Laufkraftwerk Edling

Das VERBUND-Kraftwerk Edling ist ein Laufkraftwerk an der Drau und in der Gemeinde Völkermarkt in Kärnten gelegen.

Technische Beschreibung 

Das Kraftwerk Edling wurde zwischen 1959 und 1962 unter Mitfinanzierung der KELAG erbaut. Erste Planungsarbeiten für ein Kraftwerk in dieser Lage reichen aber bis ins Jahr 1954 zurück. Zwei Kaplan-Turbinen erzeugen eine durchschnittliche Jahresleistung von etwa 407 GWh. Von 1989 bis 1991 wurde bei Neudenstein ein 18 Hektar großes Flachwasserbiotop geschaffen – 2005 wurde es zum Europa-Schutzreservat erklärt.

Auf einen Blick:

Eigentümer: VERBUND Hydro Power GmbH
Betreiber: VERBUND Hydro Power GmbH                                 
Inbetriebnahme: 1962
Typ:  Laufkraftwerk
Region: Österreich, Kärnten
Gewässer: Drau
Leistung: 87 MW
Jahreserzeugung: 401.924 MWh
Turbinen: Kaplan (2)
Fischwanderhilfen:                      in Planung

Detailinformationen zu Geschichte, Bau und Technik

Im Jahr 1954 fand die Erstellung eines Vorprojekts für ein Kraftwerk bei Edling an der Drau statt - das stellt den Beginn der konkreten Planungen an diesem Standort dar. Nach genauen Prüfungen durch den von der Verbundgesellschaft eingerichteten Projektprüfungsausschuss musste die neu geschaffene Wasserkraft-Planungsgruppe der Österreichischen Draukraftwerke AG (ÖDK) vier verschiedene Varianten für die Lage des Werks untersuchen, worunter sich drei Buchtenkraftwerke und ein Pfeilerkraftwerk in einem Bereich von etwa 700 m befanden. 1959 konnte schließlich die wasserrechtliche Genehmigung und der Baubeschluss für die westlichste Variante erteilt werden.

Die Erschließungsarbeiten begannen im April 1959 mit der Rodung des Bauplatzes und dem Aushub der Baugrube, wobei insgesamt 345.000 m² Bodenmaterial entfernt werden mussten. Das Werk konnte an dieser Stelle in einer einzigen Baugrube am Südufer in Trockenbauweise als Buchtenkraftwerk errichtet werden - die Drau verblieb vorläufig in ihrem nördlich gelegenen alten Flussbett. Der rasche Beginn der Arbeiten lies den Planungsbüros kaum Zeit, die Baupläne für das Werk fertig zu stellen, daher musste der Aushub der Baugrube noch nach den Plänen des Vorentwurfs vorgenommen werden.

Flussabwärts wurde eine Bau-Hilfsbrücke errichtet, um einerseits die Verbindung der beiden Baustellenseiten für die Materialtransporte zu gewährleisten und andererseits für den Zeitraum der Hebung der Völkermarkter Brücke eine Ersatzroute für den Allgemeinverkehr anbieten zu können. Die Stromversorgung wurde während des Baus mittels einer 20 kV-Leitung vom Kraftwerk Schwabeck sichergestellt.

Die Arbeiten am Rückstauraum, der durch groß angelegte Dämme und Pumpwerke zur Trockenhaltung von Poldern ausgebaut werden musste, begannen im Juli 1960. Die Planungen im Vorprojekt sahen noch einen über sechs Kilometer langen Uferdamm am Nordufer zwischen Völkermarkt und Rakollach vor. Aus Kostengründen reduzierte man diesen auf einen drei Kilometer langen Damm mit einem Pumpwerk bei Rakollach. Das Südufer musste durch Dämme beim Polder Seidendorf und St. Lorenzen-St. Marxen geschützt werden. Diese Stauraum-Maßnahmen waren bei keinem Draukraftwerk so aufwändig wie hier: rund 20 % der Gesamtbaukosten ohne Grunderwerb flossen allein in diese Arbeiten.

Bis zum Sommer 1961 wurden am Krafthaus Betonierarbeiten vorgenommen, an der Wehranlage dauerten sie bis zum April 1962 an. Diese Arbeiten benötigten insgesamt 168.000 m² Beton, wovon rund 80% als Flual-Pumpbeton eingebracht wurden. Die dafür notwendigen Zuschlagstoffe stammen von einem eigens angelegten Baggerfeld am rechten Drau-Ufer.

Mit der Inbetriebnahme der ersten Turbine am 30. März 1962 konnte auch die Leitung nach Obersielach erstmals durchgeschaltet und so Strom ins Verbundnetz eingespeist werden. Der zweite Maschinensatz ging nach dem Probebetrieb im Juni desselben Jahres ans Netz.

Das Schwell-Laufkraftwerk Edling war das erste Laufkraftwerk der ÖDK, das als reines Nachkriegsprojekt vorgenommen wurde. Für das Vorhaben wurden etwa 41.000 t Zement und 3.600 t Baueisen verwendet und die Rohfallhöhe von 21 m stellte damals einen Rekord dar. Edling war auch der Abschluss des Ausbau-Abschnitts "Untere Drau".

In den Jahren 1989 bis 1991 wurde bei Neudenstein ein 18 Hektar großes Flachwasserbiotop geschaffen, welches später unter Naturschutz gestellt und 2005 zu einem Europa-Schutzreservat erklärt wurde.
 
Architektur: Rudolf Nitsch. Bauplanung: Planungsstab der Österreichischen Draukraftwerke AG (u.a. Rudolf Mussnig). Statik: Kurt Baustädter, Hans Ebenwalder. Wasserkraftprojektierung: Büro SSW, Linz. Strömungstechnische Beratung: Prof. Anton Grzywienski, TH Wien.
Ausführung: ARGE (Ast; Mayreder, Keil, List & Co.; Porr; Stuag; Isola; Kunz)
 
Das Schwell-Laufkraftwerk Edling befinden sich an der Drau in Südkärnten zwischen den Ortschaften Dullach und Edling. Über eine Abzweigung von der Landesstraße Völkermarkt - Mittlern nördlich der Anlage gelangt man an der Freiluft-Schaltanlage vorbei zum unterwasserseitigen Vorplatz vor dem Krafthaus.

Krafthaus und Wehranlage sperren die Drau am Beginn einer Talverengung ab und bilden auf diese Weise den Völkermarkter Stausee - mit 10,5 km² der drittgrößte See Kärntens und der größte Rückstauraum der Drau. Auf dem Niveau der Oberwasserbrücke wird das gesamte Werk von der Landesstraße Völkermarkt - Mittlern überquert, die aus Kostengründen in den Bau integriert wurde und deren Unterkonstruktion auch den oberen Abschluss der Unterwasser-Fassade bildet. Überragt wird die Anlage von einem Portalkran, der seine Standposition über der Montageöffnung im Bereich des Eingangs des Krafthauses hat.

Die Unterwasser-Fassade des Krafthauses wird durch zwei Felder mit lamellenartig angeordneten Stahlbetonstützen stark vertikal gegliedert, die Zwischenräume sind durch vertikale, etwas zurück versetzte Fensterbänder geschlossen. Die Seitenflächen und der Zwischenteil zwischen den beiden Feldern sind als Massivwände mit grau-grüner Natursteinverkleidung ausgeführt. Den nördlichen Abschluss des Vorplatzes, zur Böschung hin, bildet eine leicht geneigte Stahlbetonwand.

Betritt man das Werk durch das Einfahrtstor, so gelangt man über einen kleinen Zwischenraum direkt in die Maschinenhalle. Die Wände des mit 60,78/17,62 m großzügig dimensionierten Raums sind crème-farben gestrichen und werden durch vorspringende, grau gestrichene Sichtbetonpfeiler, die die beiden Kranbahnen tragen, rhythmisiert. Die Decke aus Stahlbetonpfetten mit aufgesetzten dünnen Platten, die eine Raumhöhe von 13 m zulässt, wird von in der Mitte erhöhten Stahlbetonbindern getragen, die quer über die Halle gespannt sind. Farblich sind Pfetten und Binder in Crème gehalten, die Pfettenzwischenräume weisen einen leichtem Grau-Grün-Farbton auf und gliedern sich so in das übergeordnete Farbkonzept ein.

Das Besondere an diesem Krafthaus ist, dass sich hier die Nebenräume nicht - wie üblich - an der Oberwasser-Seite, sondern an der Unterwasser-Seite befinden. Die Erschließung der Räume im Erdgeschoß erfolgt von der Maschinenhalle aus, die der beiden Obergeschoße über ein frei im Raum stehendes, vierläufiges Treppenhaus über quadratischem Grundriss im südlichen Bereich des Gebäudes. Die Räume der Obergeschoße sind über anschließende Laubengänge mit Belichtung von der Unterwasser-Seite aus erreichbar. Im ersten Stock wurden ein Gleichrichterraum und ein 400 V-Schaltraum untergebracht, im zweiten ein Magazin-, ein Fernmelde- sowie ein Archivraum. Am nördlichen Ende des Bauwerks befindet sich ein eigener Bereich mit einem Büro im ersten und einem Umkleideraum im zweiten Geschoß. Dieser Bauteil wird über ein eigenes zweiläufiges Stiegenhaus mit Podest erschlossen und ist mit dem Südbereich nur über eine Brücke im zweiten Obergeschoß verbunden.

Die dreifeldrige Wehranlage am Südende der Anlage ist mit geschraubten Stahlsegmentschützen mit Klappe ausgestattet. Die Hebung erfolgt über beidseitige Laschenketten, die Antriebe dazu befinden sich in vier Windenhäusern auf den Wehrpfeilern.

Der Aufstau der Drau in diesem Bereich machte die größten Stauraum-Baumassnahmen an der gesamten Drau notwendig. Einmündende Bäche wurden bis auf einen umgeleitet, jedoch machte die Trockenhaltung der Polder vier Pumpwerke notwendig: eines in Seidendorf, eines in Rakollach und zwei bei St. Lorenzen-St. Marxen. Diese annähernd baugleichen Stahlbetonbauten weisen einen längsrechteckigen Grundriss mit den in einer Reihe angeordneten Propellerpumpen, Satteldächer mit Welleternitdeckung und Fenster mit Glasbausteinen auf. Die Fenster waren ursprünglich größer und mit Steggläsern geschlossen, wurden später jedoch verkleinert.

Nördlich des Kraftwerks befindet sich eine Werkskolonie auf einer Anhöhe in Hanglage. Sie wurde 1960 von Architekt Adolf Bucher aus Klagenfurt errichtet und setzt sich aus fünf Mehrfamilienhäusern, einem Ledigenheim und einer Garage zusammen. Die Bauten sind mittlerweile in Privatbesitz und wurden seit ihrer Errichtung stark verändert. 
Das Krafthaus, ein massiver Stahlbetonbau, wurde ohne Bewegungstrennfuge errichtet, sodass Krafthaus, Trennpfeiler und Wehr einen monolithischen Block bilden. Die Oberflächen sind sowohl im Außen- als auch im Innenbereich teilweise verputzt, teilweise als gestrichener Sichtbeton ausgeführt. An der Unterwasser-Fassade wurden drei Flächen mit grau-grünen norwegischen Quarzit-Platten verkleidet. 

Für die großflächigen Verglasungen der Unterwasser-Fassade und die Außentüren wurden Stahlrahmen mit Drahtglasfüllungen gewählt.

Als Bodenbeläge fanden in der Maschinenhalle quadratische Kalksteinplatten Verwendung, in der darunter liegenden Reglerebene quadratische Klinkerfliesen. In den elektrischen Betriebsräumen ermöglichen Doppelböden mit Holzplatten und Kunststoffbelag eine optimale Zugänglichkeit zu den darunterliegenden Kabelführungen.

Im Laubengang des ersten Obergeschoßes sind Kunststoffplatten, im zweiten Terrazzoplatten verlegt. Die Treppenhäuser weisen ebenfalls Terrazzo-Platten als Stufenbeläge auf, die schwarz lackierten Stahlgeländer sind aus Vierkantprofilen gefertigt.

Die Muldenform des Tosbeckens der Wehranlage wurde nach umfangreichen Modellversuchen der Technischen Hochschule Wien und des Wasserbaulabors der Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) in Gustavsburg aus strömungstechnischen Gründen mit Störkörpern versehen. Die gesamte Wehrsohle sowie die Seitenflächen der Pfeiler erhielten eine Schutzverkleidung aus oberösterreichischem Granit gegen Sandschliff.
 
Turbinen und Generatoren:
Zwei Kaplan-Turbinen von Andritz/Escher Wyss mit sechs Laufradflügeln und einem Durchmesser von 5,6 m weisen ein Leistung von 36.000 kW auf. Das Gewicht eines zusammengebauten Laufrads besitzt etwa 90 t. Die zwei gekuppelten 45 MVA-Drehstrom-Synchrongeneratoren von der Siemens-Schuckertwerke GmbH. (SSW) Wien besitzen eine Maximalleistung von 87.000 kW und werden über einen Wärmetauscher luft-wassergekühlt.

Transformatoren:
Die Verbindung zwischen dem Kraftwerk und der Freiluft-Schaltanlage stellen zwei 45-MVA-Hauptumspanner der Österreichischen Brown Boveri-Werke AG aus Wien her. Sie spannen die erzeugte Energie von 10 kV auf 220 kV um, welche danach zum Umspannwerk Obersielach abgeleitet wird. Zusätzlich besitzt das Werk zwei 630 kVA-Eigenbedarfs-Transformatoren und einen 3 MVA-Regeltransformator für die Energieversorgung der Pumpstationen.

Wehranlage:
Drei Wehrfelder mit jeweils 15,04 m lichter Weite sind als geschweißte Drucksegmentschützen und Aufsatzklappen ausgeführt, die zusammen eine Verschlusshöhe von 17 m aufweisen. Die Steuerung erfolgt über Hubketten, der Antrieb über Windwerke in den benachbarten Wehrpfeilern. Alle stahl-wasserbaulichen Einrichtungen des Werks wie die Wehranlage, die Notverschlüsse und die Turbineneinlaufrechen sind Erzeugnisse der VÖEST Alpine AG in Linz.

Hubwerke:
Waagner-Biró aus Wien lieferte einen Dammtafelkran, der auf einer Länge von 155 m das gesamte Krafthaus und die Wehranlage bestreicht. Er verfügt über ein Hubwerk mit 2x27 t Traglast sowie ein Ausleger-Hubwerk mit 5 t, welches für die Montage des 0,8 m³ Polypgreifers vorgesehen ist. Die Maschinenhalle wird von zwei Brückenkränen in Stahl-Kastenbauweise von Andritz bestrichen. Jede Seite liegt mit vier Brückenlaufrädern auf den seitlichen Kranbahnen auf. Beide Kräne besitzen einen 90 t-Haupthub, Kran I zusätzlich einen 5 t-Elektrozug, Kran II ein Hilfshubwerk mit 20 t Traglast.

Rechenreinigung:
Die von J. M. Voith gelieferten Rechenreinigungsmaschine hat eine Arbeitsfläche von 39/22 m zu bestreichen. Ein 3,2 t schwerer Wagen kann mit einer Putzbreite von 3,3 m insgesamt 5,5 t Gewicht heben. Das Schwemmgut wird über ein Kettenförderband in den dahinter liegenden Spülkanal befördert und von dort in das erste Wehrfeld gespült.

Pumpwerke:
Vier Pumpwerke mit insgesamt elf achsialen Gestängepumpen mit vertikalen Wellen und direkt aufgesetzten Antriebsmotoren steuern die Wasserhaltung in den Polderbereichen. Im Werk Seidendorf wurden zwei Pumpen mit 37 kW Leistung und 0,55 m³/sec. Fördermenge installiert, in Rakollach vier Pumpen mit 768 kW Leistung und 6,0 m³/sec. Fördermenge, in St. Lorenzen drei Pumpen mit einer Leistung von 225 kW und einer Fördermenge von 1,8 m³/sec. sowie in St. Marxen zwei Pumpen mit 56 kW Leistung und einer Förderhöhe von 0,4 m³/sec. Die Steuerung der Werke erfolgt automatisch über einfache Schwimmerschalter, wobei das Ein- und Ausschalten über ein Fernübertragungssystem am die Kraftwerkswarte gemeldet wird. Die Stromversorgung erfolgt über eine 20 kV-Leitung, die die in jedem Pumpwerk vorhandenen zwei Transformatoren anspeist.. 
 

Querschnitte des Kraftwerks:

VERBUND-Kraftwerk Edling Querschnitt Krafthaus
Querschnitt: Kraftwerk Edling
VERBUND-Kraftwerk Edling Wehrfeld Querschnitt
Querschnitt des Wehrfeldes im Kraftwerk Edling