Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II

Mit dem neuen Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II erweitert VERBUND die Kärntner Kraftwerkssysteme Malta und Reißeck zu einer der stärksten Wasserkraftwerksgruppen Europas.

Reißeck II - Österreichs modernstes Pumpspeicherkraftwerk

Hoch über dem Kärntner Mölltal befindet sich im Mühldorfer Graben die derzeit größte Kraftwerksbaustelle Österreichs. Für Außenstehende ist der Baufortschritt leicht zu übersehen, denn die Arbeiten für das neue VERBUND-Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II fanden tief im Inneren des Berges statt.Mit dem Pumpspeicherkraftwerk Reißeck II investierte VERBUND und die Projektpartner Kelag und Energie AG Oberösterreich nicht nur in den Ausbau der erneuerbaren Energien in Österreich, vielmehr entstand gemeinsam mit den seit Jahrzehnten bestehenden Kraftwerken Malta und Reißeck eine der leistungsstärksten Wasserkraftwerksgruppen Europas.

Pumpspeicherkraftwerke wie Reißeck II sind die ökologisch wie ökonomisch sinnvollste Art, die stark schwankende Stromerzeugung aus Wind und Solar auszugleichen und damit erneuerbare Energie optimal nutzbar zu machen. Weil Reißeck II mit den bereits vorhandenen Speichern der Kraftwerkssysteme Malta und Reißeck/Kreuzeck arbeiten wird, beschränkt sich der Eingriff in die Natur auf den unterirdischen Triebwasserstollen, die Maschinenkaverne und die Trafokaverne; auch die Ableitung bzw. Zuleitung des Stroms erfolgt unterirdisch.

Nach dem Baustart im Herbst 2010 wurde innerhalb weniger Monate eine Felskaverne mit beachtlichen Ausmaßen aus dem Berg gebrochen. Mit der Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks werden in dieser Kaverne zwei hocheffiziente Pumpturbinensätze arbeiten. Mit diesen beiden vertikal eingebauten Pumpturbinen wird Reißeck II eine Gesamtleistung von 430 Megawatt aufweisen, und zwar sowohl bei der Stromerzeugung im Turbinenbetrieb, als auch im Pumpbetrieb. Das bedeutet, dass Reißeck II die gleichzeitige Stromerzeugung aus etwa 200 Windkraftanlagen aufnehmen kann und die schwankende Stromerzeugung aus Windkraft somit längerfristig speichern kann.
Wie ein gewöhnliches Speicherkraftwerk wird diese Kraftstation im Berg zu Tageszeiten mit hohem Strombedarf den notwendigen Spitzenstrom erzeugen, indem Wasser aus dem Oberbecken über die beiden Turbinen abgearbeitet wird. In verbrauchsschwachen Stunden hingegen, wenn mehr Strom im europäischen Netz ist als benötigt, kann Reißeck II diese vorhandene Energie speichern, indem das Wasser aus dem Unterbecken in das Oberbecken hochgepumpt wird. Durch diese Doppelfunktion wird das Kraftwerk Reißeck II zu einer „grünen Batterie“ mitten in den Alpen.
Bis zu 250 hochspezialisierte Fachkräfte arbeiteten an der Errichtung und Montage des neuesten Pumpspeicherkraftwerks von VERBUND. Die Gesamtinvestition in der Höhe von etwa 400 Millionen Euro, die gemeinsam mit unseren Partnern Kelag und Energie AG Oberösterreich getragen wird, liefert neben der überregionalen Wertschöpfung auch konkrete Impulse für die lokale Kärntner Wirtschaft.

Projektgebiet: Kraftwerksgruppe Malta-Reißeck

Pumpspeicher Reißeck 2: Projektgebiet
Übersicht über den Pumpspeicherverbund Malta-Reißeck mit Projekt Reißeck 2

Ökologische Ausgleichsmaßnahmen im Hochgebirge

Die Produktion von Saatgut einiger Alpinpflanzen, die Verwendung von „Geotextilien“ und vor allem der sorgsame Umgang mit dem vorhandenen Naturmaterial ermöglichen heute das „Heilen“ von Landschaftswunden auch im Alpinbereich.

Bei der Deponie am Schoberboden wurden diese Strategien in extremer Höhenlage und in einer noch nie dagewesenen Dimension mit höchster Qualität umgesetzt.

So wurde als erste Maßnahme Vegetation und auch Oberboden geborgen, ins Tal verführt und zwischengelagert. Nach Deponierung des Stollenausbruches (insgesamt ca. 260.000 m3!) wurden Bodenschichten und Vegetation wieder angeliefert und fachgerecht auf der Schüttoberfläche aufgebracht. In den Lücken zwischen den Rasenstücken erfolgte das Einbringen von Langzeitdüngern und speziellem Hochlagensaatgut. Das aufgebrachte Kokosgewebe fixiert Oberboden, Rasenstücke, Samen und Dünger. Neben der Keimung des Saatgutes breiten sich auch die Pflanzen aus den Rasenstücken wieder aus, sodass in wenigen Jahren eine völlig natürliche Pflanzendecke entsteht. Eine der Natur angepasste Geländeausformung, das Einbringen von Felsschüttungen und dürren Bäumen optimieren die Gestaltung.

Graben, fressen, schlafen. Das ist der Alltag der fröhlichen Nager. Hier am Schoberboden überließen die Hörnchen die Grabarbeit kurz den Baumaschinen. Eine Murmeltierfamilie musste sogar abgesiedelt und andernorts wieder freigelassen werden. Für die Besiedlung nach den Baggerarbeiten wurden Kunstbaue angelegt, die rasch bezogen wurden. Die für die Seehöhe einzigartigen Renaturierungsmaßnahmen liefern bereits wichtige Nahrung für die Tiere.

Aus der vorhandenen Kräutervielfalt sucht das Murmeltier mit Vorliebe jene mit vielen ungesättigten Fettsäuren (Omega-6) aus. Bevor die Tiere für sieben Monate auf Energiesparmodus schalten, brauchen sie spezielle Nahrungskomponenten. Murmeltiere senken ihre Körpertemperatur während des Winterschlafs auf drei Grad Celsius ab, erwärmen sich alle zwölf Tage, um nicht gänzlich einzufrieren und kühlen anschließend wieder ab. Das geht nur mit genügend Omega-6 in den Zellmembranen und mit einem kräftigen Familienoberhaupt als Taktgeber.

Das haben alle vier Raufußhuhnarten der Alpen gemein (Schnee-, Birk-, Auer- und Haselhuhn): Ihre befiederten Beine und Zehen schützen die Hühnervögel vor Kälte und machen sie so in besonderer Weise fit für die Alpen. Das Schneehuhn bleibt ganzjährig über der Waldgrenze und hat neben den befiederten Füßen noch andere Tricks auf Lager, um in rauen Klimaten zu überleben.

Hornstifte zwischen den Zehen erleichtern das Gehen bei Schnee und ein jährlich drei- bis viermaliges Anpassen des Tarnkleids an die Umgebung schützt vor dem Steinadler aus der Luft sowie vor Fuchs und Steinmarder am Boden. Das Huhn selbst ernährt sich von Beeren, Trieben, Knospen, Blättern und Sämereien. Aufgrund seiner geringen Größe ist es den ganzen Tag über mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt. Es sei denn, es ist lang anhaltender Schneefall angesagt. Da kann es schon vorkommen, dass es die Hühner vorziehen, sich einschneien zu lassen oder in einer schützenden Schneehöhle ein paar Tage auf bessere Zeiten zu warten.

Hier am Weg zum Wasserschloss balzen die Hühner in der Zeit von April bis Juni und ziehen ihre Jungen groß. Dabei genießen sie den vollen Schutz der Europäischen Union und die Ruhe in den Bergen. Daher bitte diese Bereiche von Mai bis Mitte August, dem Ende der Aufzuchtszeit, nicht betreten.