensätze konzipiert, von denen nur zwei ausgeführt wurden. Diese bei den Maschinensätze bestehen aus je einer Francis-Turbine und einem Drehstrom-Synchrongenerator, die im jährlichen Durchschnitt rund 2 GWh Strom erzeugen. 

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH
Inbetriebnahme: 1925
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Mühldorfer Seebach
Leistung: 0,6 MW
Jahreserzeugung: 1.999 MWh
Turbinen: Francis (3)
Fischwanderhilfen:                      nein

Weitere Informationen

Bereits vor dem Ersten Weltkrieg gab es Projekte zum Bau von Speicherkraftwerken im Bereich der Südabdachung der Hohen Tauern und des Reißecker Seenplateaus. Das Kraftwerk Mühldorf sollte als erster Schritt des Ausbaus der Speicherkraftwerke Reißeck-Kreuzeck errichtet werden. Der im Kraftwerk Mühldorf erzeugte Strom war in dieser Planungsphase zur Deckung des Bedarfs an den Baustellen dieser Kraftwerksgruppe gedacht.

Ab 1918 interessierte sich die Treibacher Chemische Werke Ges.m.b.H. (TCW) für die Realisierung der Reißeck-Kreuzeck-Kraftwerke, um den großen Energiebedarf ihrer Fabriken decken zu können. Die "TCW" ließ vom Zivilingenieur Franz Wallack, der später durch die Planung der Großglockner-Hochalpenstraße bekannt wurde, Projekte ausarbeiten und erhielt 1921 unter Anderem die Genehmigung für ein Kraftwerksprojekt zur Nutzung des Mühldorfer Baches in zwei Stufen. Die erste Stufe wurde als "Ergänzungsstufe" bezeichnet und 1922 bis 1924 realisiert: Das Kraftwerk Mühldorf versorgte das "TCW"-Werk Seebach bei Villach, in dem Ferrolegierungen hergestellt wurden, mit Strom. Das Kraftwerk war ursprünglich für drei Maschinensätze konzipiert, von denen nur zwei ausgeführt wurden. Für die Realisierung der weiteren Kraftwerksstufen gründete die Treibacher Chemische Werke Ges.m.b.H. eine Tochtergesellschaft, die Mühldorfer Wasserkraftwerke AG (MÜWAG). 1926 übergab die TCW das Kraftwerk Mühldorf an die MÜWAG.

Als für das Winterspeicherwerk Reißeck-Kreuzeck die Abflüsse des Kleinen und Großen Mühldorfer Sees und des Oberen Mühldorfer Baches abgeleitet wurden, hatte dies eine Reduktion der Ausbauwassermenge des Kraftwerks Mühldorf zur Folge. Die Mühldorfer Wasserkraftwerke AG (MÜWAG) übergab daher 1951 das Kraftwerk Mühldorf an die Österreichische Draukraftwerke AG.

1951 erhielt die Österreichsiche Draukraftwerke AG zur Aufbesserung der Wasserführung des Mühldorfer Seebaches und zur Sicherstellung der Pflichtwasserabgaben an die Unterlieger die wasserrechtliche Genehmigung, den Auernigbach, einen rechtsufrigen Möllzubringer, beizuleiten

Planung Franz Wallack

Das Kraftwerk Mühldorf ist an einem Hang am nördlichen Rand der Ortschaft Mühldorf im Mölltal gelegen. Südlich des Kraftwerks schließt das Gelände der ehemaligen Lodenfabrik Hopfgartner an.

Zum Kraftwerk gehören das Krafthaus, die Bachfassungen von Mühldorfer Seebach und Auernigbach, sowie das Wasserschloss Mühldorf. Südlich des Kraftwerks Mühldorf befindet sich in einem Gebäude der ehemaligen Lodenfabrik Hopfgartner ein von der VERBUND - Austrian Hydro Power AG betriebenes Kleinkraftwerk.

Das zweigeschoßige Hauptgebäude ist über einer Fläche von 20,20/18,38 m errichtet und insgesamt 20 m hoch. Es besteht aus zwei gegeneinander leicht verschobenen Trakten, von denen einer die Maschinenhalle und im Dachgeschoß eine Wohnung enthält, während im zweiten Trakt Schaltanlagen, Stiegenhaus und Nebenräume situiert sind. Die Maschinenhalle ist etwa zur Hälfte unterkellert. Durch den Einbau in einen Südhang liegt das Kellergeschoß, in dessen Räumen sich die Verteilrohrleitung befindet, an der südlichen Stirnseite oberhalb des Geländeniveaus.

Das Gebäude besitzt geknickte Walmdächer mit Zwerchgiebeln und Mansarden. Der Dachreiter ist mit einem Glockenhelm abgeschlossen, die Einlaufkästen der Abfallrohre sind mit Rosetten verziert.
Die Gliederung der Außenflächen oberhalb des werksteinverkleideten, leicht vorspringenden Sockels erfolgt durch breite Lisenen, zwischen denen hochrechteckige Fenster angeordnet sind. An den Stirnseiten sind jeweils zwei Fenster mittels Putzgliederung paarweise zusammengefasst. Die östliche Wand der Maschinenhalle wird durch breite, annähernd quadratische Fenster belichtet, das Kranzgesimse ist mit einfacher Kante ausgebildet. Eine Eingangstür mit Vordach führt an der Nordwestecke des Gebäudes zum Stiegenhaus. Durch ein zweiflügeliges Tor wird von der nördlichen Stirnseite die Maschinenhalle erschlossen, in der eingezogene Pfeiler die Kranbühne tragen. An der westliche Längswand der Maschinenhalle ist unter einer Korbbogen-Öffnung mit Eisensprossenverglasung die Schaltwand angeordnet, dahinter grenzen die Räume für die Schaltanlagen an. Die beiden Maschinensätze besitzen blau beschichtete Turbinengehäuse und rote Generatorengehäuse.
Vor der Südseite des Krafthauses ist ein Transformator aufgestellt, der mit einem Lattenzaun umfriedet wurde.

Bachfassung des Mühldorfer Seebachs:
Die Bachfassung des Mühldorfer Seebachs liegt auf dem so genannten Rapersdorfer Berg auf einer Höhe von 720,67 m Seehöhe. Der Zugang erfolgt über eine Brücke und eine Stufenanlage. An einer Mauer befindet sich das alte Emblem der Treibacher Chemische Werke Ges.m.b.H. (TCW).

Wasserschloss Mühldorf:
Das Wasserschloss Mühldorf ist auf einer Höhe von 716,6 m Seehöhe (Höhe der Überlaufkante) situiert. Am Übergang vom Oberwasserkanal zur Druckrohrleitung befindet sich die Rückschlagkammer, die als Ausgleichsgefäß für Schwingungen zwischen Oberwasserkanal und Druckrohrleitung dient. Das zwölfeckige, eingeschoßige Gebäude mit flachem, konischen Dach und vorspringendem Sockel aus dem Jahr 1923 besitzt einen Durchmesser von 6 m, sein Innenraum ist 6,10 m hoch. Die Gesamthöhe beträgt mit Fundamentplatte und Dach 9 m, wovon 3 bis 4,5 m aus dem Erdreich ragen. Der Einstieg erfolgt über eine Luke am Dach. Die insgesamt sechs Belüftungsfenster sind in jeder zweiten Wandfläche situiert. Die Wand-Oberflächen sind in Rieselputz ausgeführt.

Abtransport von Triebwasser:
Nach Abarbeitung fließt das Wasser in den Mühldorfer Mühlbach, wo es durch weitere Kleinkraftwerke, unter anderem vom Kleinkraftwerk Mühlbach zur Energiegewinnung genutzt wird.

Kraftwerk Mühldorf:
Baumaterialien und Konstruktionstechniken:
Das Hauptgebäude des Kraftwerks Mühldorf besteht aus einer Eisenbetonkonstruktion in Verbindung mit Mauerwerks-Ausfachungen. Der Fassadenputz ist grob verrieben. Die Dachflächen sind mit Blech gedeckt, auch der Glockenhelm des Dachreiters ist in Blech ausgeführt. Die Entwässerung erfolgt über Hängerinnen, Einlaufkästen und Abfallrohre aus Blech. Bis auf das Mansarden-Wohngeschoß, das hölzerne Fensterrahmen besitzt, wurden Eisensprossen-Fenster eingebaut. Die Eisensprossen-Fenster der Maschinenhalle sind mit Kippelementen ausgestattet. Der Sockel des Gebäudes ist mit Natursteinen verblendet, auch die Stützmauern an der Südseite bestehen aus Naturstein. Die Maschinenhalle ist als Betonpfeilerkonstruktion ausgeführt und mit einer abgehängten Holzdecke versehen. Der Bodenbelag besteht aus Fliesen. Die Nebenräume der Maschinenhalle besitzen teilweise Betonbinder-Decken.

Von der Fassung des Mühldorfer Seebaches fließt das Triebwasser über die vom Mühldorfer Wasserschloss ausgehende, etwa 445,5 m lange Druckrohrleitung zum Kraftwerk Mühldorf. Ein weiterer Zufluss kommt vom Auernigbach an der Südseite des Mölltales, wobei das Wasser durch ein Rohr über die Möll geleitet wird.

Bachfassung Mühldorfer Seebach:
Eine Stahlbrücke neueren Datums mit Gitterrost-Gehflächen ermöglicht den Zugang zur Bachfassung. Die Wehranlage besteht aus einer mit Flügelmauern aus Naturstein abgesicherten Sohlstufe, mittels derer der Bach seitlich ausgeleitet wird, aus Grobrechen, Schotterfangkammer mit Spülschütz aus Holz, Reinwasserkammer mit Grundablassschütz aus Holz, Überlauf, und einem Einlauf zum Oberwasserkanal mit einem Rechen aus Stahlstäben. Das Wasser wird in einem Kanal unter dem Bach hindurch zum Wasserschloss geführt.

Wasserschloss Mühldorf:
Das Gebäude samt Dach ist aus Ortbeton ausgeführt, seine Außenflächen sind mit Rieselwurf verputzt. An einen Überlauf auf 716,6 m Höhe schließt eine neunstufige, als Stahlbetongerinne ausgebildete Kaskade an. Überschüssiges Wasser wird über den Überlauf, die Kaskade, eine Schlussrinne und ein Entleerungsschütz in den Mühldorfer Seebach zurück geleitet.

Im Kraftwerk Mühldorf befinden sich zwei Maschinensätze: Maschinensatz 1 besteht aus einer Francis-Turbine mit Schwungrad der Firma Voith mit einer Nennleistung von 580 kW aus dem Jahr 1923 und einem Drehstrom-Synchrongenerator der Allgemeinen Elektricitäts Gesellschaft (AEG) Union mit einer Nennleistung von 785 kVA aus dem Jahr 1924. Maschinensatz 2 besteht aus einer Francis-Turbine mit Schwungrad der Firma Voith mit einer Nennleistung von 280 kW aus dem Jahr 1923 und einem Drehstrom-Synchrongenerator der Allgemeinen Elektricitäts Gesellschaft (AEG) Union mit einer Nennleistung von 375 kVA, der 1988 eine Neuwicklung erhielt. Die hydraulischen Einrichtungen stammen von der Firma Andritz.

Das Starten und das Stillsetzen der Maschinen erfolgt händisch.

Vom Transformator wird der Strom mit einer Spannung von 6 kV über eine Freileitung der Kärntner Elektrizitäts-AG (Kelag) ins Mölltal abgeleitet. Ein weiteres Stromkabel, in das auch das Kleinkraftwerk Mühlbach einspeist, führt zur ehemaligen Lodenfabrik Hopfgartner.